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Diametral abkippender Sechser.

Zu Beginn möchte ich dem neuen Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, Otto Rehhagel, für die heutige Überschrift danken. Diese Begrifflichkeit erwähnte Herr Rehhagel im Zuge seiner Rede anlässlich besagter Beförderung. Herr Rehhagel ist eine Type im Fußball; und wenn man ihn heutzutage ab und an auf der Tribüne an der Hafenstraße erlebt, so zeigt er dort immer noch mehr Emotionen, als Dr. Uwe Harttgen Gesichtsausdrücke hat. Ein Fußballer durch und durch.

Trotzdem bin ich zugleich auch etwas froh, dass der Fußballlehrer Rehhagel auf der Tribüne und nicht mehr am Spielfeldrand sitzt. Also bei RWE jetzt. Weil, da sitzt ja nun ein neuer Trainer. Der Jungspund Jan Siewert. Gerade erst zum Mann gereift. So der erste Tenor im Plenum Forum. Nun sind einige Tage seit Amtsantritt vergangen und man wird das Gefühl nicht los, als ob an der Hafenstraße einmal kräftig durchgelüftet wurde. Auf der Jahreshauptversammlung herrschte dagegen ein emotional erstaunlich laues Lüftchen. Es gab von den Mitgliedern also keine Generalabrechnung bezüglich der Norddeutschen, ausser vielleicht in punkto Entlastung. Das deren Herkunft übrigens nicht der Grund für die vergangenen Saison war: Eines Tages wird man es verstehen.

Nun also der Rheinland-Pfälzer aus Mayen. Und mit im Gepäck auch der neue Sportdirektor Andreas Winkler. Im Verein jedoch bestens bekannt. Nicht aus Funk und Fernsehen, sondern diversen Funktionen. Und dieses schon seit über zwölf Jahren. Es ist also davon auszugehen, dass Andreas Winkler weiss, wie die Hafenstraße tickt. Sein Geburtsort war leider nicht zu eruieren, so dass wir noch nicht wissen, welchen Teil der Republik wir dann beschimpfen, sollte die Saison nicht erfolgreich verlaufen. Glaubt man aber den Trainingskiebitzen dieser Tage; hat zudem die ersten Auftritte von Jan Siewert und Andreas Winkler mitverfolgt, so kann es in der kommenden Saison etwas werden mit der Vision Hafenstraßenfußball. Was nicht zwingend die Relegation bedeutet.

Der frische Wind bringt nun aber so viel Wirbel mit sich, so dass aus uns aus der Vorstandsetage von jawattdenn.de folgende sms erreichte:

Puh. Erstes Testspiel gewonnen. Die Trainingskiebitze sind begeistert von den Einheiten. Alle scheinen Spaß zu haben. Holt mal jemand den Fascher zurück, damit mal auf die Euphoriebremse getreten wird.

Wir sind scheinbar so negativ konditioniert, so dass wir bei Spaß an alles denken, aber nicht an unseren RWE. Wir wissen nicht mal, ob unser neuer Trainer nun mit oder ohne diametral abkippenden Sechser spielen lässt. Was ist das überhaupt für ein Gedöns?. Vielleicht aber musste die vergangene Saison einfach sein um nun endgültig ganz von vorne anzufangen. So sollten wir es auch angehen. Ganz von vorn, in Fachkreisen auch 1.Spieltag genannt. Sollten gemeinsam Essen, gemeinsam anfeuern und manchmal auch einsam leiden.

Die vergangen Tage haben deutlich gezeigt. dass die einzige Meisterschaft für unseren Verein immer noch die Nabelschnur bedeutet, welche ihn mit der öffentlichen Wahrnehmung verbindet. Doch sie wird schwach und schwächer, je länger wir in den Niederungen der Ligenpyramide  als Smoothie oder Trinkwasser darben, anstatt einige Etagen höher endlich wieder Fleisch und Fisch zu sein. Um einmal die Ernährungspyramide zu zitieren. Saison Acht nach „Lübeck“. Es nützt ja nix, ich freue mich drauf. In diesem Sinne: Nur der RWE!

Front of Stage

Der bajuwarische Verbandsfürst und DFB-Vize in Personalunion hat eine Idee: Er möchte die Regionalliga durch eine weitere Reform nicht reformieren, sondern augenscheinlich verschlimmbessern. Besser nicht weiter darüber nachdenken, ist wirklich schlimm. Daher hier an dieser Stelle auch keine weiteren Ausführungen zu dieser sportlichen Antithese namens Regionalliga. Man stelle sich einmal vor, der FC Schalke wird endlich wieder Meister, also der zweiten Liga…und darf nicht aufsteigen.

Wie dem auch sei: Es drohen also noch mehr Aufstiegsspiele. Noch mehr zerplatzte Träume, inklusive noch mehr negativer Emotionen, die sicher auch manch Stadionzaun nicht gut tun. Und da kontern wir nun mit einer eigenen Idee, um wenigstens auf den Rängen die Schärfe aus dem Spiel zu nehmen: Fans aller, zu den Aufstiegsspielen gezwungenen, Vereine bekommen für die Spiele einen eigenen kleinen „Front of Stage“ Bereich rund um ein Fluchttor der jeweiligen Tribüne eingerichtet.

Platzsturmwillige melden sich dafür im Vorfeld beim Verein ihres Vertrauens, um in diesen besonderen Bereich zu gelangen. Natürlich sind die Karten etwas teurer, aber dafür ist man auch nahe dran am Geschehen. Mit dem Erwerb einer solchen Karte bekommt der Fan nicht nur das Recht auf einen Platzsturm, sondern auch eine Sturmmaske in den Vereinsfarben überreicht. Nach Spielende kann der Platzsturmwillige zusätzlich ein Foto mit mit einer Actionszene seiner Wahl beim Ordnungsdienst abholen. Für nur 20€ mehr können zusätzlich Grüße oder Wünsche benannt werden, die von Steffen Simon während der Übertragung öffentlich vorgelesen werden.

Nun zur Praxis: In der 75. Minute wird der Ordnungsdienst das Fluchttor öffnen, und die Front of Stage Besucher des zurückliegenden Vereins dürfen auf den Platz. Zeitgleich wird das Spiel geordnet und vom DFB genehmigt unterbrochen. Die Platzsturmwilligen können sich nun  vor dem Tor „knubbeln“, oder auf dem Platz Spielerautogramme abholen. Sie dürfen Richtung Fanblock gegnerische Mannschaft rennen, einmal kurz winken oder fangen spielen mit Laiendarstellern in Uniform. Nach exakt 15 Minuten geht es wieder zurück in den Front of Stage Bereich. Das Spiel wird wieder angepfiffen und kann somit völlig geordnet über die Bühne gebracht werden. Eine Win-win-Strategie für alle Beteiligten also. Hysterie fehl am Platz, keine Sach- und Personenschäden, keine negative Presse.

Das nun trotzdem einer der beteiligten Vereine als Verlierer aus dieser Relegation hervorgehen wird: Das ist und bleibt der eigentliche Skandal. Nicht nur die frei drehenden Emotionen derer, die sich ein weiteres Jahr um sämtliche Hoffnungen und Mühen auf und neben dem Feld betrogen sehen! Lieber DFB, natürlich ist diese „Front of Stage“ Idee total bescheuert. Aber dieses Konstrukt namens Regionalliga und deren Aufstiegsmodalität, das ist aktuell noch bescheuerter.

Nachwuchs.

Da alles, was mit Rot-Weiss Essen zu tun hat, weitestgehend nicht entsorgt wird, fiel mir gestern die 11Freunde Ausgabe #159 in die Hand. Es war die Februar Ausgabe: Die Gemeinschaftspraxis RWE unserer Doktoren war ein Thema der Ausgabe. Der Aufmacher lautete „Am Ende kriegen wir doch wieder auf die Fresse“. Wie wahr, wie wahr. Es gab ordentlich davon. Verbaler Natur zum Glück.

Vier Monate später: Die Gemeinschaftspraxis ist Geschichte; es lebe die Professur. Marc Fascher bekam ein „big dislike“, der Hermesbote  zog von dannen und manch anderer Richtung Kanal. Füße scharren war angesagt. Trainerlos unserer Verein. Auch nicht wieder wirklich gut. Den Trainer aus dem Amt schreiben- oder pöbeln ist das Eine. Aber gänzlich ohne dazustehen ist jetzt auch nicht wirklich gut. Es fehlt der Schuldige. Der Zukünftige natürlich.

Doch dann machte es die Runde: Der Verein Rot-Weiss Essen hat einen Übungsleiter, besser bekannt als Trainer. Und seine Bekanntgabe hat etwas von einer Geburt. Kaum ist Name und Geschlecht bekannt, geht das Theater los: Zu jung, zu runzlig, noch Babypuder. Ein Junge, kein Mann. Wer sind seine Eltern? Der DFB? Ach Du Kacke… usw. Liebe Leute, es hätte auch Ernst Middendorp werden können. Und dann? Wir hätten auch Jürgen Mourinho bekommen können, und es gäbe selbst daran etwas auszusetzen.

Neue Spieler werden auch präsentiert. Natürlich nicht ohne deren abgebende Foren zu sezieren. Wir wollen doch wissen, welch Lusche wir bekommen. Cebio ist auch noch da. Mal wieder Neuzugang. Und die Schwester von Sascha Mölders hat auch geheiratet. Es wird also einmal mehr alles gut in Essen. Ob dann konkret auch an der Hafenstraße, das werden wir sehen. Auf dem Rasen als auch in der Westkurve. Denkt bitte daran, unter dem Strich zählt nur unser aller gemeinsamer Nenner: Zählt nur der der RWE. Herzlich willkommen Jan Siewert, bring uns die Freude am Fußball zurück.

Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga

Das gemeine Saisonende. Herbeigesehnt und doch wieder verflucht. Schließlich ist nach der Saison ja vor der Saison. Nach der Hoffnung ist vor der Hoffnung; nach dem Trainer ist vor dem Trainer. Was ist mit oder kommt nach „UE“ und warum bringt unser neues Trikot rückwärtig betrachtet direkt Ballast in Form eines undefinierbaren Streifens mit sich? Die Intention des Designers hätte ich an dieser Stelle gerne gehört. Vorne annehmbar; in seiner roten Schlichtheit passend zum Spiel, von hinten jedoch untenherum pfurzhässlich.

Und wann wird`s mal wieder richtig Sommer? Das aber alles sekundär, haben doch unsere zukünftigen Erstrundenteilnehmer die aktuelle Saison ziemlich konsequent mit einer 1:2 Niederlage gegen die Kölner Zweitvertretung beendet. Der finale Schulterschluss blieb diesmal somit aus. Allzu viele Schultern waren aber auch nicht mehr zugegen. Eine Saison, die jedem einzelnen von uns mindestens zehn Fanleben gekostet hat. Der RWE als App, und wir hätten unser Datenvolumen schon zur Winterpause aufgebraucht; müssten „In App Käufe“ tätigen, das Datenvolumen aufstocken oder dergleichen. Knackpunkt Aachen inklusive.

Auf und Ab in einer Achterbahn, die ob zweier Protagonisten von Beginn an nicht wirklich TÜV geprüft wirkte. Sportliche Philosophie anders definiert mit dem Kader dieser Saison, und wir stünden morgen in der Relegation. Behaupte ich einfach mal. Aber, was verstehe ich schon von Fußball, würde ich doch auch einen Tim Hermes nicht wirklich abgeben wollen. Ein Mann wie ein Einwurf.

Ein Einwurf andere Art sei aber an dieser Stelle gestattet: Wir haben den rot-weissen Kessel von allen Seiten dermassen befeuert, so dass dieser dem Druck kaum mehr standgehalten hat. Wenn diese Saison etwas Gutes hat, dann die Erkenntnis, dass der sportliche Ausweg aus dieser Viertklassigkeit nicht erzwungen werden kann. Etwas Geduld würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Wir steh`n zu Dir, auch in Liga Vier. So schwer es auch fallen mag. Diese Saison sollte schnell in Vergessenheit geraten. Jetzt gilt es wieder, sich gegenseitig Respekt zu erarbeiten. Auf dem Rasen und auf den Tribünen. Und im Miteinander!

Anderweitig sind nun auch fast alle Würfel gefallen. Natürlich quält uns der „Dino“ mal wieder über Gebühr, hat es Kaiserslautern einmal mehr nicht geschafft und existiert Bielefeld scheinbar doch. Sport1 kann zum eigenen Leidwesen die zweite Liga noch nicht zur Besten aller, aller, aller, aller usw. Zeiten bewerben, ist doch der FC Ingolstadt dieser entronnen. Aber eben auch der SV Darmstadt 98.

Der einzige Verein neben dem VfL Bochum, der trotz seiner Vereinsfarben sympathische Züge trägt. Die Lilien werden gerade bundesweit gefeiert und steigen auf einer Oldschool Welle auf, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat. Die Kabinen am Böllenfalltor werden noch viele, der Realität entrückten Fußballer, erden. Dass die sportliche Leistung der Ingolstädter fast untergeht und wohl mehr über die vier Ringe definiert wird, ist nicht wirklich fair den Spielern gegenüber, aber damit war zu rechnen.

Der Aufstieg der Lilien hingegen wird so oft mit Fußball statt Geld begründet, so dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als eines Tages auch dieses sportliche Ziel zu erreichen. Und Fußball Deutschland freut sich dann mit mit Rot-Weiss Essen. Realistisch betrachtet spielen nun der FC Ingolstadt und die Lilien die beiden Direktabsteiger unter sich aus. Höchstens noch bedrängt von Schalke 04. In Paderborn jedoch darf man zurecht stolz auf die abgelaufene Saison sein. Man hielt nicht nur am guten Trainer fest, legte sportlich gute Auftritte hin, sondern brachte auswärts auch jedes Mal die halbe Stadt mit. Chapeau!

Und auch wir gehen nun in die Sommerpause. Vielleicht bis bald. Nur der RWE!

Kein Umschaltspiel. Kein durchgesteckt. Kein getunnelt. Kein Aufstieg. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier.

Die etwas andere Fastenzeit. Sie dauert keine vierzig Tage. Die Fastenzeit von der hier die Rede sein wird, dauert etwas länger. Viel länger. Es gibt Saures, nicht Süßes. Es gibt die Erkenntnis, dass man sich bei aller Liebe durchaus auf Zeit trennen kann. Von der Mannschaft natürlich. Niemals vom Verein. Es gibt die Ohnmacht einer Tastatur, die dermaßen Gefühle rausgehauen hat, so dass sie schon despektierlich als „Rosamunde Pilcher der Fußballblogger“ bezeichnet wurde.

Hat alles nichts gebracht. Der Blog hat die Spieler nicht erreicht. Da steckt so der Wurm drin, obwohl die beiden, die uns gewurmt haben, vom Hof sind. Hennef also wohl der Wurmfortsatz. Die Träger des Meisterschaftstrikots von 1955 haben eine Saison hingelegt, welche in allen Belangen nur mit „Scheissendreck“ [Pilcher Freunde mögen verzeihen] in die Vereinshistorie eingehen wird. Auf und neben dem Platz; auf und neben den Rängen.

Wenn das gegen Hennef nun passiert ist, weil fokussiert auf Oberhausen, dann bitte ich noch einmal, alle Pilcher Freunde die Ohren zuzuhalten: Dieses „fokussiert auf XY“ und „XY im Kopf“ ist eine solche Kinderkacke, das hat einfach im Sport nichts mehr zu suchen. War nicht der nächste Gegner immer der schwerste? Dieses Pokalfinale rettet keine Saison. Dieses Pokalfinale könnte aber wenigstens finanziell abfedern, was die Saison an Schaden verursacht hat.

Aber mal besser nicht fokussiert sein auf die erste DFB Hauptrunde gegen den FC Schalke, denn dann wird ja das Finale verloren. Weil XY im Kopf. Vielleicht und hoffentlich gewinnen wir den Niederrhein Pokal. Vielleicht und hoffentlich gewinnt aber auch die „West“, denn da ist Platz für alle. Für alle Rot-Weissen. Das aber nur am Rande der Tribüne. Und dann, das ist kein Witz, würde ich mir eben jene aus Gelsenkirchen nicht als Erstrundengegner der kommenden Saison wünschen. Dann nämlich geht die ganze Kacke wieder los: Hans und Franz wollen auf einmal für den ach so tollen Verein von der Hafenstraße auflaufen. Voll fokussiert auf die erste DFB Pokalhauptrunde. Die Liga wird dafür natürlich einmal mehr gnadenlos versemmelt. Kann mich ja gar nicht konzentrieren.

Nun gut, um sich endgültig vom Pilcher Image zu distanzieren ist es noch zu früh, aber es fällt schon extrem schwer, sich als Fan zu ordnen. Zu verstehen und weiter zu leiden. Selbst das Marketing kann nun keine Kampagnen mehr aus dem Hut zaubern, die auf Vereinserfolgen basieren. Auch das nun Geschichte. Der nächste, historisch zu würdigende Anlass, ist der, an dem Lothar auf die Stange stieg. Mann,Mann,Mann…….es schreibt sich gerade so sperrig wie die Mannschaft sich bisweilen auf dem Feld bewegte. Vielleicht bin ich einfach nur fokussiert auf meinen Aufstiegsartikel.

Wenn die Saison aber doch etwas Gutes hatte, dann die bittere Erkenntnis, dass wir tatsächlich nur einer von vielen Viertligisten sind. Nicht wirklich auf eine DFB Reform hoffen können. Der eingereichte und genehmigte Urlaub für die Relegationsspiele ist wieder abgegeben; sollen sich Kollegen an diesen Tagen schöne Stunden machen. Aber egal wohin die Reise gegangen wäre, ob nach Würzburg, Zwickau, Bremen oder Offenbach, kein Weg wäre zu weit gewesen. Unrasiert und fern der Heimat, alles und alle für den Verein. Na ja, verabschieden wir uns schnell wieder von der Romantik. Die Realität sieht anders aus. Weiter hier, in Liga Vier. Keine Pilcher. Eher Tarantino.

Der Vorstand Sport, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Ich mag nicht mehr. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was diese Saison nun noch beschönigen könnte. Und das, obwohl wir gar Tabellenführer waren. In diesen schicken Meistertrikots. Wenn ich nun schreibe, dass ich nicht mehr mag, mag es diesen Blog vielleicht unbeliebt machen, oder auf auf die Liste derer gesetzt, die nun mit einem „big dislike“ leben müssen. Egal! Ich mag aber nicht mehr reflexartig „Fascher raus“ tippen, das ist mir zu einfach.

Freitag griffen nicht die erhofften Mechanismen nach einer wichtigen Entscheidung. Der erwartete Sieg, er konnte nicht eingespielt werden. Viel schlimmer: Es war nach Augenzeugenberichten ein grottiges Spiel unserer Mannschaft. Es war auch nicht der Trainer, der gehen musste, sondern der Vorstand Sport, welcher uns verlassen durfte. Und wenn wir nun zwischen den Zeilen lesen, zudem unseren gesunden Menschenverstand bemühen, einfach mal alles Revue passieren lassen; so bleibt schlicht und ergreifend Verunsicherung.

Und diese Verunsicherung sagt mir gerade, nicht weiter auf denjenigen „einzuprügeln“, welcher sicherlich nicht immer die beste Figur abgegeben hat. Ich kenne Herrn Fascher nicht persönlich und Respekt gegenüber anderen ist eines meiner höchsten Güter. Ergo muss ich einen schwierigen Spagat wählen, den Menschen respektieren und den Trainer kritisieren. Doch bevor ich dieses Spiel verliere, höre ich lieber auf. Wir wissen alle, dass diese Saison Grütze ist. So viel Hoffnung, so viel Frust. Wir wären doch kollektiv bescheuert, würden wir glauben, ein Trainer möchte nicht mit dem RWE aufsteigen.

Es hat aber nicht sollen sein. Somit hat unter dem Strich etwas nicht gepasst, was vielleicht in der Summe als Vorstand Sport benannt werden könnte. Ach ja, unser aller Konjunktiv. Das Elixier aller Fußballfans. Welch Ironie eigentlich: Der Sportpsychologe ist gegangen und benötigt wird wohl dringend ein Psychologe. Oder eine Kiste Stauder in der Kabine. Besser derer zwei. Da musst Du auf dem Platz sowie den Rängen erst einmal klar kommen, mit einer Saison dieser Extreme.

Das ist eigentlich kaum auszuhalten, rechtfertigt Schaum vor dem Mund aber trotzdem nicht. Selbst die Abstiegssaisons 2007 oder 2008 waren schöner. Ist so. Warum? Nun, weil immer noch Hoffnung da war. Es gab spannende Spiele, nicht den Krampf dieser Saison. Wir lebten auf und neben dem Platz. Auch wenn wir auf den Tribünen noch glaubten, dass Verträge und Emblem gleich Einsatz bedeuten. Lübeck 08`, Ihr wisst schon.

Burghausen 07` aber zum Beispiel: Das bislang letzte Heimspiel in der zweiten Liga: Was haben wir um den Ausgleich gebettelt, bis er denn in der 92. Minute endlich fiel. Die „Nord“ sackte kollektiv in ihrem Gemisch aus Schweiß, Tränen und Bier zusammen. Kaum einer vermochte das Stadion ohne eine Träne in den Augen verlassen. Wenn er oder sie es überhaupt zeitnah verließ.

Aber liebe Spieler von heute: Das waren wenigstens noch Emotionen. Wir wurden mitgenommen auf eine Reise, die stetig nach unten ging, aber wir traten diese Reise zusammen an. Mehr wollen wir im Grunde genommen gar nicht. Es ist unser Verein. Wir sind schließlich immer da. Und weil wir immer da sind, sollten wir es irgendwie hinbekommen, diese Saison mit Anstand zu beenden.

So wie es sich gerade darstellt, tut es einfach nur weh. Alle gegen alle? Das ist nicht mehr meine Hafenstraße. Wir haben nicht viele Jahre so viel Dreck gefressen, um nun überhaupt nicht mehr miteinander klarzukommen. Und so möchte ISDT in seiner sportlichen Unzufriedenheit wenigstens das respektvolle Miteinander gewahrt wissen. Ich weiss nicht, was unserem RWE gerade helfen kann. Lasst uns reden. Wenigstens das mit Erfolg. Der Drops ist gelutscht, da hilft weder plumpe Pöbelei noch blinde Wut.

Et geff`n Grummelschuur

Es ist gar nicht mal so schlecht, morgen nicht gen Köln zu fahren: Ich schone die Umwelt, meinen Geldbeutel, die eigenen Nerven und die Geduld der Familie. Und natürlich entscheide ich das alleine, so wie es sicher ein jeder für sich selbst entscheiden sollte. Dass eine Fangruppe wie „UE“ nun komplett den Boykott der kommenden Spiele unter den derzeitigen Voraussetzungen bekanntgegeben hat, ist ebenso legitim.

Es ist das gute Recht eines jeden, ein Zeichen der derzeitigen Unzufriedenheit zu setzen. Egal ob als Einzelfan, oder als große, wohl auch kreativste, Fangruppe rund um unseren geliebten Kuschelverein. Diese Entscheidung wird natürlich, wie alles andere auch in diesen Tagen, erregter diskutiert, als es Dolly Buster jemals am Set war. Behaupte ich einfach mal, denn es gibt derzeit nur noch schwarz oder weiß [Der Trainer und die Mannschaft gehen ja fast unter und können bald unbemerkt ihren Dienst verrichten]. Zwischen Kindergarten und vereinsschädigendem Verhalten auf der einen, und vollster Zustimmung auf der anderen Seite.

Der Verein feat. Aufsichtsrat wird sich in seiner, wie auch immer gearteten, Entscheidung natürlich nicht von uns Fans leiten lassen. Oder erpressen, wie es Hardliner gegen den Boykott formulieren. Wäre es an dem, könnten wir gleich einpacken. Auch wir Fans kämpfen doch schließlich immer wieder gegen auferlegte Auflagen und wollen uns in kein Schema pressen lassen. Vielleicht hätte ich einen anderen Weg gewählt. Nichts ankündigen; kommen und einfach schweigen. Oder den Klassiker der leeren Stehtribüne. Jemand niederbrüllen, den ganzen Frust rauslasen, das geht auch. Sollte aber über der Gürtellinie stattfinden. Und ob der Antagonist der Beschimpfungen dann aus Norddeutschland oder Hintertupfingen kommt, das ist doch völlig egal.

Nun hat also der eine Magen und die anderen Darm. Will sagen: Wir sind alle krank. Der eine organisch, wir alle anderen aber an Seele, Herz und Verstand. Müssen nicht nur mit dem Alleingang klarkommen, sondern auch der möglichen Weiterbeschäftigung eines Trainers ohne Spielverständnis. Man ist also geneigt, die weiße Flagge zu hissen und aufzugeben. Die Spezies Fan wird nämlich weder an Vertragsinhalten, noch an einer Trainerphilosophie etwas ändern. Der Fan wird höchstens zerrissen: Schadet oder nutzt mein Verhalten dem Verein? Schadet oder nutzt aber auch der Verein meinem Verhalten? Rot-Weiss Essen ist unser Verein und sollte demnach über allem stehen.

Rot-Weiss Essen hat sich gerade mal wieder dermaßen in eine Situation begeben, wo die berühmte „Karre vor die Wand“ noch harmlos erscheint. Es hilft wohl nur noch der Rückwärtsgang. Weg von der Wand, gegen die wir alle mit Karacho gerast sind. Und dann schütteln wir uns durch und stehen wieder auf. So wie immer seit 1907. Mit einer Norddeutschen Herkunft hat das alles aber nichts, überhaupt nichts zu tun. Eher mit Charaktereigenschaften. Die nicht die meinen sind, obwohl auch Nordisch by Nature.

Ach so: Hat jemand eine Lösung parat?

Losing My Religion, Part One

Wie viel Tage braucht es, um das Geschehene zu kommentieren? Viel viel Zeit benötigt der Fan, um zu verarbeiten, dass es wieder einmal nicht an der Zeit sein wird, diese Liga zu verlassen? Viel Zeit! Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Es ist etwas anderes, ob Du als „Tabellendrölfter“ nach der Winterpause startest, oder als Herbstmeister und Tabellenführer. Zudem mit mindestens 5.000 Fans auswärts als Stütze.

Herrenspeise feinster Sorte war also angesagt. Doch es gab viermal Grütze, Kategorie Null Punkt Eins. Lediglich gegen die Zwote des VfL Bochum konnte ein 1:0 erzwungen, nicht erspielt werden. Der Fan wendet sich ab mit Grausen; der Trainer wittert Fluch, wähnt uns gar voll im Rennen; der Verein lässt schon über den Slogan der nächsten Saison rätseln. Samma, geht`s noch? Darf ich als Fan vielleicht erst einmal die Schnauze voll haben? Bleibt mir weg mit Durchhalteparolen, oder Floskeln, die uns eher der Peinlichkeit, denn Punkten hingeben.

Wenn überhaupt ein Fluch über unserem, so wunderbaren, Arbeiterverein liegt, dann jener aus dem Jahre 1971. Und exakt aus diesem Grund findet ein „Derby“ niemals gegen die Zweitvertretung derer aus Meineid statt. Wir müssen nicht mehr darüber schreiben, dass kein noch so schlechtes Spiel dafür herhalten darf, beworfen zu werden. Das ist unentschuldbar! Unentschuldbar aber auch die eigene Leistung. Worüber reden wir hier also? Ihr seid doch verdammt gute Fußballer. Nun ist es wieder einmal vorbei. Wir hätten Euch auf Händen getragen.

Heute nur Kummer.

Der Tatort vorbei, alle anderen nun zu Bett. Das Sonntagsritual verlangt nach den Regionalsportsendungen. Lustlos „hin- und hergezappt“ arbeitet der Kopf auf Hochtouren, sucht nach Gründen. Whattsapp oder sms zeugen von Gleichgesinnten, welche sich ebenfalls krank vor Kummer fühlen ob der erneuten Niederlage. Feuchte Augen ohne sich dafür zu schämen.

Der Erfolg gegen Bochum ließ erahnen, dass es das Spiel ist, welches nicht spielerisch leicht anzuschauen ist. Drei Punkte, dass war es aber, was zählt. Somit galt es sich überzeugen zu lassen. Dem negativen Bauchgefühl zum Trotze. Heute dann wieder so ein Spiel. Allerdings ohne die stets alles übertünchenden Punkte. Der RWE hat bei RWO mit 0:1 verloren. Und somit aktuell wohl auch die Chance auf den Relegationsplatz nachhaltig verspielt. Verspielt… welch Anachronismus!

Schlecht gestartet, miteinander geredet, dann die Herbstmeisterschaft….ja dann kommst Du doch mit einer Brust aus der Winterpause, die so breit, dass Pamela Anderson vor Neid erblasst. Läufst in Aachen und Oberhausen vor Tausenden mitgereister Fans und Hoffnungen auf. Wirst geliebt und unterstützt. Aber wer bin ich, nun in Kritik zu verfallen. Still leiden kann ich aber auch nicht und teile dieses also mit.

Lieber RWE, ich bin nicht traurig über die Spiele nach der Winterpause: Nein, meine Welt ist heute zusammengebrochen. Wird wohl wieder besser.

Roadmovie Aachen

Heute ist nicht alle Tage

Ein Fan wollte zu einem Fußballspiel und kommt nicht mehr zurück nach Hause. Da gerät der Fußball zur Nebensache und wurde mit der Applausminute sicher nicht nur Siggi Dahms gebührend verabschiedet. Den Angehörigen gilt unser Mitgefühl, dem Rettungsteam der Dank für den schnellen Einsatz.

Danke auch denjenigen, welche Benjamin Köhler plakativ in Form seines Trikots aus Essener Zeiten moralische Unterstützung haben zukommen lassen. Unterstützung im Kampf gegen eine tückische Krankheit. Kämpfen & Siegen! Fußball vergisst nie; Fußball kann eine ungemeine Kraft entfalten, wenn es darum geht, in Not zusammenzuhalten.

Somit fällt es schwer, in gewohnt launischer Wortwahl diese Niederlage zu kommentieren. Nüchterner Fakt: Sie ist verdient. Zwar hatten unsere Roten den besseren Auftakt in dieses Spiel der Rekorde, knallte es auch direkt einmal an der Aachener Latte. Aber eben nicht darunter. Dafür rudelte es sich ab und an ganz nett. Vielleicht aber sollte auf diesem Weg die Kälte durch Körperwärme für den Moment kompensiert werden.

Dass ausgerechnet ein Tor aus einer Standardsituation kurz vor der Pause dieses Hochsicherheitsrisikotraditionsderbyrivalitätstheoretische Spiel entscheiden sollte, dürfte unserem Trainer als Verfechter eben jener Standards komplett die Laune verhagelt haben. In der zweiten Halbzeit wurde recht schnell klar, dass Hier und Heute nicht mehr viel zu holen sein wird. Immer einen Tick eher und giftiger die anderen am Ball als die unseren. Zudem die unseren gut zugestellt von den anderen.

Ich hatte mit allem gerechnet, nicht aber mit einer Niederlage. Es fühlt sich momentan an wie ein Ballon; aufgeblasen bis zum Bersten von Fans und Medien, und doch geplatzt mit lautem Knall, den keiner so gerne mag. Natürlich aber ist heute nicht aller Tage, wir kommen wieder. Keine Frage! Nach Aachen aber wohl erst wieder, wenn auf dem Wege dorthin alle Baustellen beseitigt sind, oder ein adäquates Verkehrskonzept greift.

Aachen rund um den Tivoli wirkte völlig überfordert ob der Blechlawine, welche sich aus allen Richtungen und aller Herren Länder näherte. Zufahrten zu angedachten Parkplätzen wurden kurzerhand von der Staatsmacht gesperrt und umgeleitet, was den Spiel- beziehungsweise den Verkehrsfluss weiter hemmte. Vielleicht gab es bis zum heutigen Tage aber auch gar keine Autos in Aachen. Wir werden es nie erfahren. Wohl auch nicht, ob der am Straßenrand austretende, dafür aus den Autos bejubelte, Essener den Beifahrersitz wiederfand oder der Audi Fahrer seine Fassung, nachdem im Eifer der Parkplatzsuche seine komplette linke Fahrzeugseite an einem Pöller den schicken Lack ließ.

Auf den Punkt gebracht: Verkehrskollaps erster Güte. Ein Gütesiegel verdiente sich dagegen die Unterstützung der RWE Fans. Lautstark und nimmermüde wurde die eigene Mannschaft angefeuert, wurden Ergebnisse aus vielen Gesprächen somit aktiv in die Tat umgesetzt. Klasse. Kein Rauch und keine Böller!

August Gottschalk, Siggi Dahms, ein treuer Fan….sie alle haben uns nun leider verlassen und waren Rot-Weiss Essen durch und durch. Benjamin Köhler war Vertragsspieler und spielt nun bei Union Berlin. Er wird kämpfen, letztendlich siegen und mit den Eisernen wieder hier an der Hafenstraße auflaufen. In Freundschaft oder im DFB Pokal.

Und unsere Mannschaft? Sie wird auch kämpfen. Und zwar bis zum letzten Spieltag. Wir kommen wieder, keine Frage!

Post ohne Namen

Weit nach Mitternacht. Spotify dudelt lustlos eine Playlist namens „Heavy Metal Ballads“ herunter; ein Thesenpapier eines Aachener Fanzines beantwortet, Fleißarbeit für eine Anfrage der WAZ Essen verrichtet. Aachen. Immer wieder Aachen. Es bohrte sich in den Kopf und möchte diesen nicht wieder verlassen. Und dabei ist es doch nur ein Spiel einer noch langen Saison. Vielleicht sogar wiehern nach diesem Spiel junge Fohlen vor Freude, während sich gestandene „Traditionsvereinefans“ ob eines langweiligen 0:0 Unentschieden fassungslos in den Armen liegen.

Wir wissen es noch nicht. Und doch ist es kein normales Spiel. Es ist ein ausverkauftes Spiel. Ein Spiel in den Untiefen der selbstverschuldeten Viertklassigkeit. Ein wohlwollendes und doch weit hergeholtes Derby. Aber es ist auch ein Beleg. Ein Beleg dafür, dass es beide Vereine natürlich nicht verstanden haben, aus ihrem Kapital selbiges zu schlagen, aber doch immer noch existieren und daran arbeiten. Allen kruden Ligenreformen des DFB zum Trotze. 30.000 Fans beider Vereine werden also versuchen, am 7. Februar 2015 den Eindruck zu erwecken, dass man immer noch jemand ist, auch wenn man vielleicht vor langer Zeit jemand war, aber heute nicht mehr unbedingt. Und doch sind wir wer. Dieses Spiel erweckt überall Interesse.

Der RWE findet sich momentan direkt in den Printmedien wieder. Etwas albern in der „Spocht“ Bild; gut in Text und Bild dagegen in 11Freunde.  Der RWE ist nicht nur fotogen, sondern hat auch etwas zu sagen. Für die Öffentlich Rechtlichen wird dieses dann Steffen Simon übernehmen. und zwar auf WDR Fernsehen. Nun ist Herr Simon zwar keine Frohnatur, wenigstens aber steht der WDR für eine werbefreie Spielübertragung und nicht wie bei Spocht1 für eine werbebasierende Folkloreveranstaltung Dahlmann`scher Prägung. Die Essener Fans sind gebrieft und halten sich hoffentlich daran; die Essener Mannschaft hat hoffentlich trainiert und hält sich natürlich auch an die Vorgaben.

Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen,….eine ähnliche Vorfreude dürfte nur das Spiel der TSG Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg hervorrufen. Aachen im Kopf! Ab sofort ist es gestattet!

„Was bist Du denn für einen?“ Der Prolog

Während der Staatsratsvorsitzende unseres Vereins noch intervenieren und telefonieren musste, begann drinnen schon die Betriebsratsversammlung der Essener Nikolausinnung bei Fässchen und kalten Kaltgetränken. Strikte Fantrennung einmal mehr misslungen. Natürlich fanden auch die Verantwortlichen noch ihren Zugang zur Tribüne, bekamen die Nikoläuse schnell Gesellschaft einiger Wichtel und waren überhaupt fast alle Tribünen fest in rot-weisser Hand. Wen galt es auch zu trennen?

Lotte sollte nicht mehr hyperventilieren wenn der RWE kommt, sondern sich einfach daran erfreuen. So wie noch zu Beginn unserer gemeinsamen Ligazugehörigkeit. Der wichtige Rest ist kurz erzählt: Kein gutes Spiel auf buckeligem Geläuf. Lotte gallig und der RWE ohne die Dominanz und Stärken der vergangenen Spiele.

Vielleicht ein schlechteres Spiel zur richtigen Zeit, um mal zu gucken, wie es wirklich um die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans bestellt ist. So wurde neben dem Punkt auch die beruhigende Erkenntnis gewonnen, dass diese Beziehung wieder schwächere Auftritte aushält, ohne gleich in Panik oder schlimmeres zu verfallen.

Und doch tat es schon weh, diese ach so wunderbare Tabellenführung recht schnell wieder abgeben zu müssen. Jetzt, wo wir alle endlich von oben grüßen durften; Funk und Fernsehen wieder aufmerksam werden. Jetzt, wo die bundesweite Fanseele lieber Bergeborbeck statt Brause im Profifußball sehen will.

Fortsetzung folgt!

Glaubt nicht an Spuk und böse Geister, Rot-Weiss Essen wird Deutscher Meister!

Die Tabellenführung lässt einen nicht los. Vielleicht, weil sie aus dem relativen Nichts heraus zustande kam. Sicher aber auch, weil unser aller Frust diese beinahe nicht zugelassen hätte. Da sportliche Qualität nicht sofort umgesetzt wurde, sich erst finden musste und bisweilen ermüdend wirkte.

Eine einzige Niederlage nur, diese aber erlebt als städtisches Waterloo. Das war es dann. Die Abwärtsspirale der guten Laune einmal mehr in Gang gesetzt, die Sehnsucht nach Ligaflucht schon wieder in die Tonne statt gegen den Ball getreten. Die Mannschaft zog nach und somit gingen wir mit Status „Alle gegen Alle“ in den Herbst. Es war kompliziert.

Wie aber auch soll ein junger Spieler diese Sehnsucht eines Fans nachvollziehen können, der sich seit Jahr und Tag in der falschen Liga wähnt? Und das zurecht! Wie aber sollte ein alter Fan nachvollziehen können, dass dort eine Mannschaft zusammenwächst, gar zusammenhält, obwohl man so spielt wie man spielt und dann auch noch gegen Kray verliert? Auch das zurecht!

Wie im wirklichen Leben dann das, was anschließend geschah: Beide wendeten sich voneinander ab, wurschtelten vor sich hin. Immer darauf bedacht, dem Partner Fehler aufzuzeigen oder mit Missachtung zu strafen. Wir wissen das alles, waren alle mit dabei. Aber ich finde es wichtig, es nicht zu vergessen. Damit es nicht wieder vorkommt, sollte es mal wieder nicht so laufen, wie wir es uns alle erhoffen.

Wer auch immer dann alle an einen Tisch geholt hat: Danke dafür! Es ist eben nicht doch immer nur wichtig auf dem Rasen. Reden ist Gold, Schweigen dagegen weniger Fans als eine Kartoffel. Nein, wir werden nicht Deutscher Meister, mir gehen nur langsam die Überschriften aus! Aber jetzt an der Tabellenspitze der Regionalliga West zu stehen; Wie man sich zudem als Verein und Fans gemeinsam aus dem Sumpf gezogen hat: Dass macht so glücklich und froh, so dass das Saisonziel für den Moment erreicht scheint.

Und wenn nun noch der Geist jener Meistermannschaft die jetzigen Spieler nicht nur als Trikot, sondern auch im Kopf erreicht, dann ist alles machbar. Eines ist aber sicher: Die Tabellenspitze haben wir alle zusammen erobert, nachdem wir zusammen beinahe alles versaut hätten. Und kein anderer Verein könnte mir jemals dieses Gefühl vermitteln wie Du, unser RWE!

Applaus,Applaus.

Seien wir doch ehrlich: Wir alle haben nur auf diesen einen Moment gewartet! Diesen einen Treffer, der uns wenigstens für einige Minuten auf den ersten Tabellenplatz befördert hätte. Das zwingend und logisch folgende „Spitzenreiter,Spitzenreiter…“ wäre unter dem Dach der Gegentribüne einer Verbaleruption gleichgekommen! Die gesperrte Stehtribüne wäre vor Schreck zusammengebrochen, dem Grotifanten der Rüssel abgefallen.

Weltmeister für einen Moment. Dann eben Freitag, so der allgemeine Tenor nach dem Spiel. Allerdings dann nur unter Vorbehalt, da Alemannia nachziehen und vorbeiziehen kann. Ist aber auch nicht wichtig, Freitag kann ja auch verloren werden. Fußball eben. Die Mannschaft wurde trotzdem mit großem und anerkennenden Applaus verabschiedet und gab diesen auch an die Fans zurück. Überall im Netz tauchen nun Meinungen, Fotos und Videos auf, die uns RWE Fans eine grandiose Vorstellung attestieren.

Da aber auch die KFC Fans einen guten Tag hatten, war es ein stimmungsvolles Ambiente. Würdiger Rahmen auf nicht einwandfreiem Geläuf. Alle platt am Ende. Des Spielers Beine und vieler Fans Stimmbänder. Nun sind wir ja mittlerweile gewohnt, dass wir in dieser Saison ohne große Impulse aus dem Mittelfeld heraus agieren, haben uns in Anbetracht der letzten Erfolge auch damit abgefunden. Vielleicht aber gilt es  trotzdem noch einmal zu überdenken, ob eine sogenannte Schaltstelle den ein oder anderen Ball noch gezielter verteilen kann.

Das aber nur am Rande, denn Fußball mit dreckigen Trikots und viel Kampf sind absolut meins. „Dreck fressen seit 1907“ halt. Ein 0:0 der spannenden Art. Kein Langeweiler. Die Grotenburg zudem noch einen Tick kompakter als unser neue Bude und in der Tribünenkonstellation mit der alten Stehkurve einen Hauch von GMS vermittelnd. Man hätte gestern die Vertreter des modernen Fußballs einladen sollen: Die Klatschpappen als Mitbringsel hätten die gesponserte Werbetüte nicht verlassen! Im Anschluss noch durch eine Polizeikette hindurch, gegnerische Fans warteten an der Tankstelle, leichter Verkehrsstau….der fußballerische Sozialromantiker fährt zufrieden nach Haus.

Doch auf der Fahrt spielen sich dann wieder Horrorszenarien im Kopfe ab: Was nun, wenn am Ende der Saison in einem dramatischen Endspurt der Relegationsplatz geschafft wird? Nur, um dann in zwei Spielen an einer zweitplatzierten Zweitvertretung mit Unterstützung aus deren Ersten unglücklich in der Nachspielzeit zu scheitern? Oder, noch viel schlimmer: Es kommt die unerwartete Tabellenführung; Wird ausgebaut! Schon früh steht der Relegationsplatz als gesichert fest. Aber, auch diese Leistung wird nicht gewürdigt: Für die zwei finalen Spiele reicht es dann nicht mehr, die Spannung wieder aufzubauen. Vielleicht kommen noch Verletzungen oder Sperren hinzu.

Gedankenmodelle, die nur eines im Sinn haben: Ein Meister einer Liga hat zwingend aufzusteigen als Lohn für eine meisterliche Saison. Abgesehen von der ersten Bundesliga natürlich. Werden wir da jemals in diesem Leben Meister, bin ich auch mit einem Nichtaufstieg einverstanden…

Aber, Fußball ist und bleibt ein Konjunktiv und es kommt sicher wieder einmal alles ganz anders.

„Houston, wir haben ein Problem“

Bemühen wir den Konjunktiv, wären wir Tabellenführer. Dann hätten wir nämlich an der Hafenstraße mehr Punkte eingefahren. Womöglich schien über Rot-Weiss Essen die Sonne, ständen die Spieler nach glanzvollen neunzig Minuten glücklich strahlend auf dem Zaun! Gefordert von uns euphorischen Fans, den „Schreck“ hinter und die Humba noch vor sich.

Natürlich ist der Fußball kein Konjunktiv und so zeigt der RWE gerade einen Fußball, welcher oft nur eine Halbzeit sehenswert ist. immer noch hakt es in der Abstimmung der verschiedenen Mannschaftsteile. Immer noch führen individuelle Fehler zu Gegentoren oder gefährlichen Situationen. Trotzdem reicht es aktuell für Platz drei, Viktoria Köln in Sichtweite. Gestern noch der Sieg in Siegen und auch im Pokal geht es weiter mit der Hoffnung auf die kommende Hauptrunde.

Und doch kann gemeldet werden: „Houston, wir haben ein Problem“! Nun hat Houston hier nichts zu suchen, ein Problem haben wir trotzdem. Und wenn wir uns nicht alle darum kümmern, dieses Problem zu lösen, sind wir spätestens am Ende der Saison ein völlig zerstrittenes rot-weisses etwas. Aber nicht mehr der RWE, welchen wir lieben und leben.

Wem das nun zu dramatisch erscheint: Lieber etwas zu dramatisch und es ändert sich etwas, als es zu verdrängen, und der klimatischen Abwärtsspirale freien Lauf zu lassen. Es wurde oft gemahnt. Wurde oft daran erinnert, dass wir Rot-Weiss Essen sind und nicht der „1.FC Kuscheldecke“ oder „Niemals Meister Gelsenkirchen“. Leider auch mit der bitteren Erkenntnis, dass Respekt für manch Zeitgenossen auf der Tribüne wohl ein Fremdwort ist.

Die Spieler spielen ab und an nicht das, was sie können. Zudem haben Spieler und sportliche Leitung es vielleicht ein wenig vernachlässigt, an der Hafenstraße anzukommen. Natürlich ist es manch einem wirklich egal, wo er sein Geld verdient. Dann aber bitte auch ohne Pathos bei der Verpflichtung. Keiner aber hat in seinem Vertrag stehen, dass er sich für Summe X auf übelste Art und Weise anpöbeln, bespucken oder bewerfen lassen muss und soll. Ebenso müssen  Spieler und Trainer uns Fans nicht lieben. Das steht auch nicht in deren Vertrag!

Sie kommen, weil sie mit Fußball Geld verdienen wollen. Je besser sie spielen, umso mehr Geld und Anerkennung verdienen sie. Spieler und Trainer sollten aber wissen, das wir Fans unseren Verein lieben. Dieses lange vor ihrer Vertragslaufzeit taten und dieses noch lange nach ihrem Abschied tun werden. Egal in welcher Liga, ein Leben lang. Wissen sollen Spieler und Trainer auch, dass sie natürlich verlieren dürfen. Nach großem Kampf und voller Leidenschaft. Dann stehen wir Fans sogar noch Spalier. Eigentlich also sollte einem vernünftigen und respektvollen Miteinander nicht viel im Weg stehen.

Nur scheint es ob der gezeigten Leistung und des sportlichen Strukturwandels im Verein von unserer Seite her aktuell nicht ganz so einfach zu sein. Wir dachten, alle an einem Strang zu ziehen. Und haben erst einmal geschluckt. Es begann ja auch gar nicht schlecht auf dem grünen Rasen. Dann folgte recht schnell spielerische Stagnation bis hin zum absoluten Tiefpunkt der Vereinsgeschichte, bis hin zu Kray. Aber selbst diese Schmach rechtfertigte keinen Run auf die Kabinen. Stadionbesichtigungen sind ganz legal zu buchen.

Ich weiss auch nicht, was einen dazu antreibt, einen Spieler des eigenen Vereins auf das Übelste zu beleidigen, ihm verharmlost geschrieben, die Pest oder einen Schalke Schal an den Hals zu wünschen. Es ist eine verschwindend geringe Minderheit, der aber gerade in Zeiten der Unzufriedenheit zuviel Bedeutung vergönnt ist. Diese Menschen werden wir leider nicht ändern. Aber das soll auch nicht der Ansatz sein, denn diese Spezies gibt es bei jedem Verein! Sollten möglicherweise die Spieler gebrieft worden sein (Achtung: Spekulation!), nicht mehr auf die Fans zuzugehen, dann ist das der falsche Ansatz. Denn auch wir haben keinen Vertrag mit dem Verein. Wir müssen nicht in das Stadion. Wir wollen es, um guten Fußball zu sehen, um unserem Verein zu folgen. Den bekommen wir gerade aber viel zu selten geboten. Und diese Kritik, die muss einfach erlaubt sein. Es ist bisweilen nicht anzuschauen. Wir leiden da draußen!

Wenn die Spieler sich nun intern uneinig sind, wie mit uns Fans umzugehen ist, dann mögen sie das bitte schnell auch intern klären. Wir brauchen eigentlich nicht auf die sportliche Leitung zuzugehen. Entweder Ihr macht das freiwillig, oder lasst es bleiben. Ich schlafe dadurch nicht schlechter als eh schon. Aber wir alle, wir müssen da eine klare Kante hinbekommen. Müssen aufhören mit dem Gegeneinander. Die Siegener Zeitung bescheinigte den RWE Fans gestern eine dauerhafte Unterstützung, wie sie manch Bundesligisten nicht zuteil wird. Wenn aber wieder eine Halbzeit Grütze geboten wird, dann wäre es falsch, eine Mannschaft dafür zu bejubeln. Das ist nicht das Leben. Das ist nicht Hafenstraße. Und denjenigen unterhalb der Gürtellinie, bar jeglichen Respekts: Nüchtern betrachtet, wollt Ihr nach getaner Arbeit, die nicht glorreich gelaufen ist, so von Kunden verabschiedet werden ?  Ist doch für`n selbigen!

Ich kann nur hoffen, dass wir alle zusammen einen gemeinsamen Weg finden werden. Und auf dem Platz und den Tribünen mal so richtig abgehen. Wir haben nämlich ein Ziel! Nur der RWE!

Acherontia atropos

Was waren das gestern für neunzig Minuten: Ein [Schau-] Spiel für die Ewigkeit. Die Kugel flog den [Schau-] Spielern nur so um die Ohren. Steilpässe verbaler Natur, welche den Mitspieler stets erreichten, elegant verwandelt oder für einen weiteren Traumpass aufgelegt wurden.

Ein spielerisches Niveau, welches „Tschick Niller“ zu einer Kick´n´Rush Knallcharge degradiert. Bildgewaltig unterstützt von außen, wie Fans auf einer Mottofahrt: „Tarantino Tour 12/10/14. Alle in überzeichnet“. Elfmeterschießen vor der Spiel[er]bank. Die Tragödie gegen Ende des Spiels, der finale Schuss. Gewinner und Verlierer lagen sich in den Armen.

Wer hätte gedacht, dass uns das betagte kriminale Flaggschiff Tatort aus dem Nichts heraus einen solchen Höhepunkt beschweren wird. Ein wenig erinnert das gestrige Tatort Spiel an das epische Pokalhalbfinale vergangener Saison gegen den MSV Duisburg: Eine Saison, in Lethargie und Gewohnheit gewickelt, entledigt sich plötzlich ihrer Ketten, bietet ein grandioses Schauspiel. Bildgewaltig, opulent ausgestattet, mit Showdown zu Ende gespielt.

Wir wissen nun nicht, ob uns der nächste Tatort direkt wieder entsetzt, gelangweilt oder fragend zurücklässt: Was wir aber wissen ist, dass der RWE es momentan einfach nicht schafft, sich aus seiner derzeitigen spielerischen Lethargie zu befreien! Verl und Ratingen ließen die erfolgreichen Sendezeiten gegen Viktoria und aus Rödinghausen schon wieder verblassen. Es reicht derzeit einfach nicht für neunzig Minuten großes Kino, wir sind fünfundvierzig Minuten Vorabendserie. Was sicher zur Folge haben wird, dass auf Dauer die Einschaltquoten sinken werden.

Und nun habe ich auch noch in einem Forum gelesen, dass die Spieler sich nicht mehr den Zuschauern zuwenden, da schlechte Kritiken und schlechter Umgangston drohen. Nun, die Spieler sollten sich einmal verinnerlichen, was die da draußen bisweilen auf sich nehmen! In der Hoffnung, tolle neunzig Minuten zu erleben. Und wir da draußen müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Kauf einer Eintrittskarte oder der GEZ Gebühren kein gutes Spiel und keinen guten Tatort garantiert.

Ausgang stets ungewiss! Zudem [Die Truppe gegen den VfB Lübeck einmal ausgeklammert] glaube ich weiterhin fest daran, dass weder Spieler noch Schauspieler bewusst ein schlechtes Spiel abliefern wollen. Manchmal liegt es am Drehbuch oder am Set. All das aber keine Berechtigung dafür, schon vor dem Spiel die eigenen Spieler wüst zu beschimpfen, Häme auszuschütten oder anderweitig niveaulos seinen Unwillen zu zeigen.

Vielleicht erspielt sich der Fußball von heute keine Verehrung mehr, so wie wir früher unsere Helden verehrt haben, wenn sie nach neunzig Minuten dreck- bisweilen blutverschmiert, aber erfolgreich vom Platz gehumpelt sind. Respekt sollte allemal mit von der Partie sein. Von beiden Seiten. Als Grundvoraussetzung. Aber wer weiss: Vielleicht erleben wir schon in der nächsten Folge ein Spiel, welches den Knoten platzen lässt, den Bock vom Eis holt,die Kuh hemmungslos umstösst.

Übrigens: Den gestrigen Tatort, den gilt es unbedingt noch anzuschauen und zu bejubeln.

Hyper Hyper

Welch gruseliger Song. Aber die Kernaussage dieses ansonsten nichts aussagenden Stückes dürfen wir gerne teilen. Zwei gewonnene Spiele nacheinander sorgen für ein hormonelles „Hyper Hyper“ in der großen Fangemeinde. Sechs Punkte, welche den Sprung auf Platz Vier zur Folge hatten. Zudem zu Null gespielt, einem wirklich starken „Schnapper“ sei Dank.

Die anderen vor ihm gingen mit solch großer Leidenschaft zu Werke, dass selbst der eigener Mitspieler keine Gnade, sondern Stollen erfuhr. Scheinbar findet der RWE nun über den Kampf zum Spiel. Ein Spiel, welches weiterhin eher von erfolgreichen Einzelaktionen, denn von flüssigem Kombinationsfußball lebt. Aber, es tut sich was. Und aus einer sich stetig stabilisierenden Abwehr heraus lässt es sich vielleicht auch bald schon sicherer kombinieren. Wille und Leidenschaft versetzen zudem manch Bodenwelle.

Ein Dreier als Balsam für die Seele aller und Bestätigung für die vielen Montagsfahrer. Rödinghausen also. Der dortige Sportverein hat einen steilen Aufstieg und die örtliche Finanzprominenz hinter sich. Das „Navi“ hatte auch richtig Freude, lotste rund um Rödinghausen, auf Waldwegen herum, hinein und Richtung Stadion, so dass Walter Röhrl vor Freude gejuchzt hätte. Aber, ist ein Stadion mit nur einer Tribüne überhaupt ein Stadion? Vorab: Die Kontakte mit den Vereinsvertretern vor dem Spiel und am Spieltag selbst, gestalteten sich sehr sympathisch. Alle entspannt, hilfsbereit und mit Freude! Herzlichen Dank dafür.

Nicht ganz so entspannt wirkten dafür diverse Vertreter diverser Sicherheitsdienste mit diversen Kommunikationsmöglichkeiten. Diese operative Hektik fällt immer wieder auf. Ein gut geschulter Sicherheitsmitarbeiter zeigt sich für mich dadurch, indem er sich gar nicht zeigt. Einzumischen galt es spätestens an der Wurstbude: Zwei nette Bedienungen mit großen, verschreckten Augen ließen sich von einem uniformierten Schutzpolizisten eine Räuberpistole unterjubeln: Es würde bestimmt noch Randale geben, so seine Theorie. Die Augen der Damen größer, die Brust des Staatsdiener hörbar breiter. „Mooomentchen Mal“, schlug nun die eigene Stunde in bester Werbemanier: „Wir tun nichts, wir wollen nur gewinnen“.

Aber zurück zum Stadion: Wer sich solch Tribüne baut, der plant definitiv für höhere Aufgaben, daran kann auch der bescheidene Artikel in der NOZ von heute nichts ändern. Nicht die Kapazität deutet darauf hin, sondern die Funktionsräume und Nutzungsmöglichkeiten einer Tribüne; Alles sehr hochwertig und sauber, es gab gar Lasagne. Keine Tribüne also, die den Fußball allein befriedigt. Die Hintertorwerbebande, uns allen aus Lotte bekannt, gleich in doppelter Ausführung. Was jedoch zur Beruhigung der Auflagen als richtiger Affront gegen den gemeinen Fußballfan gedeutet werden kann, ist der sogenannte Gästeblock: Drei Stufen „Brett trifft Stahlrohr“ hinter Gittern so dick, welche die Sicht eher behindern denn zulassen. Gitter für Vieh, nicht für Fans.

Und so standen dann die vielen Essener Fans langgezogen und sichtbehindert. Später auch noch nass bis auf die Haut. Und ja, es gab auch etwas Rauch. Klar, ohne Rauch gehts auch, aber es war nichts wirklich dramatisches, zudem kontrolliert. Daher kam die plötzliche Spielunterbrechung etwas überraschend. Aber wenn die Vorgaben so sind, dann sind die Vorgaben halt so. Und das Spiel hatte endlich seinen Skandal für die Nachberichterstattung. Zum Glück hat sich die eigene Mannschaft dadurch nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. Ein 1:0 Erfolg nach Spielabbruch in eine 0:3 Niederlage umgewandelt, ich glaube der Alptraum eines jeden Fans. Für mich bleibt die Unterstützung durch die Fans haften. Emotionen.

So kommt es nach Spielende zu der Erkenntnis, dass uns die Mannschaft vielleicht doch noch mitnimmt auf eine rasante Fahrt durch eine Saison, welche wir schon abstempeln wollten. Und den SV Rödinghausen ? Diesen Verein werden wir in einigen Jahren wohl im Profifußball erleben. Dann hoffentlich auch mit angemessenem Gästeblock.

Die größten Erfolge von Spandau Ballet!

Gold: Nein, es war nicht wieder alles Gold an diesem frischen Dienstagabend. 6571 Zuschauer nur. Den Opa mehr gesummt, denn gesungen. Alles irgendwie angemessen. Und doch waren wir da. Manchmal zählt auch einfach nur das. Die eigene Mannschaft begann gut. Überraschend gut sogar. Zudem ließ die Wernze-Wunderlich-Wollitz-Combo den rot-weissen zunächst die nötige Beinfreiheit, um das Publikum nicht direkt gegen sich aufzubringen.

Gold aber einmal mehr der Einsatz auf dem Feld.  Blech hingegen die Pfiffe vorab gegen einen eigenen Spieler sowie dieses hämisches Klatschen bei diversen Aktionen. Früher wurden Spieler durch uns Fans zur Leistung angestachelt, waren wir nicht mit der gezeigten zufrieden. Heute geht der Trend bei wenigen dahin, direkt zu verunsichern. Ich trete doch auch nicht gegen mein Auto, bevor ich losfahre. Konstruktive Kritik sollte hingegen weiter erlaubt sein.

Silber schimmerte wie so oft die Fähigkeiten der einzelnen Spieler durch. Wir haben da gute Jungs am Start. Leider ist dann das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile eher Bronze. Bisweilen hat es den Anschein, als ob für den Bruchteil von Sekunden alle Spieler erstarren und darauf warten, dass nun einer das Heft in die Hand nimmt.

True: Es ist wahr: Der erste Heimerfolg der Saison ist keine Wunschdenken mehr, sondern Fakt. Erarbeitet und erzielt in letzter Minute. Was definitiv auch ein Beleg für eine vorhandene Moral ist. Wir stehen kurz vor der Relegation. Man muss aber auch der Viktoria eine sehr schlechte Leistung attestieren!

Once More: Ja bitte. Gerne! Und nicht nur einmal. Gewonnene Spiele sind schön. Lassen Adiole pfeifen und beschwingter durch den Tag kommen. Treuepunkte, Bonuspunkte, Punkte in Flensburg: Alles Latte gegen drei Punkte auf dem Feld.

Through the Barricades: Montag Rödinghausen. Gelingt dort nun der Turnaround? Fakt ist: Dank der aktiven und mehr als engagierten Fans werden die Spieler auch dort nicht im Stich gelassen. Ob sie wollen oder nicht. Ebenso sind auch sportliche Leitung und Trainer wieder mit von der Partie. Hat also die letzte Stellungnahme nicht gefruchtet. Brauchte sie auch nicht, denn drei Punkte sind allemal besser. Aber, es musste ausgesprochen werden. Vielleicht gibt es ja eine gemeinsame Rückkehr aus Rödinghausen. Fans, Trainer und Sportvorstand in einem Boot, beziehungsweise Bus. „Through the Barricades“ hilft oft, selbige abzubauen.

Ey Mannschaft: Glückwunsch zu diesem Erfolg!

Es ist an der Zeit, Stellung zu beziehen.

Ich war bekenndender „Wrobelaner“, weil sich unser Ex Trainer tausendprozentig mit unserem Verein identifiziert hat. Leider blieb der sportliche Erfolg aus aus, griffen dann die üblichen Mechanismen. Nie aber habe ich „Wrobel raus“ gefordert und gegen die Dinge unterhalb der Gürtellinie angeschrieben, Respekt gefordert.

Nun aber fordere ich zum ersten Mal die Trennung von einem Trainer. Ein Trainer, der sich meiner Meinung nach nicht mit unserem Verein identifiziert, geschweige denn zu ihm passt. Ein Trainer, unter dem keine spielerische Entwicklung zu erkennen ist! Dessen Ruf als Defensivspezialist wohl keinen attraktiven Fußball erwarten ließ, vielleicht aber mal ein dreckiges 1:0. Auch daraus wurde nichts: Es folgte ein abwehrtechnisches Desaster. Aufstellungen, die schlicht nicht nachvollziehbar sind. Ich bin kein Trainer, aber ich bin nicht blöd!

Wenn man „All In“ geht, hat man auch zu akzeptieren, dass man sich verzocken kann. Rot-Weiss Essen hat sich mit Marc Fascher verzockt. Daher fordere ich einen Trainerwechsel. Jetzt!

Für den RWE.

Sozialromantikers Brause

Nun ist es also eher eine Frage von Spielen, denn ganzer Spielzeiten, wann Brauseball Leipzig es bis in die Beletage des Deutschen Fußballs schaffen wird. Kenner der Materie sehen sogar schon eine Wachablösung grundsätzlicher Natur in den Kühlregalen stehen: Red Bull als neuer Kontrahent der Bayern.

Nach den Dekaden Borussia Mönchengladbach, Hamburger SV, Rot-Weiss Essen, Werder Bremen und Borussia Dortmund macht sich also nun ein Emporkömmling bereit, sich alsbald und bis in alle Ewigkeit mit den Bayern zu messen. So die Prophezeiung mancher Experten. Wie das Derby dann betitelt wird, steht noch in den Sternen, aber irgend etwas in Richtung „Brause-Weizen Derby“ wird es wohl werden.

Wie dem auch sei: Die Mannschaft spielt natürlich dieser Tage noch in der zweiten Bundesliga, wenn auch dort schon an der Spitze stehend. Zudem, allem Unverständnis zum Trotz: Die Punkte werden immer noch auf dem Rasen geholt, soviel Fairness der kickenden Belegschaft gegenüber muss sein. Könnte der RWE das Gehalt bieten, würden sie schließlich alle an der Hafenstraße spielen und von uns bejubelt werden. Uns, den Traditionsfans, die wir größtenteils diesem modernen Fußball wenig abgewinnen können.

Was das alles nun mit Rot-Weiss Essen zu tun hat ? Im Grunde genommen recht wenig. Wir dümpeln zwar in der Viertklassigkeit vor uns hin, leiden mit unserem Verein aber mindestens auf Champions League Niveau. Tragen diese große Sehnsucht Profifußball in uns. Bringt man nun die Komponenten Insolvenz, Standort, Brause, Kaufkraft, Erfolg, Basis, Fans usw. zusammen, so hätte vor nicht allzu langer Zeit durchaus auch der RWE in den Franchise Fokus geraten können. Tradition zwar adieu, sportlicher Durchmarsch dafür so gut wie inklusive. Da uns eh kaum einer leiden kann: Die Abneigung würde an Essen abprallen.

Die Abneigung der Fanbasis wäre hoffentlich eine solch große, um darauf basierend mindestens einen Nachfolgeverein gründen zu können. Die Wahrheit sähe aber wohl so aus, dass auch in Essen nach und nach ein Publikum den Weg in das Stadion finden würde, welches mit dem Klientel an der geliebten Hafenstraße nicht mehr viel gemein hätte. Soweit die eigene kleine gedankliche Verbindung zwischen Rasenball und Rahnsinn.

Andersherum gedacht lohnt es sich vielleicht auch einmal, diese große Sehnsucht in Frage zu stellen: Man stelle sich vor, der Aufstieg in die zweite Liga gelingt eines Tages, als Gegner warten dann jedoch eben dieses Rasenball, Hoffenheim, Paderborn, Schalke oder Viktoria Köln…..was zählt denn dann wirklich ? Die Liga oder der Moment ? Spannende Frage, stimmt doch die Liga momentan wirklich nicht, wohl aber der Moment. Dieser Moment, der uns kommenden Samstag wieder einen Ruhrgebietsnachbarn an die Hafenstraße bringt. Zudem viele Zuschauer, nein: Fans! Den ersten Heimsieg! Und allerspätestens mit Anpfiff, vor wieder großer Kulisse, habe ich doch diese beknackte Ligazugehörigkeit vergessen, denn dann bin ich bei Rot-Weiss Essen. 

Prefa, der Fußball wird immer extremer!

Wir stehen so ziemlich in allen Ligen am Anfang einer noch langen Saison und doch fühlt man sich andauernd an einen Werbespot erinnert: Brachte man sich noch vor einigen Jahren frühestens nach dem 10. Spieltag in Stellung um die Messer zu wetzen, so geschieht dieses bisweilen direkt nach Abpfiff der ersten Begegnung.

Manchmal wird aber gnädigerweise ein zweites Spiel abgewartet, um die digitale-, multimediale-, und Expertenflut loszutreten. Ein Trainer in Gelsenkirchen beispielsweise: Gegen Ende der letzten Saison dann doch im Sattel geblieben, schwadronierte ein freier Mitarbeiter einer Münchener Brauerei und früherer Inhaber einer peinlichen Fußballtalkshow in einem etwas angeseheneren Fußball Talk über diesen Trainer. Der HSV zum Beispiel bekommt leider kein Heimspiel zu seinem Alleinstellungsmerkmal und wird doch nach dem zweiten Spiel zu einem RWE auf allerhöchsten Niveau: Fanunterstützung en masse, aber sportlich schon seit Jahrzehnten nichts mehr bewegt. Aber halt die dauerhafte Erstklassigkeit in seiner Vita. Dass  sofort der Name Felix Magath gehandelt wird, nehmen wir dankend zur Kenntnis.

In Düsseldorf wird ein Spieler zur persönlichen, verbalen Zielscheibe einiger Spielbesucher, in Essen bekanntermaßen der Trainer nebst einigen Spielern und überhaupt. Die Fans des VFB Stuttgart hadern weiter mit Bruno Labbadia während in Dresden direkt Nägel mit Köpfen gemacht wird: Trainerentlassung jetzt! Die von uns so geliebte Fußballtradition scheint also ein wenig zu schwächeln, was grausam und eiskalt in Hoffenheim und Wolfsburg ausgenutzt wurde. Peter Neururer wird peinlich und auch die Hochfinanz von Viktoria Köln hat schnell ihre erwarteten Problemchen: Erst in Essen gewinnen, und dann wieder Streit anfangen. Das hätte Euch auch früher einfallen können!

Unter dem Strich zählt also nicht das ich, sondern früh das Prinzip: Alle gegen alle. Nicht zu vergessen auch der FC Bayern, der seinen Fans zwar Pokale schenkt, ihnen aber die Seele nimmt. „Das ist doch populistische Scheiße. Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir“. Dieser legendäre Ausspruch kommt bisweilen wie blanker Hohn daher. Vielleicht war aber auch nur eine Abteilung im Finanzamt gemeint.

Aber nicht nur Vereine, Trainer und Spieler haben aktuell ihre Problemchen: Ein wichtiger Bestandteil des Fußballs beginnt scheinbar langsam aber sicher zu eskalieren. Der allseits bekannte Slogan, welcher alle über einen Kamm schert, mag mir nicht gefallen! Aber einige Einsatzleiter und -Kräfte der Polizei haben definitiv jegliches Gespür für den Fußball, seine Emotionen und diejenigen, die ihn lieben verloren.

An dieser Stelle sei noch mal erinnert: Der Fußball ist ein Spiel, in welchem zwei gegnerische Mannschaften versuchen, mittels Fußlümmelei einen Gewinner zu ermitteln. Bisweilen haben Mannschaften auch Fans! Gute Fans, böse Fans, weibliche Fans, junge Fans, alte Fans, männliche Fans. Kutten, Normalos, Ultras, Hools und Allesfahrer. Früher gab es Listen, welcher Verein denn nun die härtesten Fans hatte, welche Auswärtsfahrt am gefährlichsten sei usw.

In den wackeligen Videos der 80iger rennen sportliche Männer mit Blue System Sweater und Hodenhochstand fördernden Jeans um die Wette, begleitet von einigen Polizisten im Galopp. Und eigentlich war alles gar nicht so schlimm, bisweilen galt sogar ein Ehrenkodex und konnten normale Fans unbehelligt ihrer Wege gehen. Heutzutage ist es scheinbar genau andersherum: Hundertschaften martialisch gekleidete sportliche Männer und Frauen rennen um die Wette, begleitet von einigen Fans mit Fahne vorneweg im Galopp. Ein Kessel Buntes.

Statt großer Kurven mit Platz für alle gibt es manchmal nur Kuchenstücke mit Platzangstgarantie. Und nun droht die Stimmung zu kippen, fühlt sich auch der normale Fan immer mehr gegängelt, droht Pfeffer im Gesicht statt Hummeln im Hintern. Bleiben Kinder aus Angst lieber zuhause. Aber aus Angst vor der Polizei, dem eigentlichen Freund und Helfer. Was ist Provokation im Stadion, oder worauf darf ich in Zukunft auf bloßen Verdacht hin untersucht werden ? Es gab doch runde Tische. Hat denn da gar keiner zugehört?

Sollte zum Beispiel der RWE jemals wieder ein Ligaspiel gegen den FC Schalke bestreiten, darf dann unsere Vereinsführung der Polizei einen Tipp geben, dass wir rot weissen uns von den blau weißen Trikots provoziert fühlen ? Und dann reitet die Polizei ein und sprüht alles blaue weg ? Es geht nun nicht um eine Generalanklage Richtung Polizei, auch wir Fans bieten weiterhin genug Anlass zur Kritik! Aber was nach den beiden ersten Spieltagen an strategischen Fehlern gemacht wurde, stimmt in der polizeilichen Taktik nachdenklich und lässt zum Beispiel für das morgige Spiel des RWE gegen Alemannia Aachen einiges befürchten. Zumal die Stimmung im Essener Lager schon gereizt genug ist. Ein Spiel, vielleicht die erste wirkliche Härteprobe auf allen Ebenen nach der Insolvenz.

Da nun kaum davon auszugehen ist, dass Johannes Baptiste Kerner auf dem Innenhof der ARD Sendeanstalt Waldemar Hartmann und Oliver Pocher aus Gründen der Anschaulichkeit Pfefferspray in das Gesicht sprüht, erhoffe ich mir Selbstreflektion. Ja, diesen pädagogischen Scheiss! Aber, aktuell ganz deutlich auf Seiten der Polizei. Denn ich möchte sie vor Ort wissen, wenn es Hilfe bedarf. Und den Rest der Zeit bitte im Hintergrund. Denn Fußball ist immer noch ein Fest! Übrigens wird gemunkelt, die Rotterdamer kommen morgen auch….

Niveau ist keine Creme

Dienst: Liveticker. SMS. Die einzigen Möglichkeiten, dem Auftritt des RWE in Düsseldorf bei der Zweitfortuna einigermaßen Folge leisten zu können. Und, es las sich ja auch wirklich gut, rein numerisch im linken Feld des Reviersport Tickers. Auch noch in dem kleinen Kästchen rechts daneben, in welchem eingeloggte Daheimgebliebene ihre Meinung frei äussern können.

Mit einer 2:1 Führung für den RWE ging es in die Pause, der weitere Spielverlauf ist bekannt, und kann hier nicht näher beschrieben werden, da eben nicht vor Ort. Mit 4:3 verliert der RWE dieses Spiel, der verpatzte Saisonstart ist perfekt. Ich bin mittelschwer geschockt, denn nach dieser guten Vorbereitung hatte ich niemals mit nur einem Punkt aus drei Spielen gerechnet. Zudem mit diesen Unsicherheiten in der Zuordnung, den Problemen im Spielaufbau und in der Abwehr.

Agonie macht sich breit, man möchte einen Wassereimer umtreten oder wenigstens den Klienten des Büros verweisen, welcher Gazprompt gekleidet seiner Schadenfreude Ausdruck verleiht. Richtig fassungslos macht mich dann aber dieses kleine Kästchen auf den zweiten Blick: Schon nach dem 1:2 kippte die bis dato recht gute Stimmung und artete nach Rückstand gar in getippte Hasstiraden einiger User der Mannschaft und dem Trainer gegenüber aus. Unglaublich zum einen der fehlende Respekt, mit welchem da im Schutze der Anonymität agiert wird, unfassbar aber auch, dass die Reviersport dieses so zulässt und nicht regulierend eingreift.

Ich glaube nicht, dass sich diejenigen „User“ nun noch schnell auf den Weg nach Düsseldorf gemacht haben, sich dort unter der Gürtelinie anschleichend, nur um Spieler und Trainer zu bespucken und zu bepöbeln, bei welchen sie doch laut Anfeuerung kein Problem mit der Viertklassigkeit haben. „Wir steh´n zu Dir, auch in Liga Vier……“ Wir sind beim Fußball, das vorneweg, da ist es legitim, seine Enttäuschung herauszuschreien. Auch ein „Scheisse“ oder „Trainer raus“ ist da durchaus nicht fehl am Platze, wenn es denn nun die Meinung des Fans ist.

Aber, es gibt Grenzen, die gilt es nicht zu überschreiten, sind nicht im Eintrittspreis inbegriffen. Wir sind alle sauer, wahrscheinlich sogar Mannschaft und Trainer noch viel mehr. Sie betreten nämlich das Spielfeld um zu gewinnen, und planen eventuell mit der möglichen Siegprämie eine Neuanschaffung. Alles legitim. Sie betreten, genau wie wir Fans, aber sicher nicht ein Stadion, um bewusst schlecht zu spielen und um ein Spiel zu verlieren. Ausnahmen bestätigen leider auch hier die Regel, aber das ist ein anderes Thema. Und ja, wir sind mehr wert, als nur noch ein normaler Viertligist zu sein, können uns auf viel Tradition und manch Mythos berufen.

Geschichte leider, denn nun zählt nur noch das hier und jetzt. Nur, auch dessen aktuelle Tristesse rechtfertigt in keinster Weise, die eigenen Spieler verbal hochnotpeinlich zu beleidigen, anzuspucken. Auch Spieler sind nur Menschen. Spieler, die sich erklären wollten. Ein Trainer aber auch, der sich nun konstruktiver Kritik zu stellen und den berühmten Bock umzustossen hat. Gut, an diesem Bock sind in Essen schon einige gescheitert, wird die Begrifflichkeit bisweilen zum Running Gag. Aber, es klang doch alles so plausibel vor der Saison, liessen sich die Tests recht gut an. Nur, wenn es denn gerade nicht erklärbar ist, dann den Zustand bitte nicht schönreden. Vielleicht sind wir Fans ein Leben lang RWE, Ihr nun laut Vertrag gerade auch. Aber dies in der Gewissheit, das die Gattung der Lamas eine verschwindend geringe Minderheit rund um die Hafenstraße darstellt. Friday on my Mind!

West Side Story! Jets & Sharks

Der letzte Akt, und dann ist es endlich vollbracht: Der Weg für neue Überschriften ist frei. Den Versuch war es ja wert, die Eröffnung einer Tribüne mit drei zeitnah aufeinanderfolgenden Heimspielen als Melodram nebst Fotostory aufzuziehen. Der Titel bot sich zudem geradezu an.

Aber die Planung dieses „Projektes“ beinhaltete eine fatale Fehleinschätzung: Es ging um Fußball. Dieser jedoch lässt sich nun mal nicht als Dreiteiler mit möglichem Happy End und schönen Bildern planen. Der Fußball pfeift auf Regieanweisungen, manchmal pfeifen gar Pfeifen an der Pfeife. Was dann wieder viel Gepfeife zur Folge haben kann. Oder, noch viel schlimmer: Es ist ein guter Pfiff. Der eigene Spieler schreitet zum Punkt, das Publikum macht sich fertig zum Jubeln und schlägt nur Sekunden später fassungslos die Hände vor`s Gesicht. Wirft alles von sich, fühlt es sich auch noch provoziert. Emotionen.

Und dann greift diese unerklärliche Spezies Fußballfan im Anschluss an ein solches Spiel auch noch in den Gefühlskarton, ist die unglückliche Niederlage zum Schluss gar nicht so hoch zu bewerten, wie die kurzfristig aufflammende Rückkehr zum Mythos Hafenstraße. Wer den RWE, seine Spieler oder Fans provoziert, provoziert das eigene Ich und bekommt direkt die Antwort darauf. Unter dem Strich ändert das leider auch nichts daran, dass es mit dem erhofften „Dreier“ nichts wurde und diese schreibende Hobbythek nun ziemlich belämmert und ohne Happy End dasteht. Scheissendreck!

Es hätte aber durchaus eines werden können, denn Viktoria Köln, die Mannschaft der foulenden Mehrverdiener, war nicht den Kontostand besser, der vielleicht zu erwarten war. Der RWE stand etwas sicherer als noch am Samstag, kämpferisch gab es einmal mehr nichts zu kritisieren. Gesucht wird aber weiterhin der Ballverteiler, der Mann mit der zündenden Idee, der „Durchstecker“. Der für den tödlichen Pass und die lebendige Torchance. Den hatte Viktoria nun auch nicht, eine Übermannschaft wurde weit und breit nicht gesichtet. Dafür einen Nachmittag im Hotel zu verbringen, aber wer es braucht….

Wir brauchen es nicht, sondern Punkte. Punkte für das eigene Ego, die Sicherheit und das Umfeld. Es ist zu spüren, dass es so langsam nur noch um das Sportliche geht. Und wenn am Ende eines Spieles, welches auch hätte gewonnen werden können, kein Konjunktiv sondern eine Niederlage steht, dann heult er auf, der RWE Fan. Ist zutiefst getroffen, macht sich Sorgen, ist sauer bis besorgt, schiesst bisweilen über das Ziel hinaus. Hunderte Trainer treffen auf Mahner in der Wüste, auf Optimisten und Pessimisten. Randnotizen können zu Blockbuster werden, und manchmal fragt man sich, bei welchem Spiel das „Tickerteam“ der Reviersport zu Gast war. Es ist, wie es ist: Der RWE hat gegen Viktoria Köln in einem eher schwachen Spiel mit dramatischen Höhepunkten und Zutaten am Ende 1:2 verloren.

Es gibt viel zu tun für die Spieler und das ganze Team. Packt es an. Und wir packen an dieser Stelle ein. Die West Side Story ist beendet.

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