Monatsarchive: Juni 2009

Lohn der Mühen

Dieser schwülwarme Samstag Ende Juni hat allen, die viel Engagement in den Wittekindshofer FC gesteckt haben, etliches zurückgegeben: Fünf Jahre nach unserer Gründung haben wir zwar nicht unsere erste Begegnung, wohl aber unser erstes Fußballspiel als solches und im eigentlichen Sinne, bestritten. Das Schöne daran ist die Tatsache, dass die meisten Mitglieder der Mannschaft seit der ersten Stunde dabei, und bei aller Erfolglosigkeit auch geblieben sind. Vielleicht sind nun diese Spieler nicht “schuld” an der sportlichen Leistungssteigerung, hat es doch auch einige “Neuzugänge” gegeben, aber ohne sie und ihre Freude würde es die Mannschaft des Wittekindshof Gronau kaum mehr geben. Wie dem auch sei: Es wurde beim vereinsinternen Spiel gegen die weibliche Jugendmannschaft richtig guter Fußball geboten. Die regelmäßigen Trainingszeiten unter dem Dach der DJK Arminia Gronau haben einen wahren Schub in Sachen Ballbeziehung, Raumaufteilung und Abwehrverhalten bewirkt. Das divenhafte Verhalten eines Spielers und Freundes des Gelsenkirchener Stadtteilvereines kann daher verschmerzt werden. Unsere Mannschaft ging mit 1:0 in Führung und unterlag schlussendlich nur knapp mit 1:2. Ein wahrer Quantensprung, verloren wir das erste Spiel vor fünf Jahren gegen einen ähnlich starken Gegner noch mit 1:29 (!). Für uns Trainer und Betreuer eine schöne Bestätigung und Motivation, auch weiterhin passende Gegner für den WFCG zu suchen. Wer also eine Mannschaft, bestehend aus geistig Behinderten Fußballer/innen kennt, die ihrerseits auf der Suche nach Spielpartnern sind, kann gerne über das “Vereinsheim” Kontakt aufnehmen.

Die Nadel im Heuhaufen

Die Nadel ist eine neue Information, und der Heuhaufen der SV Eintracht. Vielleicht verhält es sich aber auch andersherum. Bis auf den GN Artikel, dass der SV Eintracht nun von einem Gremium geführt werden soll, gilt weiterhin die informative Nulldiät. Zeit also, etwas Bewegung an den Heidweg zu bringen:

Promotion (prəˈmoʊ̯ʃn̩.)

In einer Spielpause gerät das eigentliche Credo des Fußballs ein wenig in`s Abseits, ist doch dann „nicht mehr nur auf dem Platz wichtig“. Zum Glück ist Fußball ja auch Kultur, wie wir immer wieder feststellen dürfen und geradezu mannigfaltig: So findet am 27. Juni im deutschen Sportmuseum Köln die 35. AGON Sportmemorabilia Auktion statt. Schon der PDF Katalog treibt dem Betrachter die Tränen der Fußballrührung in die Augen. So kommt unter anderem der Original Spielwimpel des Meisterschaftsendspiels von 1955 unter den Hammer (Wer trennt sich denn freiwillig von so einem Exponat?). Das Anfangsgebot liegt bei 1000 €, ein überzeugendes Argument, sich erst gar nicht weiter damit zu beschäftigen. Ich hoffe aber, dass der RWE selber mitbietet. Viele Pokale und Erinnerungsstücke sind nämlich abhanden gekommen. Erinnerungsstücke besonderer Natur bietet regelmässig Ben Redelings im Bochumer Riff. Diese sind verbaler Natur und bieten einen famosen Rückblick auf den Fußball vergangener Tage, ohne aber den Kurzpass auf das aktuelle Fußballgeschehen zu vernachlässigen. In der letzten Saison hat mir Willi Lippens durch seine Erzählungen einen schöneren Abend bereitet, als es der RWE auf dem Rasen in jenen Tage vermochte. In der kommenden Saison lautet das (G)riff(ige) Motto: Legenden des Revierfußballs. Ich habe mich für einen Abend Ende März entschieden, dann ist die lebende Reporterlegende Manni Breuckmann zu Gast. Ich freue mich jetzt schon auf einen launigen Abend. Und zu guter Letzt doch noch etwas über den rollenden Ball: Eine Allstar Truppe des Essener Amateurfußballs tritt zu einem Benefizspiel am 04.07.09 gegen den RWE an. Der Erlös daraus kommt dem gemeinnützigen Verein „Förderturm“ zu Gute. Eine Veranstaltung, die einen würdigen Rahmen verdient hat.

Tröpfcheninfusion

Der Fußballfan an sich ist ja schon eine besondere Spezies: Monatelang wird vor allem im Falle chronischer Erfolglosigkeit das Ende einer Saison herbeigesehnt, nur um sich einen Tag später schon wieder auf die kommende Saison zu freuen. Das ist ja das Lebendige, Aufregende am Fußball: Es geht immer weiter. Aber, das hat uns ja schon Oliver Kahn gelehrt. Trotzdem offenbart die Zeit zwischen den Spielzeiten auch ein Problem: Es gibt keine Spiele, die es zu besuchen gilt, keine Ergebnisse über die es sich aufzuregen lohnt, keine neuen Erkenntnisse in der Beziehungskiste Fans, Verein und Polizei usw. Ergo: Der Fan wartet geradezu sehnsüchtig auf jede neue Meldung und liegt somit auf der emotionalen Intensivstation. Kommen doch neue Meldungen eher tröpfchenweise, denn als großer Aufguss. Die Infusion bei RWE hat bislang Folgendes ergeben: Fünf Neuzugänge gilt es bislang zu vermelden, allesamt aus der dritten, bzw. der Regionalliga. Im groben Raster lesen sich die Verpflichtungen so: routinierter Allrounder, quirliger Youngster, treffsicherer Stürmer und Führungsspieler. Speziell das Mannschaftsgefüge bedarf ja einer Auffrischung, gab sich die Mannschaft der letzten Saison doch eher dem antiautoritären “ich hab ihn, nimm Du ihn” , denn jeglicher Form von Verantwortung hin. Und ein weiterer, erfolgreicher Stürmer zur Entlastung von Sascha Mölders ist auch ein guter Ansatz. Trug er doch zu schwer an der Erwartungshaltung, als Essener Junge den Verein im Alleingang zum Aufstieg zu schießen. An der Seitenlinie hat sich noch nichts Neues ergeben. Nach dem Flop Middendorp tut der Verein in Form von Thomas Strunz gut daran, diese Personalie in aller Ruhe anzugehen. “Plan B” steh ja weiterhin zur Verfügung: Der Vertrauensfrage positiv entledigt, agiert Thomas Strunz als Teamchef und Lizenzinhaber Ralf Aussem übernimmt die tägliche Trainingsarbeit. Ein Drahtseilakt für Thomas Strunz, sozusagen “Lex Magath” in der vierten Liga. Und dann ergab die Infusion noch einen kleinen Tropfen Stadionauffrischung in den Fan- Kreislauf: Das VIP Zelt im Bereich der Westkurve wurde abgebaut, um auf dem Parkplatz hinter der Haupttribüne wieder aufgebaut zu werden. Grund der Maßnahme ist scheinbar folgender: Platz zu schaffen für Baufahrzeuge. Auch Menschen mit Bauplänen, Markierungen oder ähnlich Wünschenswertes wurden schon gesichtet. Etwas irritiert bin ich aber von der Aussage Thomas Strunz in der Revier Sport: Da der RWE nicht der Bauherr ist, wisse man nicht, wann gerade was passiert. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, das der “Ankermieter” Verein und die Stadt eng zusammenarbeiten. Der Stadionbau wird weiter ein aufregendes Thema bleiben, steht „er“ doch einmal mehr in der Kritik, nachdem die Stadt Essen eine Sparwelle verordnet hat.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Es hört sich an wie früher: 1982, Mittwoch Nachmittag so gegen 16.00 Uhr, der Hausaufgaben gerade entledigt: Im ZDF meldet sich der selige Eberhard Stanjek (vermute ich einfach mal) aus Craiova: Das Viertelfinale des ebenso seligen Europapokals der Landesmeister steht an und zwar in Form der Partie Universitatea Craiova vs FC Bayern München. Zu sehen ist außer dem Spielfeld mangels DFB Flutlichtluxensierung nicht viel, aber dieses Geräusch hat sich eingeprägt…..bis heute, bis zum Confed Cup 2009. Keine Ahnung, wie die Geräuschkulisse damals produziert wurde, aber sie erinnert mich stark an die Hornissenschwarmähnlichen Laute der Vuvuzelas dieser Tage aus Südafrika. Man muß kein Hellseher sein, um den Verkaufsschlager 2010 vorherzusagen. Vielleicht wird aber auch noch ein Gegenmittel entwickelt.

It’s one o’clock and time for lunch,dum dee dummmm dee dum……

……When the sun beats down and I lie on the bench I can always hear them talk! Es geht um Genesis, und es geht um das für mich beste Album aller Zeiten. So wie das beste Fußballspiel aller Zeiten nicht zwingend durch die eigene Lieblingsmannschaft bestritten wird, muß auch das subjektiv beste Album aller Zeiten nicht von U2 sein. Dieser Titel geht an das Livealbum “Seconds Out” von Genesis. Man muß sich 95 Minuten Zeit nehmen, und das immer wieder über Jahre hinweg, um zu erkennen, dass dieses Album nicht nur zwölf stimmige Songs beinhaltet. Es ist dieser brilliante Sound, dieses begnadete Zusammenspiel aller Musiker, welches eine magische Atmosphäre schafft, der man sich auch 32 Jahre später nicht entziehen kann. Samtweiche Keyboardläufe wechseln mit elegischen Gitarrensolis, unterstützt durch eine druckvolle Rhythmussektion und dem Gesang von Phil Collins. Wie auf dem Video zu sehen, hatte Phil Collins nicht nur viel Haare auf und in dem Gesicht, sondern auch das Erbe von Peter Gabriel anzutreten. Mit diesem Konzert hat er es geschafft, den Genesis Songs seinen eigenen Stempel aufzudrücken, ohne Gabriel imitieren zu wollen. Was natürlich Genesis Hardliner ebensowenig akzeptieren wollen, wie ich zum Beispiel die Abkehr von Progressiv Rock zu Mainstream Pop a`la Land of Confusion.

Aufgalopp….

…..persönlicher Natur in die kommende WM Saison: Die USA spielen gegen den Weltmeister Italien im Rahmen des Confederations Cup. Den “Confed Cup” haben wir übrigens Fahd ibn Abd al-Aziz zu verdanken. Sollten jetzt alle Fußballfachleute die Stirn runzeln: Es handelt sich um den 2005 verstorbenen und somit ehemaligen saudischen König. 1992 wurde das Turnier um den König Fahd Pokal das erste Mal ausgetragen, und der Werdegang vom belächelten Wüstenpott zum Probelauf im Lande des zukünftigen WM Gastgebers kann hier nachvollzogen werden. Nun gilt es zwar zeitgleich zu gucken, ob beim Spiel der deutschen U21 alle Zaunfahnen an ihrem Platz hängen, aber zunächst verfolge ich das Spiel der USA. Die Affinität zur Mannschaft und Sams Army ist seit der WM 2006 und dem damit verbundenen einzigen Spiel im Stadion unverändert geblieben.

Fußball ist Bildung

Fußball Bildungspreis 2009

Bewerbung des WFCG 04 (Wittekindshofer FC Gronau 04)

Fußball bewegt, so oder so. Und Fußball setzt sich über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. So verwundert es auch nicht, dass im Wittekindshof Gronau, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen jeden Alters, der Fußball eine große Rolle einnimmt. Kommen dann noch Mitarbeiter mit einer entsprechenden Affinität zum Runden Leder dazu, ist der Weg zu einer Mannschaft kein weiter mehr. Diese haben wir dann im Jahre 2004 als „WFCG 04“ gegründet. Und eigentlich können wir nun fairerweise diese Bewerbung auch abschließen, denn Spieler, die zum Zeitpunkt der Mannschaftsgründung noch den Kriterien entsprachen und unter 18 Jahren waren, haben nun die Volljährigkeit erreicht. Auch haben wir Spieler/innen in unserer Mannschaft, die sich schon jenseits der 40 bewegen. Nehmen wir aber das geistige Alter unserer begeisterten Spieler als Grundlage, dann bewegen wir uns definitiv auf einem kindlichen Niveau. Ob wir nun trotzdem an dem Bewerbungsverfahren teilnehmen dürfen, überlassen wir somit der Entscheidung der Jury. Somit bewegt sich unser wechselnder Spielerstamm in einer Altersspanne zwischen 16 und 45 Jahren. Unsere ersten Trainingseinheiten haben wir auf einem ziemlich unebenen Rasenstück hinter dem Schülerhaus des Wittekindshofes in Gronau durchgeführt. Unsere Einrichtung beschaffte uns zu diesem Zwecke zwei transportable Tore, um wenigstens den Ansatz eines Spielfeldes zu haben und dieses auch den läuferischen Fähigkeiten unserer Spieler anpassen zu können. Lange durften wir nicht dort trainieren, waren fußballspielende behinderte Mitmenschen doch zu laut für einen Nachbarn und somit mussten wir das Training einstellen. Daher suchten wir Kontakt zum nahegelegenen Sportverein, der SG Gronau. Dort durften wir einige Monate auf einem Nebenplatz trainieren, der sogar ein Flutlicht besaß und uns auch ein Training in den Wintermonaten ermöglichte. Leider wurden wir oft wieder unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, da der Platz für Nachholspiele etc. benötigt wurde. Von daher war es nicht verwunderlich, dass wir recht bald eine komplette Absage erhielten, den Platz weiter zu nutzen. Nur die Begeisterung für den Fußball und das Gefühl einer Mannschaft hielt unserer Spieler anschließend bei der Stange. Der nächste Neubeginn fand in einer Sporthalle der Stadt Gronau statt. Auch diese ziemlich nahegelegen, so dass wir die Betreuung für den Hin- und Rückweg sicherstellen konnten. Aber auch dieses Intermezzo war nur kurzfristig, pochten doch die Regel Sportvereine auf diese, unsere Trainingszeit. Integration ist für viele immer noch ein Fremdwort und gar schwerlich umzusetzen. Lange Zeit wieder ohne Trainingsmöglichkeit nutzten wir dann den „Platz“ der zum Wittekindshof gehörenden Johannesschule. Zu nutzen natürlich nur im Sommer. Mit Beginn dieses Jahres konnten wir dann aber einen entscheidenden Durchbruch erzielen: Der Sportverein SV Arminia Gronau nahm unsere komplette Mannschaft als eigene Sparte in seinen Verein auf. Somit sind wir dort Mitglieder mit Anrecht auf eine feste Trainingszeit. Die Beiträge übernimmt der Wittekindshof Gronau. Das ein kleiner Einblick über die Schwierigkeiten, einer Mannschaft von behinderten Sportlern eine sportliche Heimat zu bieten. Aufgrund dieser Platzproblematik waren die Unternehmungen abseits von Training und Hinhaltetaktiken viel wichtiger: Unser erster Spiel bestritten wir gegen die Mannschaft unserer Haupteinrichtung in Bad Oeynhausen und verloren dort, sagen wir mal recht deutlich, mit 2:29. Ebenfalls bestritten wir dort das alljährliche Hallenturnier und sahen sportlich schon etwas besser aus. Es folgte an einem bitterkalten Novemberabend das Vorspiel zu einer Regionalligapartie des SV Eintracht Nordhorn im großen Eintrachtstadion unter Flutlicht gegen die Mannschaft der Lebenshilfe Nordhorn. Spielbesuche beim SV Eintracht, einer Bundesligapartie in Duisburg, Regionalligafußball an der ruhmreichen Hafenstrasse beim Besten Verein der Welt, dem RWE; Wir waren in Dortmund, haben dort das Halbfinale der WM für geistig behinderte Fußballer gesehen, spielten weiter gegen Jugendmannschaften von Regelvereinen, richteten ein kleines Turnier aus und wurden unsererseits Bestandteil des integrativen Hallenfußballturniers der Lebenshilfe Nordhorn. In all den Spielen haben wir vielleicht zwei Spiele gewonnen und agieren auf einem recht einfachen Niveau. Viele „normalgeistige“ Sportler hätten schon längst ihre Fußballschuhe an den Nagel gehangen, doch unsere Sportler hängen an unserer Mannschaft, den gemeinschaftlichen Erlebnissen und vor allem den Kontakt zu anderen Mannschaften. Über den Fußball können wir bieten, was den Menschen, die bei uns leben, am wichtigsten ist: Akzeptanz und Normalität. Warum nun diese Bewerbung: die Menschen unserer Einrichtung unterliegen ja meistens einer Vollversorgung und erhalten somit nur ein kleines Taschengeld (Schüler) oder Entgelt (Werkstatt für behinderte Menschen). Eine Fußballausrüstung zu kaufen gestaltet sich daher nicht immer einfach, geht das doch zu Lasten des sogenannten Bekleidungsgeldes. Unseren Satz Trikots verdanken wir einer Spende usw. Gesetz dem Falle einer Förderung durch die Spielwarenmesse könnten wir alle Mitspieler mit Fußballschuhen, einer Sporttasche und einheitlichen Trainingsanzügen ausrüsten. Das einheitliche Auftreten allein würde unsere Sportler stolz machen und mit Freude erfüllen. Und vielleicht könnten wir dann auch wieder ein kleines Turnier ausrichten.

Viele Grüße aus Nordhorn/ Gronau

…soweit unsere Bewerbung für den WFCG. Es ist wichtig für den Fußball, aber vor allem für die Gesellschaft, dass es solche Projekte gibt. Und da unsere Spieler ja in ein funktionierendes System eingebunden sind, gibt es vielleicht Projekte, die eine Förderung mehr verdient haben. Aber verdient haben es unsere Spieler allemal, überregional Beachtung und Erwähnung zu finden.

Überdreht

Der Fußball im übertragenen Sinne scheint Kopf zu stehen. Im eigentlichen Sinne kann er das natürlich nicht, denn er ist ja rund. Soweit der Spitzfindigkeiten. De facto aber hat der Fußball seine Balance verloren und vermittelt mir das Gefühl, seiner Seele beraubt und in der medialen Respektlosigkeit unserer Tage angekommen zu sein. Wie sonst lässt es sich erklären, dass der Kicker “Brennpunkte” beleuchten muss, anstatt über ganz normale personelle Veränderungen zu berichten; Kommentare zur Besonnenheit mahnen, oder geschasste Funktionäre ebenfalls via Kommentar in Schutz genommen werden. Verträge sind scheinbar nur noch Schall und Rauch und Medienberater sollen die Äußerungen ihrer Klienten richtig plazieren. Im eigenen Interesse natürlich, und wohl kaum im Sinne des Vereines oder des Verbandes. Im nachhinein wird natürlich wieder dementiert. Wohlgemerkt: Zur Zeit drehen die Verantwortlichen am imaginären Rad, nicht die Spieler. Den pädagogischen Ansatz von Matthias Sammer zu den Geschehnissen dieser Tage habe ich zwar gelesen, doch der Glaube fehlt: Bei einem entsprechenden Angebot würde auch Matthias Sammer wechseln. Behaupte ich einfach mal. Und auf dem Feld? Das Wappen nach einem Torerfolg dürfen für mich nur noch Spieler wie Paolo Maldini oder Steven Gerrard küssen, denen der Verein wirklich noch etwas bedeutet. Sonst regiert auch hier mittlerweile die “Ich AG Stutze und Co.”. Das dumme dabei ist nur: Fußball ist und bleibt immer noch ein Mannschaftsport. Es wird zusammen gewonnen und zusammen verloren. Und wenn dann verloren wird, womöglich noch ein entscheidendes Spiel, dann haben auch einige Fans immer schneller ein “Rad ab”: Dieses Wochenende aktuell in Oldenburg und Halle. In Essen haben die Macher von jawattdenn in einem emotionalen Kommentar diese Überdrehtheit auf den Punkt gebracht: Besorgniserregend, wenn der Mannschaft schon zu Spielbeginn jeglicher Kredit entzogen wird. “You only sing when you winning”, dieser Spottgesang aus den englischen Stadien bringt es auf den Punkt. Punkt nun auch für diesen sozialromantischen Eintrag, der bei genauer Betrachtung auch völlig überflüssig ist. Für den Moment war er aber hilfreich.

Archiv

Das letzte Saisonspiel an der Hafenstrasse ist gelaufen, und per Zufall fiel mir heute beim Versuch, etwas Ordnung in das “gebrannte Digitale” zu bringen, eine CD mit der Aufschrift „RWE“ vor und auf die Füße: Was für Bilder, erfüllen sie kaum qualitativ höhere Ansprüche, erzählen aber doch das RWE Drama eines Jahres: Abstieg gegen Lübeck, Neubeginn in Lotte, Peters Krankheit, Euphorie und Elend. Lethargie und Wut. Die Bilder, die mich immer wieder am meisten fesseln sind aber die der Hafenstrasse. Daher wieder einige Eindrücke, die gut die Rentenansprüche des Georg Melches Stadions verdeutlichen. Einige Bilder davon sind auf der wunderschönen “Fussball Landschaft” zu sehen.Einer Seite, die für den Grimme Online Award 2009 nominiert ist. Über einen “Besuch” und Stimmabgabe dort würde ich mich sehr freuen.

Herzensbrecher

Wie ein Messias wurde er in Köln empfangen, den FC bezeichnet er als seinen Herzensverein. Und trotzdem hat Christoph Daum ganz spontan seinen Vertrag (fristgerecht) gekündigt und damit so ziemlich alle überrumpelt. Fenerbahce dürfte es wohl werden, zudem winkt die Option internationaler Fußball und internationales Gehalt. Für die hiesigen Journalisten hat der Exodus von Christoph Daum den Vorteil, nicht bei jeder kritischen Frage den zornesroten Gesichtszügen, gepaart mit verbaler kritikunfähigkeit, ausgeliefert zu sein. Das Trainergeschäft in der Bundesliga nimmt schon groteske Züge an, suchen doch nun schon sechs Vereine neue Übungsleiter. Wackelkandidaten nicht mit einbezogen. So viele potentielle Arbeitsmöglichkeiten, (auch beim RWE darf sich ja noch beworben werden…..), allesamt Vereine mit eigenem Reiz, bis hin zu europäischem Renommee….da wird in den Wohnstuben der momentan vereinslosen Trainer das Handy kaum mehr aus den Augen, geschweige denn aus den Händen gelassen. Einer klappert sicherlich schon wieder mit allen Ventilen und hat für jeden Verein sein ungefragtes Statement für den Fall parat, natürlich keinen Anruf erhalten zu haben. Möglicherweise hilft ihm aber auch Daniel Jammer aus dem selbigen Tal in Netanya. Sportdirektor bei der Fortuna in Düsseldorf, sicherlich auch reizvoll. Vielleicht aber lässt sich ein zweiter Verein auf den Projektleiter Sommermärchen und seine Trainer Entourage ein. Der FC wäre doch reizvoll, das Gesicht von Lukas Podolski in diesem Falle auch. Wie dem auch sein: Abseits der Ironie, dem Unverständnis über das Geschäft Fußball und dem Verhalten einiger Protagonisten wird es sehr interessant sein, die Trainerfindungskommisssionen bei ihrer Arbeit und Entscheidung zu beobachten. Daher meine Tipps: Der HSV angelt sich Mirko Slomka; Der 1. FC Köln holt mit Bernd Schuster einen weiteren verlorenen Sohn, Thomas Doll taucht in Frankfurt wieder auf; BMG vertraut auf eine interne Lösung mit der Option auf Hans Meyer; Der SV Bayer verhandelt im Hintergrund mit Fred Rutten; Energie Cottbus strebt den Wiederaufstieg mit Pawel Dotschew an und Arminia Bielefeld findet auch einen Trainer. Da Pele Wollitz wohl doch in Osnabrück bleiben wird, setzt der RWE trotzdem auf Dynamik und engagiert Mehmet Scholl. Wer auch die freien Trainerbänke frei Schnauze besetzen möchte, findet im Trainerkarussell jede Menge Kandidaten.