Monatsarchive: August 2008

Konferenzschaltung

Natürlich verfolgt auch der unterklassige Fußballfan die Liga, in der doch ein jeder mit seinem Verein einmal spielen möchte: Die Rede ist natürlich von der Bundesliga. Und vorzugsweise konsumiere ich die Berichterstattung darüber immer noch Samstag Nachmittag am Radio. Das hat nämlich den entscheidenden Vorteil, dass es bei den klassischen Beschäftigungen zu dieser Zeit (Auto waschen, Gartenabfall entsorgen) immer mit dabei ist. Meine absoluten Lieblingsmoderatoren im Studio waren dabei immer der leider verstorbene Kurt Brumme oder anschließend Dietmar Schott. Und nun, im multimedialen Zeitalter, will auch das Internet nicht länger bei dieser samstäglichen Zwangshandlung von Millionen Fußballfans zugucken und bietet nun einen Fußballsender an: 90elf heisst dieses Projekt, und Anchorman dürfte mit Sicherheit der Glubberer schlechthin, Günther Koch sein. Ich habe mir jetzt noch kein Spiel bei 90elf angehört, denn der Gartensammelabfallplatz hat noch kein WLan und ich kein Notebook im Auto. Aber einen ersten Eindruck habe ich mir jetzt via Internet verschafft. Und da habe ich für mich schon einige Kritikpunkte, finde ich doch die Navigation viel zu klein geraten. Ich werde das Projekt mal weiter verfolgen, aber ob es der einzig wahre Konferenzschaltung bei WDR2 oder der gelebte Leidenschaft von Radio Hafenstrasse das berühmte Wasser reichen kann? mal hören…

Auftakt nach Maß

Herrlich, einmal so eine abgedroschene Phrase benutzen zu dürfen. Unten in der 4. Etage des Fußballkellers angekommen, bot der RWE seinen 2000 mitgereisten Fans gestern Abend eine, vor allem in der ersten Hälfte, mitreissende Partie. Endergebnis: Sportfreunde Lotte – RW Essen 1:4. Das der sportliche Auftakt nach Maß. Aber auch alles um das Spiel herum hatte maßgeblichen Anteil daran, einen weiteren unvergesslichen Abend mit dem RWE erlebt zu haben. Und, das ist der Unterschied: Einen schönen. Geparkt haben wir auf einem Stoppelfeld, um anschließend das Stadion in ländlicher Umgebung zu umrunden. Skurril eigentlich: Hier mal ein Trüppchen Polizei, dort ein Einsatzwagen hinter einer Scheune…..Dann aber ging es doch in die „Arena“. Den Begriff mag ich an sich schon mal überhaupt nicht, aber als Bezeichnung für ein Stadion dieser Grössenordnung wirkt das schon fast grössenwahnsinnig. Und dabei handelt es sich hier um ein kleines Stadion, welches das Fanherz höherschlagen lässt. Alles schön nah dran, Baulücken wurden geradezu opulent mit Werbung „zugepflastert“. Highlight aber die Gestaltung der Hauptribüne: Über den Sitzplätzen wechseln sich offene Zonen mit Catering, blitzblanke Sanitäranlagen, Thekenbereiche, eine „Krabbelgruppe“ für die kleinsten und noch andere Räumlichkeiten ab. Die Pressekonferenz wurde nicht im VIP Bereich abgehalten, sondern im Bereich der „normalsterblichen“ Fans. Abgerundet wurde das ganze durch stets frohgelauntes Servicepersonal, welches die Wartezeit auf die Wurst mit charmanten Lächeln zu verkürzen wusste. Weiterhin punkten konnte die Musikauswahl und der unaufgeregte Stadionsprecher, der auch spontan meiner ebensolchen Bitte nachkam, die Musik abzustellen, damit wir alle der „Humba“ folgen konnten. Die „Humba“ gab es zu Ehren des Auswärtserfolges. Klar, die Sportfreunde waren wirklich schlecht, aber es war auch die Auferstehung eine Mannschaft, die sich hier auch als solche präsentiert hat. Besonders klasse dann die Szenen nach Abpfiff, als sich die Mannschaft zu allen Blöcken begab um dort den direkten Kontakt zu den Fans zu suchen. Und dabei nahm sich keiner zurück, selbst ein Thomas Strunz gliederte sich ein, teilweise wurde sogar der Zaun „geentert“. Wenn der Abstieg nun der Preis dafür war, das der RWE endlich wieder eine Mannschaft hat, mit der wir Fans uns identifizieren können, ja dann war es den Abstieg wert. Ein klasse Abend mit soviel Fußballromantik, so dass ich die Fotos auch ein wenig auf Retro Cinemascope „getrimmt“ habe. Und da der Abend so schön war, leide ich heute immer noch unter Kopfschmerzen, was wiederum als Argument für diese etwas chaotische Nachbetrachtung herhalten muß.