Monatsarchive: September 2012

Helene, der Zeche ihr Betriebssportverein

Lange bevor der Otto aus Altenessen seine Beate aus Steele ehelichte, oder an der Weser in verbaler Kongenialität dem Töppi frönte; Lange bevor der Otto nun zum König aller Könige wurde, von seinem Olymp herabstieg, um auch mal abzusteigen; Lange also vor diesen Zeiten begann der Otto in diesem Stadion seine Karriere als passabler Verteidiger. Das Stadion Bäuminghausstraße, gelegen an selbiger, ist eigentlich ein Twin Set. Ein wunderschönes dazu. Leider pfeifen es aber die Altenessener Spatzen von den Dächern: Die Tage der beiden Tribünen, der Laufbahn aus Asche, des Ascheplatzes nebenan und auch einiger Bäume sind wohl gezählt. Eine Bezirkssportanlage droht. Grund genug, den Bildern dieser ach so schönen Anlage ein wenig Retro-Schick mit auf den Bearbeitungsweg zu geben. 

Good Morning Sunshine

Den Tag mit diesen Worten beginnen zu können, welch wunderbare Vorstellung.Nun scheint aber nicht jeden Tag die Sonne, steht der Wecker netten Gedanken zumeist konträr gegenüber und reden wir hier natürlich von einem Stadion. Und ein solches erwacht meistens zu späterer Stunde, idealerweise am späten Nachmittag. 
Ungefähr Vier Stunden vor dem Anpfiff beginnt sich also das Stadion Essen zu räkeln, ein erstes Tor wird geöffnet, so langsam trudeln all diejenigen ein, für die ein Fußballspiel an diesem Abend Arbeit bedeuten wird. Rund um das Stadion sind Absperrgitter und Flatterband schon länger im Einsatz, um ankommenden Fahrzeugen den Weg zu weisen, oder aber zu versperren. 
Zurück im inneren Stadionring beginnt sie nun, die Betriebsamkeit. Beispiel Ordnungsdienst: Diejenigen, die etwas zu sagen haben (zu erkennen an Walkie – Talkies, Headsets, Knopf im Ohr oder Tonlage) sammeln ihre Teams, um sie dann gezielt an neuralgische Punkte des Stadions zu platzieren. Und so stehen dann einsame Signalwesten auf vorerst noch leeren Tribünen und halten die Stellung. Vor der Haupttribüne und auf den dortigen Rängen herrscht eine andere Kleiderordnung vor: Anzug und ein Anstecker verraten Status und Auftrag bei den Ordnungsdiensten. 
Der eigene Fanshop des RWE hat noch nicht geöffnet, aber auch hier hinter verschlosenen Türen wird schon fleissig der Verkauf vorbereitet. Weiter geht es zu den Ständen der Gastronomie. Während Ordnungsdienste im Idealfall nur durch Anwesenheit glänzen, glänzt bei denjenigen, die an den Verpflegungsständen ihren Dienst verrichten, oftmals die Stirn. Denn hier versammeln sich traditionell die meisten Fans, und dann auch noch zur gleichen Zeit, namens Halbzeit. 
So mancher Fan würde sich sicherlich wünschen, das Spiel kurz anhalten zu können, um entspannter auszutreten oder anzustehen.
Wir schweifen wie üblich ab: Die Verpflegungsstände werden noch einmal gemäß der Hygiene kontrolliert, erstes Fleisch wandert von links nach rechts, Schürzen werden umgebunden. Ein Hauch der Dallmayr Kaffeewerbung entspringt mitunter den Verpflegungsständen. Zapfhähne werden ebenso überprüft wie der eigene Nagellack. 
Im Stadion selber tut sich nun auch etwas: Es gilt weiterhin noch den optimalen Ton zu finden. Weniger im Ausdruck als denn in der Aussteuerung. Was aber alles überhaupt kein Problem darstellt und schlicht und ergreifend dem neuen Zuhause geschuldet ist. Steht erst die vierte Tribüne, wird die Akustik wieder eine andere sein und bedarf weiterer Veränderungen. Auch die Fanradios des RWE beziehen ihre Arbeitsplätze und klappen die Klappcomputer auf, während gegenüber auf der Rahn Tribüne die Ultras ihr Revier markieren. 
Weitere Fahrzeuge treffen rund um das Stadion ein, Sanitätsdienste und Polizeieinheiten in diesem Falle. Gästefans sind gemeldet. Und somit gilt es vorzubeugen. Auch heute bleibt es dabei und konnten alle ein spannendes Fußballspiel beobachten. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Fan Helfer, welche Fans helfen. 
Sie schieben Rollstuhlfahrer die Tribünen rauf, erklären noch unsicheren Fans die neuen Blockeinteilung oder warum es sich lohnt, RWE Fan zu sein. Und je mehr es in Richtung Anpfiff geht, desto mehr vermischen sich Angestellte und Fans und werden zu einer homogenen Geschichte. Und dann laufen sie endlich ein…

Gerechtigkeit!

‎“23 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe mit 96 Toten hat der britische Premierminister David Cameron „im Namen der Regierung und des ganzen Landes“ bei den Familien der Opfer um Verzeihung gebeten. „Unter dem Eindruck der neuen Beweise ist es richtig, dass ich mich heute als Premierminister bei den Familien der 96 Todesopfer für all Ihr Leid, das Sie in den vergangenen Jahren erlitten haben, angemessen entschuldige“, sagte der Regierungschef, nachdem er zuvor einen Bericht mit bislang unveröffentlichten Quellen erhalten hatte.“
Lange hat es gedauert und macht das Geschehene nicht ungeschehen. Aber mit diesem Eingeständnis kann vielleicht ein neues Denken einsetzen. Sowohl bei der Exekutive, als auch bei uns Fans. YNWA

hillsborough – searching for the truth from the96 on Vimeo.

Matchwinner (Das Spiel)

Eine alte Bauernregel besagt: „Kannst Du den Ball im Tor nicht seh`n, musst Du aus dem Stadion geh`n. Stehst Du dann davor, fällt das Tor“. Erfolgreich angewandt im Spiel des RWE gegen den Nachwuchs des 1.FC Köln. 
Gleich zweimal setzte der hiesige Chefredakteur diese Regel ein; Verpasste zwar dadurch die beiden eigenen Tore, sah nur den zwischenzeitlichen Ausgleich der Kölner Gäste. Darf sich aber natürlich nun als legitimer Matchwinner fühlen. Schließlich kam keiner der anderen 8090 Fans auf die Idee, diese alte Bauernregel anzuwenden und hätte der RWE ansonsten 0:1 verloren. 
Wieder über 8.000 Fans unter der Woche an der Hafenstraße. Und das gegen eine dieser unbeliebten Zweitvertretungen. Wären es nebenan im Georg Melches Stadion auch so viele geworden, oder ist das schon dem neuen Stadion geschuldet ? Man weiß es nicht, darf sich aber als Verein, Mannschaft und auch Stadt sicher darüber freuen. Zudem zieht sportlicher Erfolg immer, egal in welcher Liga. Wenn dann auch die letzte Tribüne in Betrieb genommen wird, können sich auch diejenigen unter den Fans wieder entspannen, welche sich selbst vor lauter Aufregung über die derzeitige Block- und Preisgestaltung auf der „Rahn“ fast die Freude auf das Spiel genommen haben. 
Freude? Hat das Spiel gestern nun auch solche verbreitet, oder zählen am Ende wieder nur die drei Punkte, welche nach Abpfiff stets das Maß aller Dinge sind ? Die Antworten darauf sind zum Beispiel im Fanforum so vielfältig, wie die Fanszene des RWE selbst auch. Kritik und Lob, nörgeln und mahnen, aber eben auch von Freude ist dort die Rede. 
Ja, das Spiel gestern hat Freude bereitet. Wenn man weiß, in welcher Liga man sich befindet und woher wir kommen. Und nein, es war wieder kein Spiel des RWE, bei dem mit spielerischer Leichtigkeit durch die Reihen des Gegners in Richtung dessen Tor getanzt wurde. Gestern war wieder Einsatz gefragt, wurde kein Ball verloren gegeben und gab es trotzdem mehr der langen Pässe und guten spielerischen Ansätze. Roberto Guirino übrigens hat sich diesbezüglich gestern ein Sonderlob verdient. 
In der zweiten Halbzeit gab es dann gar „One Touch Fußball“ zu bewundern. Wenn vielleicht auch nicht im Sinne des Erfinders, fehlte zwischenzeitlich beiden Mannschaften ein wenig die Kontrolle über das Spielgerät. Der Kölner Ausgleich erfolgte dann doch etwas überraschend, zudem nach einem Lattentreffer der rot weissen. So ist das halt im Fuball: Auf Pech folgt manchmal der Ausgleich. Auf eine gute kämpferische Leistung aber eben auch der Siegtreffer. Und somit gewann der RWE letztendlich doch verdient mit 2:1. Sollen schöne Tore gewesen sein. Abpfiff! Freude! 
Das 7:0, Übersteiger, Beinschüsse, Fallrückzieher und all die anderen Feinheiten für Fußballgourmets heben wir uns dann für die Bundesliga auf. Jetzt spielen wir aber noch Frikadelle und freuen uns über jeden Extraklecks Senf.