Monatsarchive: April 2020

Geduld ist das Trostpflaster der Sehnsucht (T.W Keßler)! MAZ ab…

Es dürfte überraschen, wenn ein Fan einer Mannschaft sagt, dass er auch andere Vereine vermisst. Aber es ist in der Tat so. Schließlich sind wir zwar in den Farben (oder den Buchstaben) getrennt, aber gegen Corona vereint. Und vermissen selbst diese bescheidene Liga. Unseren Fußball! Die Sticheleien gegen andere Vereine und dessen Fans. Die Emotionen, wenn unsere Mannschaften auflaufen und die Fahnen wehen. Wir vermissen das Bier davor, währenddessen und danach. Wir können nicht mehr vergnügt nach einem Spiel nach Hause fahren. Wir können ja nicht einmal mehr nach einer Niederlage frustriert den Heimweg antreten. Nein, momentan müssen wir im wahrsten Sinne des Wortes den Ball flach halten. Und da das Spiel gegen Corona ein Gemeinschaftsdingen erster Güte ist, frage ich mich nicht nur ständig, wie es unserem RWE geht, sondern auch, wie es wohl den anderen gehen mag. Daher einfach mal angefragt bei uns im Hause. In Aachen, bei RWO und am Zoo. 

Kleine Anmerkung am Rande: Die Fragen gingen vor jener Telefonkonferenz raus, bei jener viele Vereine einer Meinung waren. Unser RWE diese nicht vertreten kann und die kleinen Fohlen sich nicht entscheiden wollten. Die Reise ins sportlich Ungewisse bei bleibender wirtschaftlicher Problemantik geht also weiter. Dabei wissen wir alle eines doch schon jetzt: Es wird keine gerechte Lösung geben!  Die Antworten aus Essen und Aachen trudelten vor der „TelKo“ ein, die aus Oberhausen danach und entsprechend der Situation angepasst. Danke, Danke, Danke Euch!

Aus Wuppertal kam leider keine Rückmeldung. Irgendwie verständlich, hat doch der WSV wie immer am meisten von uns allen zu kämpfen. Muss sich einmal mehr neu sortieren. Daher beste Grüße an den Zoo: Für uns kommt das Spiel gegen W(uppertal) immer noch vor dem Spiel gegen V(erl). Auch wenn es das Alphabet anders sehen mag.

Aus Aachen berichtet nun Klaus Schwarze; aus Oberhausen Ernst Huberty und aus Essen Kurt Brumme. MAZ ab:

Wie geht es Euch? Haltet Ihr Euch und vor allen Dingen, haltet Ihr durch, so ohne das Tagesgeschäft Heimspiel?

Martin vom Hofe (Geschäftsführer Alemannia Aachen): Natürlich ging es uns schon besser aber wir halten uns über Wasser – wir sind gespannt was uns morgen der Verband in der Telefonkonferenz sagen wird.

Marcus Uhlig (Dem RWE sein Vorsteher): Gesundheitlich sind wir bisher glücklicherweise alle vom Corona Virus verschont geblieben. Trotzdem fehlt es uns, auf die Heimspiele hinzuarbeiten, im Stadion zu stehen und mit unserem RWE mitzufiebern. Was uns beunruhigt ist jedoch vor allem die Ungewissheit, wie und wann es weitergeht und wie wir sicherstellen, dass unser Verein diese Krise übersteht.

Thorsten Sterna (Leiter Medien & Kommunikation RWO): Erstmal sind wir tatsächlich überrascht, dass diese Anfrage ins Haus geflattert kam. Aber das allein zeigt uns doch, dass wir letztendlich alle in einem Boot sitzen. Irgendwie kann der eine ohne den anderen nicht. Aber wenn man Corona etwas Positives abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass sich alle wieder auf die Basics besinnen und auch mal an der Nachbar-Tür anklopfen. Das freut uns auch in Oberhausen. Aber zurück zur Frage: Uns geht es den Umständen entsprechend. Was ist ein Fußballverein ohne Fußball? Ein Verein. Ein Team, das eng zusammenrückt und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Am Ende fehlt uns aber einfach unser Kerngeschäft – der Fußball. Genau wie Euch in Essen auch.

Geistertickets, virtuelle Biere und kalorienfreie Bratwurst…nicht nur bei RWE aktuell im Angebot. Was passiert diesbezüglich bei Euch und wie ist die Resonanz der Fans? 

Martin vom Hofe: Wir verkaufen auch schon länger unser goldenes Ticket. Für 10 Euro gibt es einen Gutschein für eine Wurst oder ein Getränk. Es haben sogar Rot-Weisse bei uns gekauft – absoluter Rahnsinn! ☺ Darüber hinaus gibt es immer mal wieder Versteigerungen von Alemannia-Artikeln wie Trikots, Bilder etc.

Marcus Uhlig: Bei dieser Frage erübrigt sich ja die Antwort von der Hafenstraße. Eines wollen wir aber noch loswerden: Wir sind tief beeindruckt von unseren Fans und auch ein Stück weit stolz darauf, wie solidarisch sich unsere Anhänger in Krisenzeiten zeigen. „Rot-Weiss Essen, wir halten zusammen“ ist nicht nur eine Liedzeile, sondern wird an der Hafenstraße gelebt.

Thorsten Sterna: Wir waren mit den Geisterspiel-Tickets ja sehr früh dran. Die Idee keimte intern schon, bevor sie der VfL Bochum als erster Revierverein umgesetzt hat. Aber da waren die Techniker in Sachen Umsetzung eben einen Tag schneller. Daraus entstehen dann Folge-Aktionen, weil eben jeder von uns seinen Stadionbesuch vor Augen abspult und sich hinterfragt: Was gehört noch dazu? Darum ähneln sich die Aktionen der Vereine auch so. Das hat nichts mit Abschreiben oder so zu tun. Das sind einfach grundlegende Artikel, mit denen ein Verein Geld verdient. Wir gönnen es jedem, wenn er dadurch sein Corona-Loch stopfen kann. Unsere Fans haben das quasi per Social Media mit angestoßen. Darum konnten wir auch problemlos behaupten, dass uns der Wunsch der Fans Befehl sei. Über die Solidaritätsschiene konnten wir einige Fans und Freunde mobilisieren. Das ist eine tolle Erkenntnis. Ich hoffe, sie hält an, bis wir wieder richtige Spieltagskarten verkaufen können, denn dann können wir auch im Stadion ordentlich Eigenwerbung betreiben. Aber bis hierhin muss man unseren Unterstützern – die es der Bestellerliste nach zu urteilen von Sylt bis Bad Tölz gibt – ein großes Kompliment machen.

Es wird viel spekuliert, wie mit der coronistisch unterbrochenen Saison nun weiter zu verfahren ist. Es muss ja irgendwie weitergehen, auch ohne Eierlikörchen. Von Saisonabbruch bis hin zur Verlängerung vor leeren Tribünen ist fast alles dabei. Was ist Euer Wunsch für die restliche Saison?

Martin vom Hofe: Ich glaube wir sind leider weit entfernt von Wünsch Dir was. Aber wenn Ihr mich so fragt: Saisonabbruch und Alemannia und RWE in Liga 3!

Marcus Uhlig: Leere Tribünen stellen uns wirtschaftlich vor eine fast unlösbare Aufgabe, weil wir unsere Kosten wieder hochfahren müssten, gleichzeitig aber keine Einnahmen über unsere Heimspiele generieren könnten und uns mit Rückforderungen von Dauerkarteninhabern und Sponsoren konfrontiert werden. Da sprechen wir dann mal eben über 2,5 Millionen Euro. Daher würden wir uns wünschen, dass die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt werden kann oder abgebrochen wird, wobei in einem solchen Fall das bisherige sportliche Abschneiden sowie die Chance auf sportlichen Erfolg zwingend mitgedacht werden müsste. 

Thorsten Sterna: Da ein Großteil unserer Saisonplanung auf den Zuschauerzahlen basiert, wäre es genauso fatal wie für RWE, wenn wir zu Geisterspielen gezwungen werden. Erst kürzlich hat die Regierung das Kontaktverbot verlängert und dem Verband die Entscheidung quasi aufdiktiert. Alles andere als eine Bestätigung des Votums seitens des Verbandspräsidiums würde uns nur schwer wundern. Eine „künstliche“ Verlängerung bis ins nächste Jahr sehen wir aus diversen Gründen für undenkbar – und auch rechtlich angreifbar.

Die obere Hälfte der dritten Liga wünscht keine Zweigleisigkeit; befürchtet sportliche Verwässerung und finanzielle Verluste magenta-ler Art. Die untere Hälfte der Drittligisten würde für einen „Saisonus interruptus“ plädieren. Ohne Absteiger natürlich (Diese Schlingel). Und ambitionierte Regionalligisten könnten sich bisweilen sehr für eine zweigleisige Dritte Bundesliga erwärmen. Wie sieht der Wunsch für die Zukunft aus?

Martin vom Hofe: Allgemeiner Wunsch nach einer richtigen Reform ist ja schon seit längerem da. Nun hätte man da ja ggf. mal die Chance es coronabedingt aufzugleisen. Das „Wie“ ist und bleibt aber doch die Gretchenfrage.

Marcus Uhlig: Wir sollten uns in der aktuellen Situation zumindest keine Denkverbote auferlegen. Der Übergang von Liga 4 in Liga 3 ist längst als Fehler im System erkannt. Eine zweigleisige 3. Liga würde den Flaschenhals weiten und würde dazu führen, wirtschaftliche Folgen für einige Vereinen zumindest abzuschwächen.    

Thorsten Sterna: Ist doch klar. Wer einmal etwas hat, gibt es auch ungern wieder. Aber das muss ja nicht zwingend so eintreffen. Die zweigleisige 3. Liga ist aus mehreren Gründen spannend. Sie lässt die Vereine ihre bisherigen Ausgaben durch kürzere Reisewege und weniger Hotelkosten reduzieren. Auf der Habenseite könnten die vielen Derbys, die dadurch generiert werden, zu Buche schlagen. Es wäre auf jeden Fall eine großartige Sache für alle Freunde des Traditionsfußballs. Als Schlingel würde ich die aktuelle untere Drittliga-Hälfte nicht unbedingt bezeichnen. Durch Corona sind alle Vereine mehr als genug gestraft. Jetzt wäre es das richtige Zeichen der Verbände, in diesem für alle Beteiligten schwierigen Jahr nur Gewinner zu produzieren. Das schafft man ganz leicht mit der einmaligen Aussetzung der Abstiegsregel. Wenn die Verbände sich dafür öffnen und dann auch noch die 3. Liga anpassen, könnten auch die Verbände als Gewinner der Coronakrise vom Platz gehen.

Wir wissen ja aus Essen, dass „Geisterspiele“ in der Regionalliga möglicherweise Punkte bringen können, ohne TV Vertrag aber keine rentable Veranstaltung darstellen. Im Gegenteil, die Kosten  für das „Drumherum“ dürften ein weiteres Verlustgeschäft bedeuten. Grundsätzlich und losgelöst von unserer gemeinsamen Liga die Frage an den Fußballfan: Geisterspiele im TV, guckt man sich die wirklich gerne an? Und hat Dieter Karten mit seiner steilen These Recht, dass Bundesliga Fußball ohne Zuschauer/Emotionen qualitativ profitieren kann?

Martin  vom Hofe: Ich habe mir auch das Spiel Gladbach gegen Köln angeguckt. Es war schon gruselig aber aktuell ist halt nichts und ich würde es so werten für mich, dass es der Übergang zur neuen Saison ist, in der hoffentlich wieder alles beim Alten ist.

Marcus Uhlig: Nein, das sehe ich anders. Fans und Emotionen sind ein extrem wichtiger Teil dieses Sports. Was Geisterspiele angeht, ist unsere Position ja bekannt. 

Thorsten Sterna: Machen wir uns nichts vor: Zum Fußball gehören Emotionen. Das gegenseitige Befeuern der Fanblöcke, der Jubel beim entscheidenden 1:0 in der Nachspielzeit und so weiter. Aber über allem steht nun mal die Gesundheit der Menschen. Die muss immer gewährleistet sein. Wenn das nicht der Fall ist, muss man Kompromisse eingehen. Wenn es den 36 Klubs da oben weiterhilft, dann kann dieser Kompromiss das Geisterspiel sein. Davon, dass es die Klubs da oben gibt, profitieren wir ja auch. Sei es bei Zuschauereinnahmen durch Testspiele oder Transfers von Talenten unter den Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Andersrum brauchen die Top-Klubs uns natürlich auch. Wenn wir wegbrechen würden – und mit „wir“ meine ich sämtliche Viertligisten, die freiwillig ein NLZ unterhalten – DAS würden die da oben auch merken. Dann kommen die Felix Passlacks, Gideon Jungs, Max Meyers und Co. nicht mehr so zielstrebig oben an. Deshalb: Leben und leben lassen. Am Ende sitzen wir auch hier wieder in einem Boot.

Kommt die Stadt Euch als Verein entgegen? Bis September ist noch lange hin. Alles will weiter gepflegt werden für den ersehnten (Ball-)Tag X. Und auch das macht sich ja nicht von alleine.

Martin vom Hofe: Hier befindet man sich noch in Gesprächen.

Marcus Uhlig: Die Stadt hält hier alles gut in Schuss, der Platz sieht so gut aus, wie seit vielen Monaten nicht mehr. Was jetzt noch fehlt, ist der Fußball.

Thorsten Sterna: Glücklicherweise ja. Das Oberhausener Gebäudemanagement, die OGM, hat uns zunächst bis Mitte des Jahres auf sämtliche Räumlichkeiten die Miete erlassen. Das ist ein großes Pfund und da sind wir der OGM sehr dankbar. In den letzten Spielen vor der Pandemie sah unser Trainingsplatz, gelinde gesagt, nicht schön aus. Auch das Spielfeld im Stadion Niederrhein war teilweise in einem desolaten Zustand, sodass sich sogar unser Cheftrainer Mike Terranova zu der Aussage hinreißen ließ, dass er den Rasen in seiner siebenjährigen RWO-Zeit so nie gesehen hat. Aber mittlerweile muss man unsere Grünflächen als die großen Gewinner der Auszeit erwähnen. Beide Plätze sind auch dank der Bearbeitung der unermüdlichen Pflegekräfte der OGM wieder in einem erstklassigen Zustand. Wenn es allein danach ginge, könnte es gerne bald wieder losgehen (lacht).

Wie geht es Eurer Mannschaft? Den Spielern? Wird wieder trainiert und was macht Corona mit der Psyche eines Sportlers, der an die Kette gelegt ist? Klar, ein jeder kann sich individuell fit halten. Aber die Abläufe auf dem Feld und all das, was den Mannschaftssport ausmacht: All das darf momentan nicht stattfinden. Kann das auf lange Zeit kompensiert werden? 

Martin vom Hofe: Das ist eine gute Frage die wohl kaum einer beantworten kann. Es wird Ihnen so gehen wie vielen anderen Arbeitern aktuell die in Kurzarbeit sind. Wir haben uns das alles bestimmt nicht so vorgestellt. Für die Jungs wünsche ich mir natürlich, dass sie bald aus dem öden individuellen Trainingsalltag rauskommen und wieder auf den grünen Rasen dürfen – aber das steht leider noch in den Sternen wann dies sein wird.

Marcus Uhlig: Das kann es ganz und gar nicht. Fußball ist ein Mannschaftssport, daher müssen Spieler zusammen funktionieren. Man kann noch so fit sein: Individuelles Training kann nie ein Ersatz für Mannschaftstraining sein.

Thorsten Sterna: Momentan befinden sich alle Spieler im Standby-Modus und halten sich individuell fit. Jeder Spieler hat einen eigenen Trainingsplan von unserem Trainerstab mitbekommen. Aber irgendwann kennt man dann auch jeden Baum im Park und hat die Zeiten der anderen Jogger auch auswendig drauf. Die Jungs wollen Fußball spielen! Sie wollen mit dem Ball arbeiten, Spielzüge einstudieren und Wettkämpfe bestreiten. Aber all das darf momentan nicht stattfinden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn man Ihnen Ihr Spielzeug wegnehmen würde? Natürlich arbeitet der eine oder andere auch an seinem zweiten Standbein und büffelt grad Stoff für die Uni weg. Aber letztendlich sehnen sich alle wieder nach dem guten alten Fußballspiel.

Das erste Spiel nach dem „Hustensohn“: Wird der Fußball ein anderer sein? Gibt es den Zweikampf, wie wir ihn kennen? Oder die Jubeltraube nach einem Tor? Oder ist das Stadion voller denn je und wird inbrünstiger als jemals zuvor gesungen? 

Martin vom Hofe: Ich denke schon, dass alles ein wenig anderes sein wird denn es ist aktuell nicht gerade vorstellbar, dass alles wie gehabt weitergeht zumal ja erst mal (zumindest in den oberen Ligen) Geisterspiele drohen. Ich hatte mich eigentlich schon auf den ausverkauften Tivoli gegen Rot-Weiss gefreut da alle endlich wieder im Mai ins Stadion dürfen aber…..

Marcus Uhlig: Die  Hafenstraße ist nicht ohne RWE-Fans zu denken, die sich in den Armen liegen. Ich glaube, die Sehnsucht nach Fußball wird nach überstandener Coronakrise so groß sein, dass wir noch stimmungsvollere und noch ausgelassenere Spiele an der Hafenstraße erleben. Darauf freue ich mich jetzt schon. 

Thorsten Sterna: Ich weiß, es ist unhöflich, aber dennoch gestatten Sie mir diese Gegenfrage: Bis Oktober sollen Großveranstaltungen nicht möglich sein. Was heißt das für den Fußball? Was sind Großveranstaltungen? Werden die Stadionkapazitäten zunächst auf 100, 200 oder 500 Zuschauer runtergeschraubt oder gehen wir sofort wieder „All in“? Der Fußball wird sich definitiv verändern. Natürlich hoffen alle auf ausverkaufte Stadien, wenn das Kontaktverbot wieder aufgehoben ist, aber so vorsichtig, wie unsere Politiker sich an die ganze Thematik begeben – was nicht zwingend falsch sein muss – denke ich einfach, dass wir uns auch im Fußball langsam wieder herantasten. Hoffen wir einfach mal, dass der neue Spielplan es gut mit uns meint und das nächste Derby weit weg von allen Krisen vorsieht. Sicher ist sicher (lacht).

Ich wünsche Euch und Euren Vereinen, dass wir uns alle spätestens irgendwann eines Tages wieder gesund und in alter Rivalität im Stadion wiedersehen. Egal ob Tivoli, Niederrhein Stadion, anne Hafenstraße oder am Zoo…Corona ist hart, aber wir sind härter! Und natürlich (dass wird man mir weder in Aachen noch in Oberhausen verübeln): Nur der RWE! Wir geben zurück ins Studio* zu Addi Furler. 

*Zunächst noch einmal kurz die Schalte zu Thorsten Sterna mit dem Schlusswort: Das wünschen wir uns auch. Vielen Dank für die Kontaktaufnahme. Wir drücken Euch auch die Daumen, dass die ganze Nummer möglichst schadlos an Euch und uns vorbeigeht. Haltet durch und bleibt alle gesund!

Gerade meldete sich noch Werner Hansch mit einer aktuellen Meldung: Corona trägt tatsächlich zur „Konsoledisierung“ bei und sorgt so für Duelle der etwas anderen Art im Klassiker am 9.Mai zwischen der Alemannia & RWE. Wir können für 2€ Tickets dafür erwerben und den Tivoli noch voller als 2015 machen. Da geteiltes Leid halbes Leid ist, kommen die Erlöse aus dem Ticketing beiden Vereinen zu gleichen Teilen zu. Der Gewinner an der Konsole bekommt zudem ein handsigniertes 111 Gründe RWE Buch. Wenn das mal kein Anreiz ist…

Doch wir horchen allein dem Gerücht und wissen durchaus nichts (Homer).

Und wie wir heute so vor uns hin horchten und eigentlich mit ganz anderen Inhalten in Sachen Blog beschäftigt waren, verdichtete sich ein Gerücht, welches  von einer baldigen Telefonkonferenz aller Regionalligisten kündigte. Erstaunlicherweise wusste das Gerücht aber auch schon von dem Ergebnis einer Konferenz zu berichten, die noch nicht nicht einmal stattgefunden hat.

Was also besagt die Gerüchteküche? Die Gerüchteküche im, seit kurzem, Land der Küchenbauer hat ein Menü gezaubert, von dem mir eher schlecht wird, als dass ich es wohlschmeckend finden kann: Corona wird die Regionalliga beenden. Soweit, so gut! Und es wird keine Absteiger geben. Meinetwegen! Aber einen Aufsteiger sollen sich angeblich sechzehn der achtzehn Vereine wünschen: Und zwar den SC Verl. Seines Zeichens aktueller Tabellenzweiter. Anstelle des SV Rödinghausen also. Dem Küchenbauerverein ohne Umfeld.

So, und jetzt noch einmal der Reihe nach: Ein Verein, dessen Teilnahme an der Relegation laut Punktestand noch nicht einmal annähernd feststeht, soll also aufsteigen. Ohne Relegation! Diese wird also komplett ausgehebelt? Oder wie darf ich Unwissender das verstehen? Man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, weiß die Liga darüber noch nicht einmal annähernd, wo der eigene Saisonfrosch die endgültige Locken hängen hat! Und man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, hat auch die konkurrierende Relegationsliga noch nicht annähernd Kenntnis davon, dass die Relegation scheinbar ausgesetzt werden wird.

Ganz wichtig: Es geht hier nicht gegen den SC Verl als Verein! Es geht hier gegen den Planungswahnsinn, der gerüchteweise scheinbar schon auf den Weg gebracht wurde… Die Verler Mannschaft hat bis Corona eine tolle Saison gespielt. Zu unserem Leidwesen!

Wenn es also heute wirklich dazu kommen sollte, dass die Saison für beendet erklärt wird, und der SC Verl aufsteigen darf….ja dann ist das nicht nur eine weitere Kerbe in dem Gürtel der Unwägbarkeiten bei Rot-Weiss Essen. Es wäre vor allem eine der absurdesten sportliche Entscheidungen seit dem Bundesliga Skandal von 1971.

Ey, wenn jetzt der SC Verl den gefühlt 375 Punkte Vorsprung  der Reds aus Liverpool auf den Rest der Liga hätte, dann wäre eine solche Entscheidung nachvollziehbar und würde keiner etwas dagegen haben. Im Gegenteil. Aber so…….

Ne ne! Zunächst einmal ein ernst gemeinter Mittelfinger in Richtung derer, die gezielt diese Indiskretion vorab jeder Zusammenkunft verbreitet haben. Und auch in Richtung derer, die glauben, nun nach Gutsherrenart den Fußball stets in die gewünschte Richtung lenken zu wollen, wie es gerade beliebt. So einfach geht das nicht.

Macht einfach! Freut Euch! Aber seit Euch sicher: Rot-Weiss Essen wir niemals untergehen!

Man muß die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen (Alexander von Humboldt).

Ach könnten wir doch in die Zukunft schauen, ist doch die Gegenwart gerade schwer zu ertragen und kaum zu genießen. Aber, wir alle müssen und kommen da durch. Gemeinsam! Und wir haben nun auch verstanden, dass wir unsere geliebte Hafenstraße wohl erst im September wieder aus Anlass eines RWE Spiels betreten werden. Zusammen! Wer dann der Gegner sein wird; in welcher Liga das Spiel gespielt wird und überhaupt….dass kann stand heute keiner sagen.

Allerorten ruht auch der Sport und wird nie wieder derjenige sein, der er einmal war. Vielleicht aber ist Corona wirklich nicht nur tödlich, sondern auch diese eine letzte Chance, unsere Sicht auf viele Dinge zu verändern. Zu erden und zu relativieren. So auch den Fußball. Als Rot-Weiss Essen sind wir dieser Tage sehr gefragt, scheint unser Überlebenskampf in Anbetracht der hohen Leidenschaft aller Rot-Weissen etwas ganz besonderes zu sein. Und ja, wir sind auch etwas ganz besonderes. Wir sind weit unten und doch immer auch ganz oben. Wir sind RWE!

Mangels Berichterstattung über den rollenden Ball rauchen nun die Köpfe, wie man nach Corona wieder starten kann. Sucht nach einer Neuausrichtung in Sachen Ligenstruktur. Es muss ja irgendwie weiter gehen.  Dahingehend habe selbst ich mir so meine Gedanken gemacht. Gut, wir wissen alle, die spinnen die Briten. Und das schreibe ich, obwohl sie meine große Zuneigung und Liebe genießen. Zudem kommen immer mehr Fans von der Insel rüber in unser Land, um ein intensives Fußballwochenende zu genießen. Die Dinge in Sachen Leidenschaft haben sich diesbezüglich umgekehrt. Aber, die Engländer haben etwas, was mich weiterhin auf ewig faszinieren wird, und zwar ist das deren Ligenpyramide. Neben Lisbeth der Zwoten natürlich.

Wäre unser Fußball einfacher zu verwalten, würden wir diese eins zu eins auf den Deutschen Fußball übertragen? Könnten wir nach dem Lockdown einfacher starten mit jener klaren Struktur in England? Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und nach englischem Vorbild die ersten sechs Ligen (nach aktuellem Tabellenstand) eingeteilt. Und würde mich zur Belohnung über eine Diskussion darüber freuen. Die Zweitvertretungen habe ich außen vor gelassen. In meiner Welt spielen die dann in einer eigenen, separaten Runde. Wie in England halt.

Aber was wären das für Ligen? Der BFC Dynamo Berlin könnte endlich auf den TSV Buchbach treffen. Die Ein Mann Fanfraktion aus Illertissen könnte sich am Meckerhügel bei Altona 93 so richtig austoben und der Old School Anhang des SV Atlas aus Delmenhorst am Schetters Busch in Essen mal so richtig pöbeln. Und natürlich würde auch der Auftritt von Lokomotive Leipzig anne Hafenstraße einiges an Althauern hervorzaubern. Ich sach mal so: Ich wollte schon immer mal mit dem RWE nach Rödinghausen!

Erste Bundesliga ( 20 Vereine3 Absteiger)

FC Bayern München,

Borussia Dortmund,

SSV Markranstädt/FaS,

VfL Borussia Mönchengladbach,

Bayer 04 Leverkusen,

Gelsenkirchen,

VfL Wolfsburg,

SC Freiburg,

TSG Hoffenheim,

1.FC Köln,

1.FC Union Berlin,

SG Eintracht Frankfurt,

Hertha BSC,

FC Augsburg,

1.FSV Mainz 05,

Fortuna Düsseldorf,

SV Werder Bremen,

SC Paderborn,

DSC Arminia Bielefeld,

VfB Stuttgart,

Zweite Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 3 Absteiger)

Hamburger SV,

1.FC Heidenheim,

SpVgg Greuther Fürth,

SV Darmstadt 98,

Holstein Kiel,

Erzgebirge Aue,

Hannover 96,

SSV Jahn Regensburg,

FC St. Pauli,

VfL Osnabrück,

SV Sandhausen,

1.FC Nürnberg,

VfL Bochum,

SV Wehen Wiesbaden,

Karlsruher SC,

Dynamo Dresden,

MSV Duisburg,

SV Waldhof Mannheim, 

SpVgg Unterhaching,

SV Meppen,

FC Ingolstadt,

TSV 1860 München,

FC Hansa Rostock,

Eintracht Braunschweig,

Dritte Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 4 Absteiger)

Würzburger Kickers,

KFC Uerdingen 05,

FC Viktoria Köln,

Chemnitzer FC,

1.FC Kaiserslautern,

1.FC Magdeburg,

Hallescher FC,

FSV Zwickau,

SC Preußen Münster,

SG Sonnenhof Großaspach,

FC Carl-Zeiss Jena,

VfB Lübeck,

SC Weiche Flensburg 08,

VSG Altglienicke,

1.FC Lokomotive Leipzig,

Energie Cottbus,

SV Rödinghausen,

SC Verl,

Rot-Weiss Essen,

1.FC Saarbrücken,

SV Elversberg,

TSV Steinbach Haiger,

Türkgücü München,

1.FC Schweinfurt 05,

Vierte Bundesliga (24 Vereine – 4 Aufsteiger, 2 Absteiger)

SV Drochtersen/Assel,

Eintracht Norderstedt,

BSV SV Rehden,

VfB Oldenburg,

TSV Havelse,

Union Fürstenwalde,

BFC Dynamo Berlin,

Berliner AK 07,

FC Viktoria 1889 Berlin,

VfB Auerbach,

Rot-Weiß Oberhausen,

TSV Alemannia Aachen,

Sportfreunde Lotte,

Bonner SC ,

Wuppertaler SV,

FC 08 Homburg,

FC Astoria Walldorf,

SSV Ulm 1846,

Kickers Offenbach,

FSV Frankfurt,

SpVgg Bayreuth,

Viktoria Aschaffenburg,

VfB Eichstätt,

TSV Buchbach,

Erste Amateurliga (24 Vereine – 2 Aufsteiger, 4 Absteiger)  (Level 5)

Lüneburger SK Hansa,

SSV Jeddeloh,

Altona 93,

Heider SV,

HSC Hannover,

ZFC Meuselwitz,

SV Lichtenberg 47,

BSG Chemie Leipzig,

Optik Rathenow,

Wacker Nordhausen,

TuS Haltern,

SV Lippstadt 08,

VfB  Homberg,

SV Bergisch-Gladbach,

VfR Aalen,

FC Gießen,

FK Pirmasens,

TSG Balingen,

TuS RW Koblenz,

TSV Aubstadt,

Wacker Burghausen,

FV Illertissen,

TSV Rain,

SV Heimstetten,

Zweite Amateurliga Nord (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

1.FC Phönix Lübeck,

SV Todesfelde,

TSB Flensburg,

TuS Dassendorf,

FC Teutonia Ottensen,

Tennis Borussia Berlin,

Greifswalder FC,

FC Hertha 03 Zehlendorf,

TSG Neustrelitz,

MSV Pampow,

Borussia Hildesheim,

SV Atlas Delmenhorst,

VfL Oldenburg,

Egestorf-Langreder,

FC Oberneuland,

TuS Schwachhausen,

SV Straelen,

1.FC Monheim,

SpVg Schonnebeck,

SC Wiedenbrück,

RSV Meinerzhagen,

SG Wattenscheid 09,

Zweite Amateurliga Süd (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

TSV Schott Mainz,

TuS Koblenz,

SV Eintracht Trier,

Eintracht Stadtallendorf,

KSV Hessen Kassel,

FC Eddersheim,

FSV 63 Luckenwalde,

FC Einheit Rudolstadt,

FC Eilenburg,

FC International Leipzig,

VFC Plauen,

1.FC Merseburg,

Göppinger SV,

Stuttgarter Kickers,

FV Ravensburg,

SV Oberachern,

DJK Vilzing,

SC Eltersdorf,

SV Seligporten,

FC Pipinsried,

TSV Wasserburg/Inn,

FC Deisenhofen,

 

„Winnetous Mund spricht leise, aber laut spricht sein Herz.“ „Und was sagt sein Herz ?“ „Fußball“. (Möglicherweise ein Zitat aus Winnetou II)

Weihnachten kommt meistens John McClane und legt sich Jahr um Jahr mit den selben Bösewichten an. Zu Ostern jedoch reiten Winnetou und Old Shatterhand zuverlässig durch den Bildschirm. Gut, manchmal nimmt Winnetou auch den anderen Kumpel Shurehand mit. Und weil das eben jährlich geschieht, TV Zeitschriften aus der Mode kommen und man an den Feiertagen natürlich Zeit für die Familie haben möchte, ist das auch nicht mehr so von Bedeutung. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Unser gewohntes, „normales“, Leben wurde geradewegs viral storniert. Der Urlaub fällt flach; Kaffee & Kuchen bei Omma und Oppa auch. Brunchen mit den Freunden? Kannste auch vergessen! Wer Weihnachten wieder mit der Familie feiern will, der muss Ostern 2020 allein oder im engsten Familienverbund und in den heimischen vier Wänden auf Eiersuche gehen. 

Ostern ist zudem die Zeit für uns Fußballfans, welche langsam aber sicher auch die Zielgerade der aktuellen Saison einläutet. Nicht wenige verbinden den Besuch eines Ostergottesdienstes auch mit einem Stoßgebet für den eigenen Verein, auf dass die Saison erfolgreich enden möge. Oder wenigstens glimpflich ausgehen. Nun ist uns nicht einmal das vergönnt. Uns ist, stand aktuell, wohl so ziemlich egal, wie die Saison enden wird. Unsere Gedanken gehen eher in die Richtung, dass wir überhaupt noch mal zu unseren Vereinen dürfen. 

Halten wir also fest: Der Ball rollt nicht und Winnetou lebt auch nach Teil 3 immer weiter. Was also tun, um vielleicht doch ein wenig die Sehnsucht nach dem runden Leder stillen zu können? Da gibt es verschiedene Wege. Und wir können ein wenig dazu beitragen. Als da wären…

Streaming:

Auf Netflix läuft dieser Tage die zweite Staffel der Dokumentation rund um den notorisch erfolglosen Drittligisten AFC Sunderland an. „Sunderland `Til I Die“ heißt sie, und ist in der Tat zum Sterben schön anzuschauen. In der ersten Staffel war der soeben erfolgte Abstieg aus der Premier League in die Championship das Kernthema. Und weil Abstiege in der Arbeiterstadt Sunderland scheinbar besonders gut das Leiden der Fans dort veranschaulichen, ging es direkt noch eine Etage runter. Die zweite Staffel startet also in der Drittklassigkeit der Englischen „League One“. Während Vereinsverantwortliche aus Staffel Eins naturgemäß nicht mehr mit dabei sind, halten die Protagonisten auf Fanebene weiter Verein und Filmteam die Treue. Und weil das Filmteam auch ein gutes Gespür für das Wohl und Wehe der Fans hat; für das Leid und die Freude auf den Tribünen während der Neunzig+ Minuten, bekommen wir Eindrücke, die sich einen selbst wiederfinden lassen. Wie seelenlos kommen Vereinsdokumentationen hiesiger Vereine daher, wenn man sich mit den Sunderland Fans bei einem unterklassigen Pokalfinale gegen Portsmouth in Wembley wiederfindet….ich möchte hier nicht mehr verraten. Aber, wer diese zweite Staffel nicht in einem Rutsch schaut, der hat den Fußball nicht geliebt. Das ist so authentisch, es könnte fast 1:1 auch an der Hafenstraße 97a in Essen spielen. 

Ebenfalls auf Netflix (wieder in England spielend), kommt die Serie „The English Game“ zu uns auf die Empfangsgeräte. Wir reisen zurück in das Jahr 1879 und finden distinguierte Herren vor, die in gefühlt 10 Kilogramm schweren Fußballstiefeln auf holperigem Rasen einer Lederkugel hinterherlaufen. Fast die gesamte Vorstandsriege der noch jungen FA kickt unentgeltlich für die „Old Etonians“. Und gewinnen immer. Sie halten das Spiel für eine elitäre Angelegenheit, da es die Eliten waren, die ihm die teilweise noch heute geltenden Regeln gaben. Zwei Schotten sollten das nun ändern und auch der Arbeiterklasse zu Ruhm und FA Cup verhelfen, indem sie gegen die Regeln verstossen und sich für Geld anheuern lassen. Natürlich ist auch eine wenig „Downtown Abbey“ und anderweitige Dramatik abseits des Spielfelds mit dabei. Aber, es ist auch viel Fußball jener Tage zu sehen, und er wird wirklich authentisch umgesetzt. Es gibt die Anfänge der Hooligan Bewegung und einmal mehr viel über die englische Kultur zu sehen. Jimmy Love, Fergus Suter, Arthur Kinnaird und andere sind real existierende Figuren und haben das Spiel zu ihren Lebzeiten zu dem gemacht, wie wir es schon so lange lieben. Optisch sehr ansprechend umgesetzt. Diese Serie wird uns den Fußball auf Kreisligaebene noch ein wenig mehr vermissen lassen, denn schließlich ging es auch schon 1879 direkt aus der Kneipe auf das Feld.

Netflix zum Dritten: Das aktuell so gebeutelte Italien ist Schauplatz des Films „Ultras, über das Ergebnis hinaus“. Vorab: es gibt keinen rollenden Ball und nicht einmal ein Stadion von innen zu sehen! Die Fahnen der fiktiven SSC Neapel Ultra Gruppierung „Apache“ wehen trotzdem immer wieder im Bild; es geht des weiteren szenetypisch um Banner und Generationskonflikte innerhalb der Ultras. Genau genommen gehören mittlerweile schon drei Generationen den Apaches und deren Umfeld an. Die Gründungsväter, allesamt um die fünfzig, könnten auch an einem x- beliebigen Spieltag von RWE rund um das Hafenstübchen gecastet worden sein. Was hat man da für Charakterköpfe gefunden. Das Problem des Films: Es geht auch um einen kaum angerissenen Mord, um ungeklärte Familiengeschichten und natürlich darf auch die (ebenfalls ungeklärte) Beziehung inklusive Sexfaktor nicht fehlen. Stilecht mit Zigarette danach. Man ahnt schon: Eher Stoff für eine Serie, anstatt für einen neunzig minütigen Film. Hier haben die Macher zu viel gewollt und doch zu wenig erzählt. Man hatte keine Zeit, eine Filmfigur so zu nuancieren, so dass man ihr durch den Film folgen möchte. Und das Ende auch eher so… Aber der Film wird seine Anhänger finden und die Gesänge sind bisweilen wirklich gelungen. Für einen besseren Einblick in die Italienische Ultra Kultur auch vergangener Tage empfehle ich daher eher die DVD des 1990 erschienenen Films „Ultra-blutiger Sonntag“ aus dem Jahre 1990 um Principe und seine Gruppe der AS Rom Fans auf dem Weg zum Gastspiel bei Juve. 

Direkt nun zum etwas älteren Medium der DVD`s und Blue Rays zu kommen, wäre unfair dem gedruckten Wort gegenüber. An Tagen wir diesen ein Buch, eine Zeitschrift oder eine Tageszeitung in die Hand zu nehmen, bedeutet nicht nur haptisches Vergnügen, sondern auch die Rückkehr zu einer einzigen Handlung (Mal angenommen, dass Handy bleibt dabei wirklich außen vor). Natürlich ist jedes Buch rund um Rot-Weiss Essen schon in den heimischen Bücheregalen zuhause (davon gehe ich einmal aus), weshalb Empfehlungen für diese schmerzhafte fußballlose Zeit ein wenig über den Tellerrand hinaus gehen:

Druckwerke:

Zeitspiel“, das Magazin für Fußball Zeitgeschichte hat schon 17 Ausgaben hinter sich, erscheint einmal im Quartal und bietet druckfrisch die Ausgabe #18 an. Auf meistens hundert Seiten wird ziemlich textlastig über den Fußball unterhalb der Profiligen berichtet. Hardy Grüne und Frank Willig als Herausgeber und Autoren berichten in unglaublicher Fleißarbeit über Vereine wie Fichte Bielefeld, die Anfänge des Volkssports Fußball und manchmal auch über Rot-Weiss Essen. Wobei die Texte zu RWE dann schon mal von mir stammen könnten. Das Zeitspiel hat unseren RWE in einer der vorherigen Ausgabe schon mal als „Legende“ geadelt, nicht aber ohne anzudrohen, dass wir im Aufstiegsfalle nicht mehr zu den so geliebten Kleinen im Fußball gehören und dann den Zeitspiel Kosmos verlassen müssen. Wer nun dieser Tage also richtig viel Zeit hat, um sich wirklich mit hintergründigem Fußballwissen zu bereichern, der sollte sich das Fußballmagazin „Zeitspiel“ online (geht nur so) bestellen. Das ist wie Fußball zu lernen. Nur schöner.

Muss man zu „11Freunde“ noch viel schreiben? Eigentlich nicht. Seit zwanzig Jahren hat es sich von einem Fanzine zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Fußballs hochgeschrieben. Und uns mit der Ausgabe #179 eines der wohl schönsten Heftcover überhaupt geschenkt. Eine Reise zu den Überlebenskünstlern im Ruhrgebiet das Hauptthema jener Ausgabe. Das Cover jedoch ein Träumchen vonne Hafenstraße, mit dem eigentlich schon alles gesagt wurde. Mittlerweile ist schon die Ausgabe #221 auf dem Markt. Inhaltlich folgt meistens auf drei gute und vielschichtige Ausgaben schon mal eine gefühlt etwas lustlosere. Also wie bei Rot-Weiss Essen zum Beispiel. Sind halt auch alles Fußballer da in der 11Freunde Redaktion. Zum zwanzigsten Geburtstag nun erscheint ein ziemlich dickes Buch mit einer launigen Reise durch zwei Jahrzehnte Heft- und Fußballgeschichte. Ich kann nicht beschreiben, wie es sich liest, da es sich noch unter dem Coronaschleier beim örtlichen Buchhändler des Vertrauens (ohne aktuellen „Zugang“) befindet. Aber ich glaube zu wissen, dass es die Wartezeit auf den rollenden Ball durchaus zu verkürzen weiss. 

Hardy Grüne zum Zweiten und zum Dritten: Hardy Grüne ist nicht nur ein profunder Fußballkenner und -Historiker, sondern auch ziemlich reiselustig dazu. Abseits der Arbeiten am „Zeitspiel“ werden immer wieder Bücher der eigenen Reiseerlebnisse veröffentlicht. Mal mit dem Rad durch England ohne Fußball (Aber im Bristol Rover Trikot) und mal ohne Rad aber mit viel Fußball durch Montevideo und Buenos Aires. Und diesen beiden Besuchen verdanken wir nun jeweils ein Buch über jede (Fußball-) Stadt. Die Fotos der komplett verranzten Stadien ein Traum an sich, die Akribie der Texte mal wieder ein echter Grüne. Hier steht nichts von einzelnen Spielen geschrieben. Hier geht es um die Bedeutung des Vereins für das Viertel und umgekehrt. Jeder einzelne Verein, sein Stadion (falls man es noch so nennen kann) und seine Szene bekommen genug Zeilen eingeräumt, so dass man am Ende der Bücher sicher sein kann: Essen ist ziemlich sicher Rot-Weiss. Aber Buenos Aires definitiv nicht nur Boca oder River Plate und Montevideo nicht nur Penarol.

Und nicht nur, weil so schön ist, Hardy Grüne zum Vierten, sondern auch deshalb, weil einmal mehr der RWE darin vertreten ist: „Fußballwappen“ heißt das Buch und handelt somit unmissverständlich von selbigen. Auf Seite 66 erfahren wir ganz zufällig, dass Rot-Weiss Essen ein echter Glücksgriff in der Fußball-Heraldik gelungen ist. Mensch Hardy, dass wussten wir hier doch schon immer. Dass manch Embleme eher verunglückt sind; sich politischen Vorgaben zu beugen hatten, und so weiter und so fort erfährt der Leser auf einer Reise durch Europas Vereine und seine Wappen. Etwas nicht nur für Freaks und einfach hübsch aufbereitet. 

Aber vielleicht muss es ja nichts neues sein. Vielleicht verstaubt ja noch die wundervolle Klartext Edition im Keller und sollte mal wieder hervorgeholt und gelesen werden: Buchtitel wie zum Beispiel „Höllenglut an Himmelfahrt“, „Bauernköppe, Bergleute und ein Pascha“ oder „Als die Ente Amok lief“ sind schließlich feinster Schaum auf dem Pils und immer mit etwas RWE versehen.

Was aber tun, wenn die Bücher und Zeitschriften gelesen sind, der Nachwuchs wieder dringenst WLAN und Bildschirm benötigt, um in kontaktlosen Zeiten in Kontakt bleiben zu können? Dann gibt es ja immer noch die gute alte DVD nebst Nachfolger Blue Ray. In Zeiten vor Streaming & Co. auch gerne gesammelt und ordentlich archiviert. Daher einige Empfehlungen, wie die Sehnsucht Fußball weiter durch ein gesundes Maß an Fußballkultur etwas gelindert werden kann: 

DVD/BR:

Es bestehen ja eigentlich kaum Zweifel darüber, welches mittlerweile der schönste Fußballfilm aller Zeiten ist: Die Schale geht für mich unangefochten an „Das Wunder von Bern“. Man glaubt sich mittendrin zu wähnen in diesem Sommer 1954. Kann nicht nur den Kohlenstaub in Essen riechen sondern auch die gesunde Luft der Alpen. Man fühlt fühlt mit den Heimkehrern, aber auch mit den Daheimgebliebenen. Lernt, daß Twitter früher Tauben waren und der RWE auch noch wer. Trotz der Niederlage in Aachen! Ganz groß aber die Leistungen der Darsteller/innen. Es fällt schwer, jemanden herauszuheben. Und doch waren meine Favoriten die Figur der Christa, verkörpert durch die wunderbare Johanna Gastdorf und speziell die des Paul Ackermann, gespielt von Lucas Gregorowicz. Von Ackermann, dem leicht schusseligen Fußballreporter stammt auch der Satz des Filmes nach einer amourösen Nacht: „Noch ein Kaltgetränk ?“. Außer Konkurrenz schwebt natürlich unser aller „Boss“. Sascha Göpel hat alles gegeben, wurde seiner würdig. Ein Film, den man immer und immer wieder anschauen kann. 

Vizemeister und somit direkt für die Regionalliga West qualifiziert ist „Maradona by Kusturica“ Kein Spielfilm als solches. Aber auch keine Dokumentation, um einen gewissen Zeitraum abzudecken. Wie würde auch sonst ein Hugo Chavez in den Karriereverlauf eines Fußballers passen? Aber ein Diego Armando Maradona ist nun mal kein gewöhnlicher Fußballer. In Neapel munkelt man ja heute noch, er sei der Messias. Maradona hat in seinem Leben nichts ausgelassen und mehr Kleidergrößen getragen als Joschka Fischer. Kusturica hat Maradona zu den Orten begleitet, die Meilensteine in seinem Leben und seiner Karriere waren. Wir Zuseher durften auch mit, und ich hatte nicht das Gefühl, groß zu stören. Es sind sehr intensive Momente; sehr ehrliche Einblicke in die Seele eines Menschen, der irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Und sicher auch noch auf der Suche nach dem Ort ist, wo diese rastlose Seele mal zur Ruhe kommen darf. Neben diesem einen Tor werden natürlich noch viele weitere Tore dieses Ausnahmefußballers gezeigt. Ein toller Film!

Knapp dahinter, aber sowas von knapp, findet sich ein Film, der von seiner Machart stark an „Das Wunder von Bern erinnert“. „The Damned United“ heißt er und hat mich schwer beeindruckt. Starke Bilder, ganz starker Michael Sheen. Und Billy Bremner wirkt auch filmisch umgesetzt wie ein „fiesen Möpp“ (Dazu passend und ziemlich neu auf Scheibe der Film „Trautmann“. Die Geschichte des Keepers und Kriegsgefangenen Bernd Trautmann dürfte bekannt sein. Filmisch umgesetzt in der Historie von „The Damned United“ auch ein echter Hingucker). 

Punktgleich auf Platz Vier finden sich dann zwei Filme wieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier der als Mozart gepriesene Thomas und dort der als Schläger verrufene Tommy. „Tom Meets Zizou“ ist recht neu im eigenen Archiv, und hat es auf Anhieb in die vorderen Ränge geschafft. Aljoscha Pause hat den Fußballer Thomas Broich über viele Jahre hinweg begleitet und Höhen und Tiefen eines Spielers dokumentiert. Thomas Broich ist ein interessanter Typ und durch sein Image und dessen Pflege auch bestens dazu geeignet, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, daß Fußballprofis stets auf der Sonnenseite daheim sind. Sind sie natürlich nicht, denn manche spielen auch bei Schalke. Das Spannende an dem Film sind nicht nur die einzelnen Stationen einer Karriere oder die Selbstreflexionen von Thomas Broich dazu. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, ob mir Thomas Broich nun sympathisch ist, oder nicht. Leider bekam ich bislang keine Antwort darauf.

Tommy Johnson hat derlei Probleme nicht zu bewältigen, ist er doch eine fiktive Figur und nicht ein mit Intellekt gesegneter Fußballer. Selbstzweifel kennt die Figur Tommy auch keine und ist zudem gut strukturiert: Etwas Arbeit, viel Drogen und noch mehr Gewalt. Der Film dazu heisst „The Football Factory“. Es ist die Milieustudie, die mich so an diesem Film fasziniert. Dieser so intensive Einblick in die britische Gesellschaft; die Darstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, die eines eint: Der Verein (manchmal nur als Alibi dienend) und die Lust auf Gewalt. Ein treibender Soundtrack unterstützt die Ruhelosigkeit der Protagonisten, stets auf der Suche nach dem nächsten Kick. Der Ball rollt in diesem Film keine Sekunde, selbst ein Stadion ist nicht zu sehen (analog zu „Ultras, über das Ergebnis hinaus“) und doch funktioniert so ein Film nur mit dem Fußball im Bunde. Und das schönste: Man muß keine Gewalt mögen, um von diesem Film fasziniert zu sein.

Ein kleiner Ausschnitt nur, was die Fußballkultur an Vielfalt geschaffen hat. Aber sicher vielfältiger, als sich nun in Dauerschleife vergangene Spiele anzuschauen, deren Ergebnis man schon kennt. Dann doch lieber Winnetou. 

Frohe Ostern. Bleibt gesund.

Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt (Arthur Schopenhauer)

Ich kann nicht für Fans von hochklassigen Vereinen sprechen. Ich kann das nicht einmal für die vielen Fans von Rot-Weiss Essen. Ich kann einfach nur meine viertklassigen Gedanken niederschreiben. Und die drehen gerade emotional so ziemlich am berühmten Rad. Rational betrachtet machen wir gerade alles richtig. Am vergangenen Donnerstag wurden jetzt sogar Reisende aus den benachbarten Niederlanden daran gehindert, in unsere Grafschaft Bentheim einzureisen, sofern sie denn keinen triftigen Grund vorweisen konnten. Zwischen Nordhorn und Denekamp herrscht normalerweise mehr zwischenmenschlicher Verkehr als in jedem Puff der Republik, das zur Erklärung!  Diesen zu unterbinden zeigt einmal mehr den Ernst der Lage und ist auch richtig so. Irrational betrachtet jedoch fehlt uns gerade so ziemlich alles, was unser Leben als Fan ausmacht. Dabei ist übrigens ein schönes Phänomen zu beobachten: Je mehr uns der Alltag momentan im direkten Miteinander an Distanz auch abverlangen mag, umso mehr steigt die emotionale Bindung zu unserem Verein. Also zu Rot-Weiss Essen. Ich denke, dass renommierte Robert Koch-Institut käme zu der selben Erkenntnis, würde sie diesbezüglich Untersuchungen anstellen.   

Auch der allerletzte Fan, der sich in den Kommentarspalten vergangener Tage selbst nach knappen Erfolgen noch hämisch über den Verein ausgelassen hat, dürfte langsam aber sicher verspüren, dass ihm etwas ganz wichtiges im Leben fehlt. Was zuvor im normalen Ligabetrieb so nicht zugegeben werden konnte, galt es doch in erster Linie zu lästern und kundzutun, was für Schwachmaten da Saison für Saison auf dem Feld herumstolpern. Keine Liga, kein pöbeln! Tut uns anderen natürlich auch mal gut. Man kann einen Verein übrigens auch mögen, ohne ihn runterzumachen. Das aber nur so am Rande. 

Unseren stolzen Verein Rot-Weiss Essen besuchen diese Saison bislang durchschnittlich aktuell 10.934 Fans. Unser Verein lebt von diesen Fans. Lebt von den Tageseinnahmen (abzüglich der Dauerkarteninhaber*innen). Lebt davon, was die Fans im Fanshop und an den diversen Tresen an Geld lassen, um sich ihr eigenes Stadionerlebnis zu schaffen. Natürlich lebt ein Verein wie RWE auch von der Unterstützung der Sponsoren, ohne Zweifel! Aber hier an der Hafenstraße zählt und zahlt der Fan noch! Das ist nicht zu vergleichen mit dem Zirkus Bundesliga, wo der Fan oftmals zum Kunden deklariert wird, und ansonsten gerne seinen Mund oder Feindbild zu halten hat. Hier in der Regionalliga lebst Du nicht nur Deinen Verein, sondern dieser lebt auch durch Dich und Deinen Besuch. Das schafft schon mal eine Nähe, die vielen Vereinen speziell der ersten Bundesliga abhanden gekommen ist. 

Zudem bin ich sehr erschrocken darüber, wie schnell das finanzielle Kartenhaus dort im Verbund „Verein und Übertragungsrechte“ zusammenzubrechen droht. Ganz wichtig auch die Botschaft handelnder Personen: Während zum Beispiel bei unserem RWE recht schnell alle Beteiligte Kurzarbeit und Gehaltsverlusten zugestimmt haben, um Verein und Arbeitsplätze zu retten, liest man recht wenig darüber in den oberen Etagen. Im Gegenteil, wird doch eher Rettungsschirm an Rettungsschirm herbeigerufen, um den Bumms am Laufen zu halten. Dumm nur, dass den Bumms wohl kaum einer sehen will, findet dieser zwar am TV, aber in leeren Stadien statt. Hier überschätzt sich der Bundesliga Fußball meines Erachtens gerade gewaltig. Der wirkliche Fußballfan guckt lieber im Stadion Rot-Weiss Essen gegen den „1.FC Wenauchimmer“ als beispielsweise die TSG Hoffenheim gegen den 1.FC Köln als Geisterspiel am Bildschirm. 

Und weil der RWE eine solche Anziehungskraft auf den Fan hat; im hiesigen Fußball immer noch eine gute und emotionale Adresse darstellt, ist er auch ständig mit dabei, wenn in Funk und Fernsehen von den wirtschaftlichen Problemen der Vereine die Rede ist. Marcus Uhlig dürfte sich mittlerweile den Mund fusselig geredet haben, um das Dilemma Corona für den RWE erklärt zu bekommen. Auch dem RWO sein Hajo Sommers in diesen Tagen ein gern gesehener Interviewpartner mit guten Ansichten. Gute Ansichten, die aber immer dann an die Grenzen stoßen, wenn es wirklich um eine Entscheidung geht. Wenn es wirklich um den Tag X geht, an dem die Saison für beendet erklärt wird.

Und nun sitzen wir hier und schreiben auf teurer Tastatur einen Text über unsere Vergangenheit, damit ich den Frust verlier. Ich möcht wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut. Denn RWE find man bekanntlich im Dreck und Heimspiele sind aus Dreck gebaut. 

ja gut, dass war jetzt die Abwandlung von Marius Müller-Westernhagens „Mit 18“. Aber genau so sieht es doch aus. Wir haben Frust ob der Situation, möchten wieder für unseren Verein singen, diesen malochergeprägten und eingetragenen Verein. Aber keiner kann uns sagen, wann wir uns an der Hafenstraße 97a wiedersehen. Ich glaube, dass ist etwas, was am meisten an uns nagt: Es fehlt nicht am Bewusstsein daran, dass alle Maßnahmen aktuell wichtig und richtig sind. Es fehlt an der für uns einzig wirklich wichtigen Entscheidung: Was ist mit der aktuellen Saison? Wer erklärt sie endlich für beendet? Und zu welchen Bedingungen? Wer hat die Lösung parat um allen Vereinen auch nur annähernd gerecht zu werden? 

Gibt es überhaupt eine gerechte Lösung? Oder, ist eine sportliche Lösung überhaupt wichtig, wenn zigtausende Menschen um ihr Leben kämpfen? Ist es vielleicht sogar anmaßend, seinen eigenen Verein über die Belange der Allgemeinheit zu stellen? 

Ich weiss es nicht mehr, zu schwierig eine passende Antwort. Was ich aber in den letzten Wochen gespürt habe ist, einmal mehr zu empfinden, wie sehr ich Rot-Weiss Essen liebe. Der RWE ist Teil meiner Familie. Ich kann nicht ohne, mag mir das auch gar nicht vorstellen. Die Spiele fehlen; die Menschen fehlen. Wir haben aktuell doch nur den Verein als solches. Und den dürfen wir nicht auch noch verlieren.  Ich habe solch eine Sehnsucht nach der Hafenstraße. Aber, ich halte das aus! 

Wenn ein Verein unkaputtbar ist, dann wohl Rot-Weiss Essen. Eher friert die Hölle zu, als das Corona Helmut Rahn vom Sockel holt. Aber wir sollten trotzdem auf unseren Verein aufpassen. So als ob er Teil unserer Familie wäre. Denn eigentlich ist er das ja auch. Seit 1907.

Frohe Ostern. Bleibt gesund. Und bitte bleibt zuhause!