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Der schreckliche Sven

Aus dem Blickwinkel der Testspielgegner und deren Verantwortlichen betrachtet könnte der Verdacht naheliegen, als sei der schreckliche Sven über sie hergefallen. Zumindest suggeriert das Torverhältnis dieser Begegnungen überfallartigen Fußball. Nun wissen wir natürlich, dass Ergebnisse aus Testspielen in etwa einen ähnlichen Wert besitzen, wie die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest oder diversen Werbeversprechen. Für den RWE und seine Angestellten in den kurzen Hosen dürften diese Erfolge trotzdem durchaus einen kleinen Hormonschub Richtung Selbstvertrauen gegeben haben (Der vergangenen Saison geschuldet).

Der Fokus solcher Spiele liegt auf den ganz speziellen Dingen und Erkenntnissen, die ein Trainerteam sich erhofft, erwartet und einstudiert sehen will. Aber wir wären nicht Rot-Weiss Essen, wenn auch Erfolge in Vorbereitungsspielen direkt  wieder die Nörgler auf den Plan rufen würde. Bisweilen wurden die Gegner für zu leicht befunden oder fehlte der ganz große Name. Vielleicht hätte uns ein Bundesligist die Tribünen voll gemacht, möglicherweise aber auch viele Tore zur Saisoneröffnung eingeschenkt; es wäre auch wieder der falsche Ansatz gewesen! Eigentlich jedoch war in jedem dieser Vorbereitungsspiele der große Name immer mit am Start: Rot-Weiss Essen, so lautet der große Name. Wir ziehen die Dinge jetzt einfach mal ganz anders auf, betrachten die Saison nicht mehr von allen Seiten, sondern lediglich aus rot weißer Sicht. Wir sind RWE!

Und so konnten sich die oft gescholtenen der letzten Jahre; die wohlwollend begrüßten Neuzugänge und ein herzlich empfangener Rückkehrer im positiven Sinne von Spiel zu Spiel kennenlernen. Die richtigen Laufwege bedarf es schließlich auch gegen eine Thekenmannschaft. Und wenn dann sogar noch gegen einen Zweitligaaufsteiger ein Erfolg nach beeindruckender Mannschaftsleistung herausspringt: Ja dann sind wir immer noch nicht direkt in der Relegation! Aber haben allesamt ein Stück Selbstwertgefühl zurückgewonnen, welches uns in den letzten Jahren sportlich Stück für Stück abhanden gekommen ist.

Da wir uns schon im Titel mit einer Figur aus „Wickie und die starken Männer“bedient haben, so mutet auch alles um die Mannschaft herum wie ein genialer Gedankenblitz des jungen Wickie an: Schon seit vergangenem Herbst wurde sich ständig unter die Nase gerieben, um schnell DIE Idee zu finden, wie man auch Essen wieder für den RWE begeistern kann und umgekehrt. Je mehr Hoch3 aktuell, desto größer auch Ahnung und Gewissheit, wie sehr vergangene Saison der drohende Abstieg als Zentnerlast auf den Schultern aller daran Beteiligten gelegen hat.

Eine Marketingleistung sondergleichen. Hier wurde leidenschaftliche Überzeugungsarbeit geleistet und umgesetzt. Und das Erstaunliche daran: Fans, Stadt, Mannschaft….alle scheinen die Marketingoffensive im Gleichschritt mit Leben zu füllen. Schon unglaublich, wie unsere große Liebe uns immer wieder auf das Neue enttäuschen kann. Sobald sie aber wieder das kleine Rote anzieht und mit ihren Reizen winkt, sind wir doch fast alle direkt wieder hin und weg von ihr. Es steht zu befürchten, dass diese Truppe hinter der Mannschaft selbst das goldene Blatt zu einem Lifestyle Magazin mit hoher Auflage unter Jugendlichen pushen könnte. Aber das ist ja zum Glück nicht unsere Baustelle.

Die nächste Baustelle aus sportlicher Sicht hingegen ist immer der nächste Spieltag. In diesem Falle der Erste! Saisonstart der Saison 2016/17 in Wiedenbrück beim dortigen Sportclub. Das Gästekontingent ist komplett ausverkauft, so dass sich am Sonntag die Rote Reisegruppe in großer Zahl gen Ostwestfalen auf den Weg macht. Allen gemeinsam der Wunsch, dass das kleine Pflänzchen Hoffnung nicht schon im ersten Spiel einen Dämpfer erleidet. Richtig geil wäre ja ein dreckiges 0:1 in der Nachspielzeit. Alles kegelt im Block durcheinander, die Mannschaft auf dem Zaun. Man darf ja mal träumen. Aber selbst, wenn es ganz anders kommen sollte: Bitte nicht gleich wieder alles verdammen.

Zuvor aber morgen noch die Vorstellung des neuen Brustsponsors, welcher uns dann optisch auf den Trikots durch die Saison begleiten, und demnächst sicher auch in vielen Kleiderschränken zu finden sein wird. Eine ziemlich spannende Angelegenheit also, die im Zuge von Hoch3 immer wieder zu interessanten Diskussionen im kleinen Kreis geführt hat. Zwischen einem „Big Player“ der Region oder Stauder für die Seele….so ziemlich alles ist in den Vorschlägen vertreten. Schön wäre ja durchaus auch ein Engagement der Zeitschrift 11Freunde. Man stelle sich einmal vor, Elf Spieler laufen mit 11Freunde auf der Brust auf. Welch eine Ansage für den Gegner. Natürlich gibt es die vielzitierten „Elf Freunde müsst ihr sein“ der Ära Sammy Drechsel nicht mehr. Eine Mannschaft umfasst natürlich mehr Spieler. Und es würde reichen, wenn sie alle zusammen endlich wieder eine richtige Mannschaft an der Hafenstraße bilden würden. Freunde, die zusammensteh`n, die finden sich dann schon zu Tausenden schnell wieder auf den Tribünen ein.

Die Saison kann beginnen und endlich kann dieses bisher so suboptimal gelaufene  Jahr 2016 zeigen, dass es auch gutes zu bieten hat. In Essen. An der Hafenstraße. Nur der RWE!

 

 

 

Der hat schon Gelb!

Laut übereinstimmenden Berichten beteiligter Personen waren meine letzten Worte, bevor ich der Sedierung zum Opfer fiel: „Rot-Weiss Essen steigt auf“. Zu weiteren Erkenntnissen hat es dann nicht mehr gereicht. Warum ich ausgerechnet noch dieses loswerden musste; man weiß es nicht. Vielleicht war es dem dringenden Bedürfnis geschuldet, dem RWE so mitzuteilen, wie sehr mir neben Familie und Freunden der Verein und vielfältige Zuspruch von der Hafenstraße Kraft und Mut gegeben hat.

Und was soll ich sagen:

„Raus,raus,raus…..der Tumor ist raus“.

Der hatte nämlich schon Gelb. Dunkelgelb sogar. Ein Treter vor dem Herrn. Ein selten blödes und unfaires Arschloch geradezu. Wer verpflichtet so jemanden überhaupt?

Heute morgen, drei Tage danach und doch einen Tag früher als geplant kam dann die alles erlösende Nachricht, welche das Ja-Wort bei Schweinsteigers noch an Freude übertreffen dürfte: Die Pathologie kam um die Ecke und mit ihr der endgültige Befund:

„Der Tumor hat nicht gestreut, herzlichen Glückwunsch, alles TOP“ Die Herrschaften konnten gerade noch das Zimmer verlassen, als der eigene kleine Zusammenbruch der Freude und Erlösung erfolgte. Ich befürchte, meine Mimik war der eines Ronaldos nach einem Foul nicht unähnlich. Hat zum Glück keiner mitbekommen und mein Trikot blieb natürlich auch an.

Nun beginnt der langsame Weg zurück in das sogenannte „normale Leben“ und hoffentlich auch schon bald wieder in das Stadion. Die nächsten Freudentränen möchte ich dann bei einem Aufstieg des RWE vergießen. Egal wann.

Danke! Danke! Danke! Nur der RWE!

Blog3/2

Es war der zweite Test; aber der erste vor heimischen Publikum. Gehen wir einmal wohlwollend davon aus, dass fast alle Besucher des wie immer vorzüglich organisierten „Auf Asche“ Tages auch Fans oder wenigstens Interessierte des und am RWE sind.

Heimpremiere der Mannschaft für die Saison 2016/17 also. Die ersten Minuten nach einer Saison, welche in die Geschichtsbücher als „Saison der langen Gesichter“ eingehen wird. Als diese endlich abgepfiffen wurde, hatte eigentlich keiner mehr wirklich Lust auf seine Liebe RWE. Kein Paartherapeut schien das wieder einigermaßen auf die Reihe zu bekommen. An Sex war schon lange nicht mehr zu denken; gekuschelt wurde auch nicht mehr und zu sagen hatte man sich (leider) auch nichts. Der Sandsack schien der einzig gangbare Weg, seine Emotionen in halbwegs geordnete Bahnen lenken zu können.

Der Sandsack der digitalen Welt nennt sich Forum und entsprechend ging es auch dort zur Sache. Wir waren alle so auf, und konnten es folglich fast gar nicht glauben, was sich in den letzten Tagen und Wochen rund um die Hafenstraße dann so alles tat. Da steht ein Verein am Abgrund, eigentlich sind wir alle bereit, ihn aus Enttäuschung in selbigen zu stürzen. Doch was macht der RWE? Er dreht sich um und sagt: Wir wollen aufsteigen! Im ersten Moment denkst Du bei dieser Botschaft, zu diesem Zeitpunkt zudem, doch: „Egal was Du (mein RWE) genommen hast, ich will das nicht“! Kurz nachgedacht aber stellen sich die Nackenhaare steil, kommt das Blut in Wallung und will man dass auch, was der RWE genommen hat. Man reicht also dem am Abgrund stehenden RWE die Hand und hört sich wenigstens erst einmal an, was er zu sagen hat.

Das wurde also ausgiebig getan, denn die Haltung vieler Fans war geprägt davon, trotz berechtigter Skepsis die klare Aussage von Verein und neuerdings auch Stadt wohlwollend zu honorieren. Viele taten das sogar Hoch3 und gaben mehr, damit der Verein auch mehr kann. Und sicherten sich so eine Gegenleistung für den Fall der Fälle. Dann kam das nächste Signalfeuer von der Hafenstraße in Person von Timo Brauer. Allen bekannt als Essener, der gut kicken kann. Lange hat der RWE in Person seines Vorsitzenden um Timo Brauer geworben. Und wie wir alle wissen, kam es zu der von vielen so ersehnten Vertragsunterzeichnung. Eine Per­so­na­lie, die fast für eine Welle der Euphorie sorgte, und sicher auch Hoch3 weiter untermauert. Nun kann aber Timo Brauer weder über Wasser gehen, noch das Meer teilen. Sondern ist er ein Spieler unter vielen. Belasten wir ihn und sein Spiel also nicht mit zu hohen Erwartungen. Ich glaube, er möchte sich auch gar nicht in den Mittelpunkt gestellt wissen.

Es gilt nun für Sven Demandt und sein Team, aus verbliebenen und den neu hinzugekommenen Spielern eine Mannschaft zu formen, die diesen Namen auch verdient. Hier zählen nicht mehr nur Taktik, Tore und Triumphe, sondern auch das Miteinander. Auch wenn der rational denkende Fußballfan jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen mag ob der Phrasendrescherei: Es geht nun mal nur gemeinsam. Die EM hat einige positive Beispiele geliefert. Übrigens auch auf den Tribünen! Fans tragen die Mannschaft und die Mannschaft trägt die Fans. Ich weiss: Nicht planbar und manch zerbrochenes Porzellan muss noch zusammengekehrt und gekittet werden. Aber wir haben wenigstens unseren gemeinsamen Nenner wiedergefunden. Zumindest bis zur ersten Niederlage. Und die bisherigen Testspiele lassen sich doch gut an.

Hallo 2016/17…

…“Please don’t take me home, I just don’t wanna go to work, I wanna stay here and drink all your beer“

Multidirektional

Neue Modewörter der Fußballgurus eigenen sich ja immer hervorragend als Überschrift. Zumal, wenn sie im Falle von Rot-Weiss Essen dann auch noch Sinn ergeben. Wir haben gelernt, „multidirektional“ bedeutet mehr als nur geradeaus laufen zu können. Somit ist per Definition manch stark alkoholisierter Fan vielleicht nicht mehr Herr seiner Sinne, definitiv aber multidirektional. Geht es doch in einem solchen Zustand nur selten geradeaus, sondern in alle Richtungen.

Essen nun, stets etwas besonderes, hebt dieses Multidirektional direkt auf die Metaebene und kreiert für die kommende Saison Begrifflichkeiten wie den „Direktor Sport Entwicklung“ und seinen großen Bruder „Direktor Sport Senioren“. Sozusagen die diametral abkippenden Doppelsechser auf administrativer Ebene. Im Klartext bedeutet das natürlich nichts anderes, als dass Andreas Winkler sich wieder mehr auf das Nachwuchsleistungszentrum nebst ihren erfolgreichen Mannschaften konzentrieren wird (und muß), und Jürgen Lucas  von nun an für die Kaderplanung und den Kader als solches auch im Alltag verantwortlich zeichnet. Das er dieses nebenberuflich machen wird (darf und kann), zeugt von großem Vertrauen in die Person Jürgen Lucas, dessen großes Herz für den Verein mehr als bekannt ist. Eine äußerst salomonische Lösung, die im Sinne des Vereins zudem die beste und fairste sein dürfte. Dafür nehmen wir die neuen Titel gerne an und fügen diese der Vereinsgeschichte hinzu.

Was den Kader für die kommende Saison angeht, so gestaltet sich die Zusammensetzung im Vergleich zur vergangenen Saison und der Winterpause fast angenehm ruhig. Es galt und gilt sich zunächst einmal zu trennen. Manchmal weiß man als Fan nicht einmal, von wem man sich gerade getrennt hat, aber derjenige soll wohl dem Kader der vergangenen Saison angehört haben. Auf jeden Fall wünsche ich allen Abgängen alles Gute für die Zukunft. Es war halt zur falschen Zeit an der falschen Stelle. Manchmal ist das so. Die Vertragsverlängerungen von Niclas Heimann und Patrick Huckle brachten noch ein wenig Emotionen, und Neuverpflichtungen gibt es natürlich auch. Diese zu beurteilen steht mir aber vor einer Saison nicht zu, daher einfach mal: Herzlich Willkommen.

Und dann gab es da noch eine Einladung. Schlicht gestaltet. Oben drauf stand tatsächlich nur „Einladung“. Darunter ein mir bekanntes Foto als Grafik umgestaltet und ein Wortspiel. „Zusammen. Für Essen“. Nun haben wir uns zwar alle in der vergangenen Saison an dem gemeinsamen Essen mehr als nur eine Magenverstimmung eingefangen, aber nach der Saison ist vor der Saison und eine neue strategische Ausrichtung klingt doch immer spannend. Ähnlich der Aufstellung vor dem Spiel.

In Anbetracht der Großwetterlage war man sehr mutig an der Hafenstraße und hat diese Veranstaltung für draußen konzipiert. Geschickt zudem der Zugang zu den Plätzen gewählt, ging es doch durch den Spielerbereich sanft illuminiert an Kabine und „Penny ihm sein Knie“ vorbei auf den Platz, wo bereits Fangesänge ertönten. Aus der Konserve versteht sich. Aber nicht ohne ein klein wenig Gänsehaut! Ich verstehe im übrigen nicht, warum die Mannschaft auch zuhause so oft einschlechtes Bild abgegeben hat: Da hängt ein bandagiertes Knie eines Meisterspielers an der Wand; darunter steht „niemals aufgeben“! Da kann ein Trainer sich den Mund noch so fusselig reden, dass alleine ist doch Botschaft genug. Dieses Knie gehört vor jedem Spiel berührt. Die Spieler von Rot-Weiss Essen sollten die meisterliche und längst vergangene Zeit nicht einfach als gegeben und vorbei hinnehmen, sondern als Ansporn und Kraft für eigene sportliche Erfolge mit ihrem Verein und Arbeitgeber nutzen.

An einer kleinen Bühne vorbei Richtung Platz noch mal kurz auf der Trainerbank Platz genommen. Meine Fresse: Allein die Vorstellung, in solch Stadion vor solch Kulisse für den RWE auflaufen zu dürfen… Und das in Liga Vier. Aber gut, in der heutigen Zeit sind das leider keine Werte mehr, die für junge Spieler und besonders deren Berater zählen. Der Sozialromantiker in mir versteht halt die moderne Fußballwelt nicht mehr wirklich. Ich scheitere ja schon an neonfarbenen Fußballschuhen.  Mit derlei Gedanken beschäftigt habe ich dann endlich die wahre Botschaft dieses Abends erkannt, denn es hing als Banner deutlich sichtbar auf eben jener kleinen Bühne: „Essen will den Aufstieg“. Und das Zusammen hoch 3! Eigentlich ja nichts neues,  wollen wir den Aufstieg doch mindestens schon seit 2008. Aber dies in der Form so klar kommuniziert hat sich bis dahin noch keiner getraut. Große Augen. Respekt. Und das nach der vergangenen Saison!

Das Wort übernahm Christian Keller, der somit durch den Abend führte, dieses zudem in angenehmer Art und Weise tat. Und so langsam dämmerte es auch dem letzten: Hier ist vielleicht der RWE zuhause, aber heute Abend nicht mehr allein federführend. Essen als Stadt ist am Zuge und macht uns gerade klar, dass in dieser großen und spannenden Stadt Viertklassigkeit im Fußball einfach nicht mehr sein darf. Der Verein selbst ließ an diesem Abend weitestgehend andere sprechen. Nicht für sich, sondern für die Stadt. Der RWE blickt nicht nur erschrocken auf die vergangene Saison zurück, sondern auch mit Demut. Um aber mit Demandt trotzdem auch wieder den Blick nach vorne zu richten. Was bleibt Dir sonst als Verein auch übrig? Den Verein auflösen, um den letzten Motzki zufriedenzustellen? Dann würde der doch auch wieder motzen. Hätte er doch dann nichts mehr, worüber er motzen könnte. Es wurde also endlich kommuniziert, was wir alle so sehr wollen: Aufsteigen! Nicht sofort, aber wenn möglich doch innerhalb der nächsten drei Jahre. Klarer Dienstauftrag an alle.

Somit war auch klar: Dieser Abend dient der Akquise. Für alles andere ist dann die Jahreshauptversammlung da. Er diente aber auch dazu, einen ganz anderen Oberbürgermeister kennenzulernen. Einen, der quasi den Startschuss geben wollte, um die Kräfte für Essen zu bündeln. Thomas Kufen tat dies recht schwung- und humorvoll. Während sein Vorgänger noch stocksteif daherkam und zum Lachen sicher in den Keller ging, flachste Thomas Kufen sich durch seine Sprechzeit. Sehr zum Leidwesen seines Dortmunder Kollegen, wie wir heute erfahren mussten. Schade zum einen, dass witzige Worte direkt den Weg in das Dortmunder Rathaus finden und besonders schade zum anderen, dass deswegen dort auch noch ein Fässchen aufgemacht werden muss. Für derlei Dinge wurde der FC Schalke erfunden. Der Oberbürgermeister erklärte sich also, gemeinsam einen Weg mitzugestalten, der Fußball Essen wieder in den Profifußball bringen soll.

Dies taten dann in der Folgezeit auch weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport. Und auch Legenden wie natürlich Willi Lippens (erstaunlich reduziert) und Frank Kurth (sehr emotional). Frank Kurth machte am Beispiel Pokalfinale 1994 noch einmal deutlich, warum gerade RWE und warum Zusammenhalt in einer Mannschaft Berge versetzen kann. Um eines aber ganz klar zu betonen: es war keine Kirmesveranstaltung mit Glamourfaktor. Den Machern dieser Kampagne (Allesamt eingefleischte RWE Fans und auf den Tribünen zu Hause) ging der Arsch auf Grundeis, je tiefer unsere Mannschaft vergangene Saison gen Abstieg zu strudeln drohte. Dieser Abend war kein Lobgesang auf den RWE und die Platzierung eines weiteren Saisonmottos: Dieser Abend war die Erkenntnis, wie verdammt knapp wir alle dem Abstieg entronnen sind und das es nur aufwärts geht, wenn jetzt alle miteinander anpacken.

Leider aber können wir alle die wir da sind, auch zukünftig Geld, Fahnen, Stimme, Leidenschaft und noch so viel mehr in die Waagschale RWE werfen….am Ende kann und muss es einzig die Mannschaft auf dem Feld richten. Sechs Tage Arbeit können am siebten Tag durch neunzig Minuten Fußball zunichte gemacht oder belohnt werden. Sicher aber hilft es einer Mannschaft, wenn sie weiß, dass eine ganze Stadt hinter ihr steht. Und genau dafür steht zusammen hoch 3. Wäre schön, wenn es funktioniert.

Zu guter Letzt muss ich aber direkt den OB der Stadt Essen enttäuschen, denn seine Worte waren nicht die schönsten des Abends: Für mich waren es die Worte aus der kurzen Begegnung mit Günter Barchfeld und die Zeit vor der Veranstaltung in Melches Hütte. Konzepte sind das eine und absolut wichtig. Aber die Seele und Herzen der Menschen, die diesen Verein so sehr lieben und ausmachen, stehen immer noch über allem und sind unbezahlbar. Egal in welcher Liga.

Es war ein guter Abend. Und wir sollten mit der vergangenen Saison abschließen. Auch wenn es wirklich schwer fällt. Nur der RWE!

 

Ballhalter gegen Zuhälter.

Der Anrufbeantworter blinkte. Diesen abgehört, berichtete eine sonore, sympathische Stimme davon, den Artikel gelesen zu haben. Und wer auch immer nun diese Nachricht abhören würde:  Er (der Anrufer) könne noch einige kleine Geschichten zu dem Buch beitragen. Man ahnt, dass eine solche fast geheimnisvoll wirkende Nachricht für den Moment die in etwa zeitgleich stattfindende Pressekonferenz an der Hafenstraße in den Hintergrund rücken ließ. Es galt einen Anruf zu tätigen.

Mein Informant kam gleich zur Sache und wir gerieten unvermittelt in den Strudel des Essener Rotlichtmilieu  Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Protagonist der Anekdote ein gewisser Harry de Vlugt, zwischen 1972 und 1975 an der Hafenstraße unter Vertrag. Harry de Vlugt, uns von Karsten Kiepert näher vorgestellt, hatte seinerzeit ja nicht nur Schlaghosen an, sondern auch einen besonderen Schlag bei den Frauen. Ein Weiberheld eben, so der Zeitgenosse am anderen Ende der Leitung amüsiert und fast bewundernd. Was so ein richtiger Lebemann jener Tage war, der hatte Kontakte. Viele Kontakte. So auch, wie es sich für einen rot-weißen gehört, in das Rotlicht- statt königsblaue Milieu. Und die dort aktiven Zuhälter waren nicht nur fußballbegeistert, sondern fast davon besessen; wollten sich endlich auf dem grünen Rasen messen. Eben gegen jene Mannschaft des RWE. Der allseits bekannte Harry  de Vlugt wurde also dazu auserkoren, seiner Mannschaft diesen Wunsch nahezubringen. Die ausgelobte Summe für das Spiel „Rot-Weiss Essen gegen Zuhälter“ sollte 10.000 DM für die Mannschaftskasse betragen. Was somit natürlich auch Willi Lippens vollends überzeugte, so der Zeitgenosse und ehemalige Aktive.

Natürlich handelte es sich in gewisser Weise ja auch um Schweigegeld, denn die Verantwortlichen jene Tage wussten nicht von dieser Aufbesserung der Mannschaftskasse, geschweige denn von dem halbseidenen Sparringspartner. Und so kam es, dass eines Tages mehr auffällige Fahrzeuge als sonst an der Hafenstraße parkten. Klunker und Nerz waren sonst nicht wirklich im Essener Norden zuhause. Dem absurden Spiel des Jahrhunderts stand nun nichts mehr im Wege. Außer dem Zufall in Form von Paul Nikelski! Paul Nikelski, Geschäftsführer; Herz und Seele des Vereins, radelte am Trainingsplatz vorbei und sah seine Spieler scheinbar in Vorbereitung auf ein Spiel. „Das könnt Ihr nicht machen“, so seine Reaktion darauf, als er zerknirscht in die Faktenlage eingeweiht wurde. Und da Nikelskis Wort seinerzeit mehr Gewicht hatte als Tim Wiese aktuell Muskelmasse, gab es kein Spiel Ballhalter gegen Zuhälter. Die 10.000 DM jedoch, die durften ohne Gegenleistung an der Hafenstraße verbleiben.

Was für eine Anekdote. Eigentlich kaum vorstellbar. Aber man kann sich das Szenario durchaus irgendwo um 1973 an der Hafenstraße und bei Rot-Weiss Essen vorstellen. Wenn nicht dort, wo auch sonst?

Einen weiteren bleibenden Eindruck hinterließ das Ablösespiel von Lambert Rondhues, welches am 1.August 1957 zwischen dem RWE und Eintracht Nordhorn im Georg Melches Stadion ausgetragen wurde. Auch hier wusste der Zeitgenosse von zu berichten. Unter anderem davon, dass der „Boss“ an jenem Tag kaum zu halten war. Auch wenn sich drei bis vier Nordhorner ihm in den Weg warfen, er war zu wuchtig an diesem Abend. Er hatte ja auch etwas gut zu machen. Der RWE gewann bekanntermaßen mit 6:1 und wie damals üblich, wurde nach dem Spiel gemeinsam gegessen. Diesmal in der uns allen so bekannten Haupttribüne des Georg Melches Stadions. Den älteren Essenern ist nun vor allem der Eintracht Spieler Bernd Busch in Erinnerung geblieben, denn es gab unter anderem Kartoffeln. Was so ein richtiger Grafschafter ist, der liebt Kartoffeln. Und so war vor Bernd Busch keine Kartoffel an diesem Abend sicher. Er bekam sie alle! Sein Einsatz an der Gabel auch heute noch legendär.

Da mein „Informant“ und Zeitgenosse noch viel mehr solcher Geschichten zu erzählen hat und einen kennt, der seinerseits zeitgenössisches Bild- und Zeitungsmaterial hat, werde ich ihn besuchen. Es wäre eine Sünde, wenn nicht. Apropos Sünde: Hat jemand zufällig auch Informationen zu dem Spiel gegen die Vertreter des „Sündenpfuhls“, welches nicht stattgefunden hat?

Love over Gold

Keine Angst, dieser Titel hat grundsätzlich in keinster Weise etwas mit dem RWE zu tun und auch der „Pilcher Faktor“ steht hier nicht Pate. Ich höre gerade Dire Straits und suchte verzweifelt einen Titel. Das ist alles. Und doch kann der Titel ja ansatzweise mit dem vergangenen Wochenende in Verbindung gebracht werden: Rot-Weiss Essen hat Gold geholt und wird fast mit Liebe überschüttet. Aber auch wirklich nur fast. Eigentlich ist der Pokalgewinn nicht einmal ein professioneller Verband für die erlittene Saisonwunde, sondern höchstens ein laienhaftes Sprühpflaster.

Wahrscheinlich rauchen immer noch die Fanköpfe, wie unsere Mannschaft es geschafft hat, einen Gegner so zu dominieren. Und das, obwohl der Tupperwaler SV aufgrund seiner Aufstiegseuphorie doch mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar als leicht favorisiert galt. Dass nun Daniel Grebe nicht wieder im Einkaufswagen nächtigen durfte: Er wird es verkraften. Und wenn nicht, muss uns das egal sein, denn der 1€ Express machte wieder an der Hafenstraße halt: Titelverteidiger und somit das eine Spiel im kommenden DFB Pokal nebst „Bonizahlung“ gesichert. Meine Wunschgegner: die Eisernen aus Berlin oder der VfL Bochum. Aber noch kurz zurück zum Spiel: Ist das schon die berühmte Handschrift eines Trainers? Oder doch der Druckausgleich einer Mannschaft mit durchaus kompetenten Fußballern, aller Abstiegssorgen entledigt? Man weiss es nicht. Sven Demandt wirkt übrigens für mich auf den ersten Blick nun auch nicht wie ein asketischer Trainer Marke Tuchel; sondern könnte durchaus einem Schimanski Tatort früherer Jahre entsprungen sein.

Das Abseitstor war kein Abseits und zweimal war auch Glück mit im Spiel, dass der WSV seinerseits nicht ein Tor bejubeln konnte. Fußball mit all seinen Facetten eben. Das drumherum passte einmal mehr. Natürlich wird der latent geäußerte Vorwurf, der RWE hätte an diesem Samstag einen Heimvorteil gehabt, nicht von der Hand zu weisen sein. Diese Kritik bitte aber unverzüglich und direkt an den Verband weiterleiten, der die ganze Organisation schlicht dem RWE überlassen hat. Wir wollten kein Heimspiel, sondern hätten den Pokal auch im Tal geholt!  Unserem Schnapper sollte man derweil ab sofort bei jedem Spiel mit auf dem Weg geben, dass er sich in einem  Pokalfinale befindet!  Jedes Spiel eine solch souveräne und sichere Leistung, und jegliche Torwartdiskussion wäre bis auf weiteres überflüssig. Da der Wuppertaler SV an diesem Tag Lieferando spielte, und Essen kommen ließ, ergaben sich immer wieder Chancen für unser ehemals glorreiches Emblem.

Dreimal wurden die Chancen letztendlich genutzt. Zwei Torschützen zeichneten dafür verantwortlich: Moritz Fritz und „The one and only“ Leon Binder bekamen das Runde in das Eckige. Leon Binder zudem mit einem „Strahl“. Wer nicht genau weiss, was nun ein Strahl ist, der möge sich nicht grämen: Bis vor einiger Zeit kannten wir auch noch kein „durchgesteckt“. Leon Binder hat einfach einmal auf das Tor draufgehalten und den Ball schlicht in die Maschen gedonnert. Soweit die Definition zu „Strahl“. So einen Strahl durfte ich übrigens schon 1979 als Jugendspieler bei Vorwärts Nordhorn erleben: Ich stand positionsgetreu als rechter Verteidiger irgendwo links und drehte mich Richtung eigener Torwart um, als dieser sich zu seinem Abschlag bereit machte. Er schlug also ab, der Strahl traf mich genau auf die Zwölf und ließ mich fallen wie die berühmte Eiche. Die Folge: Kein strahlen vor Freude. Das aber auch nur am Rande.

Heute sind wir schlauer und wissen, dass nun beide Torschützen unseren Verein verlassen werden. Bei Moritz Fritz wussten wir es schon etwas länger; im Falle von Leon Binder hingegen kam die Bestätigung erst nach dem Finaltag. Leon Binder war natürlich eine dieser Spielertypen, den die Hafenstraße menschlich und vom Einsatz her dringend benötigte. Es wird endlich wieder Zeit für Identifikation; der vielen Namen sind wir alle mehr als überdrüssig. Heute wurden die ersten Abgänge bekanntgegeben und wir alle so: „Wer?“  Und doch haben Verein und Spieler alles richtig gemacht: Leon Binder muß an seine Zukunft denken und hat anderswo einen Dreijahresvertrag angeboten bekommen, den er an der Hafenstraße aktuell kaum bekommen hätte. Danke Leon!

Wir halten also fest: Auch der RWE 2015/16 kann durchaus und erfolgreich Fußball spielen. Ungewohnt beides. Die vergangene Saison war schon eine denkbar schlechte. So viel schlechter Fußball in diesen wunderbaren Trikots. So viel gegen- statt miteinander. Auf so vielen Ebenen. Und dann kommt dieses Finale des kleinen Mannes. Ruhrpott statt Ronaldo. Volles Stadion und eine „Tapete“, die mich dankbar und ermutigt zugleich stimmt. Sprachlos macht. Diese aktuell zu Ende gegangene Saison hat uns alle an den Abgrund geführt und doch gerade noch davor bewahrt. Nun sollte viel geredet werden im Hause Niederrheinpokalsieger 2016. Es geht nur miteinander.

Und die Playlist wurde auch geändert: Nun gibt es Iron Maiden mit „Run to the Hills“

 

 

 

 

 

 

 

Weil wir das Glück hatten, einen Georg Melches zu haben!

Spricht man von Rot-Weiss Essen, landet man unweigerlich nach kurzer Zeit auch bei Georg Melches. Sieht man Fotos aus aus der erfolgreichen Zeit rund um Meisterschaft und Pokalsieg, kommt man auch nicht an Georg Melches vorbei. Unweit der Spieler ist immer irgendwo auch der Patron mit im Bilde. Optisch erinnert der Georg Melches dieser Zeit an eine Mischung aus Heinz Erhardt und meinem Opa. Nun kennen Sie natürlich meinen Opa nicht, aber stellen Sie sich ihn optisch in etwa so wie Georg Melches oder Heinz Erhardt vor. Und mit Zigarre. Allen drei gleich aber ihre sympathische, ein wenig listige Ausstrahlung.

Zurück aber zu Georg Melches: Geboren am 24. August im Essener Norden als Sohn eines Betriebsführers, der auf der Zeche Emil – Emscher in Lohn und Brot stand. Die schulische Laufbahn des jungen Georg Melches fand eigentlich auch schon im Dunstkreis der Hafenstraße statt: Volksschule Vogelheim; Gymnasium Borbeck und Realgymnasium Altenessen. Der nächste Schritt war dann sicher kein leichter und definitiv kein schöner, denn Georg Melches zog in den ersten Weltkrieg. Dies übrigens freiwillig. Und es dauerte vier lange Jahre, bis er wieder unversehrt nach Hause kam. Vier lange Jahre in den Kriegswirren unterwegs, seine Familie zurücklassend.

Und auch die Familie, die er mit anderen bereits am ersten Februar 1907 in Essen Vogelheim gründete: Georg Melches war bereits in jungen Jahren ein begeisterter Liebhaber der Fußlümmelei, wie der Fußball seinerzeit oftmals despektierlich  genannt wurde. Und weil er so begeistert war, gründete Georg Melches mit seinen Freunden einen Fusionsverein. Denn sie führten die bestehenden Vereine SC Preußen und Deutsche Eiche zum SV Vogelheim zusammen. Deutsche Eiche, ein an sich schon recht merkwürdiger Vereinsname und sicher eine Herausforderung für Fangesänge. Aber das nur am Rande erwähnt. Den heutigen Namen Rot-Weiss Essen bekam der Verein dann fünf Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit auf seinem weiteren Vereinsweg. Anteil daran hatte eine weitere Fusion, diesmal mit dem Turnerbund Bergeborbeck.

Drei Jahre zuvor, also 1920, begann neben dem Hobby Fußball auch der berufliche Ernst des Lebens: Nach zwei Praktika in Schacht und Kokerei öffnete der Betrieb „Koksofen und Gasverwertung AG“ Essen seine Tore für den ehrgeizigen Georg Melches. Dort brachte er es innerhalb acht Jahren auf den Stuhl des Direktors, den er die nächsten zehn Jahre nicht verließ. Also im übertragenen Sinne jetzt. 1938 schien auch beruflich eine Fusion den Firmennamen zu verändern: Aus „Didier – Kogag“ wurde Didier – Kogag – Hinselmann. Der Direktor fusionierte nicht, nahm höchstens zu und hieß bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1959 weiter Georg Melches. Insgesamt also einunddreißig Jahre als Direktor bedeuteten auch einunddreißig Jahre Kontakte in die Spitzen von Wirtschaft und Politik. Heute würde man Netzwerk dazu sagen.

Georg Melches konnte seinen Spielern Arbeitsplätze verschaffen, an denen nicht viel geschafft werden musste, sondern sich auf das Kicken konzentriert werden konnte. Auch die legendäre Südamerikareise wurde nur durch die weltumspannenden Kontakte von Direktor und Firma ermöglicht. Der Macher der er war, zeigte sich auch in seinem Verein stets in der Pflicht. Georg Macher. Im Verein, für den zu Beginn fast nur Schüler, Bergleute und Zechenangestellte gegen die handgenähte Kugel traten, besetzte er die Positionen des Mittelstürmers und mit nachlassender Kondition die eines Verteidigers. 1927 hing er seine Fußballschuhe an den Nagel. Was nicht bedeutete, dass er sich nun aus dem Vereinsleben verabschiedete. Mitnichten und gänzlich ohne Neffen, denn administrativ war Georg Melches natürlich auch schon länger in seinem Verein tätig: Schriftführer, Geschäftsführer, Fußballobmann, Finanzobmann.

Nahezu die ganze Palette dessen, was ein Verein an Ehrenamt zu bieten hat, wurde von ihm parallel oder nacheinander ausgeführt. Rot-Weiss Essen war Georg Melches und Georg Melches war Rot-Weiss Essen. Das wirklich interessante aber ist die Tatsache, dass er nicht einen Tag als Vereinsvorsitzender fungierte. Vielleicht benötigte er den Vereinsvorsitz auf dem Papier auch deshalb nicht, da er wusste, stets auch so dem Verein vorzustehen. Um aber seine Leistung schon recht früh zu würdigen, ernannte der Verein seinen „Patron“ bereits 1950 zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit mit Sitz und Stimme im Vorstand. Und dieser Ehrenvorsitzende sollte ja bekanntlich noch mit tollen Erfolgen für seine Pionierarbeit und Engagement im Essener Norden belohnt werden.

Finales

Die Saison als solche ist ja bereits abgehakt und das Statement dazu an anderer Stelle bereits kundgetan. Wir befinden uns also im Landeanflug auf das Europapokalfinale 2016 gegen den Wuppertaler SV. Ausgetragen wieder in Essen. Essen könnte doch eigentlich direkt als ständiger Austragungsort bestimmt werden. Das Berlin des kleinen Mannes sozusagen. Die Klagen des Finalgegners  über eine Bevorteilung des RWE kann aktuell auch in keinster Weise nachvollzogen werden: Waren doch Fans und Mannschaft des RWE in der vergangenen Saison nicht wirklich eine Einheit und konnte zu kaum einem Zeitpunkt ein wirklicher Heimvorteil generiert werden; irgendetwas war doch immer. Und jammern gilt schon mal gar nicht, wenn man als Wuppertaler SV plötzlich und unerwartet in fast doppelter Anzahl zum heimischen Zuschauerschnitt auswärts anrücken möchte. Dann sollte man eher die vielen unbekannten eigenen Mitreisenden fragen, wo sie denn sonst so stecken. Punkt! Finalort? Nicht unsere Entscheidung, nicht unser Problem. Auch für den abermals letzten Platz beim ESC trägt der RWE keine Verantwortung und selbst der Preisverfall in der Causa Milch kann uns nicht angelastet werden. Das aber nur am Rande.

Rot-Weiss Essen hatte schließlich eine ziemliche Kacksaison und somit seine eigenen Probleme. Der Gewinn im Niederrhein- Europapokal könnte da ein wenig Balsam auf die Wunden bedeuten. Mit den allseits bekannten Folgen DFB Pokal und Erstrundenfestpreis. Wie schon im Finale des letzten Jahres sehe ich beide Endspielgegner auf gleicher Höhe mit Vorteilen sogar auf Wuppertaler Seite. Kommen diese doch mit der Euphorie eines Aufsteigers; sind nunmehr also auf gleicher (Ligen-)Höhe und haben definitiv die aktuell breitere Brust als die tabellarischen Hühnerbrüste der Hafenstraße. Aber vielleicht liegt genau darin der Vorteil des RWE: Wir haben endlich nichts mehr zu verlieren, wurde doch der Abstieg so gerade eben noch verhindert. Der Druck also genommen, es kann Fußball gespielt werden. Zudem möchten sich Abgänge sicher doch als Gewinner verabschieden. Und, dessen kann sich die Mannschaft sicher sein: Auch für uns auf den Rängen stellt der Pokal in seiner Endphase mittlerweile den (leider wohl einzigen) Höhepunkt einer jeden Saison da. Und somit sind wir wie ein gutes Steak auf den Punkt genau fertig, um mit Anpfiff um 17:00 Uhr auch alles dafür zu geben, dass es zur Titelverteidigung kommen wird. „Rot-Weiss Essen Du bist mein Verein, RWE so soll es immer sein“. Die Saison und alles andere gewesene komplett ausblenden für dieses eine letzte Spiel.

Danach hoffentlich zusammen feiern. Und dann miteinander reden. Aber auch mal durchatmen und gut durchlüften. Sehr gut durchlüften. Für die dann kommende Saison benötigen wir richtig frischen Wind in der Bude. Auch wenn das Gemecker spätestens dann wieder losgehen wird, sickern weitere Verpflichtungen durch oder wird das neue Trikot vorgestellt. Da uns diese unselige Relegation zur Dritten Bundesliga ja leider noch länger erhalten bleibt, als uns allen lieb ist, haben wir Fans wohl nur die Möglichkeit, uns in Gelassenheit zu üben. Und damit meine ich nicht nur uns in Essen, sondern wohl so ziemlich alle Fans, die sich einem Verein in der Viertklassigkeit verpflichtet fühlen. Es wurde noch kein Aufstieg erzwungen, sondern dazu gehört eine richtige Mannschaft; ganz viel Glück; Mut und Miteinander. Eine Truppe die Erster wird und genau weiß: Erst nach der Relegation können wir Helden sein, ansonsten sind wir nur die „DFB Deppen“, die nicht mal auf den Meistertitel einen heben können, da irgendwie doch nichts erreicht. Um aber überhaupt „Relegationsberechtigter“ zu werden, bedarf es eben jener Gelassenheit und noch mehr Geduld. Über Jahre. Schließlich wollen einige andere auch durch dieses vermaledeite Nadelöhr. Lotte zum Beispiel einmal mehr, denn ich hoffe ja, dass der SV Waldhof sich aktuell durchsetzen wird.

Vielleicht liegt der Wunsch nach Geduld und Gelassenheit auch ein wenig in der eigenen Krebserkrankung begründet. Eine solche Diagnose verschiebt die Dinge von jetzt auf gleich in einer Intensität, wie sie hoffentlich so vielen wie möglich erspart bleibt. Es ist grad nicht wichtig, in welcher Liga mein Verein spielt. Ich möchte ihn einfach nur spielen sehen, denn dann weiss ich, dass ich noch die Kraft dazu habe, einem Spiel beizuwohnen. Es ist jetzt der alleinige Wunsch, endlich operiert zu werden um genesen zu können. Dies in Ruhe und Gelassenheit. Aber in der Gewissheit, doch niemals alleine zu sein. Und auch Rot-Weiss Essen muss endlich sportlich genesen dürfen; braucht Zeit und Freunde, die zusammenstehen. Ihn nicht alleine lassen. Erst dann können jene Kräfte und Energien entstehen, die es bedarf, dass eine Mannschaft erfolgreich spielt und folgenreich die Sympathien der vielen so sehr enttäuschten rot-weißen zurückerobern kann. Ein beschwerlicher und langer Weg der sportlichen Genesung liegt an; aber wenn wir nicht den ersten Schritt machen und nur meckern, können wir auch gleich aufgeben. Aufgeben jedoch ist einfach nicht das Ding eines RWE Fans, auch wenn es bisweilen den Anschein hatte. Emotionen können wir hingegen sehr gut. Und auch die gilt es wieder wachzurütteln. In der vergangenen Saison waren so viele einfach nur müde ob der gebotenen Leistungen. So viele „Veteranen“, die einfach nicht mehr konnten und wollten. Die Ära Harttgen und Fascher; auch sie steckt noch in den Vereinsknochen, ist nicht so leicht abzuschütteln.

Wo wir aber gerade auch beim Thema Relegation sind und waren: Bis heute habe ich alle Spiele dieses sportlichen Irrsinns am heimischen Empfangsgerät verfolgen können und bin bisweilen entsetzt über die gebotenen Leistungen. Eine Relegation erzeugt einen so unmenschlichen Druck auf Spieler, Verantwortliche und Fans, so dass ein Spiel im eigentlichen Sinne kaum mehr möglich ist. Mit Ausnahme der Kickers aus Würzburg vielleicht, die zur Relegation kamen wie die Jungfrau zum Kinde und entsprechend befreit aufspielen konnten. An diesen zwei Spielen hängen Existenzen, Zugehörigkeiten und sogar Vereinsschicksale; glaubt man den aktuellen Nachrichten aus Nürnberg und Duisburg. Die TV Quoten mögen gestimmt haben, aber auf dem Felde herrschte bisweilen blanke Angst. Ergo: Auf- und Absteiger müssen klar definiert werden und Meister aufsteigen. Nur so kann sportlicher Erfolg oder Misserfolg einer Saison fair quittiert werden.

Übrigens nehmen wir in der kommenden Erstrunde des DFB Pokals nur Gegner und Fans ernst, die wie schon Düsseldorf und nun auch Tupperwal mit eigens kreierten „Anti-RWE“ Shirts anreisen. Wir brauchen das einfach. Sieht ja auch gut aus, so ein einheitlicher Gästeblock. Nur der RWE!

 

 

Das Gesetz der Trägheit

Ungekannte Gefühle machten sich vor diesem Spiel breit: So etwas wie Vorfreude schlich sich ein. Tatsächlich: Ich freute mich auf das Spiel des RWE gegen den Nachbarn aus Oberhausen. Aber warum eigentlich? Vielleicht weil es bis auf weiteres der letzte Besuch sein dürfte, oder weil sich die sportliche Situation etwas entspannt hatte? Auf die Freunde vor Ort oder auch darauf, Fritz Herkenrath zu Ehren applaudieren zu dürfen? Zwei Tage danach gibt es keine Antwort mehr auf diese Frage, denn die eigenen Mannschaft hat einmal mehr und diesmal so richtig ohne Ansage enttäuscht. Vor dem Spiel jedoch ging es nach Monaten mal wieder mit der „RWE Hit Mix CD“ an Bord auf die Reise gen Glutofen Essen. Lautstark mitgesungen wurden etliche Fanbusse eines benachbarten Bundesligisten  überholt. Denn sie wissen nicht was sie tun!

Warum nun schon um 13:00 Uhr angepfiffen werden musste, konnte nicht so richtig in Erfahrung gebracht werden; der guten Laune rund um das Stadion tat es aber scheinbar keinen Abbruch, sollte doch der endgültige Klassenerhalt ( Für temporäre Leser: tatsächlich Klassenerhalt, nicht Relegationsplatz oder dergleichen!) hier und heute gesichert werden. Nur unsere Mannschaft jedoch, die hat davon leider nicht viel mitbekommen! Würde man von Stehgeigern oder von Sommerfußball sprechen, so würde man jeden Stehgeiger und jeden Sommerfußballer prinzipiell beleidigen. Welch blutleere und fast pomadige Vorstellung in der ersten Halbzeit. Zugegebenermaßen von beiden Mannschaften! Vielleicht hatte ja doch die ungewohnte Anstoßzeit inklusive ebenso ungewohnt hoher Temperaturen seine Finger mit im Spiel. Das war bei allen schlechten Spielen in dieser schlechten Saison definitiv die schlechteste Halbzeit. Paradox wirkte im Verhältnis dazu die nimmermüde und durchgängige Anfeuerung von der „West“.

Mit dem Ende der torlosen ersten Halbzeit rissen die schlechten Nachrichten allerdings noch lange nicht ab: Denn es folgte ja tatsächlich noch eine zweite Halbzeit, die es zu überstehen galt. Hätte man abstimmen lassen, ob weitergespielt oder das Spiel zur Halbzeit als beendet gewertet werden dürfte, so hätten sich die allermeisten der geduldigen  Zuschauer sicher für das sofortige Ende entschieden. Natürlich wurde die zweite Halbzeit gespielt; lag der Fokus zudem immer noch auf die Beruhigung der Seele durch die möglichen drei Punkte auf dem Platz. Wenn die erste Halbzeit nun überhaupt eine sportlich verwertbare Erkenntnis brachte, dann die, wie wichtig ein Benjamin Baier aktuell für unser Spiel ist. Jemand der wenigstens einmal aus der zweiten Reihe den unverhofften Schuss ansetzt, und auch mal die eigenen Mitspieler wachrütteln kann. Dem neuen Trainer jedoch wurde endgültig und deutlich deutlich vor Augen geführt, auf welches Abenteuer er sich mit der aktuellen Mannschaft eingelassen hat.

Der Nachbar aus Oberhausen, selbst auch in dieser ersten Halbzeit nicht die hellste Kerze auf der Spieltorte konnte in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr anders, als die Essener Trägheit mit Toren zu bestrafen. Endlich wurde das Betteln erhört, in Rückstand zu geraten. Blitzsauber wurde zweimal die Abwehr ausgehebelt und an Heimann vorbei eingeschoben beziehungsweise reingestochert. Man lacht an der Emscher wahrscheinlich noch immer darüber, wie simpel das an diesem Samstag möglich wahr. Vielleicht war es Galgenhumor, oder die Freude an einem wirklich gelungenen, neuem Lied auf der Tribüne: Die „West“ sang unverdrossen weiter, es kamen keine Schmähungen gegen die eigene Mannschaft, die es ansonsten schon bei wesentlich  besseren Leistungen und Rückstand gegeben hätte. Das Werfen von Gegenständen sollte trotzdem und überhaupt endlich einmal unterlassen werden! Wir sind nur noch auf Bewährung auf den Tribünen! Eine Atmosphäre also , die in der Beziehung zwischen den Geschehnissen auf Rasen und Tribünen einem Verwirrspiel glich.

Es wurde also nichts mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Wie dumm auch von uns Fans, das von der aktuellen Mannschaft zu erwarten. Wie dummdreist aber auch von nicht einmal einer Handvoll trunkener und scheinbar von Sonnenstich  geplagten Besuchern die Aktion, die Würde eines gegnerischen Spielers anzutasten. Das geht in keinster Weise und wurde entsprechend im Spielverlauf von Leon Binder kommentiert und geregelt. Eine bedauernswerte Randnotiz, die im Spielverlauf außer den Beteiligten selbst wirklich kaum einer mitbekommen hat. Ich denke, dann hätte es einen größeren Aufschrei gegeben. So jedenfalls war der Weg frei für den Berichterstatter der RevierSport, den RWE einmal mehr unter Generalverdacht zu stellen.

Rot-Weiss Essen benötigt in der kommenden Saison nicht nur endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen und unser Trikot auch verdient; sondern auch eine Berichterstattung, die sich mit Fakten und Fußball beschäftigt, anstatt in Boulevard Manier Geschehnisse oder Gesagtes aus dem Zusammenhang zu reißen und auf mögliches Fehlverhalten einiger weniger zu warten. Wir sind nicht doof, wir Fans wissen doch, dass der RWE nicht sonderlich gut gelitten ist im Hause RevierSport. Wir wollen keine Hofberichterstattung, denn das ist auch keinem zuträglich! Aber ich glaube, Verein, Fans und natürlich auch auch Medien ihrerseits haben ein Recht auf eine gegenseitig faire Behandlung. Auf gut recherchierte Beiträge, deren Inhalte den Sachverhalt erzählen und nicht auf eine reisserische Überschrift, der kaum  wirkliche Fakten folgen, dafür aber Klicks generieren . Wenn in längst vergangenen Tagen vielleicht mal Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dann ist es an der Zeit, nun einen Punkt zu setzen. In Münster zum Beispiel hat diese Form der Berichterstattung leider auch Überhand genommen, was die Preußen gar zu einem offenen Brief veranlasste. Weniger ist manchmal mehr! Die WAZ Essen kann es doch auch, berichtet sportjournalistisch und den Tatsachen geschuldet. Und das sicher nicht nur, weil die West ihren Namen trägt.

Diesen finalen Punkt können wir alle ja bald auch endlich unter die aktuelle Saison setzen. Gottseidank. Nie zuvor habe ich so viele Fans so müde erlebt. Veteranen in Rot und Weiß, der ständigen Enttäuschungen überdrüssig. Vielleicht kann ja  kommenden Samstag endlich der Klassenerhalt geschafft werden und dann das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen den Wuppertaler SV die Saison wenigstens auf Papier und Konto halbwegs noch retten. Nur der RWE!

Srivaddhanaprabha

Weit nach Mitternacht noch Udo Lindenberg zu hören, dass geht nur mit einem Pils dabei und hört sich allein von seinen Texten schon nach Kneipe an. Melancholie macht sich breit. Melancholie kann ich gut. Pils habe ich auch noch. Zeit und Muße also, die Dinge der letzten Tage einmal zu sortieren. Gestern haben wir die traurige Nachricht bekommen, dass Fritz Herkenrath bereits am 18. April dieses Jahres im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Geboren in Köln, feierte Fritz Herkenrath seine größten sportlichen Erfolge hier an der Hafenstraße in Essen. Ein tadelloser Sportsmann alter Schule; Schultätigkeit nach der Karriere. Die Meistermannschaft von 1955 nun vollzählig versammelt im Himmel; hier unten auf Erden kann jetzt keiner mehr davon erzählen. Wir zehren nunmehr endgültig von den Erinnerungen an längst vergangene, sportlich so erfolgreiche Tage. Niemals jedoch werden wir diese Fußballer vergessen, die unserem Verein so viel Gutes beschert haben. Auf ewig werden wir hoffentlich ihr Andenken bewahren und ihnen Samstag gedenken.

An der Hafenstraße dieser Tage ist es momentan relativ ruhig geworden. Die Kommentarspalten schwappen nicht mehr über vor Verzweiflung, Wut und dem Strafbestand der Beleidigung. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sorgten für eine kaum mehr gekannte Entspannung des rot-weißen Herzmuskel. Wir alle hatten den Rubikon Richtung Abstiegspanik gefühlt längst überschritten; normal war doch keiner in den letzten Wochen und Monaten unterwegs. Wir wussten und wissen alle: Ein Abstieg diese Saison und den Mythos können wir uns definitiv von der Backe putzen. Sieben Tage, vierundzwanzig Stunden Angst. Das zehrt an den Nerven. Das kostet Kraft. Unbezahlter Bluthochdruck vom Feinsten. Fan eines aktuell mäßig begabten Viertligisten zu sein geht an die Substanz, und ist unter dem Strich doch so viel mehr wert, als ein Ausscheiden im Halbfinale der Champions League. Ich möchte nicht tauschen. Nie mehr!

Ziemlich zeitgleich bejubelt gefühlt die ganze Fußballwelt die erste Meisterschaft des bis dato relativ unbekannten Vereins Leicester City aus England. Diese leider nicht auf dem grünen Rasen, sondern erst einen Tag später auf dem Sofa errungen. Chelsea sei Dank. Warum aber dreht die ganze Fußballwelt nun frei und mutiert zu Füchsen, obwohl aus Tradition eher den Reds zugetan? Auch Leicester City ist kein Verein mehr alter Prägung und hat mit Vichai Srivaddhanaprabha einen Milliardär als Eigentümer. Formal also nicht wirklich viel anderes als in den Akten Hopp,Mateschitz oder Abramowitsch zum Beispiel. Im diesjährigen Ranking, die finanzielle Kaderschwere betreffend, rangieren die „Foxes“ in England auf Platz 12 und 127 Millionen Euro in den Beinen. Was übrigens und interessanterweise in Deutschland den monetären Platz 7 einbringen würde. Insgesamt wird der Kader momentan auf 300 Millionen britische Pfund taxiert. In etwa also dem Börsenwert von ISDT.

Ich glaube, die Freude mit und am „Meister Leicester City“ liegt einem ganz anderem Faszinosum zugrunde: Nämlich dem der Meisterschaft und dem Wettkampf, der zur selbigen führen kann. Oder eben auch nicht. Auch in Leicester wird nicht mit Peanuts bezahlt, aber hier hat sich eine Mannschaft gefunden, die fast abgestiegen, ein Miteinander entwickelt hat, welches finanzielle Schwergewichte auszuhebeln verstand und der Basis endlich wieder die Hoffnung zurückgeben konnte, dass Fußball Wettbewerb und nicht nur Scheckheft ist. Der britische Fan war es leid, immer nur die selben Vereine um die Meisterschaft spielen zu sehen. Und man kann es auch nachvollziehen. Was wäre hierzulande wohl los, würden der 1.FC Köln, die SG Eintracht Frankfurt oder unser aller Rot-Weiss Essen in einem Par­force­ritt sondergleichen die Meisterschale holen?  Die Sympathien aller wären für ein Jahr gesichert.

Vielleicht geht es auch noch ein Stück weiter: Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel will Setzlisten und somit die altbewährten Wettbewerbe quasi am Nasenring durch die imaginäre Arena ziehen. Nee, er kann sich seine Setzlisten sonstwo hinstecken! Gewinner wird nur, wer die Wettbewerbe annimmt,  übersteht und nicht plant. Leicester City hat den Wettbewerb angenommen und diesen gewonnen. Das wohl die einmalige Faszination aktuell um einen Meistertitel in England. Rot-Weiss Essen muss noch viel trainieren um eines Tages überhaupt in den Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft einsteigen zu können. Aber wir würden dann keine Setzlisten, sondern Gegner wollen.

Samstag nun aber erst einmal Oberhausen der Gegner. RWE gegen RWO. Bis auf weiteres das letzte Spiel in einem Stadion, gilt es ja alsbald den eigenen Wettbewerb anzutreten und natürlich zu gewinnen.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf, wie viel Du einstecken kannst!

Welch kollektive Erleichterung nach dem Schlusspfiff. Welch Freude allerseits, außer natürlich im Gästeblock und vielleicht auch bei denjenigen auf der „Rahn“, die noch erhöhten Diskussionsbedarf mit einigen unserer Spieler hatten. Glückwünsche sehen anders aus! Rot-Weiss Essen hat Alemannia Aachen in einem bisweilen vogelwilden Spiel mit 3:2 bezwungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Leon Binder kurz vor Schluß einen Ball regelkonform vor der Linie erreichen und somit den Ausgleich für die Alemannia verhindern konnte. Bis zu diesem so erlösenden Moment des abschließenden Pfiffes hat der RWE in den letzten Wochen verdammt viel eingesteckt, um das Zitat aus „Rocky“ einmal mit in den Text einzupflegen.

Das Stadion Essen gut gesichert an diesem Sonntag! Selbst auf der Anfahrt über Gladbeck hockten schon lange vor Spielbeginn Einsatzkräfte in ihren Fahrzeugen und starrten eher gelangweilt auf ihre Handys. Es ging schließlich nicht nur gegen einen alten Westrivalen, sondern auch gegen den Abstieg. Und da es in den letzten Wochen immer weniger gelang, die Emotionen regelkonform unter Kontrolle zu halten, galt das Augenmerk wohl mehreren möglichen Brennpunkten. Aber neben dem Endergebnis gab es eine weitere schöne Nachricht: Es gab im Spiel und auch danach keine Brennpunkte im und um das Stadion herum. Im Gegenteil: Auf den Rängen wurde genau so aufopferungsvoll unterstützt, wie auf dem Spielfeld um den Ball und das Spiel gekämpft. Danke dafür!

Der RWE erwischte einen Start, wie er besser wohl nicht sein könnte, ging plötzlich und unerwartet mit 2:0 in Führung. Und doch gelang es unserer Mannschaft nicht, nun die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zu „gallig“ die Aachener und zu verunsichert die Essener, was das eigene Spiel betrifft. Aber nach all den vergangenen Wochen auch nicht verwunderlich, hat der RWE doch permanent eingesteckt, anstatt auch nur ansatzweise austeilen können. Und so ist es unter dem Strich eigentlich egal, wie der Erfolg zustande kam, hält er uns alle doch über jenem ominösen Strich und lässt einen etwas normaleren Puls für den Moment wieder zu. Zurück aber zur Unterstützung des Publikums: Beide Vereine haben ihre große Anhängerschaft sicher mehr als enttäuscht und verbleiben definitiv weiter im Kellergewölbe des Fußballs moderner Prägung. Und doch war das im Stadion einmal mehr als nur vierte Liga. Es war Fußball! Es war Atmosphäre und es war spannend. Die Fans auf der West und alle anderen im Stadion haben den gerade wohl einzig gangbaren Weg gewählt: Es ist „Playoff“ Zeit an der Hafenstraße, und in der fiktiven Serie „Best of Six“ geht es eben nur gemeinsam. Und gemeinsam wurde auch die Alemannia bezwungen. Vielleicht setzt das nun für die verbleibenden fünf Partien jene Kräfte frei, die wir bisher alle so vermisst haben. Auf und neben dem Platz.

Apropos neben dem Platz: Bisweilen nehmen wir Fans schon eine ziemlich egoistische Grundhaltung ein und denken stets nur an unser eigenes Wohl; hacken auf der Mannschaft herum, die einmal mehr unser aller Erwartungen nicht erfüllt hat. Aber vergessen wir nicht diejenigen, die nicht auf dem Platz stehen, und doch so viel für unseren Verein leisten, zudem genauso leiden? Deren Arbeitsplätze durch die Leistung auf den Plätzen mehr als gefährdet sind, und die doch immer wieder dafür sorgen müssen, dass der Vereinsalltag weiter geht; die sozialen Netzwerke weiter gefüttert werden und die  Journaille zu ihren Auskünften kommt. Die Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen dieser Tage gleicht emotional dem Spiegelbild der Mannschaft auf dem Platz! Und doch können die administrativen Mitarbeiter am wenigsten für die aktuelle Situation, legen sie doch ihr berufliches Schicksal in die Füße der eigenen Mannschaft. Vielleicht denken wir in den kommenden Wochen auch einmal an sie: Unsere guten Seelen im Hintergrund, welche das Gefühl Hafenstraße nicht nur leben, sondern auch arbeiten. Fakt ist, und das hat der vergangene Sonntag einmal mehr gezeigt: Es geht sicher ohne Sport1, aber niemals gegeneinander! Spiel zwei der „Best of Six“ Serie beschert dem RWE nun kommenden Samstag wieder ein Heimspiel, wenn auch auswärts in der Mondpalast Arena zu Wanne-Eickel. Der Gegner ist machbar, kommt er doch aus Gelsenkirchen.

Zu guter Letzt noch etwas in eigener Sache: Zur Buchveröffentlichung am 1. Mai wird auch der Blog in den nächsten Tagen renoviert und hübsch gemacht. Die Schrift eine andere, das Erscheinungsbild auch ein wenig anders, die Texte nun komplett einsehbar. Ich hoffe es gefällt. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. Und doch könnte und wird es sowohl in Blog und Facebook Auftritt von „ISDT“ in den kommenden Wochen und Monaten etwas ruhiger werden. Der Grund ist dieses Arschloch von Krebs, welches sich bösartig eingenistet hat. Ich bin zwar  überzeugt davon, den Kampf genau so erfolgreich zu gestalten, wie der RWE den seinen gegen den Abstieg. Aber ich habe eine Bitte: Geht zur Vorsorge! Scheißegal wie unverwundbar Ihr Euch auch halten mögt. Es geht um Euer Leben. Und wir alle wollen doch eines Tages gemeinsam Aufstiege feiern. Nur der RWE!

Bestes Torwart von Welt!

So bezeichnete sich Petar Radenkovic während seiner aktiven Laufbahn des öfteren gerne mal selbst. Soweit die Erklärung zur Überschrift. Ein schöner Zufall ermöglicht uns spontan einen Sprung zurück in das Jahr 1967: Es war der 13. Mai in jenem Jahr, als die Münchner Löwen zu Gast im heimischen Georg-Melches-Stadion waren. Der Reklamierarm noch nicht erfunden; Sascha Mölders noch als Quark im Schaufenster statt im Kader der 60er.

Das Spiel ist kurz erzählt, hier sollen vor allem die Bilder sprechen: 25.000 Zuschauer waren Zeuge der Begegnung Tabellensiebzehnter gegen den Tabellendritten. Angepfiffen wurde recht ungewöhnlich um 16.00 Uhr. Und das an einem Samstag. Wie konnte man damals nur so etwas durchgehen lassen… Fußball an einem Samstag! Der Aufsteiger von der Hafenstraße ging mit 2:0 durch die Herren Hasebrink und Dietrich in Führung. Führte so bis zur 77. Minute  fröhlich vor sich hin, als die Löwen via Doppelschlag egalisieren konnten: Steiner und Brunnenmeier die Torschützen für den aktuellen Mölders Verein. 

Was aber hat es nun mit dem schönen Zufall auf sich? Nun, hier ist die Rede von einem Essener Fußballfreund der, eigentlich dem ETB zugetan, gerne auch an der Hafenstraße und anderen Stadien des Ruhrgebietes zu Gast war, um seiner Leidenschaft Fußball zu frönen. Und dann war da noch die Ehefrau des Fußballfreundes, die ihrerseits Fußball so gar nicht viel abgewinnen konnte. Wenn sie denn aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit in ein Stadion seiner Wahl „entführt“ wurde, so konnte sie sich wenigstens dem Hobby Fotografie widmen. Und so kam es, dass beide scheinbar zufrieden waren und wir uns unverhofft an diesen schönen Fotos gar nicht sattsehen können. Der Dank und die Quelle geht an Sastre. Der Dank für die Idee  an „Brigade Essen“. Wundervolle Zeitdokumente!

Was sind wir alle schon gegen den Verein?

Nichts! Und ohne den Verein wären wir auch alle gar nicht hier. Wir würden uns nicht kennen, sofern wir uns denn überhaupt kennen. Wir hätten nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt, oder worüber wir uns gemeinsam freuen könnten. Auch das soll ja vorkommen! Es kommt vielleicht seltener vor als ersteres. Aber diese Momente, freudetrunken in den Armen eines anderen zu liegen, den man weder kennt, noch zuvor gesehen hat, die vergisst man nie. Und warum liegen wir in den Armen eines oder einer anderen? Die Antwort liegt auf der Hand, sicher aber auch am Schal selber Farbe um den Hals des oder der anderen. Wir teilen also Freude und Leid miteinander. Nun galt es in den letzten Monaten eher Leid miteinander zu teilen, war die Zeit auch noch so schwer. Für uns aber warst Du immer wer; auch wenn es mitunter den Anschein hatte, als hätten wir den Glauben an unseren Verein verloren.

Handelnde im Fokus, Kommentare bisweilen für den Lokus. Kritik für Kritisierende und Unverständnis untereinander. Wenn ein Verein wie Rot-Weiss Essen scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegentrudelt, so liegen die Nerven bei allen, die es mit dem RWE halten, mindestens so blank wie das Konto von Schalke 04. Da ist dann nichts mehr, was Zuversicht und Halt vermitteln könnte. Alles leer. Der emotionale Dispo ist ausgeschöpft, seine horrenden Zinsen zerren zusätzlich an den Nerven. Alles scheiße! Es gibt rational keine Antwort mehr auf all die Fragen, die einem tagtäglich rund um den RWE gestellt werden, oder auf die, die man selber hat. Die Netzwerke in Rot und Weiß werden angezapft; es wird sich gegenseitig Mut gemacht oder sich in Galgenhumor geübt. Momente in denen Du, ja auch Du! Merkst, was eigentlich wirklich nur zählt! Denn unter dem Strich landen wir immer wieder bei unserem Verein. Wir kommen immer wieder auf den gemeinsamen Nenner Rot-Weiss Essen. DU bist unser ABC, unser großes Einmaleins.
Wie ein Magnet ziehst du uns an!

Wie gerne würden wir alle doch den ganzen Dreck vergessen, steht doch der Verein grad in Flammen. Aber der Verein hat gehandelt. Es wird gelöscht und die Mannschaft wahrlich nicht in Watte gepackt; sondern in Ansprache eher an die Ehre und sportliches Vermögen erinnert. Hier und jetzt zählen keine Einzelschicksale mehr. Hier und jetzt geht es einzig um unseren Verein. Hier und jetzt geht es um Rot-Weiss Essen. Eigentlich das Größte, was wir alle jemals besessen haben und besitzen werden.  Okay, ein toller Job nebst gutem Kontostand bieten vielleicht gute Perspektiven, und doch niemals die Intensität einer Saison mit unserem RWE. Freitag geht es nach Ahlen. Darauf reimt sich jetzt nichts großes, aber vielleicht ist dieser Freitag endlich die Kehrtwende für unseren Verein in dieser doch so aufreibenden Saison. Und vielleicht nehmen wir einfach auch mal wahr, wie sehr viele Menschen gerade mit Rot-Weiss Essen hoffen und bangen. Sie tun das nicht für uns Fans des RWE; sie haben zudem ihre eigenen Vereine. Aber sie tun es, weil der RWE einfach etwas ganz Besonderes ist. In guten wie in schlechten Zeiten. Alle nach Ahlen. Nur der RWE!

Es rappelt in der Kiste…

Spätestens nach der samstäglichen Niederlage gegen Tante Lotte war klar, was eigentlich schon seit Wochen klar war: Mit unserer aktuellen Mannschaft werden wir in dieser Saison keinen Blumenpott mehr gewinnen, sondern nach langen Jahren eher den so sehnlichen Wunsch erfüllt bekommen, diese Liga endlich zu verlassen. Allerdings in andere Richtung als gedacht. In den letzten Wochen hat sich der Druck auf Trainer Jan Siewert und somit auch auf Mannschaft und Verein  von schlechter Leistung zu schlechter Leistung verständlicherweise, und von Tag zu Tag erhöht.

Leider begnügt sich der frustrierte Fan in Zeiten (a-)sozialer Medien nicht mehr mit der schlichten Forderung nach der Entlassung des sportlichen Verantwortlichen. Da wird gelegentlich beleidigt, was die Tastatur hergibt; wird scheinbar wie von Sinnen und in blinder Wut gelegentlich unter jeglicher Gürtellinie der Mensch hinter der Funktion und der Funktionär auf das Übelste angegangen. Nun ist das kein Phänomen der Hafenstraße, lässt der gegenseitige Respekt und das Miteinander leider immer mehr zu wünschen übrig; aber es gibt zu denken. Das muss nicht sein! Heisst es nicht:“Die Familie Rot Weiss..hält zusammen“? Auf dem Feld hält momentan wohl auch kaum einer der fast dreißig Vertragsspieler von Rot-Weiss Essen zusammen.

Mit jedem Spiel mehr wurde und wird deutlich, dass dort keine Mannschaft mehr agiert, sondern die Grüppchenbildung regiert. Es gibt aber natürlich auch diejenigen, die man von dieser Kritik ausnehmen möchte, wie unter anderem einen Baier, Platzek, Binder, oder beispielhaft gerade auch einen Patrick Huckle. Nicht der filigransten Einer; aber ein Kämpfer vor dem Herrn, dem anzumerken ist, ein Mannschaftssportler zu sein. Der leidet, genauso wie wir da draußen. Diesen Spielertyp brauchen wir nun besonders.

Es gab also keine Alternative mehr dazu, Jan Siewert seines Postens zu entheben. Der Protest so laut, da hätte sogar ein Marc Fascher in blau- weiß gehüllt, begleitet von Uwe Harttgen als Sancho Panza und auf Esel, die Hafenstraße hinunter galoppieren können: Sie wären freudig begrüßt worden! Der Schmerz so groß, die Angst immer mehr. Gestern dann trug der Verein dem anhaltenden Sinkflug in Tabelle nebst Sturzflug in der Leistung Rechnung und entband Jan Siewert von seinen Aufgaben als Cheftrainer von Rot-Weiss Essen. Wer einigermaßen gut vernetzt ist, wusste innerhalb von Minuten Bescheid.

Prompt wandelte sich Hass und Häme in spürbare Erleichterung darüber, dass endlich gehandelt wurde. Namen zählen dieser Tage einfach nicht, es geht um das große Ganze, welches da Rot-Weiss Essen heisst. Erstaunlich allerdings, dass die Demission des Trainers von Andreas Winkler kommentiert wurde, der verantwortlich dafür steht, dass kaum einer mehr weiß, wer aktuell überhaupt so alles bei RWE unter Vertrag steht. So viele Spieler sind es, die kamen und gingen. Oder noch nie spielen konnten, da verletzt verpflichtet. Oder einfach auch nicht regionalligatauglich waren. Jan Siewert hat sicher nicht nicht immer die beste Figur abgegeben, obwohl sportlich durchtrainiert, aber er hatte auch damit klarzukommen, was ihm der sportliche Direktor Andreas Winkler so alles auf den Trainingsplatz bestellt hat.

Und so kann meines Erachtens nach ein Klassenerhalt inklusive Neuanfang nur dann gelingen, wenn auch Andreas Winkler seines aktuellen Postens entbunden wird. Bei allen Verdiensten um den Verein. Aber diese Saison trägt, unter Einbezug der Fascher/Harttgen Ära, nun mal seine Handschrift. Und ich glaube, auch das Tischtuch zwischen sportlichem Direktor und Mannschaft ist zerschnitten. Man schaue sich nur die Fotos an. Bilder sagen mehr als Worte!

Aber was kommt jetzt? Wer kann uns alle vor dem Abstieg retten? Wir sind dann nicht mehr froh, dass es den RWE überhaupt noch gibt! Haben wir doch keine finanziellen Probleme mehr (Übrigens immer noch der Verdienst von Michael Welling, welcher natürlich als Verantwortlicher gerade auch ziemliche unter Beschuss steht wie seine sportlich leitenden Angestellten und ebensowenig zimperlich behandelt wird). Otto Rehhagel war gegen Lotte auf der Tribüne. Willi Lippens sicher selbstredend auch.  Otto Rehhagel hatte noch auf der Jahreshauptversammlung Jan Siewert seine Hilfe angeboten. Vielleicht sollte der Verein sie jetzt annehmen und ihn um Hilfe bitten. Vielleicht nur für eine Kabinenansprache. Mit Unterstützung von Willi Lippens. Denn, was haben wir denn noch zu verlieren außer unsere Existenz?

Die Spieler haben nicht auf ihren Trainer gehört, haben zumeist keine Ahnung, wie es uns Fans überhaupt geht, und was uns der RWE bedeutet. Somit brauchen wir nun dringend ein- oder zwei Legenden, die ihnen bis Saisonende aber genau das vermitteln: Der RWE ist unser Leben! Ihr geht, aber wir bleiben. Wir haben unbefristete Verträge auf Lebenszeit. Und wollen endlich wieder lachen. Am liebsten mit Euch. Auch wenn wir nicht mal mehr Eure Namen kennen, da einfach zu viele.

Lieber Jan Siewert, ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und möchte mich dafür bedanken, dass Sie sich auf das Abenteuer Rot-Weiss Essen eingelassen haben. Ich hätte mir manches Mal etwas mehr Gelassenheit bei Ihnen gewünscht. Einen lockeren Spruch. Was auch immer. Aber vor allem sportlichen Erfolg. Der blieb leider aus und somit griff erst jetzt, und hoffentlich nicht zu spät, das was immer passiert, wenn eine Mannschaft vor dem Abstieg steht.

Die Spieler sind nun auch ihres Alibis Trainer entbunden und müssen kommenden Freitag in Ahlen beweisen, dass sie ebenfalls nicht absteigen wollen.

Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal.

Leicht abgewandelt eine Aussage von Bayerns KHR (nicht zu verwechseln mit KMH aus dem ASS) als Titel. Nur gut, das wir uns aktuell nicht mit dieser dreisten Forderung nach einer finalen Wild Card auseinandersetzen müssen, um auf ewig für ein Finale gegen den FC Barcelona gesetzt zu sein. KHR tritt jeglichen Wettbewerbsgedanken im Fußball mit den Füßen.

Den Fußball mit den Füßen traten die Kicker von der Hafenstraße auch. Jedoch in letzter Zeit so schlecht, so dass sich die Situation rund um die Hafenstraße 97a immer mehr zuspitzte und nach der Niederlage vergangener Woche in Düsseldorf in wütendes Aufheulen der Anhängerschaft gipfelte. Unter dem Strich stand nach dem Spiel unter dem Strich. Man ist geneigt zu schreiben: Endlich!

Wochenlang schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Abstiegskampf, Ihr seid im Abstiegskampf! Schien aber so wirklich keinen zu interessieren, denn verloren wurde ja auch nicht wirklich. Und so ging es stark kritisiert immer weiter. Unterbrochen gar von einem Halbfinalerfolg im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes gegen den Angstgegner FC Kray. Wer glaubte da schon ernsthaft an einen Abstieg? Scheinbar keiner der Aktiven auf dem Feld, denn ansonsten ist die Leistung gegen Düsseldorfer Zweitfortunen nicht zu erklären. Oder ging es doch gegen den Trainer? gegen den Mitspieler? Gegen den Fan? Wir werden es wohl nie erfahren.

Jedenfalls brachte uns Düsseldorf nun definitiv die Erkenntnis, in höchste Abstiegsgefahr geraten zu sein. Wir, der Meister von 1955, welcher unterklassig höchstens durch Lizenzentzug absteigt, steht auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga West. „Caramba, mir kocht der Blut“, um es mal mit Marika Rökk zu schreiben! Das war und ist zu viel für den leidgeprüften Fan. Die Kommentarzeilen kochten über; oftmals auch mit ungesundem Hass und blanker Gewaltandrohung. Das geht leider noch weniger, als eine unterirdische Leistung auf dem Feld! Isso! Die Tage nach Düsseldorf also Tage, die verwirrten; sprachlos machten und zugleich unfähig, auch nur annähernd etwas zu Papier zu bringen, was der Situation entsprechen könnte. Als außenstehender Blogger jedenfalls.

Die Argumente wogten hin und her; die Zuordnungen wurden im Minutentakt neu verteilt, ebenso die Schuldfrage. Jan Siewert schien schon entlassen, als Suspendierungen zweier Spieler ausgesprochen wurden und der suspendierende Trainer überraschenderweise bleiben konnte. Es ist ja nicht so, als ob ich mir nicht gewünscht hätte, dass der Trainer zum Verein gepasst hätte oder immer noch passen könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass Jan Siewert wenigsten einmal auch menschelt. In einer Pressekonferenz zum Beispiel. Er agiert bisweilen so trocken und unnahbar wie die britischen Kronjuwelen hinter Panzerglas. Herrgott von Bentheim, da ist es doch kein Wunder, dass wir Unwissenden von schlechtem Betriebsklima zwischen Mannschaft und Trainer schwadronieren. Wir haben doch bald mehr Abgänge und Suspendierte als aktive Spieler im Kader. Zuzüglich Drölftausend Neuzugängen.

So viele Spieler, so viele Namen. Aber für uns nur ein Verein: Rot-Weiss Essen! Ok, wir atmen einmal kurz durch und sammeln die Fakten bis zum heutigen Spielbeginn: Trainer und sportlicher Leiter weiter im Amt; Mannschaft dezimiert; Vorstand in der Kritik; Abstiegsplatz; Boykott vieler Fans; Boykott des Boykottes durch ebenso viele Fans….na das konnte ja was werden. Und es wurden, um das Ganze ein wenig abzukürzen, drei Punkte! Der SC Verl erwies sich gestern Abend als der endlich richtige Gegner, den es verunsichert galt, verunsichert zu bezwingen. Wir alle im Stadion haben kein richtig gutes Fußballspiel gesehen. Und nur der Verler Harmlosigkeit in diesen neunzig Minuten war es zu verdanken, das stets kämpfenden und vollsten Einsatz zeigenden Essener zu einem 1:0 Kantersieg kamen. Dem ersten Dreier seit langer, langer Zeit. Die Verunsicherung und der Willen gaben sich bei den Spielern des RWE die berühmte Klinke in die Hand. Erst das einzige Tor des Abends offenbarte einen kleinen Einblick in die Seele des rot-weißen Vertragsspielers: Die Auswechsel- und somit nicht suspendierten, Spieler rannten wie von Sinnen auf das Feld nach jenem Treffer, während es andere Spieler sogar Richtung Trainerbank zog. Der Trainer also doch nicht derjenige welche?

„Siewert raus“ Rufe gab es übrigens nur dezent zweimal. „Abgefeuert“ auf der Haupttribüne von einem älteren Fan in Zivil. Der Boykott übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, denn meines Erachtens hat er funktioniert! Funktioniert deshalb, weil er beiderseitig respektiert wurde. Von denen die trotzdem gucken und jenen, die wegschauen wollten. Beide bekamen ihre Bühne Westtribüne. Und das war gut so! Gewaltandrohungen weniger, denn die helfen einfach keinem. Was auch nicht hilft, ist der Auftrag der RevierSport, alles und jedes in dermaßen überzogener Art zu martialisieren. Flatterbänder sind de facto keine Barrikaden. Warum muss immer alles so überzogen dargestellt werden? Warum diese Gier nach reisserischen Überschriften und Artikeln? Kommt mal runter und schreibt wieder über Fußball. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber wünschen darf man sich alles, hat meine Mutti früher immer gesagt. Tja, wir alle haben also endlich einmal wieder drei Punkte mit auf den Heimweg bekommen. Drei Punkte für die Seele, aber noch nicht zur Beruhigung. Und sicher nicht annähernd dafür geeignet, um etwas Ruhe an die Hafenstraße zu bekommen. Das schaffen nur weitere Punkte. Und vielleicht mal klare Worte, was wirklich los war, im Frühjahr 2016.

STOPP!

Wenn zwei zerstrittene Parteien etwas miteinander zu klären haben, kann mitunter eine professionelle Mediation helfen. Diese ist kostenlos und bedarf der Bereitschaft beider Parteien, etwas an der aktuell verfahrenen Situation zu ändern. Ein ganz wichtiges Merkmal einer Mediation ist, das im Vorfeld ein Signal vereinbart wird, mit dem eine mögliche Hasstirade, Negationen oder einfach auch zu belastende Momente sofort unterbrochen werden. Hält sich eine der beteiligten Parteien nicht daran, ist die Mediation sofort für gescheitert erklärt und übernehmen die Gerichte. Oder die Fünftklassigkeit!

Nun haben weder die Mannschaft noch die Fans prinzipiell ein gescheitertes Verhältnis zu klären, reden wir angeblich ja immer noch von Fanliebe einerseits und dem Fußballerstolz, an der Hafenstraße spielen zu dürfen, andererseits. Und doch ist es vielleicht an der Zeit, den Reklamierarm zu heben und lautstark „STOPP!“ zu rufen. Nehmen wir doch einfach mal an, es wären nach der Winterpause Vereinbarungen getroffen und Ziele vereinbart worden; denn auch das ist Bestandteil einer Mediation. Und tun wir weiterhin einfach mal so, als säßen der RWE und manch Fan in einer Mediation: Dann müssten die Mediatoren nun langsam, aber eindringlich und bestimmt mal darauf hinweisen, dass wir uns alle nicht an die Vereinbarungen halten.

Wir tun also einfach weiter so als ob: Die Mannschaft hatte das Ziel, einen Dreier einzufahren und personell aufpoliert, diese Vereinbarung mindestens beim abgeschlagenen Tabellenletzten FC Wegberg-Beeck  in die Tat umzusetzen. Zumal nach dem couragierten Auftritt gegen Wattenscheid 09. Die Mannschaft hat sich jedoch nicht an die fiktive Vereinbarung gehalten und einen besorgniserregend schwachen Auftritt im Morast von Wegberg hingelegt. Es war ja klar; und das ist jetzt Fakt, dass dieses Spiel eines der schwersten der Saison sein wird: Es galt in Anbetracht der eigenen, insbesondere aber der Tabellensituation der Wegberger, nichts anderes als ein Dreier inklusive vieler eigenen Tore. Brutaler Druck.

„Angst essen Seele auf“. Mich an diesen Filmtitel erinnernd, vermochte ich mich der allgemeinen Sicherheit vor dem Spiel nicht anschließen und habe vor Zeugen 1:1 getippt. In der Hoffnung, dass dieses Ergebnis niemals so kommen wird. Es kam so und nun musste kommen was fast zu erwarten war: Auch manch Fan fühlte sich direkt mit Abpfiff nicht mehr an die fiktive Zielvereinbarung gebunden und aus allen Rohren wurde wieder unter jedem möglichen Post zu dem Spiel Hohn und Spott bis hin zu blankem Hass in die Kommentarspalten geledert.

STOPP!

So geht das nicht mehr weiter. So steigen wir ab. Liebe Mannschaft, was können wir tun, was braucht Ihr? Was können wir (fiktiv) neu vereinbaren, damit der so ersehnte Erfolgsfall eintritt und wir die Tabelle wieder etwas entspannter betrachten können? Ihr seid gute Fußballer. Aber vielleicht nehmt Ihr nach dem Training mal zwei Kisten Stauder unter die Arme und setzt Euch alle zusammen in die Zeche Hafenstraße und spielt gemeinsam am dortigen Kickertisch einen aus. Guckt Euch an den Wänden um und erkennt, warum uns Fans das alles so viel bedeutet. Stellt Euch vor, Ihr steht eines Tages in den Geschichtsbüchern, hängt da überdimensional in Jubelpose an der Wand. Und vergesst nicht den Willi mitzunehmen, ist schließlich Euer Mannschaftskamerad. Der hat Euch einiges zu erzählen. Meinetwegen geigt Euch die Meinung. Aber betretet Samstag mit erhobenem Kopf den Platz und nicht mit ängstlicher Seele.

Und wir, die Fans, was könnte uns als neue (fiktive) Zielvereinbarung auferlegt werden? Respekt fällt mir da als erstes ein. Respekt auch den Spielern, die in Wegberg leider Gottes nicht gewonnen haben, aber keiner versagt extra! Solche spielen jetzt woanders für mehr Geld. Dieses Internet ist Fluch und Segen zugleich: Segen, wenn sich auch der RWE Fan in Australien ein Bild von der aktuellen Lage machen kann. Fluch, da die Hemmschwelle gegen den Spieler und Vertreter des eigenen Vereins mitunter unter Teppichbodenhöhe gesunken ist. Alle gegen alle. Aber es ging doch auch früher kreativer, seinen Unmut zu äußern: Fan könnte das Stadion erst gar nicht betreten. Fan könnte schweigen und die Mannschaft erst einmal machen lassen. Fan könnte so vieles. Aber nicht mehr blindwütig agieren. Droht der Fan sogar, so steigt auch er ab. Moralisch und tatsächlich dann am Saisonende.

Keiner will einen Abstieg. Wir wollten ursprünglich etwas ganz anders. Aber darüber schweigen wir uns besser aktuell aus. Jetzt gilt es etwas zu verhindern. Danach wird sicher zu Tisch gebeten und muß Tacheles geredet werden. Es geht um Rot-Weiss Essen. Und wir alle sind doch auch Rot-Weiss Essen. Der Fan ein Leben lang, der Spieler bis Vertragsende. Das neue Ziel lautet nun Velbert. Das Spiel wird sicher kein Ball werden, denn der Ball sollte gut rollen. Aber vielleicht ist dieses Zitat aus dem Film „The Rock“ aktuell ganz angebracht:

  • Mason: „Schaffen Sie das auch wirklich?“Goodspeed: „Ich werd‘ mein Bestes tun.“Mason: „Ihr Bestes? Versager jammern immer von wegen ihr Bestes, aber Sieger gehen nach Hause und vögeln die Ballkönigin!“Goodspeed: „Carla war die Ballkönigin.“Mason: „Wirklich?“Goodspeed: „Ja!“

Holt Euch die Ballkönigin!

Die Quadratur des Kreises und das große Rechteck.

Fairerweise muß ich darauf hinweisen, dass diese Überschrift schon vorab für das Spiel unserer Roten in Siegen gegen den TuS 1895 e.V. Erndtebrück gesetzt war. Simpel ausgedrückt bedeutete es nichts anderes als die bisherige Problematik, ein Tor für die eigenen Farben zu erzielen.  Das Spiel fiel bekanntermaßen aus; eine neue Überschrift für das Spiel gegen den Nachbarn aus Wattenscheid somit den internen Sparmaßnahmen zum Opfer.

Die Rückrunde begann gefühlt also mit dem Spiel gegen einen Nachbarn, welches aber immer noch kein Derby ist. Der Tabellenstand wurde ja über die Wintermonate in altbekannter Manier über Gebühr diskutiert, beziehungsweise über die Schmerzgrenze hinweg kommentiert. Wir kennen das ja: „Alle raus“! Sofort. Haut ab, verpisst Euch. Weil, wenn Ihr alle weg seit, dann steigen wir sofort noch während der laufenden Saison auf. Tun wir aber nicht! Da kann noch so wüst gepöbelt werden! Nur gut, dass die meisten Fans unserer wunderbaren drei Buchstaben diesen Fakt mittlerweile akzeptiert haben, denn die Mannschaft wurde dermaßen wohlwollend vor der gut gefüllten Westtribüne begrüßt, so dass man sich unweigerlich dabei ertappte, für den Moment im falschen Film zu sein. Wir können wohl doch nicht ohne einander.

8329 Fans inklusive vieler Gästefans wollten hier und heute einen Neuanfang. Und sie bekamen ihn auch. Der RWE legte gut los, auch wenn es scheinbar einen Dirigenten auf dem Feld bedurfte. Wenigstens wurde schon in der siebten Minute endlich die eigene Torflaute beendet!  Wenn auch in das eigene Tor. Sah elegant aus und war trotzdem nur dumm gelaufen. Tribünen und Spieler schüttelten sich kurz und machten dann unverdrossen weiter. Was auch ratsam war ob der Kälte. In der vierzigsten Minute war es dann Benjamin Baier, der den Wunsch aller scheinbar erahnte und endlich einmal aus der zweiten Reihe draufhielt: Ausgleich. Ja endlich! Warum immer versuchen den Ball bis in das Tor zu dribbeln, anstatt mal einen satten Schuss zu wagen? Strammes Ding! Adiole.

Unentschieden also in eine ziemlich frostige Pause, was aber eher an der Außentemperatur lag. Das Spiel selbst war recht hitzig und intensiv geführt. Die Vielzahl an verschiedenen Schals lag übrigens auch an der Vielzahl der Karnevalisten, die urplötzlich in der Fastenzeit das Stadion bevölkerten. Freude- und sonst auch trunkenes Völkchen. Manch einer schien sogar ein Fan der Roten zu sein. Zweite Halbzeit, Richtung West. Ballsicher sind unsere Jungs doch fast alle; wenngleich auch manch Ball nicht sofort den gewünschten Anspielpartner fand. Es fehlt zuweilen die ordnende Hand im Mittelfeld, der klassische Zehner halt. Und doch gelang Andreas Ivan, einem Neuzugang, in der 54. Minute die Führung. Unglaublich, aber wahr: Der RWE führte in einem Ligaspiel. Herzrasen und Tribünenekstase. Rot Weiss Essen auf einem guten Weg. Der ersehnte Dreier in greifbarer Nähe. Doch dann kam sie, die große Zeit des Unparteiischen Dustin Sikorski.  „Ein Mann,  ein Wort“ so hieß es früher. An diesem kalten Februarabend musste es heissen: „Ein Mann, viele Karten“.

Natürlich bin ich nicht objektiv. Wie aber auch soll man es sein, wenn nacheinander drei eigene Spieler von Bochumer Vorstädtern vor der „Rahn“ umgenietet werden, und der parteiisch Unparteiische zeigt keine Regung? Wohl aber dem schon erwähnten Spieler Ivan den gelben Karton. Nebst fünf weiteren Mannschaftskameraden. Das Spiel wogte hin und her, bis zur 62. Minute auch elf gegen elf geführt, als wieder Andreas Ivan die Hauptrolle übernahm: Er wusste nicht genau wohin mit dem Ball, versuchte eine optimale Schussposition zu finden, nachdem alle anderen Optionen mittlerweile zugestellt waren. Es ging also weiter Richtung Mitte, bevor der Ivan fiel. Der Mann ging nicht liegen, sondern der fiel wirklich. Und da die gemeine Schwalbe hier bei ISDT „Staatsfeind Nummer eins“ ist, war es aus unserer  Sicht der Dinge definitiv ein Foul. Was uns übrigens auch direkt über die soziale Medien von anderen Standpunkten aus bestätigt wurde. Es galt sich also auf einen Elfmeter vorzubereiten, die plötzlich und unerwartet durch den Abgang des eigenen Spielers unterbrochen wurde. Der Sikorski Dustin, der Unparteiische, tat das einzig nicht richtige und schickte den Ivan mit gelb- rot vom Feld.

Das Kartenverhältnis wuchs auf Seiten des RWE weiter an, während die Wattenscheider weiter recht robust und ungestraft hinlangen durften. Jede korrekte Eishockey Mannschaft hätte Euch mal so richtig einen auf die Zwölf gegeben. Aber, Ihr hattet den zwölften Mann auf dem Feld, wir nur noch deren zehn. Das Ungleichgewicht auf dem Feld soll nicht verhehlen, das der RWE noch einige Zeit dafür benötigt, um als Mannschaft endlich die Vorgaben umzusetzen und zu funktionieren. Vielleicht spielt auch nicht ein jeder Spieler auf seiner angestammten Position, aber man merkt doch: In der Mannschaft scheint es endlich zu stimmen! Und das ist die halbe Miete um einen Abstiegskampf erfolgreich zu bestehen. Der RWE führte also immer noch mit 2:1, und die Vorfreude auf einen flotten Dreier stieg von Minute zu Minute. Was wiederum den Mann an der Pfeife auf den Plan rief: Die eigentliche Spielzeit schon vorüber sah der Mann im Strafraum etwas, was nach Einsicht der Bilder definitiv außerhalb passiert ist:  Die Pfeife an selbiger pfiff einen unberechtigten Elfmeter gegen den RWE und ermöglichte den Wattenscheidern somit in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Vielleicht sogar angemessen auf die gesamte Spielzeit, aber nicht so! Ein unberechtigter Elfmeter, gegeben durch einen Schiedsrichter, der sich schon der Beobachtung der Oberen „erfreute“ und dessen Pfeifen Historie nicht gerade einwandfrei zu sein scheint. Wir sind schlechte Leistungen von Spielern und Schiedsrichtern an der Hafenstraße gewohnt, aber das Herr Sikorski, das war eindeutig die Krönung!

Es endete also 2:2 Unentschieden. Wir wissen nicht, mit wem der Parteiische nun sein Trikot getauscht hat, aber er kann sich sicher sein, dass Andreas Ivan touchiert wurde. Unter dem Strich verbleibt also ein Punkt, welcher in den (a-)sozialen Medien gewohnt zwischen Hass und Liebe kommentiert wird. Hier bleibt  nur die Fassungslosigkeit zurück. Trainerteam und Mannschaft jedoch, die sind auf einem guten Weg. Glauben wir daran, werden wir alle belohnt. Bis dahin gilt es durchzuhalten. Nur der RWE!

Der Fluß ist unberechenbar, man weiss nie, welche Umwege er sich leistet

Am vergangenen Sonntag waren über 300 Gäste im Stadion Essen zugegen, um nachträglich Willi Lippens zu seinem 70. Geburtstag zu gratulieren. Sie alle standen in irgendeiner Beziehung zum Jubilar, ob auf oder neben dem Feld. Und sie alle sahen sicher vor Ort einen Willi Lippens, so wie ich ihn auf den Fotos gesehen habe: Einen lebenslustigen Mann, dessen Augen vor Freude blitzen und dessen Mundwerk immer noch so lose ist, wie der Schnürsenkel der Fußballschlappen lange vor dem Spiel. Das Leben hat es gut gemeint mit Willi Lippens und umgekehrt auch. Ein Sympathikus vor dem Herrn.

Und so macht auch der Spielerpass für die noch laufende Saison durchaus seinen Sinn. Wenn Willi Lippens in der Kabine zu reden beginnt und kein Ende finden sollte, laufen die jungen Spieler schon freiwillig etwas schneller, nur um mal Ruhe vor ihm zu bekommen. Diese jungen, und somit aktuellen Spieler, wirkten ob der anwesenden Altherrenriege mit sportlich so großer Vita fast ein wenig eingeschüchtert. Dabei müssten sie es nicht. Sie haben den RWE nicht in die Viertklassigkeit versenkt. Sie haben aktuell eher das Problem, diese überhaupt zu halten. Und dann steht da vor ihnen dieser vitale älterer Herr; diese sympathische Vereinslegende, und erzählt mit glänzenden Augen seine immer wieder wundervollen Anekdoten. Die geladenen Gäste hängen ihm an den Lippens; klatschen und lachen. Keiner käme auf die Idee zu spucken oder zu pöbeln. Wie viel schöner ist es doch, Vereinslegende denn aktueller Spieler zu sein.

Eines dürfte die aktuelle Mannschaft somit aber spätestens an diesem Sonntag mitbekommen haben: Sie laufen nicht für irgend einen x- beliebigen Verein auf. Sie sind und stehen für Rot-Weiss Essen. Diesen Traditionsverein aus dem Revier. Und sie können eines Tages selber eine Legende werden. Vielleicht war dieses Erlebnis mehr wert als jede Traineransprache und vielleicht hatten diese Momente sogar ein klein wenig Anteil am Erfolg im Test gegen den VfB Lübeck, seines Zeichens Nord Regionalligist. Der RWE inklusive Gastspieler siegte mit 3:0 und dürfte somit für den kommenden Samstag gegen die Zweitvertretung des „FC“ aus Köln gerüstet sein. Vielleicht schütteln wir zu diesem Zwecke alle einmal dieses selten dämliche 2015 aus den Trikots oder Fanklamotten und fangen alle miteinander ganz von vorne an.

Verein und Medien schwelgten ob der Feierlichkeiten und mussten nur einen Tag später schon feststellen, dass das Schicksal wohl doch nur der miese Verräter ist, wie es ein Film bezeugte: Nur diesen einen Tag später, am 25. Januar 2015 also, galt es Abschied zu nehmen von einer weiteren Vereinslegende: Günter „Nobby“ Fürhoff fand einfach kein Mittel mehr, um in der gegnerischen und so heimtückischen Krankheit eine Lücke zu finden, so wie er sie viele Jahre für den RWE am Ball in des Gegners Spiel fand. Nobby Fürhoff wurde nur achtundsechzig Jahr jung. Wie immer, wenn uns ein Mensch verlässt, können Worte nur deplatziert sein und nicht annähernd Trost spenden. Es haben uns in den letzten Tage und Wochen so viele Menschen verlassen.  Vielleicht haben sie uns sogar in eine bessere Welt verlassen als die, die wir aktuell vorfinden. In unserer Welt gibt es doch nur noch Gegen- statt Miteinander. Alle miteinander jedoch können wir der Familie von Nobby Fürhoff nur viel Kraft für die kommende Zeit wünschen.

Der gebürtige Essener Nobby Fürhoff bestritt zwischen 1968 bis 1978 für die Rot-Weissen 309 Meisterschaftspartien und erzielte dabei 77 Tore. Auch per Kopf. In der Bundesliga kam der technisch beschlagene Mittelfeldspieler auf 153 Einsätze inklusive 20 Toren für unseren RWE. Nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga entschied sich Günter Fürhoff für ein Engagement  in Würzburg beim dortigen FV 04. In Würzburg fand er zudem seine neue Heimat. Den verdienten Respekt für seine Leistungen im Trikot des RWE bekam Nobby Fürhoff spätestens einmal mehr durch die Fans, die ihn 2007 in die „Jahrhundertmannschaft“ wählten. Der Respekt durch den Verein sollte noch etwas dauern, da der Verein im Umgang mit seinen Legenden bisweilen etwas unglücklich agierte. Erst seit einigen Jahren besinnt sich Rot-Weiss Essen seiner ehemaligen Spieler und Legenden und würdigt deren Leistung angemessen. Und so erfreute sich auch Günter Fürhoff der neuen Aufmerksamkeit durch den RWE und half sie ihm sicher durch manch schwere Stunde.

Den Spitznamen „Nobby“ bekam Günter Fürhoff übrigens durch Willi Lippens verpasst. Womit sich hier wunderbar ein Kreis zu schließen vermag. Ein Kreis, der Freude und Trauer vereint. Ein Kreis, der aber auch verdeutlicht, dass das Leben eines Menschen nicht ewig dauert, der Verein uns alle aber auf ewig überleben wird. Es ist der Verein der uns verbindet; der uns Halt gibt. In guten natürlich; aber auch in schweren Zeiten. Und wir sollten den Verein loslösen von einer temporären sportlichen Krise. Sondern ihn als Teil von uns akzeptieren und stets mit Respekt behandeln. Geburtstag und Todestag. Selten zeigt das Schicksal in nur zwei Tagen seine Macht. Danke Willi Lippens für alles! Ich hoffe, dass bei Ihnen noch lange Zeit der Schalk im Nacken blühen mag. Danke Günter „Nobby“ Fürhoff für alles! Auch wenn es zwischendurch mal so den Anschein hatte: Ihre Fans und die Hafenstraße haben Sie nie vergessen und werden Ihr Andenken bewahren. Ruhen Sie in Frieden!

„Wenn ein Mensch stirbt,
dann ist das so,
als verschwände ein Schiff hinter dem Horizont.
Es ist immer noch da,
wir sehen es nur nicht mehr“

Unbekannt

Ansichtssache.

Wir alle kennen ja die Weissagung der Cree, die in etwa so lautete: „Erst wenn der letzte Verantwortliche gerodet, der letzte Spieler vergiftet, der letzte Rest an Miteinander gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man sportlichen Erfolg nicht durch Gegeneinander erreichen kann.“ Natürlich lautete die Botschaft nicht wirklich so, und jeder ehrliche Aktivist mag mich verfluchen ob dieser Abänderung in rot-weisser Sache. Aber, die Situation rund um die Hafenstraße stellt sich auch zu Beginn des neuen Jahres nicht wirklich entspannter dar. Der Jahreswechsel hat ja an der tabellarischen Situation auch nichts zum Guten ändern können und so bleibt die bittere Erkenntnis, dass auch 2016 ein ziemlich aufstiegsfreies Jahr werden wird.

Gute Güte, waren wir in der letzten Winterpause noch euphorisiert: Platz 1 im Nacken und Aachen vor der Brust. Was dann folgte ist bekannt und Geschichte. Aktuell stellt sich die sportliche Gegenwart so dar, dass wir in jedem Falle also erst 2017 aufsteigen werden. Fragt sich nur aus welcher Liga. Ein magerer Punkt trennt unseren geliebten Verein von den Abstiegsrängen. Aber ist es eigentlich noch unser geliebter Verein? Was sich unterhalb der Berichte in den Kommentarspalten abspielt, erinnert immer mehr an einen Rosenkrieg, denn an Liebe. Die Beziehung zwischen Rot-Weiss Essen und Teilen seinen Fans scheint nachhaltig gestört, bedarf dringend einer Couch. Mindestens aber einer Mediation. Wobei hier aber auch mal eine Lanze für den Verein gebrochen werden darf: Rot-Weiss Essen kann dieser Tage machen was er will: Es ist falsch! Jeder Satz, jedes Wort; jeder Buchstabe und auch jeder Spieler: Alles wird dermaßen seziert, so dass der Pathologe von Welt seine helle Freude daran hätte. Zeugt der RevierSport von einer Testspielniederlage gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden wird direkt wieder wutentbrannt in die Tastatur gekloppt. Erstaunlicherweise lesen sich aber dann Beobachtungen der tatsächlich vor Ort in Belek anwesenden Fans ganz anders.

Ein Testspiel eben nach intensiven Trainingseinheiten inklusive komplett veränderter Formation in Halbzeit Zwei. Aber in Zeiten digitaler Medien wird auch schon auf ein solches Spielergebnis eingeprügelt. Testspiele sind ergebnistechnisch ein Muster ohne Wert. Der Mehrwert liegt hoffentlich in der Beobachtungsgabe der sportlich Verantwortlichen. Und den daraus zu ziehenden Erkenntnisse für die kommenden Ligaspiele. Was wir natürlich in dieser Saison erleben ist eine Mannschaft, die leider kein Team ist. Und wir prügeln munter darauf ein, anstatt uns vielleicht zu hinterfragen, was auch die Ära Fascher/Harttgen noch damit zu tun haben könnte. Jan Siewert hat bisweilen unglücklich agiert, das sein ihm zugestanden. Aber, er musste auch Strukturen innerhalb der Mannschaft übernehmen, die andere geschaffen  und den Verein vielleicht um zwei bis drei Jahre gebracht haben. Das, was zum Beispiel die Lilien vollbracht haben, schaffst Du nur mit einer völlig intakten Mannschaft. Unsere Mannschaft hingegen war nicht intakt. Sie war verunsichert, bedarf nun einer völlig neuen Formatierung. Das sich eine solche Formatierung am Rande des Abstiegs abspielt, hätte ich nie für möglich gehalten, macht mir Angst. Aber die Qualität für die Regionalliga ist vorhanden, wir steigen in dieser Saison nicht ab. Wenigstens das nicht.

Somit verbleibt also dieser Tage nur die Erinnerung an einst sportlich erfolgreiche Zeiten, in welchen wir verweilen und  die sich mit Stolz auf den RWE jener Tage wärmend über die sportlich aktuell so wunde Seele legt. Um diese Wunde zu heilen, sind natürlich immer wieder auch neue Spieler gefragt. Auch die mögliche Besetzung vakanter Positionen hatte natürlich einen Aufschrei zur Folge, wie er fast zu erwarten war. Spieler aus aller Herren Länder spielten an der Hafenstraße vor. Allerweltsfußballer sozusagen.  Und wir fragten uns, warum kein einziges Talent aus Essen und Umgebung zusammen mit den „Wanderstutzen“ vorspielen durfte. Denn am liebsten ist uns doch ein Essener Junge, geboren an der Hafenstraße und eine Mischung aus Helmut Rahn und nochmals Helmut Rahn auf Drittliganiveau.  Wir wollen Jungs aus dem Pott. Solche, die noch dafür zahlen würden, um für den RWE vor tosender Kulisse aufzulaufen. Problem: Die gibt es nicht mehr! Die gehen überall hin, aber nicht mehr zu RWE. Dumm gelaufen also. Und seien wir doch mal ehrlich: Putsche Helmig und Co. kennen sicher jeden Fußballer im Pott besser als ich meinen Kontostand. Und von allen anderen in Frage kommenden kennt man Position und den Preis, da bedarf es kein weiteres Training mehr. Die Spieler also, die nun zum Probetraining eingeladen werden, sind schon ein begrenzter Kreis derer, die dem Verein angeboten werden. Und dem Verein werden viele Spieler angeboten. Zu viele! Die „Wanderstutzen“ sind bisweilen leidlich gut kickende jungende Männer, die von ihren Beratern von Verein zu Verein gejagt werden, in der Hoffnung auf einen Vertrag und die eigene Provision. Der Verein hingegen hofft auf das Juwel für die vakante Position.

Nun hat der RWE ja doch noch in der eigenen Stadt zuschlagen können, die Gemüter somit etwas besänftigt. Doch wie schon Marius Müller-Westernhagen festellte: Die Garantie, die gibt Dir keiner! Was also, wenn der Spieler aus Essen den Erwartungen nicht gerecht wird und der aus, meinetwegen Grönland, einschlägt wie eine Bombe? Im positiven Sinne natürlich! Solch Spielerverpflichtung ist in diesen Tagen kein leichtes Unterfangen für einen Verein. Wir Fans mischen eben immer mit. Aber ab und an sollten wir den Verein auch einfach mal laufen lassen, anstatt direkt zur verbalen Grätsche anzusetzen. Daher noch einmal die Bitte: Wenn wir eines Tages miteinander aufsteigen wollen, dürfen wir 2016 nicht gegeneinander absteigen.

 

 

Weltpokalsieger 2056

Nun gut, wir schreiben aktuell noch das Kalenderjahr 2015 und wir haben das Jahr der Fußballseuche im Zeichen der Liga erlebt. Dieses Jahr beinhaltet aus der Sicht von Rot-Weiss Essen die ziemlich schlimme Rückrunde der Saison 2014/15 und die noch schlimmere Hinrunde der aktuellen Saison 2015/16. Beide Halbserien zusammengenommen ergeben das Auftreten eines Abstiegskandidaten. Und doch ist gerade das doch ein Grund, seinen Verein weiter zu lieben. Oliver Kahn würde sogar fordern, immer weiter zu lieben. Denn, sportlich ist die Talsohle endgültig erreicht, schlimmer geht nimmer. Das heisst, wir haben alsbald schon wieder bessere sportliche Zeiten vor uns. Können uns wieder auf ein Spiel und die Mannschaft freuen. Nur müssen wir aktuell einfach durchhalten. Schreibt sich einfacher als es ist. Aber betrachten wir das Ganze doch einfach wie eine funktionierende und langjährige Beziehung: Auch in einer solchen herrscht nicht immer nur eitel Sonnenschein. Und da der aktuelle Wutfan in seinen Kommentaren laut eigener Aussage im Durchschnitt schon seit über 60 Jahren zu Rot-Weiss geht, reden wir hier doch von einer langjährigen Beziehung.

Warum also alles über das Knie brechen und Shitstorm verbreiten, anstatt sich der Liebe erinnern, und geduldig wieder einander anzunähern. Klingt jetzt wie Love, Peace & Happiness, wirkt albern. Aber, es ist wirklich der einzige Weg. Und dann werden wir Spiel für Spiel wieder mit besseren Leistungen belohnt. Kurzfristig. Langfristig gelingt Rot-Weiss Essen dieser Legende nach somit wieder ein Aufstieg. Die Euphorie steigt in gleichem Maße wie die Ligenzugehörigkeit; der schlafende Riese ist erwacht. Vorwärts Rot-Weiss, kann man da nur noch anerkennend sagen. Verein und Fans stürmen also nun auch die Dritte Bundesliga, steigen nach vielen Jahren wieder in die zweite Bundesliga auf. Und endlich: Da wartet nach fünfzig Jahren wieder das so lang ersehnte Aufeinandertreffen mit dem FC Schalke 04. Der Tag, an dem Clemens Tönnies zum Veganer wurde, bedeutete nicht nur wirtschaftliche Einschnitte in Gelsenkirchen, sondern auch den sportlichen Abstieg. Die ersten Jahre in der zweiten Liga kämpft der RWE andauernd mit dem Rücken gegen die Wand, aber die gemeinsame Leidenschaft von Fans und Mannschaft schaffte stets den Klassenerhalt.

Auswärts durften leider nie viele Fans des RWE den Spielen beiwohnen, hat der DFB das Gästekontingent für die zweite Liga auf 10 Fans beschränkt. Grund dafür natürlich die Sicherheit und Sparmaßnahmen. So sind für die 10 Auswärtsfans nur noch 50 Ordner, 200 Polizisten und ein Drogenspürhund notwendig. Ausser, es kommt der RWE: Dann wird auf 60/250 aufgestockt. Die Vergabe der Auswärtsdauerkarten erfolgt per Losverfahren. Die Jahre ziehen über das Land und der RWE nähert sich verdächtig den Aufstiegsplätzen zur Eliteklasse. Jan Siewert, inzwischen eine Trainerlegende an der Hafenstraße denkt noch nicht an`s Aufhören, sondern sieht seine Mission erst mit der Rückkehr in die Erstklassigkeit beendet. In der Saison 2051/2052 ist es endlich soweit: Im letzten Saisonspiel schafft Rot-Weiss Essen den ersehnten Aufstieg (Jede Rückkehr in eine ehemalige Liga ist natürlich ein lang ersehnter Aufstieg) in die Fußballbundesliga. Ganz Essen feiert seine Helden. Und als wäre ein Fußballmärchen wahr geworden, wird der RWE exakt einhundert Jahre nach seiner ersten und bisher einzigen Meisterschaft sowie drei Jahre nach dem Aufstieg wieder Deutscher Fußballmeister. Meister 2055: Rot-Weiss Essen! Ganz Essen feiert seine Helden noch mehr. Für die Fans bedeutet der Aufstieg in die Eliteliga mit seinen größeren Stadien auch ein erhöhtes Kontingent an Auswärtskarten: Nun dürfen wieder 20 Auswärtsfans ihren Verein begleiten. Allerdings nur Abgabe sämtlicher persönlicher Daten und einem implantierten GPS Sender.  Die große Fangemeinde ist stinksauer und wünscht sich den Abstiegskampf in der vierten Liga zurück, als es noch genug Karten für alle gab.

Das Stadion Essen wurde mittlerweile erneut ausgebaut und erhält seinen dritten Rang. Die im Nachhinein explodierenden Kosten werden ausgesessen, die Verantwortung dafür hin- und hergeschoben. Was die Mannschaft des RWE aber nicht interessiert, denn schon in der kommenden Saison 2055/56 gelingt zwar nicht die Titelverteidigung (Meister wird der SV Eintracht Nordhorn), aber der allererste Erfolg in der Europäischen Königsklasse. In einem furiosen Finale wurde der FC Zürich mit 3:1 bezwungen. Ganz Essen nun in einem kollektiven Freudentaumel. Dr. Michael Welling sieht nun die Zeit gekommen, einen Nachfolger zu suchen, um sich auf seinen Alterssitz im Emsland zurückzuziehen. Doch zuvor steht noch ein Ereignis an, welches der RWE im Dezember 2015 nicht wirklich auf der Agenda hatte: Die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2056, welche vom 10. Dezember 2056 bis zum 20. Dezember 2056 in Japan ausgetragen wurde. Als gesetzte Mannschaft musste der RWE erst im Halbfinale gegen den Chinesischen Vertreter Guangzhou Evergrande treten, der mit 2:1 nach Verlängerung bezwungen wurde. Im anderen Halbfinale trafen Auckland City FC und der Club Sportivo Barracas aus Buenos Aires aufeinander. Die Argentinier konnten sich hier erfolgreich durchsetzen. Rot-Weiss Essen – Club Sportivo Barracas also das Finale der Klub Weltmeisterschaft. Seinem scheidenden Trainer auch den letzten Wunsch erfüllend, rannten die Rot-Weissen sich die berühmte Lunge aus dem Leib und den Gegner in den vielzitierten Grund und Boden. Mit 3:1 ging auch die höchste Vereinsweihe an Rot-Weiss Essen.

Ganz Essen feierte nun nicht mehr. Viele der älteren Fans wandten sich vom Verein ab, da früher in Amateurzeiten alles besser und familiärer war.

Der Spieler der Kokosnuss

Ein wechselwilliger Spieler bestreitet ein Testspiel bei einem höherklassigen Verein und dreht so richtig auf. Ein durchaus gängiges Procedere, schließlich möchte man sich ja für einen Vertrag empfehlen. Durchaus auch verständlich, würde es sich um einen verdienten, langjährigen Spieler handeln, der stets abgeliefert hat und aufgrund der sportlichen Stagnation seines derzeitigen Arbeitgebers die neue Herausforderung sucht.

Im Falle von Cebio Soukou ist die Sachlage aus Fansicht allerdings eine komplett andere: Hier will ein Spieler lieber heute als morgen die Hafenstraße verlassen, der nicht oder nur ganz wenig abgeliefert hat, sondern beliefert wurde. Cebio Soukou hat in seiner Zeit bei Rot-Weiss Essen Pech und Pannen erlebt. Aber der Verein war über Gebühr an seiner Seite, hat an ihn geglaubt. Catenaccio 07 hat #freecebio erfunden, wir haben ein Profilbild mit diesem Slogan gebastelt und online gestellt. Kaum ein Spieler der jüngeren Vergangenheit nach Timo Brauer oder Alexander Thamm hat sich einer solchen Wertschätzung erfreut. Der Mann hätte in einigen Jahren Legende werden können.

Und das, obwohl aktuell kaum auf dem Platz stehend! Irgendwann in dieser Saison zeichnete sich aber ein Trendwende ab, denn unser Hoffnungsträger trug keine Hoffnung mehr sondern höchstens Langeweile zur Schau. Nun gut,  die sportliche Situation mehr als unbefriedigend, es könnte auch daran liegen. Vielleicht aber hat es grundsätzlich nicht so gut in der Mannschaft harmoniert. An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Der Spekulatius aber ist mir definitiv aus dem Mund gefallen, als ich lesen musste, wer nun die Beratertätigkeit ausübt und unserem zukünftigen Ex Spieler Soukou jenes Testspiel vermittelt hat. Ungefiltert und ohne jede Vorwarnung bekam ich „Lübeck“ vor den Kopf geknallt. Die Seele weinte, das Herz schmerzte und wir stiegen wieder ohne Not in diese verdammte vierte Liga ab. Daher meine Bitte: Dann geht, aber geht schnell, damit wir wieder frei sind!

Frei von Abstiegssorgen sind wir natürlich trotzdem nicht; die Nerven liegen blank. Rabatz ist da eher kontraproduktiv. Wir müssen wohl eher diese Saison überstehen. Klar, wir mussten schon so viele davor überstehen, haben stets viel Personal ausgetauscht. Ich behaupte aber, dass, wenn wir diese Saison nicht absteigen und am Trainer festhalten, wir schon kommende Saison andere Ergebnisse erzielen. Und ich glaube, dass spüren noch viele mehr. Viele andere Trainer wären sonst schon vom Hof gejagt worden. Mannschaft, Fans und Verein sind nun gefordert, und so albern es sich anhören mag, so billig vielleicht die Parole klingt: Wir sind zusammen gefordert. gegeneinander geht nichts. Da geht gar nichts. Nicht einmal Null Komma nichts. Wollen wir zusammen aufsteigen dürfen wir  jetzt nicht getrennt voneinander absteigen.

Schwierig bei den gebotenen Leistungen, man fährt ja schon mit Widerwillen von zu Hause los. Wie bloß die Nerven liegen, hat der gestrige Artikel in der RevierSport bezüglich unserer aktuellen Trainingsgäste eindrucksvoll bewiesen: Die Elf Tore in Elf Spielen habe ich komplett überlesen. Die folgende Marke von 29 Spielen und nur drei Toren aber sehr wohl wahrgenommen und direkt in eigene Worte gepackt. Sehen wir nur noch das Schlechte? Oder wird uns da was suggeriert? Wir können nicht mehr abwarten, tragen den geliebten RWE  eher wie eine böse Krankheit in uns, denn als einen Lebensinhalt. Wollen nur noch schnell den Erfolg erleben, bevor uns die Erfolglosigkeit zu Grabe trägt. Ist doch so! Der Verein kann mal wieder machen was er will: Soziale Projekte werden gelegentlich sinngemäß kommentiert, dass erst Punkte wichtig sind, und dann Geschenke. Wir sind eigentlich alle am Ende, können überhaupt nicht mehr differenzieren, denn beides ist doch so wichtig! Bemerken nicht, dass der Verein nicht aufhören kann, Verein und soziale Instanz zu sein, nur weil die erste Mannschaft Grütze abliefert. Sehen gar nicht, dass unsere Verein anerkannt ist wie vielleicht noch nie in der eigenen Stadt!

Ich habe gerade keine Freude am Fußball meiner Mannschaft. Bekomme die Emotionen aus Angst vor dem Abstieg kaum in den Griff. Aber, wir werden zum einen nicht absteigen! Und zum anderen kennt Liebe einfach keine Liga. Wir müssen da jetzt durch. Zusammen. Aber ohne Egoisten. Die treffen wir eines Tages in einem Spiel wieder. Und gewinnen dieses! Nur der RWE!

Krayschen

Wir schreiben das Jahr 2015 und stehen kurz vor Weihnachten. Das Fest der Liebe steht an. Was die Welt gerade nicht wirklich interessiert. Alle gegen alle mal wieder! Und auch unser kleiner Kuschelverein vonne Hafenstraße bemüht sich mal wieder redlich um unser aller Blutdruck. Das Stadtduell gegen den Stadtteilverein FC Kray wurde wenigstens nicht verloren. Nach den zwei Pleiten der Vorsaison könnte man ja fast von einer Leistungssteigerung sprechen. Aber weit gefehlt: Der FC Kray ist in der Tabelle noch schlechter als unser RWE. Es war nicht mal mehr ein Spiel im Niemandsland der Tabelle, sondern ein Spiel gegen den Abstieg.

Kalt war es zudem. Saukalt. Rückstand – Ausgleich. Abpfiff! Kein Dreier also. Das können wir ja nur im Verbandspokal. Dann nämlich, wenn es keine Punkte zu verteilen gibt, sondern nur das nackte Weiterkommen zählt. Dann können uns die aktuellen Spieler gelegentlich sogar mal vermitteln, eine Mannschaft zu sein. Im Ligabetrieb der Saison 2015/16 ist die Truppe jedoch alles, nur keine Mannschaft. Und dann regen wir uns auf. Und wie wir uns aufregen. Da fliegen die Emotionen; geht die Herzkurve rauf und runter wie ein EKG Schreiber im Testlabor. Nervlich steht der RWE Fan mal wieder mit dem Rücken zur Wand. Keine Besserung in Sicht.

Die Spieler können es ja, aber man sieht davon nicht wirklich viel. Einer schon weg, ein anderer schlurft dermaßen lustlos durch die Gegend, so dass man fast vergessen könnte, in ihm einen Hoffnungsträger gesehen zu haben. Vielleicht wäre Alpecin  doch die bessere Lösung gewesen. Hier hilft keine Aussprache mehr, sondern nur Ansprache. Kein Meet & greet, sondern sieh zu, dass Du Deinen Job erledigst! Hier bedarf es einen wie Oliver Kahn, der seinen lethargischen Mitspielern zur Not was von Eiern erzählt oder von mir aus auch herzlich zubeisst. Hauptsache sie erinnern sich dann ihres Arbeitgebers und finden wieder in die Spur.

Allerdings sehe ich bei der aktuellen Mannschaft leider wirklich schwarz. Die große Chance ist endlich gekommen, diese Liga zu verlassen. Wenn auch in andere Richtung als stets geplant und erhofft. Aber, man muss die Dinge auch immer positiv sehen: Wir waren ja schon einmal in der Fünftklassigkeit. Froh, noch zu existieren! Und das, obwohl wir eigentlich nichts mehr hatten. Geld weg, Stadion fast weg. Aber wir hatten etwas, was im Fußball von entscheidender Bedeutung ist: Eine Mannschaft! Wir Fans haben einer Mannschaft zugejubelt, die für uns Dreck gefressen hat. Und wir für sie. Und so sind wir zusammen aufgestiegen!

Wenn wir jetzt absteigen sollten, dann getrennt voneinander. Oder wir raufen uns zusammen, halten die Klasse und überlegen uns dann, zusammen mal ganz von vorne anzufangen. Und als äusseres Zeichen wünsche ich mir einen RWE, der ganz in schwarzen Schuhen aufläuft. Scheiß auf den Modekram: Im Fußball zählen nur Punkte, und sonst nichts. Stollen statt Gel. Nur der RWE! Ich rege mich wirklich auf. Aber sowas von!

Wer ist Kaschollek und warum nur musste er auch noch singen?

Eine Überschrift wie eine Verschwörungstheorie. Ein Name wie ein Donnerhall. Die Rede ist von Dietmar „Scholle“ Kaschollek. Scheinbar gebürtig in Unna, möglicherweise geboren am 14. November 1954. In Unna. Eventuell! Warum aber all diese Konjunktive? Laut dieser Beschreibung soll „Scholle“ auch für den großartigen Verein von der Hafenstraße Fußball gespielt haben. Sechs Spiele soll Scholle torlos für Rot-Weiss Essen absolviert haben. Aber nichts genaues weiß man eben nicht.

Für eine zweite Chance, die erste hat er ja laut dem Bericht angeblich vermasselt, auch keine wirklich gute Bilanz; sofern sie denn zutrifft. „Scholle“ zudem ein Original, Sprücheklopfer und einer, der die Schuld stets bei Mit- und Gegenspieler zu suchen pflegte. Möglicherweise. Ach, und hitzköpfig soll er auch noch sein. Wenigstens steht nicht geschrieben, dass er für Niederlagen die Unparteiischen verantwortlich gemacht hat. Vielleicht wusste er aber, wo deren Auto steht. Angeblich hat er ja auch einen Rot-Weissen Teamkollegen in Richtung Dortmund zur dortigen Borussia vertrieben. Was für ein Typ, der Kaschollek!

Ein wahrer Absteiger noch dazu. Mit dem RWE sportlich am Ende der Saison 1976/77 aus der Fußball Bundesliga. Steht da geschrieben. Und doch scheint es sich bei Scholle um ein Phantom zu handeln, denn ein Spieler namens Dietmar Kaschollek ist nirgendwo zu finden. Im Kader der Saison 1976/77 finden sich ein Roland Spott, ein Eberhard Strauch und ein Hans Krostina. Um einmal die bekanntesten Spieler von Rot-Weiss jener Saison dagegenzuhalten. Und auch ein Flemming Lund stand im Kader. Wenigstens er müsste doch wissen, was es wirklich mit Scholle auf sich hatte, denn Dänen lügen nicht.

Sind wir also einer Satire aufgesessen? Und warum nur wurde Scholle möglicherweise bei den BVB Fans zur Persona non grata erklärt? Was hat er getan? Ein Fall für Aktenzeichen XY. Für sachdienliche Hinweise sind wir also sehr dankbar, auch wenn wir nicht mehr zu Peter Nidetzky nach Wien schalten können, da in Pension. Und wenn uns Scholle allein nicht schon suspekt genug erscheint: Er hat uns noch ein musikalisches Erbe hinterlassen! „11 Freunde musst Du sein“. Der Titel allein schon ein solcher Affront an den Mannschaftssport Fußball, da drehen sich Sepp Herberger und Sammy Drechsel im Grabe um. Das Lied als solches vorgetragen mit einer Leidenschaft und Klangfarbe irgendwo zwischen einem Pastor am Ende einer zu langen Predigt und einem Schalke Spiel. Man versteht halt nicht viel. Dieses Erbe möchte man eigentlich nicht antreten. Und ist doch voller Geheimnisse.

Wer also hat Dietmar Kalloschek erfunden? Wer weiss etwas? So schreibt uns bitte!

Was ist nur aus dieser Welt geworden!

Der RWE hat wieder verloren. Einige im Stadion haben zudem unser aller Respekt verloren, indem sie nach einer bewegenden Ansprache im Vorfeld der Begegnung Pyro gezündet und Böller geworfen haben. Hättet Ihr diese Scheisse nicht einmal sein lassen können? Nur ein einziges Mal und verdammt noch mal heute? Es gibt keinen Blog mehr zur sportlichen Misere unseres Vereins. Ich mag nicht mehr. Daher nur so viel: Wir stecken mitten im Abstiegskampf! Die erste Halbzeit komplett verschlafen, die zweite dagegen überlegen gestaltet, einen Elfmeter versagt bekommen. Aber, ist ein Elfmeter ausgerechnet bei Rot-Weiss Essen gleich ein Treffer? Mitnichten.

Zwei Punkte nur noch auf den ersten Abstiegsplatz. Zudem ein Spieler Soukou, der scheinbar unsere nächste Baustelle sein wird, anstatt endlich zu liefern. Er, den wir in Zeiten seiner Sperre immer moralisch unterstützt haben wirkt lustlos. Der November ist diesmal ein besonders trister an der Hafenstraße. Ein besonders trister für all das, wofür wir leben. Aber, einem Rot-Weissen können wir heute wenigstens noch etwas Gutes tun: Happo, seines Zeichens wundervoller Präses der noch wundervolleren Uralt Ultras liegt im Krankenhaus. Happo, wir wünschen Dir gute Besserung. Und das Dir Dein feiner Humor ein treuer Begleiter auf dem Wege der Genesung sein wird.

http://video.sport1.de/video/bewegende-worte-gegen-den-terror__0_ap6d0r1i

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