Monatsarchive: August 2012

Sieben

Die Bundesligageschichte des RWE ist, im Gegensatz zu seiner sonstigen Historie, eigentlich schnell und als Siebenzeiler erzählt: In jeder Zeile eben eine Saison. Wobei auch in diesen sieben Spielzeiten nicht wirklich für großes sportliches Aufsehen gesorgt werden konnte. Aber man war halt trotzdem noch wer, schließlich von 1948 bis 1961 in der alten Ligenordnung durchgehend erstklassig. 
Gar Pokalsieger und Deutscher Meister. Leider hat es trotzdem nicht gereicht, um direkt in der Premierensaison im Oberhaus mitzumischen was dann aber mit der Saison 1966/67 der Fall war. Und da der ungeliebte Nachbar Schalke 04 direkt im ersten Heimspiel mit 4:1 bezwungen wurde, durfte getrost wieder abgestiegen werden. Das Saisonziel wurde ja früh erreicht. Neuer Anlauf in der Saison 1969/70, die nicht mit dem Abstieg, sondern Platz 12 abgeschlossen werden konnte. 
Diesen schaffte man dann aber direkt in der nächsten Saison 1970/71 wieder. Den Abstieg jetzt! Raus mit Applaus aber, denn es galt einmal „Spitzenreiter,Spitzenreiter..hey,hey…zu skandieren. Sollte es dieses Highlight kreativer Fan Dichtung schon seinerzeit gegeben haben. Ich hätte aber auch einfach schreiben können: Am 3. Spieltag der noch jungen Saison war der RWE zum ersten und letzten Male Tabellenführer der Bundesliga. 
Diese Saison wurde in ihrem weiteren Verlauf zur schicksalsträchtigsten für den RWE und vielleicht auch der Grundstein für die gewisse Tragik, welche diesem Verein von nun an anhaftete. So wurde am 13. Februar 1971 der FC Bayern mit 3:1 bezwungen, es war aber nicht nur der letzte Heimsieg dieser Saison, sondern auch die Geburtsstunde für die Rüpel aus der Westkurve. 
Ein Gymnasiast (welch Anachronismus eigentlich) war es, welcher dem Arbeiterverein nicht nur ein schlechtes Image bescherte, sondern Sepp Maier auch noch ein Messer in seiner Nähe. Immerhin hat sich der junge Mann später noch telefonisch entschuldigt. Heutzutage, wo es oft an Respekt und Anstand fehlt, wohl eher eine Seltenheit. Ja und dann war dann ja noch dieser Skandal. Der Skandal! 
Der FC Meineid ward geboren, der RWE hatte verloren. Die Manipulationen anderer hatte den erneuten Abstieg und wieder Platz 18 zur Folge. Davon hat sich der RWE nie erholt. Trotzdem war man in der Saison 1973/74 schon wieder zurück im Oberhaus und belegte nach einer recht unspektakulären Saison am Ende den 13. Platz. In der darauffolgenden Spielzeit 1974/75 konnte sich der Verein um einen Platz auf Rang 12 verbessern, musste aber zusehen, wie die WM Stadien in Gelsenkirchen und Dortmund errichtet wurden, aber eben nicht in der eigenen Stadt. 
1975/76 gab es dann den achten Platz nach dem 34. Spieltag. Niemals zuvor oder danach konnte der RWE einen einstelligen Tabellenplatz am Saisonende belegen. Horst Hrubesch, Willi Lippens… es lag ein Hauch von beginnenden Glamour über Vogelheim und Bergeborbeck. Der Hauch verflog dann aber in der nächsten Spielzeit 1976/77 recht schnell. Abstieg und Platz 18. Daran konnte auch das aufstrebende Talent Frank Mill nichts mehr ändern. 
Im Mai 1977 wurde also die Akte Bundesliga an der Hafenstraße vorerst zugeklappt und verstaubt dort nun schon seit schlappen 35 Jahren. Schuld daran ist natürlich nur der FC Schalke und der DFB. So das Selbstverständnis der weiterhin erstklassigen Fans des RWE. Und wenn uns auch der RWE nun seit Dekaden nicht mehr mit Bundesligafußball beglückt, so war doch alles dabei, was einen Verein so begehrenswert macht. Auch wenn es sich meistens nur um Negativerlebnisse handelte. 
Die Recherche „Bundesliga trifft RWE hat“ übrigens noch einen erschreckenden Fakt zutage gefördert: In Vier ausgesuchten Spielen gegen die SG Eintracht Frankfurt in den Jahren 1974/75 und 1977 kam der RWE auf ein Torverhältnis von unglaublichen 2: 28 Toren! 
Unter dem Bundesligastrich bleibt aber folgende Erkenntnis zwingend festzuhalten:
 
„Dem Verein Rot-Weiss Essen, der 1971 wegen der Manipulationen anderer abgestiegen war, wurde keine Wiedergutmachung gewährt“ 

Eisern!

So begrüssen sich Menschen untereinander, welche zugleich auch Unioner sind. Festgestellt Stunden vor dem Pokalkrimi an der Hafenstraße! Diese Spezies Mensch sitzt nun hunderte von Kilometern abseits der Alten Försterei in einem Borbecker Brauhaus und trifft dabei zufällig auf andere Menschen dieser Spezies. Anstatt sich nun entweder vor Freude um den Hals zu fallen, oder die Köpfe zusammenzustecken, ob man diese Fans schon mal in seinem persönlichen Block gesehen hat, nichts von alledem! Ein jeder gibt ein freundliches „Eisern“ von sich, und die Sachlage ist geklärt: Egal, wer Du bist oder woher Du kommst: Unioner biste und das allein zählt.
Gefällt mir und fand ich insofern gut, da sich das Gespräch wieder auf unseren Tisch beschränken konnte.Wir hatten doch keine Zeit. Es war mir ein Vergnügen! Gilt dann noch zu klären, ob sich auch Paare oder gar Familien dieser Spezies am Frühstückstisch auschließlich mit „Eisern“ begrüssen, oder ob da noch Raum für anderes bleibt. Der Auswärtsblock ward auf jeden Fall gut gefüllt, so dass sich ca. 1.500 Unioner eisern zu begrüssen hatten. Vielleicht ein Grund dafür, dass Unioner immer frühzeitig in ihrem Block sind. Für uns bedeutete es natürlich einen selten herrlichen Anblick, wird es wohl auch in dieser Saison dass einzige Spiel an der Hafenstrasse bleiben, welches mit diesem Prädikat aufweisen kann. Laut und ausdauernd in ihren Anfeuerungen waren sie auch noch.
Zudem Heimfans, also alle anderen, welche mit einer zwischenzeitlichen Lautstärke und Inbrunst den RWE dermaßen anfeuerten, so dass Georg Melches fast von seiner Wolke 97a gefallen sein dürfte. Die neue Bude kann was.Und dieser Abend ließ erahnen, was Mannschaft und Fans ereichen können. Recht entspannt, um noch kurz ein Auge auf die Logistik zu werfen, ging es augenscheinlich vor dem Spiel zu. Es schien keine grossen Debatten um die Plätze zu geben, allein einige Lücken auf der „Haupt“ ließen stutzen. Die Verpflegungsstände stießen an diesem Abend offensichtlich an ihre Grenzen. Hier können sicher noch Optimierungen gefunden werden, zum Beispiel in Form von weiteren Ständen „außerzäunig“.
Eiigen Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes wünsche ich zudem eine Schulung darüber, daß man nicht auf dem Catwalk läuft, dem Publikum bisweilen die Sicht nehmend. Derweil andere ihrer Kollegen stets den Eindruck operativer Hektik vermittelten, obwohl die Rotterdamer gar nicht vor Ort waren. Hier lobe ich mir den Zivilbeamten, bei einer Selbstgedrehten lässig das Spiel verfolgend. Das Diktat des DFB nun kollidierte vor Anpfiff einmal mehr mit den Gepflogenheiten des RWE, ein Spiel musikalisch einzuläuten. Kann die Pokalhymne durchaus für Gänsehaut sorgen, Adiole aber noch viel mehr! Zudem scheinen die Ultras Essen im Dezennium ihres Lebens eine solch kreative Hochphase zu durchleben, welche uns nicht nur phänomenale Abschiedsmomente beschert hat. UE organisierte eine Begrüßung der eigenen Mannschaft, wie sie gar nicht schöner sein kann. Es geht doch nichts über den „Bonbonera Style“ mit fliegendem Konfetti und Luftschlangen, untermalt mit einer schmissigen Botschaft. Wunderbare Momente und Anpfiff!
Mit selbigem endet zumeist die Kernkompetenz von „ISDT“, können wir doch besser das Gefühl Fußball, als dessen taktische Ausrichtung erzählen. Müssten wir doch dann auch von einer aufopferungsvoll kämpfenden, bisweilen spielerisch auf gleicher Ebene agierenden Essener Mannschaft berichten. Von bisweilen hart einsteigenden Unionern, aber auch von deren Chancenplus unter gütiger Mithilfe dessen, was früher einmal aus Holz war. Davon, daß eine Zweiklassengesellschaft höchstens marginal zu spüren war. Aber sie war dann eben doch immer wieder vorhanden: In diesen kleinen Momenten der Balleroberung, der körperlichen Verfassung, der Explosivität und dem direkteren Zug zum Tor. Daher war diese letzte Chance nebst erfolgreicher Verwertung eigentlich logisch. Betont aber deutlich eben diese unglaubliche Leistung der jungen Essener Mannschaft und ihrer Fans auf den Tribünen.
Vielleicht mag es anderswo funktionieren, aber in Essen an der Hafenstraße funktioniert Fußball weiterhin nur in einer Wechselwirkung zwischen Fans und Mannschaft. So wie sonst wohl nur noch bei Union, am Bieberer Berg oder in Hoffenheim. Die unermüdliche Unterstützung der eigenen Mannschaft bei einem Viertligisten und die erleichterte kleine Feier im Anschluss: Durchaus lobenswert, gäbe es in anderen Stadien eher Kritik, warum der klassentiefere Verein nicht zweistellig bezwungen wurde. Aber der RWE ist eben nicht irgendwer.
Fremdschämen ist dann gelegentlich und leider auch heute noch in Momenten erhobener Mittelfinger angezeigt, auch wenn dieser „Gassenhauer“ „…..und vergessen“ wirklich arm und unter der Gürtellinie ist. Noch schlimmer allerdings, wenn mancher nicht mal seinen Mittelfinger findet, erstaunt die Anzahl seiner Finger durchzählt, aber Hauptsache Richtung Gästefans pöbeln. Mag aber auch nur an der Witterung gelegen haben. Anfeuern ist aber allemal die bessere Alternative!
Wir schweifen wie üblich ab und kommen daher auf direktem Wege zur bittersten Erkenntnis des Abends, dem Abpfiff! Wie paralysiert standen die Spieler des RWE vor ihren Fans, bisweilen lagen sie auch völlig ausgepumpt und leer auf dem Rasen. Kaum fähig zu begreifen, daß sie soeben mit stehenden Ovationen gefeiert werden. So ist das in Essen an der Hafenstraße: Wer kämpft, kann und darf verlieren!
Abschließend möchten wir nun anregen, sich als RWE Fans in Zukunft mit „Georg Melches“ zu begrüßen. Wobei es mit Sicherheit zu Beginn zu folgendem Dialog kommen könnte: „Georg Melches“ ….“Wo?“! Das war es also mit dem Europapokal 2012. Am Samstag wartet Fortuna Köln und der ewige Provinzfürst Südstadion auf den RWE und sein Gefolge. In diesem Sinne: Nur der RWE, Georg Melches!

First of Pflichtspiel after a grandios Eröffnungstag

Wie weiland Boris Becker stellen viele Fans des RWE seit Sonntag fest: „Ich bin drin“. Das Stadion Essen öffnete am 12. August 2012 seine Pforten. Tat dieses zunächst mit einem Eröffnungstag, der auf politischer Ebene dezent damit zu spielen hatte, daß es eben kein reines RWE Stadion sein soll, sondern unser Verein lediglich als Hauptnutzer fungiert. Spürbare Emotionen bei den Beteiligten des offiziellen Festaktes, besonders bei Herrn Paß. Pfiffe und Zustimmung hielten sich in etwa die Waage. Wer sich aber nun etwas an das Revers heften möchte, um seinen Anteil am Stadion gewürdigt zu wissen: Lasst es jetzt gut sein. Die Zeit der politischen Ränkespiele ist vorbei, das Stadion steht in seiner Betaversion und wartet nun darauf, mit Leben gefüllt zu werden. 
Übrigens ließ das bisweilen schon unverschämt anmutende Selbstbewusstsein der erstklassigen Fangemeinde, im Auftrage eines gemeinen Viertligisten, keinen Zweifel daran, wer es tun wird: „Hier regiert der RWE…“ schallte es immer wieder von den Rängen. Unter dem Strich halten wir einfach mal fest: An der Hafenstraße, RWE….! Es gilt aber auch festzuhalten, daß das Rahmenprogramm an diesem Eröffnungstag ein durchaus gelungenes war. Die großen Finanzpartner bekamen genug Raum, um sich, aber auch zurecht, zu präsentieren. Der Ball rollte auf dem Feld von Tor zu Tor. Die Kritik im Vorfeld war auch weitestgehend verstummt. Es ist wie immer im Leben: Allen gerecht zu werden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und wenn es denn schon ein Stadion Essen ist, dann hätte Kritik höchstens aus den Reihen der Lackschuhe oder des FC Kray kommen dürfen. 
Wir sind eigentlich ganz froh, daß der RWE nicht ein Spiel bestritten hat Der Fokus liegt auf dem Saisonstart in der Liga und im Europapokal. Nicht auszudenken, hätte sich ein Spieler bei einem Freundschaftskick verletzt. 
Ein paar Worte aber nun zu dem Hauptprotagonisten dieser Tage: Das Stadion Essen (nennen wir es von nun an Hafenstraße), ist kein „GMS reloaded“. Beide Stadien sind in Alter und Architektur einzigartig. Zudem wird ein Stadion auch nur durch seine Fans zu einem Mythos. Dazu später mehr. Die Hafenstraße ist ein Fußballstadion, und die drei fertigen Tribünen lassen es mehr als erahnen: Es wird ein richtig gutes Fußballstadion, keine Arena. Optimale Sicht von fast allen Plätzen, was sich die Planer allerdings bei einigen Plätzen auf der „Haupt“ gedacht haben, bleibt deren Geheimnis. 
Dazu die Dachkonstruktion, die einem zwar nicht den Atem raubt und etwas ganz besonderes sein will, aber es genau dadurch doch ist. Herrlich anzuschauen, mächtig und doch filigran, zugleich lichtdurchflutet. 
Insgesamt bietet die Hafenstraße eine optische Gestaltung, die in ihrer Nüchternheit und Reduzierung auf das Wesentliche, sehr elegant daherkommt und trotzdem durchblicken lässt, wo wir sind. Auch die Gestaltung im Inneren der Haupttribüne ist von geschmackvollem Interieur. Nicht zu überfrachtet, kein Pathos oder Pomp. Natürlich hätten wir alle gerne Räumlichkeiten, in denen uns Geschichte und  Emblem unseres Vereines direkt in das Auge springt, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es gut, so wie es ist. Ich denke mir halt mein Emblem an die Wand und bin immer noch dankbar darüber, daß es den Verein überhaupt noch gibt. Der Fanshop des RWE, also des sportlichen, platzte zudem aus allen Nähten und erzählte somit seine eigene Geschichte über den Hauptnutzer. 
Drei Tage später wurde es aber Wirklichkeit: Rot Weiss Essen trat gestern zur ersten Pflichtbegegnung auf neuem Geläuf an. Der Bezirksligist RW Lintorf wurde im DFB Pokal mit 8:0 bezwungen. Soweit die Statistik. Viel wichtiger aber war dieses Begegnung als Probelauf für das bevorstehende Europapokalspiel. Über 5.000 Fans in einem Spiel gegen einen Bezirksligisten, herrlich bekloppte Fußballwelt, oder: Willkommen an der Hafenstrasse. Vorweg das Positive: Alle haben den Weg in das richtige Stadion gefunden, standen auch einige mit wehmütigem Blick in Richtung alte „Haupt“ am Zaun oder wussten gar nicht, wo sie hin sollten. 
Und dann begann er, der RWE Countdown, unser gewohnter Stadionsprecher war zu hören, Fahnengirls auf dem Rasen. Der Opa, Adiole….alles unter den wachsamen Augen von Georg Melches, welchem die Ultras sein neues Zuhause zeigen wollten. Ich glaube, der alte Herr hätte Tränen der Freude in den Augen gehabt. Die Ultras selber zelebrierten ihren Umzug mit einem Corteo, was es von unserer Seite erst einmal zu googlen galt. Ja und was bitteschön ist das denn für ein Rasen? Selten habe ich so ein herrliches Stück Grün gesehen. Traumhaft. Dazu eine Akustik, die es in sich hatte. Natürlich bleibt abzuwarten, wie sich die Stimmung bei vollem Hause am Montag entfalten kann, aber das war schon wieder ein Stück in Richtung Mythos. 
Es scheint sich zu bewahrheiten, daß nicht der Beton den Mythos ausmacht, sondern diejenigen, welchen den Beton zum Leben erwecken. Die Fans! Meines Erachtens funktionierte auch das Catering, schließlich bekam ich den gleichen leckeren Fleischklops wie eh und je. Probleme gab es bisweilen in der Nummerierung der Plätze und sollte dringend bis Montag behoben werden. Zudem sollten die sanitären Anlagen ausreichend zweilagig bestückt sein. Dreilagig ist besser. Mit Kamille muß nicht unbedingt sein. So war das in den ersten beiden Tagen in unserem neuen Stadion. 
Und am Montag, da bin ich mir ganz sicher, werden wir einen weiteren unvergesslichen Abend an der Hafenstraße erleben. Herzlich willkommen, Ihr Eisernen! Nur der RWE
Stadioneröffnung Essen
First of Pflichtspiel in der neuen Bude

Lieber Frank Goosen,

ich muß mich bei Ihnen entschuldigen. Ich lege ein Buch von Ihnen weg und werde es vielleicht erst in einem Jahr wieder aus dem Regal nehmen und lesen. Dann aber in einem Rutsch, vor allem auch durch und sogar wieder von Anfang an. Sicher auch mit einer Intensität und diesem Lächeln im Gesicht, wie ich es bei der Lektüre von  „So viel Zeit“ hatte.
Ich überlasse Stefan also nun auf Seite 267 zunächst alleine seinem Schicksal und der offenen Frage, wie sich seine Zukunft mit Charlie gestaltet. Wenn überhaupt. So eine Charlie ist grundsätzlich schon etwas schönes. Ich glaube sogar, auch eine zu kennen. „Latü“ (Labertüte) Toto und sein Herrchen Diggo müssen ihre Dinge nun auch erst einmal ungelesen fortführen. Sind es ja auch keine weltbewegenden Unternehmungen der beiden Provinzfürsten. Aber doch so menschlich und von Ihnen auf den Punkt gebracht. 
Wer kauft denn schlussendlich das charmante Bergarbeiterreihenhaus, bleiben Frank und Karin zusammen? Seit Ende März beschäftigen mich diese Fragen, da begann ich dieses Buch zu lesen. Es war mit auf einer Insel, es war in der Versenkung verschwunden, in Essen und wieder ganz woanders. Ich habe es in die Hand genommen und direkt erschöpft zur Seite gelegt, bin meistens darüber eingeschlafen. Es sieht mittlerweile aus wie eines dieser vielen gelesenen Schätzken im Bücherregal, die wir alle kennen. Mit Fettflecken und eingeknickten Seiten. 
Jetzt aber hat es endlich ein richtiges Zuhause. Kann sich ausruhen, haben Bücher schließlich auch eine Seele. Und wenn das Leben dann doch eines Tages ein langer, ruhiger Fluss werden sollte, ja dann nehmen wir uns die Zeit füreinander, die dieses Buch auch verdient hat. Sollten Sie bis dahin aber schon wieder ein neues wunderbares Buch für uns geschrieben haben: Das lese ich dann im Anschluß. Versprochen! Wer jetzt natürlich noch Zeit und Lust auf ein Sommerfest hat, der sollte sich Ihnen getrost anvertrauen. Ein Buch wie das Leben. Lesen!

Pele’

1995 wurde der SV Eintracht 50 Jahre jung. An eine Insolvenz war noch nicht zu denken, einige sehr gute Jahre lagen noch vor den Weinroten. Besonders gute Jahre lagen aber auch da schon in der Vergangenheit. Erstklassige! 
Anlass also für einen Hobbyfilmer und langjährigen Wegbegleiter des SV Eintracht, im Archiv zu kramen und daraus ein liebevoll gemachtes Geburtstagsvideo zu erstellen. Wunderbare Sequenzen geben speziell das Lebensgefühl der 50er wieder. Bisweilen fühlt man sich an „Das Wunder von Bern erinnert“. Herrlich auch die Vertonung, welches das bisweilen überschäumende Temperament des Grafschafters an sich widerspiegelt. 
Ein Zeitdokument, für das man sich eben Zeit nehmen sollte, steht der SV Eintracht hier stellvertretend für den gesamten Fußball der jeweils gezeigten Epoche. Ganz besonders aber möchten wir uns bedanken für die Genehmigung, diesen Film überhaupt auf „ISDT“ zeigen zu dürfen. Besonders wichtig ist es dem Regisseur und Rechteinhaber neben seinem Einverständnis, daß dieser Film ausschließlich der privaten Nutzung und der Geschichte des SV Eintracht dient und nicht einer kommerziellen. 
Daher weisen wir gerne noch einmal explizit darauf hin. Ein ebensolcher Dank gilt dem kreativen Kopf von Catenaccio, ohne dessen Hilfe und Kompetenz kein internetfähiges Format zustande gekommen wäre. Viel Vergnügen!

Neue Saison – Neue Hütte – die alten Schmuddelkinder!

„Ein Auftakt nach Maß“, welch abgedroschene Plattitüde, welch Wahrheit! Eine Saison mit einem Auswärtserfolg zu beginnen, zudem vor großer Kulisse; Von zigtausenden eigenen Fans begleitet, in den Schlussminuten in Führung zu gehen! All das ist natürlich nicht Maßarbeit, lediglich Vereinstreue und Glück im Doppelpack. Bringt aber Selbstvertrauen! Leben wir während einer Saison doch einzig als Konjunktiv und ist bei aktuellem Tabellenstand noch alles drin. So zwischen Meisterschaft und Abstieg…
Überhaupt, was wird das denn schon wieder für eine Saison mit unserem Elixier namens Rot Weiss Essen? Das wird doch wieder alles andere als normal! Der Grund steht neben den Resten des guten, alten Georg Melches Stadion auf selbigem erbaut und wird die neue Heimat für den RWE. Na gut, für den farbenunabhängigen höherklassigen Fußball der Stadt Essen halt. Ein Stadion, erbaut aber auch auf einer Wechselwirkung: Ohne RWE als Ankermieter gäbe es das Stadion nicht. Ohne die Stadt Essen aber auch nicht. Und ohne diejenigen, die einer Planinsolvenz zugestimmt haben, schon mal gar nicht. Daher an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön. 
Ich hoffe, der RWE entschädigt für die monetären Verluste nun mit sportlichen Gewinnen. Was manchmal gar nicht so einfach ist, denn ein neues Stadion bringt nicht immer sofort den gewünschten sportlichen Erfolg mit sich. Muß sich doch alles erst einmal finden: Die Fans ihre neuen Plätze, die Logistik ihren Lauf, der Spieler die richtige Umkleidekabine, der Ordner seine Ordnung und wir unsere Lieblingsfrikadellenverkäuferin. 
Will heißen: Das Niederrheinstadion in Oberhausen am vergangenen Freitag war bekannteres Terrain als unser neu zu beziehendes Stadion Essen. Das alte Schmuddelkind namens Fan sollte also ein wenig Geduld mitbringen und sich selbst auch eine Eingewöhnungszeit verordnen. Zu vertraut das GMS, zu bekannt die alten Gesichter an den alten Plätzen, auch wenn diese in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder verpflanzt wurden. Zudem ja auch wieder eine Übergangssaison, steht die „Steh“ doch erst zur nächsten Saison. Und bleiben die Sitze bis dato auch hoffentlich an Ort und Stelle, egal wie hoch die Emotionen gerade fliegen. 
Fliegen, grandiose Überleitung: In den ersten beiden Spielen in der neuen Hütte geht es nicht um Ligapunkte. Diese sollten aufgrund der Baumaßnahmen weiter Auswärts geholt werden. In den ersten beiden Spielen fliegt eine Mannschaft aus dem Wettbewerb. Vorzugsweise die Gastmannschaft. Was bei einem Bezirksligisten in der ersten Runde des Niederrheinpokals machbar sein sollte. Rot Weiss Lintdorf heißt der Verein, welchem am 15.August 2012 als Erstem die Ehre zuteil wird, im neuen Stadion auflaufen zu dürfen. RW Lintdorf und SV Hönnepel/Niedermörmter; Anfang und Ende; Stadion Essen und Georg Melches Stadion: Die Spieler dieser Vereine werden ein Stück Essener Fußballgeschichte sein. 
Fünf Tage später dann endlich wieder Europapokal in Essen. Der 1. FC Union Berlin, in der letzten Saison noch zu Gast im DFB Pokal, wird der Auftaktgegner auf internationalem Parkett. Ein Traumlos zudem. Auch wenn eines ganz sicher nicht passieren wird: Die Eisernen werden alles daran setzen, um das Ausscheiden der letzten Saison vergessen zu machen. Sie werden uns also nicht unterschätzen. Vielleicht aber gerade deshalb übermotiviert sein, worin dann wieder der Vorteil für den RWE liegen könnte. Womit wir also wieder beim Konjunktiv wären. Und am Ende. Also: Herzlich willkommen Saison 2012/13. Glückauf und mögest Du lange eine sportlich offene sein.