Die Wahrheit liegt in der Mitte

Zunächst einmal die Nachricht des gestrigen Tages aus Essen: Das neue Stadion wird gebaut. Hört sich doch gut an, oder? Bei genauerer Betrachtung weicht die Euphorie der RWE Fans doch wieder gelassenem Pessimismus mit einem gehörigen Schuß Sarkasmus, denn:Es handelt sich lediglich um einen Grundsatzbeschluß des Stadtrates, quasi also eine Empfehlung an die Stadt. Ein möglicher Baubeschluß erfolgt erst im März. Und zudem hat auch die Landesregierung aus Düsseldorf ein Veto eingelegt, Investitionen aus öffentlichen Verkäufen in solch Dimensionen mit einzuplanen. Aber als Hoffnungsschimmer allemal tauglich. Ja und dann erschien gestern die neue Ausgabe der 11 Freunde. Deren Chefredakteur Phillip Köster hat einen Artikel hingelegt, der bundesweit in den Fanszenen für Aufregung und heftige Diskussionen sorgen wird: Ein Artikel über die Ultras in den deutschen Stadien. Aber nicht nur ein Artikel, sondern eine gelungene, frei von jeder Polemik, Bestandsaufnahme der aktuellen Fankultur. Man kommt nicht umhin, diesen Artikel einfach nur so zu lesen, denn er beinhaltet so viel an „Pros und Contras“, die einen zwingen, seine eigene Einstellung zu dieser Fankultur zu überdenken. Das, was diesen Artikel für mich aber so besonders macht ist das Fingerspitzengefühl (oder vielleicht auch nur die eigene Einstellung als Fan), mit welchem Phillip Köster hier vorgeht: Mal abgesehen von dem durchaus provokativem Untertitel und einer Spitzfindigkeit in Bezug auf die Choreographien, stellt dieser Artikel eine Grundlage dar, auf der sich alle Fans in ihrer Daseinsberechtigung berufen können. Auch die Ultras dürfen sich nicht angegriffen, sondern angesprochen fühlen und vielleicht einmal ihr „Tun“ überdenken. Vielleicht auch mal Anspruch und Wirklichkeit abgleichen. Eine farbenfrohe Kurve zu schaffen steht ja nun wirklich im Widerspruch zum mittlerweile Einheitsschwarz des Blockes. Nachdem ich diesen Artikel ein zweites und auch drittes Mal gelesen habe, stelle ich fest, dass wir in Essen eine komfortable Situation vorfinden (Auch wenn sich nach jedem Heimspiel diese ermüdenden Stimmungsgräben zwischen „Nord“ und „Ost“ im Forum auftun): Eine aktive Ultraszene trifft auf eine aktive „Old School“ Szene und beide kooperieren im Grunde genommen auf ihren beiden Tribünen doch recht gut miteinander. Und an guten Tagen meldet sich auch noch die Haupttribüne im Block „D“ stimmgewaltig zu Wort. Das das in München nicht funktionieren kann, oder in Dortmund anhand der Riesentribüne vielleicht untergeht, liegt auf der Hand. Und das in Nordhorn ein Bengalo und eine Riesentrommel keine Gruppierung erzeugen, muß nicht weiter diskutiert werden. „Ultra sein“ hat gesunde Wurzeln, seine Berechtigung und ist ein Muß, um dem Eventgedanken des DFB und seinen Organen ab und an den Spiegel vorzuhalten. Doch genauso müssen die Ultras sich selber auch mal reflektieren. Vielleicht ist ein Schritt, das Spiel so zu verfolgen, wie es sich auf dem grünen Rasen darstellt. Auch hier gilt nämlich schlicht und ergreifend einmal mehr: „Wichtich is auffem Platz“.

Ein Kommentar

  • Ich hatte mich gestern < HREF="http://angedacht.wordpress.com/2008/11/26/von-alpha-bis-ultra-oder-eben-nicht/" REL="nofollow">gefragt<>, wieso bisher so wenige Reaktionen aus dem Kreis der Ultras zu vernehmen sind (nicht wissend, ob ich diese überhaupt mitbekommen würde). Vielleicht liegt es natürlich auch daran, dass Kösters Artikel so differenziert gesehen wird wie in diesem Beitrag, und man sich tatsächlich grade im stillen Kämmerlein seine Gedanken macht

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