Monatsarchive: Juli 2021

Der Sonntagsanzug

Taufkleid und Kommunionanzug. Brautkleid und Hochzeitsanzug. Die Kleidung für den Abschlussball oder auch die würdevollen Textilien für den allerletzten Gang. Die Frage nach dem „Was ziehe ich an“ ist wohl eine der bedeutendsten in der Geschichte der Menschheit. Außer, man (oder Frau) ist Fußballfan. Dann stellt sich mittlerweile vor jeder Saison eine noch viel bedeutendere Frage: Und zwar die nach dem Heimtrikot der kommenden Saison.

Als einzig (wenn überhaupt) das Vereinsemblem die guten alten Baumwolltrikots schmückte, da war diese Frage noch nicht ganz so so wichtig. Es variierte lediglich der Kragen oder das Bündchen am Ärmel. Die Frisuren der Fußballer im Rückblick damals das viel spannendere optische Element. Heutzutage dagegen werden die modernen Kunstfasern bis zur Präsentation unter Verschluss gehalten, wie sonst wohl nur die Kronjuwelen der Queen oder Schuldscheine auf Schalke. Es gibt auch keine Erlkönige, wie in der Autoindustrie, die zu Vermutungen animieren könnten. Schließlich muss ein Trikot ja nicht Probe gefahren werden. Die Belastungen beginnen erst ab XL, darunter hängt es sich einfach aus.

Dem legendären Kicker-Sonderheft blieb es in vielen Jahren vorbehalten, als Erstes alle neuen „Kollektionen“ auf einen Blick vorzustellen. Und es hat gewirkt, wurden doch zuerst die Mannschaftsfotos hektisch durchgeblättert und auf das Aussehen hin kommentiert. Wie anmaßend eigentlich, war man doch selbst auch nur das Spiegelbild der jeweiligen modischen Epoche und mit Koteletten und dicker Hornbrille gestraft. Und doch war es natürlich auch eine sportlich schöne Zeit, gab es doch noch keine Trikots aus Fuschl am See zum Beispiel. Ein dortiger Trikotsammler hat aber auch Vorteile: Aufgrund der riesigen Tradition seines Vereins reichen wenige Kleiderbügel für die bisherige Trikothistorie aus.

Eine Trikotpräsentation der heutigen Generation läuft in kleinen Appetithäppchen ab mit dem Ziel, uns den Mund wässrig zu machen. Sozial-Medial wird da alles rausgehauen was geht und selbst der Testspielpartner wird im entscheidenen Vorhang-auf-Spiel dem Trikot untergeordnet. Daher ja auch der SC Verl. Und da wir eben in diesen in modernen Zeiten leben, wird das erste Foto eines Spielers im neuen Sonntagsanzug vonne Hafenstraße zeitnah eine wahre Eruption der Bewertungen auslösen.

Zwischen „Kacke“ und „Edel“ ist dann meistens alles dabei. Die Zustimmung wird oftmals in weniger Worte gekleidet als die Enttäuschung. Wie im wahren Leben halt. Es freut sich immer ein wenig leiser, als dass es sich laut pöbelt. Interessanterweise kann sich die Ansicht über die Optik im Laufe einer Saison ja auch durchaus schon mal verändern. Das Trikot der vergangenen Saison hat mir von Spieltag zu Spieltag immer besser gefallen, denn es war ja auch auf der Erfolgsspur unterwegs. Punkte machen Kleider. Während ich vom geplanten Kauf des schwarzen Mauertrikots Abstand genommen hatte, da ich es irgendwie mit unglücklichen Spielergebnissen verknüpfte. Obwohl durchaus auch mit optischen Reizen behaftet.

Nun, ich bin sehr gespannt, die Latte scheint mal wieder sehr hoch zu hängen und wie jedes Jahr bleibt uns mindestens die Erkenntnis: „Danke lieber Gott, dass ich kein Königsblau tragen muss“. Aber auch die Angst davor, wie das Trikot letztendlich geschnitten ist. RWE allein ist doch schon spannend genug. Da möchte ich meinen Sonntagsanzug gerne etwas fluffiger tragen.

Endlich wieder Senfflecken auf dem Trikot.

Herzlake:

Erstaunen lag in seinem Gesicht, als Roland Sauskat neunzig Minuten vor Spielbeginn aus dem Hasetal-Stadion kam. War es doch kein Problem, einfach dort hinein zu spazieren. Das Tor sperrangelweit geöffnet, so dass auch die komplette Mannschaft des RWE nebst Entourage über den eigentlichen Gästeeingang Zugang fand, um mit Sack und Pack über den Platz zu den Kabinen zu latschen. Vielleicht war es aber auch so gewollt, denn die beiden großen Busse aus Emmen parkten fein aneinandergereiht vor dem Haupteingang. Wie dem auch sei: Der Gästeeingang blieb geöffnet und jeder zufällig vorbeikommende Fußballfreund hätte so das Stadion betreten können. Was dann tatsächlich doch irgendwann auch einem Verantwortlichen des sehr netten Gastgebers VfL Herzlake auffiel. Und so war genau dann Schicht im Schacht, als eine kleine Essener Reisegruppe Einlass begehrte. Die Handys wurden gezückt wie weiland die Colts in einem beliebigen Western. Und eine Lösung gefunden, die aus Zaun- Tribünengäste werden ließ. Für so dröge Emsköppe war das ein richtig schneller Move. Unter Zuhilfenahme des RWE natürlich, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

So viele neue Gesichter im Kader unseres Herzensvereins. da ist man froh, wenn man direkt einen „Herze“ entdeckt. Oder einen der anderen aus der vergangenen Saison. Die Saisonvorbereitung und seine Testspiele sind immer auch aus der Kategorie „Namen lernen und Gesichter dazu merken“. Vielleicht ist auf dem kommenden Ausweichtrikot daher der Spielername wesentlich größer geschrieben als der unseres Vereins. Ein Trikot welches den Spielern auf den sportlichen Leib geschneidert ist, und sowohl in seiner Schlichtheit als auch der kernigen „Typo“ zu überzeugen weiß. Aber, der Verein steht immer über dem Spieler. Diese kommen und gehen. Der Verein jedoch bleibt. Deshalb wäre meine einzige Kritik an dieser Stelle das minimalistische Rot-Weiss Essen im Verhältnis zum Spielernamen. Ich hoffe da stark auf ein Umdenken im Heimtrikot, welches nach Aussage von Marcus Uhlig das Schönste sein wird, was wir je hatten. Um direkt im Anschluss augenzwinkernd hinzuzufügen, dass er dass ja vor jeder Saison sagt, es diesmal aber wirklich stimmt! Es wird also stofftechnisch spannend bleiben bis zu dem Vorbereitungsspiel gegen den langjährigen Rivalen mit ohne passendem Stadion aus Verl.

Das ist ja schon fast ein Treppenwitz, der uns da aus Verl erreichte: Warum ist man plötzlich geschockt über die (fragwürdigen) DFB-Richtlinien in Sachen Stadionkapazität? An der Zahl von 10.001 hat sich auch durch Corona nichts geändert. Das war also bekannt, und man hätte an der Poststraße reagieren können, oder wie geschehen, eben nicht. Daher wundert man sich eher darüber, dass man sich in Verl darüber wundert. Aber, um auch für den SC Verl zu schreiben: Man hat sich dort ein zweckdienliches und den eigenen Ansprüchen komplett ausreichendes Stadion geschaffen. Designtechnisch gar nicht mal unterste Schublade. Der Zuschauerschnitt passt dazu und überhaupt: Womit ist diese Zahl von 10.001 für die 3.Liga begründet? Nun treten mittlerweile fast alle in Lotte den dortigen Sportfreunden den Rasen kaputt und zu den Hochsicherheitsrisikospielen gegen den TSV Havelse, Türkgücü München oder Viktoria Berlin zum Beispiel muss man wohl auf die Bielefelder Alm ausweichen. Das ist alles teuer und fern jeglicher Realität. Verbandswesen halt.

Aber zurück zu unserem Spiel in Herzlake gegen den Eredivisie Absteiger des FC Emmen. Das war eine gute erste Halbzeit, die unsere Mannschaft gegen die ebenfalls neuformierte Mannschaft aus Emmen gespielt hat. Man hat es geschafft, sich aus anfänglicher Umklammerung zu lösen um seinerseits immer wieder Torchancen zu kreieren. Was die Emmener Mannschaft geritten hat, zwischenzeitlich aus unserer Mannschaft Hackfleisch machen zu wollen, wusste im Stadion kein Mensch. Weder stand ein Derby an, noch musste die Deutsch-Holländische Fußballrivalität belebt werden. Das waren keine Emmentaler, dass waren Emmener Heißsporne. Aber, auch so kann man als Mannschaft lernen, dagegenzuhalten. Was in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr so wirklich gelang. Einem Freistoßtor der Marke „Unhaltbar“ folgten zwei eher unglückliche Gegentore.

Das Endergebnis von 0:3 ging somit aufgrund der zweiten Halbzeit in Ordnung. Grundsätzlich und überhaupt sollte man den Testspielergebnissen keine zu große Beachtung schenken. Hier gibt es keine Tabelle, sondern nur Erkenntnisse. Und nur, weil wir im vergangenen Jahr noch gegen denselben Gegner gewonnen haben (damals sogar noch Erstligist), bedeutet dass im direkten Umkehrschluss keineswegs, dass unsere Mannschaft aktuell schwächer ist. Aber wir wissen ja: Selbst Vorbereitungsspiele sind im Ergebnis Wasser auf den Mühlen der Dauernögler.

Wielen:

Die Fünfhundertfünf Köpfe zählende Gemeinde Wielen mit seinem ASC GW 49 Gastgeber und Gegner zugleich für das zweite Vorbereitungsspiel im Rahmen des diesjährigen Trainingslager. Morgens noch trainiert, im Mittag die Koffer gepackt und am Nachmittag raus aus dem Emsland in die schöne Grafschaft. Als der Mannschaftsbus ca. eine Stunde vor Spielbeginn den Sportplatz am Heideschlösschen erreichte, wirkte er in Relation zu dem ländlichen Umfeld viel größer als sonst an der Hafenstraße. Der erste Schock für die Medienbeauftragten des RWE direkt nach dem Aussteigen: In der Niedergrafschaft und besonders in Wielen sind die Tornetze oftmals stabiler als das Funknetz. Ganze Spiele im „offline“ sind hier keine Seltenheit. Vielleicht wirken die Menschen hier daher um einiges entschleunigter. Komplette Entspannung also vor dem Eingang, Smalltalk und nette Begrüßung inklusive. Die aktuell geltenden Einlassmodalitäten wurden mit Grafschafter Bierruhe und Essener Lässigkeit flott erledigt.

Endlich wieder Bratwurst in der Hand und Senfflecken auf dem Trikot. Nirgendwo findet man übrigens lässiger Menschen an einer Spielfeldbande stehen, wie rund um einen Fußballplatz. Meistens ein Bein vorgestellt, den Poppes etwas nach hinten gekippt und eine Bierflasche in der Hand. Bier und Bratwurst, die Essenz des Fußballs umrahmten dieses Testspiel somit ebenso wie die etwa vierhundertfünfzig Zuschauer aus nah und fern. Die aus der Ferne bekamen durch den Stadionsprecher zusätzlich noch neunmal eine Kostprobe für das „rollende R“ der Niedergrafschaft auf die Ohren. Es passte einfach alles.

Damit es auch am Ende einer intensiven Woche für alle Spieler passt, hat Trainer Christian Neidhart gleich zwei Mannschaften aufgeboten. Wenn ich richtig liege, haben bis auf Keeper Daniel Davari und die Rekonvaleszenten alle Spieler in Wielen Einsatzzeit bekommen. Und präsentierten sich überaus spielfreudig und ehrgeizig zugleich. Sowohl die Mannschaft der ersten Hälfte, als auch die Truppe in der Zwoten. Der Kampf um die Plätze in vollem Gange. Da auch die Mannschaft des ASC GW 49 richtig Lust auf das Spiel hatte, war das Geschehen auf dem Platz durchaus interessanter, als es das Endergebnis von neun zu null für unseren RWE vielleicht auf den ersten Blick vermuten lässt.

Der erste Auftritt von Rot-Weiss Essen in der Grafschaft Bentheim überhaupt ein ziemlich gelungener. Und spätestens nach einigen Kilometern auf der Heimfahrt gen Pott (Oder gen Nordhorn) war auch das Netz wieder stabil, was zu Erleichterung bei vielen geführt haben dürfte.

Den Verantwortlichen des ASC GW 49 und den vielen Ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen gebührt der Dank für einen rundum gelungenen und schönen Fußballabend. Und wie wir ja aus der Historie wissen: Immer, wenn der RWE in der Grafschaft zu Gast war, gelang am Ende der Saison der Aufstieg…

Das war`s und ab dafür.

Das Endspiel ist gespielt, mein absolutes Lieblingsland hat daheim leider in seiner Königsdisziplin Elfmeterschießen nicht oft genug eingenetzt. Die Queen ihrerseits war sicher not amused. Ich hätte es den „Three Lions“ nach fünfundfünfzig Jahren durchaus gegönnt, mal wieder etwas in die Höhe stemmen zu können. Auch wenn ich mit dem Wunsch spätestens dann so ziemlich allein auf weiter Flur stand, als der Kurs durch den Sterling doch arg gefallen war. Egal, dann eben in Katar. Wobei: Das dann wirklich ohne mich, denn spätestens dann schaffe ich es auf jeden Fall, ein Turnier komplett zu boykottieren. Die England Trikots gehen also nun in die Wäsche und werden im Anschluss daran wieder fein säuberlich unter den RWE Stapel einsortiert. Was bleibt, ist einmal mehr das Entsetzen darüber, wie Menschen ungefiltert ihren Hass gegenüber Mitmenschen freien Lauf lassen, die sie bei positivem Spielausgang als Helden hätten hochleben lassen. Es ist immer noch ein Spiel. Mehr nicht!

Rein sportlich betrachtet hat es es sich tatsächlich gelohnt, irgendwann im Verlauf der Vorrunde den geplanten TV-Boykott aufzugeben. Abseits des ganzen UEFA-Irrsinns wurde einfach toller Fußball geboten. Das darf man dann auch mal so konstatieren, dafür sind wir alle Fans. Der Gewinner dieser letzten Wochen ist also nicht nur Italien, sondern auch der Fußball als solches. Eigentlich eine schöne Erkenntnis, dass der Fußball auf dem Feld noch immer nicht durch die Gier der Verbände und ihrer Protagonisten kaputt zu bekommen ist. Es hatte fast den Eindruck, als ob sich das Spiel auf dem Feld dagegen auflehnen möchte. Dumm nur, dass das in den Kommandozentralen auch wieder falsch verstanden wird: Je begeisterter wir über unser Spiel sind, desto mehr wird versucht, daraus noch mehr Kapital zu schlagen. Zum kotzen!

Nebenbei darf man auch den heimlichen Gewinner der EM bekanntgeben, der für mich weiter Sandro Wagner heißt und am Mikrofon als sogenannter Co-Kommentator tätig war. Sein Schnorres heißer als es jemals ein Spiel sein könnte, seine verbalen Eingaben intuitiv und oft auf den Punkt gebracht. Vielleicht, oder wahrscheinlich sogar auf jeden Fall, war das Duo der ARD mit der aparten Jessy Wellmer und dem kampferprobten Bastian Schweinsteiger die optisch bessere Wahl. Verbal kamen die beiden aber auf keinen Fall an Sandro Wagner vorbei. Wenn der Sidekick sogar den etablierten Kommentator in einem besseren Licht erscheinen lässt, dann ist Wagner Zeit.

Seine für mich jetzt schon legendäre Erkenntnis aus dem Finale „Der wollte ihn vier Mal foulen und hat nicht mal das geschafft“ hat definitiv das Potential für langfristige Einlagerung in den Köpfen der Fußball-Zitatfreunde.

Ab sofort zählt also wieder einzig und allein Rot-Weiss. Unsere Mehrgenerationenmannschaft ist seit kurzem wieder im Training, so als Truppe mit Aufstiegsambitionen. Morgen beginnt der Testreigen mit dem Spiel gegen die Schwatten vom Bocholter Hünting. Nebenbei auch als verdientes Abschiedsspiel für Marcel Platzek und Kevin Grund deklariert. Die beiden haben wahrlich einen angemessenen Abschied nach so vielen Jahren verdient, auch wenn sich dieser leider eher durch die Dauer der Vereinszugehörigkeit anstatt über sportliche Erfolge unseres Vereins definiert. Wie gerne wären beide nicht nur als Fans geblieben, sondern auch als Aufsteiger gegangen.

Es ist immer schwierig für einen Fan, wenn die letzten Konstanten einer langen Ära den Verein verlassen. Ganz besonders, wenn sie dann auch noch in einer Dekade unter Vertrag stehen, in der Rot-Weiss Essen mehr Spieler hat kommen und gehen sehen, als manch Essener Stadtteil Einwohner hat. Cedric Harenbrock und Daniel Heber halten nun die Fahne der Spieler hoch, die am längsten den Arbeitsplatz Hafenstraße ansteuern. Beides Akteure, die ihrerseits glücklicherweise nahtlos an die Sympathiewerte von Kevin Grund und Marcel Platzek anknüpfen können und das Zeug zu neuen Identifikationsfiguren haben. Sogar mit Option auf den Aufstieg.

Dieser Aufstieg. Man mag manchmal gar nicht mehr drüber philosophieren. In der vergangenen Saison war ich so darauf fixiert, dass ich so manches Mal gar nicht mehr wirklich den ansehnlichen Fußball unserer Mannschaft verfolgt habe. Die Uhr war viel wichtiger, besonders dann, wenn unsere Mannschaft auch noch in Führung lag: Fertig werden, drei Punkte einsacken, auf die Tabelle gucken und auf das nächste Spiel warten. So ging das von Spieltag zu Spieltag. Die wirklichen Blicke auf das Spiel boten wohl nur die Auftritte als #freilos. Die fanden losgekoppelt von dem Aufstiegsantrieb statt. Ich hätte Lebenszeit für diesen einen Moment gegeben. Total bekloppt eigentlich, denn es ist eben doch nur ein Spiel, wie man bei der EM dann doch wieder feststellen durfte.

Daher gilt für die kommende Saison , dass ich zwar weiter das wie in Stein gemeißelte Ziel habe, was das Saisonende angeht. Aber vorrangig möchte ich wieder und hoffentlich schönen Fußball schauen. Optimalerweise im Stadion. Ich möchte das Spiel unserer Mannschaft wieder über das Ergebnis und die Hatz zum nächsten Spiel stellen. Kein „Don’t Stop Believin’“ von Journey mehr. Eher „Bestes Leben“ von Silbermond. Ein Lied wie ein süffiges Stauder an einem herrlich unbeschwerten Sommerabend im Kreise der Liebsten. Gedreht in warmer Optik, 4:3 Format und unmöglichen 70er Jahre Klamotten.

„Heute ist schön
Heut‘ ist geborgen
Morgen vielleicht schon nicht mehr
Aber es ist mir egal
Heute knallen korken
Und ich schau‘ in meiner Lieblingsgesichter“

Das allein klingt doch auch nach Hafenstübchen, Hafenstraße und unserem Verein. Selbst wenn wir uns gerne immer etwas rauher darstellen möchten und wohl auch sind. Aber, wir sollten nun die Verbissenheit ablegen, mit welcher wir schon so lange versuchen, dass gelobte Land zu erreichen. Die Aufreger kommen schon noch von alleine und früh genug. Der KFC Uerdingen zum Beispiel liegt mir da gerade noch etwas quer im Magen. Der Verein hat unglaublich rührige Fans, die alles versuchen, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und zeitgleich die so wunderbare Grotenburg auf Vordermann zu bringen. Aber, bis zum heutigen Datum hat der Verein nicht einen Spieler unter Vertrag. Darf aber in der Regionalliga West antreten. „Hallo?“ möchte man da den noch für uns zuständigen Verband fragen. Das macht keinen Sinn und könnte von Saisonbeginn an wieder für Unregelmäßigkeiten im Spielbetrieb sorgen. Wer läuft für die Krefelder auf? Elf Grotifanten? Oder machen sie den Wattenscheid-Move innerhalb der Saison und alle Punkte gehen flöten? Selten hatte man einen so unsicheren Protagonisten in der Liga. Aber, das kommt davon, wenn man sich hemmungslos einem Investor zu Füßen wirft.

Sie geht also bald los. Eine weitere Saison. Wie es immer weiter gehen wird mit Rot-Weiss Essen. Der Kader steht, Herzlake wartet und wir Fans können nun auch Gin erwerben. Warum auch immer. Auf geht’s RWE, auch in 2021/22! Durch Regen und Wind, durch Sturm und Schnee, RWE ole´!