Hätte, wenn und aber

Ein schöner Spätsommerabend, wie gemacht für ein Fußballspiel. Und das Kommen gestern Abend hatte sich für alle Zuschauer gelohnt: Für die zahlreichen Osnabrücker Fans aus dem ziemlich einfachen Grund, dass Spiel erwartungsgemäß gewonnen zu haben. Für die Eintracht Anhänger und neutralen Besucher aus dem Grunde, eine aufopferungsvoll kämpfende und bisweilen spielerisch überzeugende Eintracht Mannschaft zu sehen. Die kalte Dusche gab es direkt in der ersten Minute mit der Osnabrücker Führung. In der Folgezeit berannten die Nordhorner wie aufgedreht das Osnabrücker Tor und hatten ihrerseits das Glück, einige Osnabrücker Chancen unbeschadet zu überstehen. Zumal die Eintracht einmal mehr die Stellungsfehler und Langsamkeit ihrer Nummer 10 zu kompensieren hatte. Zur Halbzeit dann raus mit Applaus. In der zweiten Halbzeit drängte sich dann der Unterschied zwischen Profi- und Amateurfußball geradezu auf: Der VfL kontrollierte nun nach Belieben das Spiel, während die Weinroten dem Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollten. Zehn Minuten vor Schluss dann der Doppelschlag und der berühmte Drops war gelutscht. Ja und dann hätte der Pokal fast noch seine eigenen Gesetze walten lassen: Ebenfalls ein Doppelschlag der Eintracht rund um die neunzigste Minute und es stand nur noch 2:3. Den Ball ruck zuck an den Mittelkreis, dieser (also der Ball) kommt irgendwie in die Hände von Torwart Lange, ein weiter Abschlag und dann das fassungslose: Eintracht Stürmer Kaplan fällt der Ball freistehend vor dem Osnabrücker Keeper vor die Füße und es entsteht dieser Bruchteil einer Sekunde, der im Fußball über Wohl und Wehe entscheidet. Wie im Zeitraffer erstarrt auf einmal alles rund um einen herum, Leute krallen sich an ihren Nebenmann (allein das schon eine Seltenheit beim SV Eintracht, in Anbetracht des sonstigen Besuches), weiten die Augen und öffnen den Mund in Vorbereitung eines Torjubels, der sensationeller nicht hätte sein können und vom Zeitfaktor sogar selbigen in Nou Camp getoppt hätte. Logischerweise konnte Nail Kaplan keinen Arbeitskreis mehr einberufen um zu entscheiden, wie nun weiter mit dem Ball am Fuße zu verfahren sei. Und so landete der Ball direkt in den Armen des Osnabrücker Keepers, zu überraschend wohl die Chance, zu halbherzig der Versuch, den Ball in das lange Eck zu schlenzen. Abpfiff und die Eintracht Spieler sanken enttäuscht zu Boden. Trotzdem honorierten die Zuschauer diesen Einsatz mit langem Beifall. Ein solch engagierter Auftritt einer Heimmannschaft endlich mal an der Hafenstrasse zu Essen, und die Spieler würden trotz einer Niederlage auf den Händen in die Kabinen getragen. Das einzige Manko an diesem Abend möchte ich aber auch nicht verschweigen: Warum ein Trainer bei einem 0:3 Rückstand nicht wechselt, sondern die Ersatzspieler hinter dem Tor müde laufen lässt, verstehe ich nicht und halte es aus psychologischer Sicht auch nicht für motivationsfördernd.

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