Kategorie-Archiv: Aachen

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf, wie viel Du einstecken kannst!

Welch kollektive Erleichterung nach dem Schlusspfiff. Welch Freude allerseits, außer natürlich im Gästeblock und vielleicht auch bei denjenigen auf der „Rahn“, die noch erhöhten Diskussionsbedarf mit einigen unserer Spieler hatten. Glückwünsche sehen anders aus! Rot-Weiss Essen hat Alemannia Aachen in einem bisweilen vogelwilden Spiel mit 3:2 bezwungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Leon Binder kurz vor Schluß einen Ball regelkonform vor der Linie erreichen und somit den Ausgleich für die Alemannia verhindern konnte. Bis zu diesem so erlösenden Moment des abschließenden Pfiffes hat der RWE in den letzten Wochen verdammt viel eingesteckt, um das Zitat aus „Rocky“ einmal mit in den Text einzupflegen.

Das Stadion Essen gut gesichert an diesem Sonntag! Selbst auf der Anfahrt über Gladbeck hockten schon lange vor Spielbeginn Einsatzkräfte in ihren Fahrzeugen und starrten eher gelangweilt auf ihre Handys. Es ging schließlich nicht nur gegen einen alten Westrivalen, sondern auch gegen den Abstieg. Und da es in den letzten Wochen immer weniger gelang, die Emotionen regelkonform unter Kontrolle zu halten, galt das Augenmerk wohl mehreren möglichen Brennpunkten. Aber neben dem Endergebnis gab es eine weitere schöne Nachricht: Es gab im Spiel und auch danach keine Brennpunkte im und um das Stadion herum. Im Gegenteil: Auf den Rängen wurde genau so aufopferungsvoll unterstützt, wie auf dem Spielfeld um den Ball und das Spiel gekämpft. Danke dafür!

Der RWE erwischte einen Start, wie er besser wohl nicht sein könnte, ging plötzlich und unerwartet mit 2:0 in Führung. Und doch gelang es unserer Mannschaft nicht, nun die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zu „gallig“ die Aachener und zu verunsichert die Essener, was das eigene Spiel betrifft. Aber nach all den vergangenen Wochen auch nicht verwunderlich, hat der RWE doch permanent eingesteckt, anstatt auch nur ansatzweise austeilen können. Und so ist es unter dem Strich eigentlich egal, wie der Erfolg zustande kam, hält er uns alle doch über jenem ominösen Strich und lässt einen etwas normaleren Puls für den Moment wieder zu. Zurück aber zur Unterstützung des Publikums: Beide Vereine haben ihre große Anhängerschaft sicher mehr als enttäuscht und verbleiben definitiv weiter im Kellergewölbe des Fußballs moderner Prägung. Und doch war das im Stadion einmal mehr als nur vierte Liga. Es war Fußball! Es war Atmosphäre und es war spannend. Die Fans auf der West und alle anderen im Stadion haben den gerade wohl einzig gangbaren Weg gewählt: Es ist „Playoff“ Zeit an der Hafenstraße, und in der fiktiven Serie „Best of Six“ geht es eben nur gemeinsam. Und gemeinsam wurde auch die Alemannia bezwungen. Vielleicht setzt das nun für die verbleibenden fünf Partien jene Kräfte frei, die wir bisher alle so vermisst haben. Auf und neben dem Platz.

Apropos neben dem Platz: Bisweilen nehmen wir Fans schon eine ziemlich egoistische Grundhaltung ein und denken stets nur an unser eigenes Wohl; hacken auf der Mannschaft herum, die einmal mehr unser aller Erwartungen nicht erfüllt hat. Aber vergessen wir nicht diejenigen, die nicht auf dem Platz stehen, und doch so viel für unseren Verein leisten, zudem genauso leiden? Deren Arbeitsplätze durch die Leistung auf den Plätzen mehr als gefährdet sind, und die doch immer wieder dafür sorgen müssen, dass der Vereinsalltag weiter geht; die sozialen Netzwerke weiter gefüttert werden und die  Journaille zu ihren Auskünften kommt. Die Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen dieser Tage gleicht emotional dem Spiegelbild der Mannschaft auf dem Platz! Und doch können die administrativen Mitarbeiter am wenigsten für die aktuelle Situation, legen sie doch ihr berufliches Schicksal in die Füße der eigenen Mannschaft. Vielleicht denken wir in den kommenden Wochen auch einmal an sie: Unsere guten Seelen im Hintergrund, welche das Gefühl Hafenstraße nicht nur leben, sondern auch arbeiten. Fakt ist, und das hat der vergangene Sonntag einmal mehr gezeigt: Es geht sicher ohne Sport1, aber niemals gegeneinander! Spiel zwei der „Best of Six“ Serie beschert dem RWE nun kommenden Samstag wieder ein Heimspiel, wenn auch auswärts in der Mondpalast Arena zu Wanne-Eickel. Der Gegner ist machbar, kommt er doch aus Gelsenkirchen.

Zu guter Letzt noch etwas in eigener Sache: Zur Buchveröffentlichung am 1. Mai wird auch der Blog in den nächsten Tagen renoviert und hübsch gemacht. Die Schrift eine andere, das Erscheinungsbild auch ein wenig anders, die Texte nun komplett einsehbar. Ich hoffe es gefällt. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. Und doch könnte und wird es sowohl in Blog und Facebook Auftritt von „ISDT“ in den kommenden Wochen und Monaten etwas ruhiger werden. Der Grund ist dieses Arschloch von Krebs, welches sich bösartig eingenistet hat. Ich bin zwar  überzeugt davon, den Kampf genau so erfolgreich zu gestalten, wie der RWE den seinen gegen den Abstieg. Aber ich habe eine Bitte: Geht zur Vorsorge! Scheißegal wie unverwundbar Ihr Euch auch halten mögt. Es geht um Euer Leben. Und wir alle wollen doch eines Tages gemeinsam Aufstiege feiern. Nur der RWE!

Abstiegskampf

Ich gehe einfach davon aus, dass kein Vertragsspieler von Rot-Weiss Essen gerne verliert. Und ich gehe weiter davon aus, dass ein jeder Vertragsspieler von Rot-Weiss Essen bereit ist, alles für seinen Arbeitgeber zu geben. Denn dieser finanziert seinen Lebensunterhalt und könnte Sprungbrett sein für höhere sportliche Weihen oder andere interessante Angebote. Also unterstelle ich keinem Spieler Absicht und schon gar nicht würde ich mir anmaßen, nun wüste Beleidigungen in Richtung Spieler oder sportlicher Leitung loszulassen. Es bringt nichts. Rein gar nichts!

Die heutige Niederlage bei einer durchaus bezwingbaren Alemannia aus Aachen bringt uns aber etwas ganz anderes: Seit heute Nachmittag steckt die sportliche Leitung und Mannschaft von Rot-Weiss Essen mitten im Abstiegskampf. Und zwar schon ziemlich tief. Es ist mir deshalb wichtig, dass zu betonen und explizit darauf hinzuweisen, da es schon viele Mannschaften in der Historie des Fußballs gab, die bis kurz vor Saisonende ziemlich lässig mit dem Abstiegskampf umgegangen sind, um dann scheinbar plötzlich und unerwartet doch abzusteigen.

Also nach oben haben wir ja nun Geduld und sind ja bereit, einen Weg mitzugehen, der etwas länger dauern könnte, bis er sportliche Früchte trägt. Aber der Weg noch tiefer ist definitiv keine Option und den gilt es mit Wille, Einsatz und vor allem harter Arbeit zu vermeiden. Und wer dazu nicht bereit ist, oder nicht Willens, Teil einer Mannschaft zu sein, die für sich und den Verein Rot-Weiss Essen alles gibt, der darf gerne gehen. Mag hart klingen, ist aber der einzige Weg, um Rot-Weiss Essen auf eine Einheit zu reduzieren. Gerne auch auf den Rängen. Wir können ja nun nicht einfach die Saison beenden, aber manchmal wünschte man sich diese Option, um schlimmeres  zu verhindern.  Es geht doch um unseren Verein.

Roadmovie Aachen

Heute ist nicht alle Tage

Ein Fan wollte zu einem Fußballspiel und kommt nicht mehr zurück nach Hause. Da gerät der Fußball zur Nebensache und wurde mit der Applausminute sicher nicht nur Siggi Dahms gebührend verabschiedet. Den Angehörigen gilt unser Mitgefühl, dem Rettungsteam der Dank für den schnellen Einsatz.

Danke auch denjenigen, welche Benjamin Köhler plakativ in Form seines Trikots aus Essener Zeiten moralische Unterstützung haben zukommen lassen. Unterstützung im Kampf gegen eine tückische Krankheit. Kämpfen & Siegen! Fußball vergisst nie; Fußball kann eine ungemeine Kraft entfalten, wenn es darum geht, in Not zusammenzuhalten.

Somit fällt es schwer, in gewohnt launischer Wortwahl diese Niederlage zu kommentieren. Nüchterner Fakt: Sie ist verdient. Zwar hatten unsere Roten den besseren Auftakt in dieses Spiel der Rekorde, knallte es auch direkt einmal an der Aachener Latte. Aber eben nicht darunter. Dafür rudelte es sich ab und an ganz nett. Vielleicht aber sollte auf diesem Weg die Kälte durch Körperwärme für den Moment kompensiert werden.

Dass ausgerechnet ein Tor aus einer Standardsituation kurz vor der Pause dieses Hochsicherheitsrisikotraditionsderbyrivalitätstheoretische Spiel entscheiden sollte, dürfte unserem Trainer als Verfechter eben jener Standards komplett die Laune verhagelt haben. In der zweiten Halbzeit wurde recht schnell klar, dass Hier und Heute nicht mehr viel zu holen sein wird. Immer einen Tick eher und giftiger die anderen am Ball als die unseren. Zudem die unseren gut zugestellt von den anderen.

Ich hatte mit allem gerechnet, nicht aber mit einer Niederlage. Es fühlt sich momentan an wie ein Ballon; aufgeblasen bis zum Bersten von Fans und Medien, und doch geplatzt mit lautem Knall, den keiner so gerne mag. Natürlich aber ist heute nicht aller Tage, wir kommen wieder. Keine Frage! Nach Aachen aber wohl erst wieder, wenn auf dem Wege dorthin alle Baustellen beseitigt sind, oder ein adäquates Verkehrskonzept greift.

Aachen rund um den Tivoli wirkte völlig überfordert ob der Blechlawine, welche sich aus allen Richtungen und aller Herren Länder näherte. Zufahrten zu angedachten Parkplätzen wurden kurzerhand von der Staatsmacht gesperrt und umgeleitet, was den Spiel- beziehungsweise den Verkehrsfluss weiter hemmte. Vielleicht gab es bis zum heutigen Tage aber auch gar keine Autos in Aachen. Wir werden es nie erfahren. Wohl auch nicht, ob der am Straßenrand austretende, dafür aus den Autos bejubelte, Essener den Beifahrersitz wiederfand oder der Audi Fahrer seine Fassung, nachdem im Eifer der Parkplatzsuche seine komplette linke Fahrzeugseite an einem Pöller den schicken Lack ließ.

Auf den Punkt gebracht: Verkehrskollaps erster Güte. Ein Gütesiegel verdiente sich dagegen die Unterstützung der RWE Fans. Lautstark und nimmermüde wurde die eigene Mannschaft angefeuert, wurden Ergebnisse aus vielen Gesprächen somit aktiv in die Tat umgesetzt. Klasse. Kein Rauch und keine Böller!

August Gottschalk, Siggi Dahms, ein treuer Fan….sie alle haben uns nun leider verlassen und waren Rot-Weiss Essen durch und durch. Benjamin Köhler war Vertragsspieler und spielt nun bei Union Berlin. Er wird kämpfen, letztendlich siegen und mit den Eisernen wieder hier an der Hafenstraße auflaufen. In Freundschaft oder im DFB Pokal.

Und unsere Mannschaft? Sie wird auch kämpfen. Und zwar bis zum letzten Spieltag. Wir kommen wieder, keine Frage!

Post ohne Namen

Weit nach Mitternacht. Spotify dudelt lustlos eine Playlist namens „Heavy Metal Ballads“ herunter; ein Thesenpapier eines Aachener Fanzines beantwortet, Fleißarbeit für eine Anfrage der WAZ Essen verrichtet. Aachen. Immer wieder Aachen. Es bohrte sich in den Kopf und möchte diesen nicht wieder verlassen. Und dabei ist es doch nur ein Spiel einer noch langen Saison. Vielleicht sogar wiehern nach diesem Spiel junge Fohlen vor Freude, während sich gestandene „Traditionsvereinefans“ ob eines langweiligen 0:0 Unentschieden fassungslos in den Armen liegen.

Wir wissen es noch nicht. Und doch ist es kein normales Spiel. Es ist ein ausverkauftes Spiel. Ein Spiel in den Untiefen der selbstverschuldeten Viertklassigkeit. Ein wohlwollendes und doch weit hergeholtes Derby. Aber es ist auch ein Beleg. Ein Beleg dafür, dass es beide Vereine natürlich nicht verstanden haben, aus ihrem Kapital selbiges zu schlagen, aber doch immer noch existieren und daran arbeiten. Allen kruden Ligenreformen des DFB zum Trotze. 30.000 Fans beider Vereine werden also versuchen, am 7. Februar 2015 den Eindruck zu erwecken, dass man immer noch jemand ist, auch wenn man vielleicht vor langer Zeit jemand war, aber heute nicht mehr unbedingt. Und doch sind wir wer. Dieses Spiel erweckt überall Interesse.

Der RWE findet sich momentan direkt in den Printmedien wieder. Etwas albern in der „Spocht“ Bild; gut in Text und Bild dagegen in 11Freunde.  Der RWE ist nicht nur fotogen, sondern hat auch etwas zu sagen. Für die Öffentlich Rechtlichen wird dieses dann Steffen Simon übernehmen. und zwar auf WDR Fernsehen. Nun ist Herr Simon zwar keine Frohnatur, wenigstens aber steht der WDR für eine werbefreie Spielübertragung und nicht wie bei Spocht1 für eine werbebasierende Folkloreveranstaltung Dahlmann`scher Prägung. Die Essener Fans sind gebrieft und halten sich hoffentlich daran; die Essener Mannschaft hat hoffentlich trainiert und hält sich natürlich auch an die Vorgaben.

Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen,….eine ähnliche Vorfreude dürfte nur das Spiel der TSG Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg hervorrufen. Aachen im Kopf! Ab sofort ist es gestattet!