Achtzehn bis Zwanzig

Ich hatte einen Plan. Wollte einfach mal aus aktuellem Anlaß für mich überlegen, wie ein junger Mensch zu seinem Sport findet und gleichzeitig mit meiner viel zu kurzen Fußballerkarriere Frieden schließen. Es ging auch recht flott vonstatten, waren doch einige Erlebnisse auch nach so vielen Jahren noch präsent.Ich wusste zwar noch nicht, wie ich anschließend den Bogen finde, um nun meine gewachsene Begeisterung für den Sport unserer Kinder kundzutun, aber das würde sich wie immer ergeben. Dachte ich. Weil, dann kam ja angedacht in Form seines kreativen Kopfes Heinz Kamkes mit einem neuen Text daher. Nicht einfach „nur“ einer dieser Texte, die erzählen, zum Denken anregen oder wundersam berühren….sondern: Es gab eine Liste. Und zwar eine Wunschliste, auf der die Bundesligisten für die nächsten 11 Jahre feststehen. Feste Zinsbindung in der Liga also. Gut, ich bin kein Freund von geschlossenen Gesellschaften, aber von Listen.
Meinen angedachten Text habe ich darüber völlig vergessen, aber Vereine schwirren mir im Kopf herum. Viele Spiele, Spieler und eigene Stadionbesuche oder TV Erlebnisse. Ich nehme das Stöckchen also auf, kreiere meine Bundesliga und gestehe meine Zuneigung zu vielen Clubs. Manche sogar in blau und weiß. Und den anderen Text, ich lasse ihn einmal stehen.Gliedere alles ein wenig und so kann sich ein jeder den Text heraussuchen, der (hoffentlich) interessiert.
PROLOG:(Eigentliche Intention)

„Meine eigenen sportlichen Leistungen, ein Umstand von eher bescheidener Natur, aber ich stehe dazu. Viel interessanter doch die Frage, wie ein junger Mensch überhaupt zu „seiner“ Sportart findet. Ich selber kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann ich das erste Mal für die Jugend des SV Vorwärts Nordhorn die Fußballschuhe schnürte, oder auch warum. Grob erinnern kann ich mich aber daran, die Position des Rechtsverteidigers ausgefüllt zu haben. Das ich nun mein einziges Tor über links kommend erzielte, war eher ein Versehen,( oder aber eine taktische Meisterleistung des damaligen Trainers).

Ebenfalls in Erinnerung bleibt mir ein Abschlag unseres Torhüters in Richtung meiner Position. Elegant annehmen konnte ich diesen Abschlag nicht: Justament, als der Ball in meinem Unterleib einschlug, versuchte ich diesen noch reflexartig zu schützen und sank danieder. Man berichtete mir später, ich sank weniger als das ich umfiel wie die berühmte Eiche. Aber bissig war ich wohl, so auf der rechten Seite. Einen Gegenspieler, der mich auf meiner Seite überlaufen hatte, holte ich zwar nicht mehr ein, aber so dermaßen von den Beinen, dass ich direkt danach duschen durfte. Selbst schuld, was rennt er auch an mir vorbei! An eine weitere rote Karte kann ich mich aber nicht erinnern.

Und Ascheplätze hatten wir hier in der Grafschaft, viele Ascheplätze. Einer davon befand sich direkt hinter der alten Stehtribüne des Eintracht Stadions. Wir spielten darauf gegen eine Jugendmannschaft des SV Eintracht. Und vor Angst schlotterten uns die Hosen, denn in den Reihen der Weinroten spielte ein Spieler mit einem Kampfnamen wie ein Donnerhall: „Feuerwalze“ ward er genannt. Ich glaube, er war auch noch recht gut, aber wir überlebten alle dieses Spiel. Meine Fußballkarriere fiel alsbald einem Sichtungstraining zum Opfer. Auf D3 hatte ich keine Lust mehr.

HAUPTTEIL (Basierend auf Katarsischer Theorie)
Meine 18 Vereine:
SV Werder Bremen

Man muß Otto Rehagel oder Willi Lemke ja nicht mögen; Thomas Schaaf und Klaus Allofs vielleicht schon etwas mehr. Die Konstanz dieses Vereines ist aber beeindruckend. Nicht für die großen Skandale zuständig, eher für große Wunden (Siegmann) und große Europapokalabende.

BV Borussia Dortmund

Der BVB gestaltet sich für mich recht neutral. Bisweilen fürchterliches Neongelb, Pet Shop Plagiate und zu laxer Umgang mit den Finanzen. Aber die Kurve bekommen. Und wie! Und in welchem Ambiente!. Dann als Bonuspunkt noch die wunderschöne „Rote Erde“ direkt nebenan.

SG Eintracht Frankfurt

Ach die Eintracht: Am 21. Mai 1980 hatte ich das Radio am Bett, denn an diesem Abend sollte die Eintracht den UEFA Pokal gegen Borussia Mönchengladbach gewinnen. Torschütze Fred Schaub. Die Begeisterung für Fußballübertragungen am Radio hat seit dieser Zeit nie nachgelassen. Weitere Faktoren: Charly Körbel und eine Fanszene, die in ihrer Homogenität seinesgleichen (Nicht immer im positiven Sinne) sucht.

Hamburger SV

Der HSV war hier, in Nordhorn. Nicht zu einem Freundschaftsspiel, sondern in den Fünfzigern zu erstklassigen Ligaspielen gegen den heimischen SV Eintracht. Mit Uwe Seeler seinerzeit. Das prägt. Und den Uwe Seeler, den mag ich. Nicht, weil er sich so schön in den Schritt zu fassen versteht, sondern für seinen bodenständigen Charakter. Und der Fähigkeit, recht still zu verarbeiten, was sein Verein doch jedes Mal für Mist verzapft.

1.FC Köln

Einfach ein unterhaltsamer Verein. Das reicht mir persönlich zu einem Persilschein. Geißbock.

FC Bayern München

Die Lösung ist doch ganz einfach: Man schließe die Augen und stelle sich die Bundesliga gestern, heute und die nächsten 11 Jahre ohne den FC Bayern vor. Und? Entsteht da nicht automatisch ein Vakuum ? Die sportlichen Erfolge dieses Vereines gebieten Respekt, und die Personalien oftmals eine Mischung aus Staunen und Diskussionsbedarf. Wichtiger aber auch hier der emotionale Aspekt: Nachmittägliche Live Übertragungen im Ersten nach der Schule. Aus einem nebeligen Kiew mit Tröten im HIntergrund und Pelzfelligen Soldaten auf den Tribünen. Eberhard Stanjek kommentierte. Das verbindet.

FC Schalke 04

Dieser Verein polarisiert wie kaum ein zweiter. Und weil Charly Neumann doch ein Guter war. Und weil es dann 22 Spiele gegen den RWE geben wird.

Hertha BSC Berlin

11 Jahre Zeit um zu beweisen, ob den großen Ansprüchen nun auch einmal Taten folgen. Außerdem mag ich Einzigartigkeiten, und da gehört dann auch das markante „Ha Ho He..Hertha BSC“ dazu.

VfL Bochum

Es kann nicht immer nur Sekt geben, oftmals ist Selters die bessere Entscheidung. Vermag der VfL Bochum zwar außerhalb seiner Trikots nicht vom Image der grauen Maus loskommen, sein Stadion ist Fußball pur und einige seiner Fans stehen für erstklassige (Fußball)kultur. Und jedes gefühlte halbe Jahrhundert beschert der Verein seinen Fans ungeahnte Glücksgefühle im Europapokal. Und ein Lied zur Stadt und Verein hat sonst auch kaum einer.

Fortuna Düsseldorf

In den 80zigern selten ein ausverkauftes Rheinstadion, aber Block 36 war stets gut gefüllt. Dazu das Europapokalfinale in Basel, in welchem die Fortuna die bessere Mannschaft war. Harte Zeiten in den Niederungen, aber nie im Stich gelassen von den Fans, Campino und Co. Zudem ein feiner Rivale für den RWE, als das Dilemma mit den Zweitvertretungen begann.

VfB Stuttgart

Es kribbelt nicht auf Anhieb bei den Schwaben, aber irgendwie sind sie doch zu schade für die zweite Liga über einen so langen Zeitraum. Keine großen Skandale, dafür MV. Treues Publikum und schon manches Mal recht überraschend Meister geworden. Und diesen Wiedererkennungswert „Brustring“ im Trikot. Das mag ich.

Eintracht Braunschweig

Wie manch anderer rangiert der BTSV für mich noch vor seinem niedersächsischen Dauerrivalen aus Hannover. Die Eintracht ist in einer Fußballstadt beheimatet, 96 in der Landeshauptstadt. That`s it. Eintracht hatte den Jägermeister, sogar mal Paul Breitner, stets einen hohen Zuschauerschnitt und bisweilen eine recht rustikale Klientel im Gepäck. Einer der beiden Vereine, die ich sowohl am Heideweg in Nordhorn, als auch an der Hafenstrasse in Essen habe spielen sehen. (Der zweite Verein ist der BV Cloppenburg und steht nicht zur Disposition).

Dynamo Dresden

Keine Ostalgie, kein Solidaritätszuschlag. Dynamo Dresden ist Fußballtradition, hat ein entsprechendes Umfeld und nun auch ein Stadion, welches den Ansprüchen genügen sollte. Über den Namen hülle ich den Mantel des Schweigens. Ebenso über „Knut Krüger“. Für mich ist Ulf Kirsten weiterhin einer meiner Lieblingsspieler. Wer an Dresden denkt, hat sicherlich auch Leipzig im Kopf. Vielleicht sogar mit der höheren Erfolgsquote behaftet. Aber der „Bauch“ sagt Dynamo.
1.FC Kaiserslautern
Betzenberg, Rote Teufel, Horst Eckel, Fritz und Ottmar Walter, Seppl Pirrung, 7:4. Vorbei natürlich die Zeiten, in denen ein Paul Breitner die Punkte bereits im Vorfeld mit der Post abliefern wollte, aber immer noch ein Verein, in denen 90 Minuten eine besondere atmosphärische Dichte erreichen können. Auch ein Verein, dessen Fans den Begriff „Fahnenmeer“ mitgeprägt haben. Und bei wem sonst „rumpestilzelt“ noch ein Tarzan an der Seitenlinie herum?
Bayer 04 Leverkusen
Als Bayer noch im alten Ulrich Haberland Stadion spielte und gerade in die Bundesliga aufgestiegen war, da gab es in einer Sportzeitung ein ganzseitiges Bild des Bayer Fanblocks zu sehen. Damals rechts der Gegentribüne beheimatet. „Kutten“ allesamt, und unter fliegenden Pilskronen. Ein Verein mit Fans also, nicht vielen, aber schon da, bevor der sportliche Erfolg seinen recht konstanten Lauf nahm. Und somit nicht nur auf den Status eines Werksklubs zu reduzieren. Aus meiner Sichtweise jedenfalls. Sportliche Leistungen gingen hier Seite an Seite mit dem wirtschaftlichen Wachstum einher. Selbst Tragik, einer unbedingten Beilage für einen Verein mit dem gewissen Etwas, haftet dem SV Bayer an, kommt der Begriff „Vizekusen“ nicht von ungefähr. Zudem spielt der Verein mittlerweile durchaus geschickt mit dem Image als Betriebssportmannschaft, und hat auch nach Rückzug des Verbalgewitters auf dem Managerposten nicht an sportlichem Gewicht verloren. Und dann noch: Cha Bum-Kun, Espanol Barcelona, Völler,Kirsten und Ballack.
SV Waldhof Mannheim
Wenn in der Kurpfalz Bundesliga gespielt werden soll, dann bitte auf dem Waldhof und nicht unbedingt in Sinsheim.
Rot Weiss Essen
Selbstredend. Aber nicht, weil ich die Augen verschließe vor den letzten Jahrzehnten. Auch nicht, weil sich vielleicht noch jemand bei Sepp Maier entschuldigen möchte. Vielmehr darum, weil die Bundesliga noch etwas gut zu machen hat an diesem Verein und der endlich Gelegenheit hätte, zu beweisen, warum man gefühlt sowieso nur in die Bundesliga gehört. Deshalb macht es auch keinen Sinn, den RWE auf die Liste der Härtefälle zu setzen. Die große Klappe würde da auf Dauer nur nerven. Aber mal im Ernst: Wer es schafft, bis in die 5. Liga hinunter das Drumherum eines Spieles fast genauso zu gestalten, wie noch im Profibereich oder im DFB Pokal, das ist schon einmalig.Und wer einmal an einem kalten Freitag Abend in die Hafenstrasse abgebogen ist, dem Flutlicht entgegen, einer ganz eigenen Geräuschkulisse folgend, der möchte da wieder hin. Vielleicht wird man aber auch Jahr für Jahr Tabellenletzter im „Closed Shop“ und gibt freiwillig die Lizenz ab, um wieder in Herne zu sich selbst zu finden. Wir sind schon ein schwieriger Verein. Aber einer, wo nicht lange drumherum geredet wird.

1. FC Nürnberg

Den Club möchte ich einfach auch deshalb mitnehmen, weil mich Günther Koch so oft mitgenommen hat!
Und doch sind noch so viele Vereine auf meiner Agenda, so daß ich direkt eine Aufstockung der Liga auf 20, oder gar wie in England auf 24 Vereine fordere. Als da wären:


FC St. Pauli,
TSV 1860 München,
Kickers Offenbach,
Borussia Mönchengladbach,
1.FC Saarbrücken
FC Carl Zeiss Jena.
Alles Vereine, die ich auch gerne in der ersten Liga sehen möchte. Tauglich für Derbys, alle mit Tradition und undenkbar in der hiesigen Fußballszenerie.

Und, ich hätte da noch einen Wunsch: Wo bleiben denn nun die Vereine, die mir trotzdem etwas sagen oder gar bedeuten? Dessen Stadien ich im Verlauf der letzten 44 Jahre einmal besucht hat, zu denen mir noch Geschichten einfallen. Und für die ich mich interessiere, „nur“ weil ich über das Medium Internet Fans gerade dieses Vereines sympathisch finde, ohne sie leider persönlich zu kennen. Aber da ich die Spielergebnisse kenne, kann ich nachvollziehen, wie es ihnen geht. So nach einem Spiel. Und daher schiebe ich noch meine ganz persönliche Liste derjenigen Vereine nach, die ich für einen Unterbau der „geschlossenen Gesellschaft“ geeignet halten würde:
1.FC Union Berlin. Ein Stück vom Fußballglück.

SV Darmstadt 98: Böllenfalltor, Lilien, Spielbesuch.
MSV Duisburg: Zebras, Schimanski, Bernhard Dietz, Spielbesuch.
FC Bayern Hof: Grüne Au, den Neffen spielen sehen.
Karlsruher SC: Euro Eddy, Valencia, Winfried Schäfer.
Alemannia Aachen: Tivoli, Eric Meijer.
Chemnitzer FC
Westfalia Herne: Das Schloß.
KSV Hessen Kassel
FK Pirmasens
Stuttgarter Kickers

EPILOG:

Judo!

3 Kommentare

  • Für einen in Kampfsportarten völlig Unbeleckten wie mich ist es ja kein weiter Weg von der Grätsche von hinten zum Judo 😉

    Sehr liebevolle Liste Deiner (ich konnte nicht mehr mitzählen) Vereine, mit manch mehr oder weniger schöner Erinnerung, vielen Dank.

    Und jetzt, da Dein Text da ist, kann ich mich ja vielleicht doch ans Auswerten machen.

  • Der FC Bayern Hof ist vor einigen Jahren mit einem anderen Verein aus Hof zur SpVgg Bayern Hof fusioniert worden.

    Wäre auch mal eine interessante Liste: Traditionsvereine, die fusioniert wurden.

  • @heinzkamke: Vielen Dank für Deine Ideen, die uns allen viel Spaß und ISDT einen bisher unerreichten Rekord an Zugriffen beschert hat (Am Tag danach waren wir wieder unter uns 😉 ).

    Ich überlege immer noch, die zweite Liga einmal komplett zu besetzen, denke ich doch immer noch über die „Uneindeutigkeit“ der Liste nach. Das geht natürlich gar nicht ;-).

    PS: Die Grätsche von hinten ähnelt im Judo dem „Fußfeger“. Wir waren auch völlig unwissend, aber nun kommen wir so langsam hinter die Geheimnisse des Judo`s. Sogar als Mannschaftssport durchaus kompatibel.Und das Beste: Blöde Jungs haben keine Chance 🙂

    @Stadtneurotiker

    Durchaus interessante Idee. Spontan fällt mir aber nur Greuther Fürth ein. Und ich habe das SpVgg nicht einmal bewusst unterschlagen, ist doch Bayern Hof nicht (mehr) so bekannt, als das man ständig mit dem neuen Namen konfrontiert werden würde. Der FC Ingolstadt ist so ein Fusionsverein, der mir noch einfällt. Allesamt aus Bayern übrigens.

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