Monatsarchive: August 2009

“ISDT” fragt nach…

…und zwar zur Premiere bei Oliver Perrey, einem der Verantwortlichen des RWE (online) Fanzines jawattdenn. Vor 5 Jahren gegründet, hat sich jawattdenn recht schnell etabliert und bietet dem Fan ein informatives Rundumpaket auf hohem Niveau. Wie es nun hinter den Kulissen aussieht verrät uns Oliver Perrey im anschließenden Interview, für das ich mich recht herzlich bedanke.

Oliver, für die meisten RWE Fans ist „jawattdenn“ mittlerweile die erste Anlaufstelle für fast alles rund um den Verein. Wie seid Ihr „aufgestellt“ (Köpfe, Redakteure, Fotografen), um dem Anspruch der Leser gerecht zu werden, und könnt Ihr dabei selber auf berufliche Erfahrungen zurückgreifen?

Nach einer internen Umstrukturierung sind wir seit etwa drei Jahren ähnlich eines Vereins aufgestellt. Heißt, wir haben einen Präsidenten, Vorstand, Mitglieder und eine Satzung. Im Grunde haben aber alle „Jawattdenns“ die gleichen Rechte und Pflichten und bei Unstimmigkeiten herrscht das Mehrheitsprinzip. Zur Zeit haben wir vier Fotografen, acht Redakteure, die regelmäßig schreiben und zwei Grafiker, sowie noch zwei/drei Schreiberlinge, die ab und an etwas zur Seite beisteuern. Leute mit journalistischen Hintergrund haben wir zwei, die anderen studieren oder arbeiten eher „branchenfremd“. Für Verstärkungen in der kommenden Saison in allen Bereichen, aber besonders Auswärtsfotografen und Grafiker wären wir sehr dankbar. Interessenten können sich bei uns melden.

Der RWE ist in den letzten Jahren konsequent abgestiegen, sowohl sportlich als auch in seiner Außendarstellung. Ihr berichtet trotzdem stets mit der gleichen Qualität weiter. Gab es speziell in den letzten 3 Jahren, analog zur Leistung der Mannschaft, Auflösungsgedanken?

Direkte Auflösungsgedanken gab es keine, allerdings hat die Motivation – besonders gegen Ende der letzten Saisons – bei einigen doch deutlich nachgelassen. Wenn du auswärts fährst, dir auf dem Platz als Fotograf den Arsch nass regnen lässt und anschließend noch mit einer Niederlage zwei Stunden nach Hause fährst um die 500 Bilder zu bearbeiten, fragst du dich manchmal, ob es das wert ist. Auch für die Schreiberlinge macht es natürlich mehr Spaß, positiv vom Spiel zu berichten. Nun ist die letzte Grottensaison endlich vorbei und wir hoffen alle auf Besserung und den Aufstieg. Parallel zum Regionalliga-Spielgeschehen arbeiten wir noch an weiteren Projekten, die wir auf unserer Seite veröffentlichen wollen.

Akkreditierung, Vorbericht, Spielbesuch, Spielbericht; Sichtung, Auswahl und Bearbeitung des Fotomaterials und das alles noch möglichst zeitnah….Wie plant und führt Ihr einen Spieltag durch? Spontan, oder greifen schon Automatismen ?

Das „Tagesgeschäft“ rund um den Spieltag läuft schon fast automatisch. Die Schreiber der Vor- und Spielberichte stehen fest, die Fotoleute teilen sich auf. Nach Spielende sichten meist ein bis zwei Leute die Fotos, bearbeiten sie und stellen diese online. Da pro Spieltag bis zu 800 Fotos zu sichten sind, kann es mit der Veröffentlichung schon einmal ein paar Stunden dauern. In unserem internen Forum wird noch einmal über die Eindrücke des Spiels diskutiert und die Benotungen der Einzelspieler abgegeben. Daraus ermitteln wir dann die Durchschnittsnote. Jeder Jawattdenn nennt auch seinen Favoriten für den Spieler des Spiels, der per Mehrheitsentscheid zum Spielbericht veröffentlicht wird.

Ihr habt einen ziemlichen Spagat zu leisten: Vereinsliebe vs Mannschaftsleistung, Nord vs Ost, Fan sein vs Berichterstattung etc. Wechselt Ihr Euch bei den Spielen ab, um auch mal zwischendurch einfach nur Fan sein zu dürfen, oder besteht eine feste Aufgabenverteilung, die über eine Saison konsequent eingehalten wird ?

Das Fan sein kommt schon nicht zu kurz. Die Redakteure wählen am Saisonbeginn welchen Vor- und/oder Spielbericht sie schreiben möchten. So hat jeder Redakteur im Laufe der Saison genug Zeit, um auch mal Spiele zu genießen (falls es denn aufgrund der Spielweise denn möglich ist. 😉 ) Während der Saison erstellen wir wöchentlich einen Veröffentlichungsplan, damit jeder weiß, was er zu tun hat.

Wie ist das Verhältnis zum Verein und auch anderen Medien, zum Beispiel der Revier Sport. Gibt es Berührungspunkte, eventuell gar Auflagen bezüglich der Berichterstattung oder des Fotomaterials?

Zum Verein besteht ein außerordentlich gutes Verhältnis. Interviewwünsche mit Spielern oder Offiziellen werden vom Verein zeitnah ermöglicht und es besteht auch so ein reger Kontakt. Wir werden uns aber natürlich weiter kritisch über den Verein äußern, wenn es angebracht ist. Auch zum Reviersport bestehen Verbindungen, so wurde ein Teil unseres Interviews mit Willi Lippens in der RS-Jubiläumsausgabe zum 100-jährigen Bestehen veröffentlicht und auf reviersport.de waren in der letzten Saison einige Bilderstrecken mit Fotos von Auswärtsspielen von uns.Für die Regionalliga gibt es keine Auflagen bezüglich der Berichterstattung, oder besser, uns sind keine bekannt. In der letzten Zweitligasaison gab es die dank Premiere und Arena. Aber davon sind wir ja momentan noch weit entfernt.

Ihr seid sehr nah dran, sowohl am Verein aber gerade auch an den Fans: Was sollte (außer sportlichem Erfolg) passieren, damit Mannschaft und Fans wieder eine Einheit werden?Stichwort Stadion: Gesetz dem Falle, es wird wirklich dazu kommen: Was habt Ihr in diese Richtung geplant, wird es ein Bautagebuch oder dergleichen geben?

Das Thema Zusammenhalt und Stimmung wird ja in den diversen Foren wie Kaugummi diskutiert. Spielt die Mannschaft gut und hat Erfolg, klappt es auch wieder mit der Stimmung im Stadion – meine Meinung. Falls das neue Stadion gebaut wird, wollen wir den Baufortschritt natürlich begleiten. In welcher Form dies möglich ist, klären wir noch ab.

Ihr habt in der Berichterstattung Maßstäbe gesetzt, was die Qualität der Berichte, der Fotos und der Homepage betrifft. Guckt Ihr über den Tellerrand, respektive bei ähnlichen Projekten? Spontan fällt mir da die Union Fotopage http://www.unveu.de/ ein.

Natürlich, unveu.de, schwatzgelb.de, und noch ein paar andere sind schon klasse Seiten, von denen man sich auch Anregungen holen kann.

Und zum Schluss der Klassiker: Welchen Tabellenplatz belegt der RWE am Ende der Saison?

Unter den ersten vier.

Kick & Rush

folgendes kleine Video der Uralt Ultras zeugt ein wenig von der gestrigen “Spielkultur”. Aber auch ein klein wenig davon, was das Gefühl Hafenstrasse ausmacht.

Bonjour Tristesse

Spiel 3 in einer Saison, in der alles anders werden sollte. Auf dem Feld, respektive bei der Mannschaft scheint das aber noch nicht angekommen zu sein: Der RWE agiert weiter als Wohlfahrtsverband auf Stollen: Steckt Deine Mannschaft in einer Krise, dann warte auf das Spiel gegen den RWE, der hilft Dir. Oder ist mal wieder dringend ein Heimsieg von Nöten? Kein Problem, der RWE ist ein höflicher Gast und lässt die Punkte gerne da. Soweit die grobe Umschreibung eines unerfreulichen “weiter Ist Zustandes”. Was aber wirklich erschreckt hat ist die Tatsache, dass die Mannschaft sich zwar bemüht zeigt, aber scheinbar nicht über die fußballerischen Mittel verfügt, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen. Vielleicht muss aber auch jetzt schon die Philosophie der Trainer hinterfragt werden, welches System hier überhaupt trainiert und umgesetzt werden soll. Einmal in Ballbesitz wurde dieser vor allem in der ersten Hälfte bisweilen unkontrolliert nach vorne gedroschen in der Hoffnung, dass die Stürmer irgendwie dran kommen. Das klappte sogar ab und an, dann aber verstolperten Mölders und Co, oder der Saarbrücker Torwart machte seinem Namen alle Ehre. Völlig neben der Spur schien am gestrigen Nachmittag Markus Neumayr, ob das auch an den blauen Schuhen….aber nein, natürlich nicht und auch Sascha Mölders verbittet sich ja recht dünnhäutig die Kritik an seiner Schuhfarbe. Die zweite Halbzeit brachte dann Tore, ein etwas besseres Spiel und schlussendlich einen für mich verdienten Saarbrücker Sieg. Da war dann doch mehr der Wille zum Sieg erkennbar, und wurde recht engagiert um das Spielgerät gekämpft. Vielleicht auch beflügelt ob der Tatsache, lautstark vom eigenen Anhang unterstützt zu werden. Die Saarbrücker Fans durften sich übrigens außerhalb des Stadions vorkommen wie weiland jener Siedler um 1876 in Arizona, der sich hinter einer Wagenburg verschanzen musste. Ein martialisches Bild bot sich dem Betrachter. Auf dem Weg zu meinem üblichen Parkplatz mussten wir vorbei an Reiterstaffeln, Wagenburgen und anderen Staatsmächten. Ich freue mich immer über ein relatives Gefühl der Sicherheit, aber hier fand ich den Aufwand doch ein “wenig” übertrieben. Mir fehlten ein wenig die Worte um Lene und Jule dieses Szenario zu erklären. Einmal abgesehen davon hätte ich mir für den Besuch ihres ersten Spiels an der Hafenstrasse natürlich 3 Punkte gewünscht. Mindestens aber ein gutes Spiel. Vielleicht hätten wir einfach doch länger auf dem Spielplatz in der Gruga bleiben und das Eintrittsgeld dem Kinderhaus spenden sollen. Ach ja, wann ist das nächste Spiel………..?

Polaroid

Der Fußball hat uns so schnell wieder in seinen Bann gezogen, da blieben sogar die Urlaubsbilder weitestgehend unbeachtet auf der Festplatte liegen. Diese drückende Hitze heute aber, die war Grund genug, sich an das klare Klima und der frischen Luft der Insel zu erinnern.

Tradition von unten

Was können wir uns schon beklagen, es gibt sogar Traditionsvereine, die haben eine noch größere Talfahrt hinter sich. Wobei, “hinter sich” ist gut, der 1.FC Saarbrücken steckt ebenso wie der RWE weiterhin mitten im Tal der Viertligatränen. Und trotzdem konnte der 1.FCS und kommender Gegner an der Hafenstrasse die letzte Saison erfolgreich gestalten: Die Saarländer, obwohl 1993 noch Bundesligist, wurden in der letzten Saison Meister der Oberliga Südwest und waren somit sogar für eine Saison fünftklassig. Das aber lag nicht zuletzt an den strukturellen Veränderungen seitens des DFB. Wie es im hier und jetzt um den 1. FC Saarbrücken bestellt ist, verrät uns die Saisoneinschätzung des FCS Blogs, für die ich mich recht herzlich bedanke:

“Die West ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Eigentlich ja doch, nur mit dem Unterschied, dass die ehemaligen Dorfvereine nach und nach aufgestiegen sind, während der Rest sich immer noch Regionalligist schimpfen darf und das ist nun wirklich nicht mehr das, was es einmal war. Im Falle des FCS darf man sich „wieder“ Regionalligist schimpfen, was gleichermaßen Auszeichnung wie Mahnmal ist. Eine Liga mit Waldhof Mannheim, RW Essen, Preußen Münster und Eintracht Trier verspricht die Wiederkehr der Partien, nach denen man sich zwei Jahre die Finger geleckt hat, allerdings spricht dies auch nicht gerade für die anderen Traditionsvereine. Der Rest der Mannschaften besitzt im Vergleich zum Vorjahr kaum größere Attraktivität als Waldalgesheim oder Wirges, enden zu viele von ihnen nämlich mit den Kürzeln „II“ oder „U23“.

Schwierig wird es dann, wenn man die Liga, die man gerade erst erreicht hat, schon gleich wieder auf einem anderen Wege als dem rückwärtigen verlassen will. Wenn man eine Halbzeit in einem Testspiel gegen Schalke 04 ein 0:0 gehalten hat, reicht dies allerdings schon aus, um den Schalter im FCS-Hirn umzulegen, bei dem man aus dem Munde nur noch „Aufstieg, Aufstieg!“ schnattert. Tatsächlich gab es allerdings auch Spiele in der Vorbereitung, in denen man gegen Sechstligisten nicht über ein Unentschieden hinaus kam. Vielleicht hätte man sich daran orientieren sollen, dass gegen Schalke doch noch mit 0:2 verloren wurde und die anderen Mannschaften auch nicht so schlecht sein können, wenn Trier im eigenen Stadion Hannover abfertigt.

Die Saarbrücker Mannschaft ist mit jungen und erfahrenen Spielern besetzt, die teilweise nach kurzer Abstinenz von Trainerlegende Dieter Ferner wieder zum FCS zurückgeholt wurden. Manche von ihnen lösten sich dann auch von ihrem Image als „Rotes Tuch“, was wie so viele Kleinigkeiten die Saarbrücker Wankelmütigkeit bestens umschreibt. So bleibt auch abzuwarten, ob diese Geschlossenheit lange überdauert, da man gerade zum Auftakt hin mit einem mehr als anspruchsvollen Programm (Elversberg A, Trier H, Essen A, Münster H) bedacht wurde. Im schlimmsten Falle heißt das totales Chaos nach den ersten vier Spieltagen, im zweitschlimmsten Falle Überheblichkeit und Durchmarschgedanken, gekrönt von der Forderung an die Politik nach einem neuen Stadion. Geschützt ist das altehrwürdige Ludwigsparkstadion vorerst durch die Tatsache, dass sich das Saarland im Wahljahr befindet und nur bis zum 30. August jede Partei (außer den Grünen) jedem FCS-Fan ein neues Stadion versprechen würde. Eine Stahlrohrkonstruktion wie in Wiesbaden möchte in Saarbrücken kein Mensch”.

…….weitere Geschichten und sicherlich auch Erlebnisse von den beiden Spielen gegen den RWE bietet auch “Der Leuchtturm”

The Red Side of Life

Die Gelsenkirchener haben ihren Zuschauerrekord für die 4. Liga und können sich darauf einen Pin in den Kopp freuen. Ich persönlich würde diesen Rekord nicht bewerten, da er mittels Freikarten für alle Besucher des Bundesligaspieles am Tage zuvor erzielt wurde.Dumm nur, dass sich nach Abpfiff auch der königsblaue Nachwuchs freuen konnte,wurde doch der RWE mit 1:0 bezwungen. 30 Minuten später als geplant angepfiffen, hätte ich es vielleicht doch noch rechtzeitig schaffen können. Letztendlich blieben Radio Hafenstrasse und die Liveticker das Mittel der Wahl. Daraus jeweils ein kleines Blitzlicht auf das Spiel:

Revier Sport Liveticker: 33. Spielminute: Wir müssen mit dem Spruch kommen: So ist Fußball. RWE hat alles im Griff und versemmelt die besten Chancen, aber Schalke geht in Führung. Erst hatten sie eine große Doppelchance, aber Himmelmann und das Außennetz retteten. Dann der Fehlpass von Holsing und Erwig sagt Danke und trifft mit dem Tunnel zum überraschenden 1:0 für Schalke.

Radio Hafenstrasse:“Da kann man davon ausgehen, datt datt mehr oder weniger weh getan hat”; “Der muss gucken, ob der blutet, nä..”;“Hasse Rheuma oder watt………”

Der überraschende Rückstand hatte dann wohl fatale Folgen auf das Selbstvertrauen der Essener. Selbstredend wirkt sich das auch wieder stark auf die Gemüter der fast komplett in Rot erschienenen RWE Fans aus, nachzulesen heute im Forum. Somit wurde eine große Chance verspielt, sich mit zwei Siegen an die Tabellenspitze zu setzen, und Siege in der Nachbarstadt wirken besonders gut. Aber seien wir ehrlich: Derby ist nur gegen die Erstvertretung und es werden noch mehr Spiele verloren. Nun gilt es die Ruhe zu bewahren und ich warte gespannt auf den Kommentar zum Spiel von Thomas Strunz.

Mountain Of Thunder

Stilecht bei Dosenbier und “July Morning” von Uriah Heep gilt es die Begeisterung über ein Buch niederzuschreiben, welches mich in den letzten 3 Tagen mit auf einen Trip, beginnend in den 80zigern und der eigene Jugend, genommen hat: “So viel Zeit” von Frank Goosen heißt das Werk und belegt, dass Frank Goosen nicht nur Fußball kann. 
Es geht für die nunmehr über 40jährigen Hauptprotagonisten um Musik, um Beziehungen, um die Frage nach dem “und was kommt jetzt”. Es handelt von Freundschaften,beruflichen und tragischen Erlebnissen und unverhofften Wendungen. In allen Punkten könnte ich theoretisch mithalten, von der Musik einmal abgesehen und natürlich nicht so herzerfrischend als Grundlage für einen Roman taugend. 
Es ist aber nicht nur der Inhalt, der mich so gefesselt hat: Es ist die Art, wie Frank Goosen den Leser mitnimmt. Ich habe dieses Buch nicht nur gelesen, ich bin darin versunken! Kenne jedes der Lieder, kenne die damaligen “Dresscodes” und heutigen Gedanken nahe der Midlife Crisis.
Fühle mich an wilde Zeiten im Jugendzentrum Nordhorn mit Roth Händle ohne Filter und Dortmunder Export 0,5 Liter zurückversetzt und auch daran, was mir vielleicht fehlt. “So viel Zeit” ist für mich genaugenommen der legitime Nachfolger der bislang unerreichten TV Serie “Um die 30” (Leider immer noch nicht auf DVD erschienen). 
Und sollte dieses Buch je verfilmt werden, würde ich auf Darsteller dieser Serie zurückgreifen. Bücher die einen so begeistern, sind eigentlich tragisch: Man möchte wissen, wie es endet und liest schneller in der Gewissheit, das bald aufhört was doch so schön ist.

Kein Land in Sicht

Die Mannschaft des SV Eintracht Nordhorn hat nicht nur den Auftakt der Oberliga Niedersachsen/West gegen den VfL Bückeburg mit 2:1 siegreich gestaltet, sondern auch das gestrige Pokalspiel gegen den ehemaligen Zweitligisten aus dem Emsland mit dem gleichen Ergebnis gewonnen. Ein tragischer Zusammenprall zweier Gästespieler sorgte für eine zwanzigminütige Spielunterbrechung, drei Rettungswagen auf dem Feld und aufmunternden Beifall aller Zuschauer. An dieser Stelle alles Gute den beiden Spielern. Sonst aber hat die Eintracht heutiger Tage nicht mehr viel mit ihrem Namen gemein: Die Brust der Spieler bleibt blank, eine Jahreshauptversammlung in weiter Ferne und kein potentieller Vorsitzender weit und breit in Sicht. Der Vorgänger, der wohl keinen Nachfolger erfährt, ist auch wieder am Platz und bietet lautstark seinen ausgeprägten “Fußballsachverstand” feil. Ich bin einmal gespannt, wie lange sich die Stadt Nordhorn das Drama um das einstige Flaggschiff der Stadt tatenlos anschaut. Hier hilft nur noch eines: Notvorstand, alle Zahlen schonungslos offen legen und dann ganz von vorne anfangen. Auch wenn es ganz unten ist.

Von wunderbarer Melancholie

Dieses Spiel und das historische “Vorspiel” in Worte zu fassen fällt mir schwer. Es war wunderbar und melancholisch zugleich. Wie schnell kann die Spezies Fußballfan doch eine gnadenlos verkorkste Saison auf und neben dem Feld vergessen. Da können Vermarkter und private Fernsehanstalten noch so versuchen, den Fußball in der Sommerpause irgendwo zwischen Hüttengaudi und Ballermann zu platzieren, den wahren Fan juckt das nicht. Hier wird die fußballlose Zeit als Keimzelle genutzt, aus der wohlbehütet Hoffnungen und Wünsche für die kommende Saison heranwachsen. Ein langgehegter Wunsch, zwischendurch eher eine Burleske, ging zwei Stunden vor Anpfiff in Erfüllung: Der offizielle Anstoß für den Neubau wurde durchgeführt. Ich fand es sehr erfrischend, dass im Gegensatz zu sonstigen, ähnlich gelagerten Anlässen, nicht nur in Superlativen geschwelgt wurde: So ging Essens Oberbürgermeister sehr dezidiert auf das “warum” in Anbetracht der Haushaltslage ein und ließ auch die schlechten Leistungen auf dem Feld nicht unerwähnt. Der Wunsch nach einem neuen Stadion wird Wirklichkeit und macht nun für einen längeren Zeitraum Platz für verklärende Erinnerungen an das Georg Melches Stadion. Es tut weh, dass Peter diese Momente nicht mehr im hier und jetzt erleben darf, aber wir waren uns sicher: irgendwo nimmt er an dieser “Party” teil und redet gerade jemanden vor lauter Vorfreude schwindelig. Nun aber zu den wirklich wichtigen Dingen, den Protagonisten auf dem Feld, welchen das Stadion wahrscheinlich nicht wirklich wichtig sein dürfte. Aber Hauptsache, die Identifikation mit dem eigenen Verein (=Arbeitgeber) stimmt. Und die stimmte am Samstag schon vor Anpfiff, als sich das ganze Team nebst Trainerstab den 8560 Fans präsentierte. Engagiert dann das Spiel, unübersehbare Abstimmungsprobleme inklusive. Die fielen aber nicht so ins Gewicht, da die Lauterer nach vorne hin zu Beginn sehr unsortiert waren und zum Schluss auch noch vom Pech verfolgt wurden. Und, ganz wichtig: Auf Seiten des RWE wurde gerannt, gegrätscht und auch mal “umgewemmst”. Das kam an und wurde mit “So spielt man Fußball in Essen” dankbar quittiert. Aber es gab auch wieder eine Spieleröffnung mit langen Bällen nach vorn, gefährliche Standards und mit Sebastian Stachnik endlich die erhoffte Entlastung für Sascha Mölders. So wurde denn 2:0 gewonnen in einem Spiel, welches ob der Vorzeichen unbedingt gewonnen werden musste. Diese Nervenprobe wurde bestanden und mit Dauergesang der Fans belohnt. Auf eine Humba wurde zum Glück verzichtet, auch da haben alle Beteiligten dazugelernt. Danke an jawattdenn und den soziokulturellen für die Fotos.

Auf gehts…..

….in die neue Saison. Dass das Auftaktspiel der Bundesliga gleich eine heiße Angelegenheit wird, ist eher dem Wetter geschuldet als der Paarung. Eine Idee der Medien, die dieses Spiel fast schon zum Derby mutieren lassen, hat doch Armin Veh auch einmal den VfB trainiert . Somit ist auch klar, der VfL Wolfsburg hat noch keine eigenen Ecken und Kanten entwickelt. Dummerweise habe ich ja mit der Bundesliga eher marginal zu tun, bin ich doch in den Niederungen des Fußballs zu Hause. Somit leide ich subjektiv gesehen recht wenig, kann aber objektiv zu allem meinen Senf abgeben. Der Nachteil: Kaum jemand spricht mit mir über den RWE oder winkt beim SV Eintracht Nordhorn fragenden Blickes ab. Folgende Konstellationen halte ich für realistisch: Meister wird der FC Bayern, der Essener Nachbarverein natürlich nicht. Wie auch? Das schafft Felix Magath dann in 4 Jahren mit der TSG Hoffenheim. Bis kurz vor Saisonende bleiben aber der VfB Stuttgart, die Dortmunder Borussia, sowie der HSV und auch S04 an den Bayern dran. Überraschungspotential Richtung Tabellenspitze finde ich zusätzlich beim SV Bayer aus Leverkusen und ihrem entspannten Trainer Jupp Heynkes, und nach dem Pokalauftritt auch wieder beim SV Werder. Auf jeden Fall zwei Europapokalkandidaten. Auch wird der VfL Wolfsburg natürlich weiter oben in der Tabelle zu finden sein, die Mondlandung Champions League wird aber zu Lasten des Ligaerfolges gehen. . Hertha BSC und auch die TSG aus Hoffenheim werden in das Mittelmaß zurückfallen und sicherlich auch zu den ersten Vereinen gehören, bei denen Mirko Slomka in`s Gespräch gebracht oder Lothar Matthäus sich in`s Gespräch bringt. Der FC aus Köln wird zwar mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen, der Hype um Podolski bringt aber noch nicht die nötige Spielintelligenz. Austherapiert in Sachen Saisonprognose ist für mich Eintracht Frankfurt. Nie ist hier klar zu sagen: Ja, diesmal geht es in diese oder jene Richtung. Der Wechsel von Funkel zu Skibbe steht aber augenscheinlich noch nicht für den, von den Fans geforderten, spektakulären Fußball. Bleiben die Vereine, die sich für mich um Relegation und/oder Abstieg streiten: Für den Club aus Nürnberg und die Gladbacher Borussia sehe ich gute Chancen, der VfL Bochum bleibt drin. Bleiben noch der SC Freiburg, Mainz 05 und Hannover 96. Aber, es kann und wird sicherlich alles wieder ganz anders kommen. Wenn ich nun 2 Ligen überspringe, ja dann bin ich in Essen, an der Hafenstrasse und somit bei Rot Weiss Essen angekommen: Hier gibt es nicht viel zu spekulieren: Es zählt nur der Aufstieg. Und das wird ein solch schwieriges Unterfangen, so dass ich mit heutigem Wissensstand nicht an diesen Erfolg glaube. Extrem groß der Druck auf den Teamchef Strunz und die Mannschaft. Andererseits sind aber viele positive Signale zu vernehmen wie seit Jahren nicht mehr. Vielleicht musste dieser völlige Absturz kommen, um einen Neuanfang zu starten. Und ganz wichtig: Das Stadion kommt. Es wird sogar gebaut. Ab Morgen, den 8.8.09. Ehrlich! …..Liebe Unparteiische, bittet die Mannschaften aus den Kabinen: Anpfiff!

Dieser Artikel ist auch zu Lesen auf der kommunikativen Seite Stadioncheck. Dort zu finden sind auch weitere Prognosen zum gestrigen Bundesligastart.

Ultrastark

Zwischen der ganzen Aufregung rund um den Fußball zu Saisonbeginn gilt es schon die erste wunderschöne Fanaktion zu bewundern. Aber nicht beim Fußball, sondern in Polen beim gestrigen U2 Konzert in Chorzow. Bitte angucken:

Tiefenentspannt

Saisonauftakt 2009/2010 und es stand fast schon traditionell die erste Runde im DFB Pokal an. Vor exakt einem Jahr noch eine Veranstaltung, die routinemäßig in Essen und fast schon ekstatisch hier in Nordhorn die Fans bewegt hat. Dieses Jahr, bedingt durch das routinemäßige Scheitern des SV Eintracht im Verbandspokal und der ekstatischen Finalniederlage des RWE, konnte der DFB Pokal also wieder als neutraler Beobachter angegangen werden: Kein Stress, für welchen Spielbesuch es sich zu entscheiden gilt, keine Presseakkreditierung, keine verzweifelten Gesuche, den Dienst passend zu tauschen. “Wie die Vereine – so der Pokal”, um einmal frei eine Bierwerbung zu zitieren. Und so entspannt gab in dieser ersten Runde manch Paarung, die auch für meinen Fußball Kosmos von Interesse waren: Das Spiel der Sportfreunde Lotte gegen den VfL Bochum: Neu im Team der Sportfreunde: Danny Arend, letzte Saison noch hier bei der Eintracht am Ball und David Czyszczon, letzte Saison beim RWE, aber weniger am Ball. Und die Sportfreunde und der VfL, für mich beides Sympathieträger. Das der VfL sich dann mit nur 1:0 durchsetzen konnte ist dann nicht groß der Rede wert, aber verhagelt den Sportfreunden einen allzu euphorischen Start in die Saison. Nächster Halt: Das Preußen Stadion in Münster. Ein weiterer Konkurrent des RWE, ein weiteres Duell gegen einen Bundesligisten. Auch hier tat sich die Hertha dem Bildmaterial zufolge sehr schwer, es reichte gerade einmal zu einem 3:1 Sieg nach Verlängerung. Schade für den “Underdog”, aber auch hier gilt: Keinen zusätzlichen Schub für die Preußen. Dieser Egoismus wird dann bei dem dritten Vertreter der Regionalliga West jäh gestoppt: Die Eintracht aus Trier bezwang ein desolates Hannover 96 mit 3:1. Verdient der Erfolg und peinlicher als die Roten aus der Landeshauptstadt höchstens der Auftritt von Rolf Töpperwien als Kabinenklatschweib. Und dann gab es da ja noch den Vorjahresgegner für den SV Eintracht, den SV Werder. Leider haben die Werderaner nach den schwachen Testspielen jetzt richtig ernst gemacht. Und so wurden andoras Eisernen in der alten Försterei so richtig weichgekocht. Das Highlight in dieser Runde für mich aber zweifellos das Derby der Kickers gegen die Frankfurter Eintracht. Natürlich schlug mein romantisches Fußballherz voll auf Seiten der Offenbacher: Zu viele Komponenten dieses Vereines lassen sich 1:1 auf den RWE übertragen. Imposant aber auch immer wieder die Geschlossenheit der Frankfurter Fanszene: Egal ob schwarz, orange oder weiss: Der Block steht. Leider ist es wohl nicht nur bei diesem optischen Auftritt geblieben. Der Pokaldigestif wird nun gleich in Düsseldorf kredenzt. Die Fortuna erwartet den HSV. Die in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegene Imagepflege Pokal zeigt sich meines Erachtens auch in den Fanblöcken: Waren früher die Fans der Bundesligisten nur marginal auf den “Dörfern” vertreten, ist nun stets die ganze Szene vor Ort. Vielleicht eine Generalprobe oder Einsingen für den Bundesligastart, für den niederklassigen Gegner aber eine einmalige Erfahrung. Ein Novum sicherlich, dass die erste Pokalrunde direkt und ohne Umweg für die erste Trainerentlassung der Saison gesorgt hat: Eben noch die Humba auf dem Glas-, nun wahrscheinlich völlig fassungslos unter dem eigenen Dach: Jörn Andersen singt und lacht nicht mehr in Mainz. Die Saison geht ja gut los.