Monatsarchive: Juni 2008

Eviva España: Das Nachspiel

Es gibt eine Sache, die mich stört, und die wohl auch im Sog aller „Event“ualitäten entsanden ist: Die Verabschiedung der Mannschaft nach der WM im eigenen Land machte ja noch Sinn: Ein ganzes Land konnte sich auf diese Art von einem Ereignis trennen, welches so wohl nur alle 32 Jahre vorkommen wird. Wenn überhaupt. Aber, warum mußte die Mannschaft heute in Berlin auf der Matte stehen? Team und Fans haben sich gestern noch im Stadion gegenseitigen Respekt und Dank für schöne drei Wochen gezollt. Das hätte ausgereicht. Laßt doch den Spielern einfach mal ihre Enttäuschung. Das ist für mich unbegreiflich: Ich verliere das Spiel meines Lebens und muß ein paar Stunden später für die schalen Gags eines Oliver Pocher herhalten. Das gönne ich nicht mal Kevin K. Nein, das hätte nicht sein müssen. Da wird der Fußball und seine Tragik der Geschäftemacherei und dem Medienhype geopfert. Der DFB hätte wieder in Frankfurt zu einem Empfang laden sollen. Denn da ist er zu Hause.

Eviva España: Das Spiel

Das Spiel aber, das wurde dann doch wieder im kleinen Kreis verfolgt.:Die ersten 20 Minuten sah es auch noch ganz gut aus was die DFB Elf bot und auch der Capitano schmiß sich ganz „Wademutig“ in das Getümmel. Nur, irgendwann schoben die Spanier das Spiel geschickt in die Deutsche Hälfte: Meter um Meter wurde so Raum gewonnen, ein Steilpaß und das Tor. Übrigens justament von mir orakelt. Und das die Iberer, einmal in Führung, so richtig ins Rollen kommen, das haben sie ja im Turnierverlauf eindrucksvoll bewiesen. Dabei wurde schmerzlich aufgezeigt, dass die Innenverteidigung aus dem Hause M&M nicht mehr, oder noch nicht, auf Topniveau agiert. Auch der Capitano war nicht gut drauf und agierte teilweise unglücklich. Überzeugend aber wieder einmal sein schon erwähnter kämpferischer Einsatz, von dem auch seine Augenbrauenverletzung zeugt. Da mir Michael Ballack aber so richtig ans Herz gewachsen ist, weil definitiv zu einer Führungsfigur gereift und vom Finaltrauma behaftet, habe ich ihn trotzdem heftig verteidigt, als erste fachunkundige Stimmen ihm seine Klasse absprechen wollten. Bis auf Jens Lehmann waren alle Spieler in weiß schlecht, bis ganz schlecht. Wo war die Spielfreude eines Schweinsteigers und der Zug zum Tor von Podolski. Hat Klose mitgespielt oder ließ man ihn nicht? Zwischen der 55. und der 70. Minute ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft. Wahnsinn, was in diesen Minuten in einer Mannschaft passiert. Für den Fan kaum zu begreifen, wurde doch kein Knopf gedrückt oder ein Hebel umgelegt. Na ja, der Ruck dauerte ja auch nicht lange. Und dann kam doch tatsächlich Kevin K. Während Marcel Jansen noch etwas Belebung in das Spiel brachte, „glänzte“ Kevin K. durch uninspirierte Fouls, dummes lamentieren, und der Tatsache, kaum den Ball stoppen zu können. Nein, Kevin K. und seine gnadenlose Selbstüberschätzung gepaart mit mangelnder Kritikfähigkeit wird nie mein Freund werden. Und somit wäre ein später Ausgleich auch mehr als ungerecht gewesen. Traurig dann die Bilder nach Schlußpfiff, wenn ausgelaugte Verlierer am Boden zerstört, tanzenden Siegern zusehen. Schade. Aber vielleicht besser während der 90 Minuten verdient zu verlieren, als nach großer Partie im Elfmeterschießen.

Eviva España: Intro

Herzlichen Glückwunsch Spanien. Die beste Mannschaft des Turnieres hat dieses auch hochverdient gewonnen. So soll es sein. Aber alles schön der Reihe nach: Zuerst bin ich eine Stunde vor Spielbeginn doch noch mal zum Marktplatz gefahren, sind ja nur ein paar Meter Luftlinie. Und ich war schon beeindruckt, was die Stadt Nordhorn unter Führung des Fachbereiches für Jugend, soziales und Sport da auf die Beine gestellt hat: Von überall strömten die Massen bunt geschmückt auf den Marktplatz um dort von einer Band unterhalten zu werden, die einen Gassenhauer nach dem anderen bot. Und wie transportieren wir DAS jetzt an den Heideweg? Ich befürchte nämlich, daß viele der öffentlichen Zuseher dem Fußball erst wieder in zwei Jahren zusehen……

Morbide Schönheit

Heute war Trainingsauftakt bei den Rot Weissen in Essen. Laut der Homepage gab es sogar zwei Trainingseinheiten. Die erste fand um 11.00 Uhr vor erstaunlichen 400 Zaungästen statt. Der zweiten um 15.00 Uhr wollte ich beiwohnen, denn was soll man auch sonst in der Mittagspause eines Tagesdienstes machen. Außerdem hatte ich noch einen Wunschzettel der Kinder in der Tasche. Das der Fanshop dann geschlossen hatte, kann ich ja noch nachvollziehen, stutzig machte mich da eher schon eine Truppe gestandener Fußballerwaden in schwarz – gelb, Richtung Trainingsplatz, besser bekannt als „Willi-Lippens-Platz“ wandernd. Des Rätsels Lösung: Ein Klassiker stand auf dem Programm: Die Alten Herren des RWE empfingen die Kollegen des BVB. Von den aktuellen Hoffnungsträgern leider immer noch keine Spur. Der Torwart des BVB spielte derweil den „Lehmann“ und zu Warten hatte ich auch keine Lust mehr, denn dann sollte aus der Situation halt das Beste, sprich Fotos, gemacht werden. Und mit jedem Foto mehr wurde mir eigentlich klar, dass das Georg Melches Stadion immer noch ein wunderschönes nostalgisches Fußballstadion in 3/4 Reinkultur ist, aber ebenso wird deutlich, dass der Zahn der Zeit recht heftig in Form von Rost und auch von Vernachlässigung an der Hafenstrasse nagt. Das wurde mir noch nie so klar wie heute, wo ich fast allein „zu Hause“ ziemlich genau hin gucken konnte. Und somit hatte dieser Kurzbesuch auch sein Gutes: Ich konnte mal eben an den Ort zurück, den wir bei unserem letzten Besuch ziemlich fassungslos und traurig verlassen haben, ich habe nun schöne Bilder, um meine Seitenleiste neu zu gestalten, und auch die Erlaubnis, auf eine schöne RWE Seite hinzuweisen. Und doch hätte ich schon gerne einen Blick auf die aktuelle Mannschaft geworfen.

Dieser Weg

Wird kein leichter sein…., den Song kennen wir ja alle noch. Gestern Abend wurde er von den deutschen Kickern in Reinkultur umgesetzt. Kein gutes Spiel der DFB Auswahl, schlimme individuelle Fehler, welch eine starke Truppe in roten Trikots, aber am Ende doch gewonnen. Tja, so gehts auch und was für eine Spannung und Dramatik wurde geboten, da wollte sogar das Wetter feat. TV Bild nicht zurückstecken. Diese EM zeigt in bewundernswerter Weise die ganze Bandbreite all dessen, was den Fußball so faszinierend macht. Und dann „Free Jogi“ im anschließenden Interview: Noch nie wurden die Leiden eines Trainers auf der Bank intensiver wiedergegeben: Jogi Löw war fix und fertig und argumentierte mit „leeren Augen“. Dieser Abend hatte was und läßt sich kaum beschreiben.

Was machen eigentlich…

….die „Hauptverantwortlichen“ für „ISDT“, der RWE und die Nordhorner Eintracht im Schatten der Europameisterschaft ? In Essen tut sich naturgemäß auch in der Viertklassigkeit mehr als hier im beschaulichen Nordhorn: So muß sich der Verein nach 10 Jahren einen neuen Präsidenten suchen, da Rolf Hempelmann mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Über die Gründe darf der Fan frei spekulieren, oder hier die offizielle Version nachlesen. Und dann scheint aber das finanzielle Überleben gesichert zu sein, was vielleicht den ein oder anderen Spieler mehr an die Hafenstrasse locken dürfte. Der Stadionumbau, und das war ja fast schon zu erwarten, der hingegen wird sich weiter verzögern. Da Rolf Hempelmann seine Zukunft immer fest mit dem neuen Stadion verknüpft hat, sehe ich da einen Grund für seinen Rücktritt. Vielleicht ist es ja auch gut so, denn das Stadionmodernisierungen nun doch nicht zwangsläufig mehr Zuschauer und sportlichen Erfolg mit sich bringen, das haben wir hier in Nordhorn schmerzhaft erfahren dürfen. Und bleiben wir gleich bei der Eintracht: Mein Unverständnis über vieles im Verein basiert nicht auf dem sportlichen Abstieg, sondern weiterhin auf der Tatsache, wie „der Verein“ oder seine Granden mit berechtigter Kritik umgehen und diese im Keim erstickt haben. Das Forum, die gemeinsame Basis von Verein und Fans, wurde bis heute noch nicht wieder zugänglich gemacht. Wenigstens konnte der Verein einen Spieler aus Meppen zurückverpflichten, und es können auch schon Karten für das DFB Pokalspiel vorbestellt werden. Da hat sich der SVE was ganz nettes einfallen lassen, und tut auch gut daran, dass eventuelle Spiel der Spiele so gewinnbringend wie möglich zu vermarkten. Und somit gebe ich zurück in die EURO Redaktion….

Die Ruhe vor dem Sturm

Voller Spannung erwarten wir alle das morgige Halbfinale gegen die Türkei. Und das das Spiel ein emotionales Highlight für alle Beteiligten werden wird, liegt auf der Hand. Das dann aber ausgerechnet die grossen Boulevardzeitungen beider Länder jetzt eine Fußballfreundschaft propagieren stört mich: Schließlich haben beide auch schön vorher die Rivalitäten geschürt. Wahrscheinlich waren die Redakteure nun selber erschrocken darüber, daß es tatsächlich zu diesem Spiel kommt. Morgen finden also Public Viewing und Autokorsi (ich habe lange recherchiert, aber genau kennt keiner die Mehrzahl von „Autokorso“. Eine Seite rät zu dem Begriff: „Autokolonnen“…) nicht nacheinander und mit Verständnis begleitet statt, sondern zeitgleich und es wird einen Verlierer geben. Ich gehe einfach davon aus, dass alles sich auf das rein sportliche konzentriert und das Spiel nicht dazu mißbraucht wird, um fußballfremde Aggressionen auszuleben. Es wird schon auf dem Platz schwer genug. Wenn die deutsche Mannschaft das Spiel auf die leichte Schulter nimmt, dann hat sie schon verloren. Der türkische Wille versetzt zur Zeit auf dem Feld Halbmonde. Ich hoffe auch auf einen starken vierten Schiedsrichter an der Seitenlinie, der der Chuzpe des Herrn Terim etwas entgegenzusetzen hat. Also, ich glaube, mit der Einstellung und Aufstellung aus dem Portugal wird das was mit einem Finaleinzug, und der türkische Mannschaftsbus kann dann auch die Heimfahrt antreten. Die brauche ich nach dem Spiel nicht mehr absolvieren, denn Mareike muß noch mal zum Dienst und somit mache ich „alone Viewing“.

Silberstreif am Horizont

In der 105. Minute entdecke ich diesen berühmten Silberstreif in der Partie der beiden Fußballnationen Italien vs Spanien noch nicht. Im Vergleich zum gestrigen Spiel ein echter Langweiler, wenngleich doch auf taktisch hohem Niveau. Aber halt nicht telegen. Und das gibt mir schon mal Gelegenheit, über das Fernsehprogramm nach der EM zu grübeln. Ich habe dieses Turnier doch wieder so richtig lieb gewonnen und die WM damit endgültig abgehakt, und nun graut es mir natürlich schon vor der Zeit „danach“, wenn wieder Casting und Konsorten die Programmhoheit übernehmen. Aber, zum einen muß man ja nicht gucken und zum anderen gibt es ja ab und an einen Lichtblick: Diesen haben wir nun entdeckt, denn ab Dienstag beginnt die 2. Staffel von Dr.Psycho. Perfekt besetzt in der Hauptrolle mit Christian Ulmen, der schon in FC Venus geglänzt hat, kann man hier noch mehr Details über diese Serie erfahren. Vom Feuilleton hoch gelobt, hielten sich die TV Quoten anfangs noch in Grenzen. Von daher bin ich sehr froh, dass die Serie überhaupt weitergeführt wird. Auf der Jagd nach Quote wird ja manch Serie schon abgesetzt, bevor es überhaupt eine Chance gab, sie zu sehen. Staffel 1 übrigens ist nun auch auf DVD zu haben.

Fjodor Tjutschew

Seit fünf Minuten weiß ich, daß Fjodor Tjutschew einer der größten Lyriker der russischen Literatur war. Ich kannte bis dato ja höchstens „Krieg und Frieden“. Auf jeden Fall hat Herr Tjutschew in zwei Sätzen das erklärt, was uns Fußballfans und vor allem den bedauernswerten Spielern der „Elftal“ gestern Abend in Basel widerfahren ist: „Russland ist mit dem Verstand nicht zu begreifen. Mit der gewöhnlichen Elle nicht auszumessen;Es hat einen besonderen Charakter – An Russland kann man nur glauben.“ Natürlich hat nach nach der ersten herben Niederlage gegen Spanien keiner mehr an Russland geglaubt, selbst „Mütterchen“ nicht mehr. Aber gestern sind wir eines Besseren belehrt worden. Waren die Russen so gut, oder die Holländer so schlecht? Ich glaube, ersteres. Und vor allem in der Verlängerung offenbarten die russischen Spieler, kaum der Pubertät entwachsen, eine Physis und Spielfreude, die jenseits der 90 Minuten wohl selten zu erleben ist. Klar, Verlängerungen sind ja auch selten. Und dazu diese präzisen Schüsse auf das holländische Tor. „In der Tat“: ein verdienter Sieg. Bemerkenswert einmal mehr, dass völlig in der Unterzahl anwesende „gegnerischen“ Fans die orangene Wand in Grund und Boden gesungen haben. Noch vermag ich nicht daran glauben, dass uns die Italiener und Spanier heute Abend ein ebenso faszinierendes Fußballspiel zeigen werden, zudem noch ohne Signore Gattuso, aber ich freue ich mich trotzdem auf das letzte Viertelfinalspiel. Die Holländer holen derweil ihre Fahnen ein und wollten auch heute morgen im Nordhorner Tierpark so gar nichts von Fußball wissen. Nichts mehr mit „Oranje boven“. Aber, hier so zwei Kilometer Luftlinie zur Grenze wohnend: Ein wenig fühlen wir schon mit ihnen.

Sommermärchen reloaded ?

Bis auf das schlechtere Wetter in diesem Jahr nähert sich Fußball, ach was….ganz Deutschland wieder dem runden Siedepunkt des Sommers 2006. Und ist diesmal „nur“ das Halbfinale einer europäischen Meisterschaft erreicht, das „wie“ ist wohl der entscheidende Faktor für das erneute „Wir Gefühl“: So manch einer, der seine Autofahne nach der Vorrunde schon wieder abgebaut hatte, hat sie für die Nachbarn natürlich nur zum Waschen abgenommen und flugs wieder angebaut. Es war ein tolles Spiel einer Mannschaft, die die Lehren aus den drei Vorrundenspielen gezogen und diese in faszinierender Art und Weise auf dem Platz umgesetzt hat. Und endlich hat auch die Nordhorner und Essener Fußballseele Grund zur Freude am runden Leder. Neben dem nun wieder so hochgelobten Duo „Schweini und Poldi“ kommt die gesamte Mannschaftsleistung fast zu kurz und „Schweini“ schon zuviel zu Wort. Und das sich der Bundestrainer hinter seinem Gläskäfig eine Zigarette angesteckt hat, finde ich schon wieder kultig und durchweg menschlich. Am nächsten Tag in der Pressekonferenz, wohl die erste, die ich überhaupt einmal live verfolgt habe, wirkte Jogi Löw aber so, als ob er vielleicht doch eine Zigarette zuviel geraucht hat, denn ständig mußte Harald Stenger für ihn irgendeinen Knopf drücken oder einen Tip per Fingerstubser geben. Aber zurück zu dem Glaskäfig: Diese permanenten Kameraeinblendungen hoch zur sogenannten Skybox haben mein Unverständnis über diesen Aufenthaltsort während der 90 Minuten für die zahlungswillige Kundschaft nur verstärkt. Aber wer sich vorzugsweise hinter Glas aufhalten mag und dem Verein dafür ein mehr an Eintritt bezahlt, bitte gerne. Die Impressionen nach dem Spiel waren dann ebenso schön wie das Spiel selbst, denn die Feierlichkeiten der deutschen Spieler hat man so wohl kaum erwartet, und ich jedenfalls noch nie gesehen. Das wiederum kann aber auch an dem Gutsherren Pils liegen, welches Berry kredenzt hat. Nichts für empfindliche Mägen. Aber, ich hätte ja auch „nein“ sagen können. Fazit: Super Spiel, Feierstimmung allenthalben und ein Trainerteam, welches funktioniert.

Wir sind Gomez

Da wo ich bin, sportlich ja unten ist, bin ich heute nicht nur „Jogi“wie alle, sondern eben auch „Gomez“. Für den Fall nämlich, das unser einziger Sturm (Podolski) ausfällt, müssen es zu Beginn doch wieder die Nullinger Klose/Gomez richten. Natürlich war der Ball eigentlich auf dem Weg in das Tor, er hat eben nur nicht mit einem Mario Gomez gerechnet. Aber, was erlauben wir uns eigentlich: Zum einen sollten wir Hobbyfußballer diesen Ball auch erst einmal im Tor unterbringen, und zum anderen ist es ein Profifußballer, der sein erstes grosses Turnier spielt, 22 Jahr jung ist und von halb Europa mit Angeboten verwirrt wird. Was das bedeutet haben wir schon bei anderen Spitzenkicker gesehen. Und, ein Miroslav Klose spielt für mich keinen Deut besser. Wir sind also ohne Sturm bis in das Viertelfinale gekommen. Und wenn Mario Gomez dann doch ein Tor gelingen sollte, dann würden wir ihn doch wieder hochleben lassen. Viel mehr verwundert mich da schon der Einsatz von David Odonkor. Ich hätte allen aussortierten wie zum Beispiel dem Gladbacher Marin mehr zugetraut. Aber spätestens mit Anpfiff sind alle taktischen Überlegungen meinerseits sowie Millionen anderer Bundestrainer Makulatur. Dann gilt es nur zu hoffen, dass Christiano Ronaldo nicht wieder so einen genialen Freistoss in das Tor hämmert. So eine Flugbahn, die kann es eigentlich überhaupt nicht geben. Vielleicht sollte „Schweini“ ihn schon recht früh spielunfähig umschubsen. Ronaldo wäre draussen, Schweini auch und könnte sich so wieder Frau Merkel widmen.

Public Viewing

In genau drei Stunden beginnt das Viertelfinalspiel gegen die Portugiesen und mein Blick in den Nordhorner Himmel verheisst nichts Gutes. Schließlich können auch wir Nordhorner öffentlich und gemeinsam Fußball gucken. Am nächsten Tag finden sich viele Besucher dann auf der Bildergalerie der lokalen Presse wieder. So weit so gut, und doch gucke ich, wie heute Abend auch wieder, im kleinen Kreis. Schnelle Bewirtung, ein guter Platz und eine hohe Fachkenntnis inklusive. Ich bin aber vielleicht auch etwas genervt darüber, weil viele Besucher das Event mehr als….Event…erleben, denn als Fußballspiel. Nordhorn ist keine Fußballstadt, wie sonst sind die hohen Zahlen am Marktplatz im Kontrast zum Zuschauerschnitt beim SV Eintracht zu erklären. Ich finde diese Möglichkeit trotzdem super, und das Sportamt macht da einen klasse Job. Vielleicht findet ja darüber so mancher den Weg zurück an den Heideweg. Über Public Viewing in Reinkultur haben die „11Freunde“ einen genialen Einwurf verfasst. In der Fußballstadt Essen gibt es das natürlich auch, und der Anteil der Fußballanhänger im eigentlichen Sinne dürfte prozentual höher sein. Angeboten wird dieses Event, Wetterunabhängig in den Messehallen, ebenfalls von 11Freunden. Allerdings von einer Bar gleichen Namens. Allein schon das Logo trifft natürlich genau meinen Nerv. Warum kann ich nicht so was schönes kreieren?. Der Großvater des Bargründers hat auch etwas mitgegründet, nämlich den MSV Duisburg. Falscher Verein, falsche Farben, aber gute Gene, um eine Fußballkneipe zu führen. Den nächsten Spielbesuch an der Hafenstrasse sollten wir so planen, dass wir entweder vor oder nach dem Spiel noch in Essen Rüttenscheid einkehren können.

Protagoras

Kein alter Schwede, sondern ein griechischer Philosoph, der da sprach: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“. Ein Zitat, welches auch von Lothar M. hätte sein können (wo ist er eigentlich, ist doch EM ?), aber von Dietmar Hopp auf der Internetseite seiner Stiftung im Vorwort verwendet wird. Abgesehen davon, die TSG in die Bundesliga gefördert zu haben, finde ich ein solches Engagement sehr bemerkenswert und sollte bei allem Groll auf solche sportlichen Emporkömmlinge nicht unterschlagen werden. Aber, darauf wollte ich gar nicht hinaus: In der Schweiz gab es fundierte Gerüchte, dass Herr Hopp auch bald bei der „Nati“ unterstützend eingreifen wird:

Abseits

Genau, und zwar abseits des Fußballs. Auch hier, man mag es zwar kaum glauben, geht das Leben ja auch weiter. Und somit habe ich mich sehr über „Post“ von Bono und Co. gefreut: U2 ist im Studio, und eine Veröffentlichung im Oktober wird avisiert. Dank des Langzeitproduzenten Brian Eno wird das Warten aber zur Zeit sehr gehaltvoll überbrückt: Brian Eno produziert nämlich auch Coldplay, und deren neues Album „Viva La Vida“ hat das Zeug zu einem echten Meilenstein der Musikgeschichte. Und Mitte September kommen Coldplay auch nach Deutschland. Mit viel Glück konnte ich gestern Abend noch Karten für das Konzert in Hamburg ergattern. Blöd nur, dass mir kein Fußballspiel mehr in Hamburg mit der Eintracht oder dem RWE beschert werden kann. Aber Oggersheim ist ja schließlich auch eine Reise wert. Und dann genießen wir ja noch unsere zweite Urlaubswoche und werkeln ein wenig am Haus herum. Ach, das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht der Fußball und seine Dramen wären. Nur, ein Leben ohne Fußball, unvorstellbar, oder?

Hopp Schwiiz…… die Italiener

Von den italienern haben wir in der Schweiz nicht viel mitbekommen. Ich möchte eigentlich auch nur endlich meinem momentanen Lieblingsspieler huldigen: Die Rede ist von Gennaro Gattuso. Keiner ist schon so emotional in die Nationalhymne verwoben wie Gennaro Gattuso: Suchen scheinbar einige Kollegen überhaupt erst nach dem Text, kneift Gennaro die Augen zu und singt munter drauf los. Zudem gibt er im Spiel niemals auf und hat es im selbigen gegen die Franzosen gestern abend geschafft, nach exakt 20 Sekunden des Spieles und drei Grätschen auf dem Boden zu liegen. Irgendwann wurde Gennaro ausgewechselt: Er hatte seinen Job erledigt, Gelb kassiert und beim Abgang die italienische Fahne auf seinem Trikot geküsst. Der Dank dafür: Stehende Ovationen und die Gewissheit: Mögen die Tonis dieser Fußballwelt die Tore erziehlen und den Ruhm ernten, aber die, weswegen wir das Spiel lieben, sind die Gennaros.

Hopp Schwiiz…… das Déjà-vu

Keine Frage, Holland spielt bislang den besten Fußball in diesem Turnier. Von der Nummer 1 bis zur Nummer 23 scheint alles zu passen. Nur, wer ist denn nun wirklich der Trainer? Marco van Basten oder doch Rinus Michels? Oder Marco Michels oder Rinus van Basten? Da herrscht schon eine frappierende Ähnlichkeit vor. Folgendes Foto zeigt übrigens…….äh………..

Hopp Schwiiz…… das Fernsehen

Logischerweise haben wir die Berichterstattung und die Spiele der EURO in der Schweiz vorzugsweise auf einem Schweizer Kanal geschaut. Allabendlich versammelte sich eine illustre Runde honoriger Fußballexperten vor dem einzigen TV Gerät im Hause. Während ARD und ZDF nach wie vor mit der geballten Kompetenz von Netzer/Delling sowie dem Trio Kerner/Klopp/Meier glänzen und die singulare Moderation bevorzugen, geht das schweizerische Fernsehen einen anderen Weg und setzt auf Co – Kommentatoren. Und das hat meines Erachtens wunderbar geklappt und mir als Zuseher viel Spaß bereitet. Sogar ein Comeback gab es auf diese Weise zu verzeichnen: Neben dem Liebling der Schweizer als Kommentator, dem „Berni national“ saß Volker Finke. Mal abgesehen von den Floskeln des Moderators („Der Kurde steht nicht stramm, wenn die Türkei ruft“) und den diversen dialektischen Verständigungsproblemen gab Volker Finke eine klasse Vorstellung als Moderator. Logisch sein Fachwissen, überraschend seine Emotionen und gar erstaunlich sein Sprachwitz. Ebenso lässig und vom Fach agierten die anderen Co – Kommentatoren Toni Polster und Jörg Stiel. Jeder von ihnen würde sicherlich einen positiveren Moderator abgeben als zum Beispiel „unser“ Fußballmiesepeter Steffen Simon. Schon zur WM hat Herr Simon seinen Kreuzzug gegen den Spaß am Fußball geführt. Einen Abend mußten wir Fußballfreunde uns im übrigen einer weit höheren Macht geschlagen geben: Rosamunde Pilcher bat zum mittriefen. Schön, das es Bücher gibt.

Hopp Schwiiz…… die Niederländer

Auf der Hinfahrt hatte ich ja mit ihnen gerechnet, dass uns die Niederländer, respektive Holländer, aber gestern auf der Rückfahrt auf Schritt und Tritt begleiten, damit hätte ich nicht gerechnet. Unglaubliche Massen an orangenen Absurditäten wälzten sich genau wie wir gestern die 850 Kilometer gen Heimat. Und auch während der Woche waren sie überall und nirgends zu finden. Und vor allem zu hören: Und so richtig laut wurde es zum Beispiel immer dann, wenn eine Gruppe bierseliger Oranjes irgendetwas anderes in Orange entdeckte: „Ole,oleoleole, Holland,Hollaaaaaand“. Das es sich bei der Spezies kaum um Fußballfans traditioneller Prägung inklusive Fachwissen handelt, weiß auch der niederländische Rechtsanwalt van der Meche zu berichten, der die Fanszene sowohl auf Clubebene als auch die der „Elftal“ seit Jahren beobachtet: Für den Supporter der „Elftal“ ist Fußball im Prinzip Nebensache: Wichtig ist die Party, eine möglichst lächerliche Verkleidung und die Hoffnung auf eine TV Kamera. Das erklärt auch, warum die Oranjes im Stadion oftmals eher ruhig sind, denn die Party findet draussen statt. Diese karnevaleske Form des Fandaseins alle zwei Jahre hat sich vielleicht zum einen aus dem Individualismus der Niederländer entwickelt, leider aber auch aus der tiefen Abneigung der Fans auf Clubebene untereinander, die lieber wegbleiben, als bei einem Länderspiel nebeneinander zu sitzen.

Hopp Schwiiz…… die Schweizer

Nach dem heimischen Sommermärchen war ich ja schon gespannt, wie die Schweiz ( in Kooperation mit Österreich) das grösste Fußballereignis im eigenen Land seit der WM von 1954 zelebriert. Nun habe ich ja „den“ Schweizer als ruhigen, optimistischen und stets humorvollen (Z)Eidgenossen kennengelernt. Und scheinbar fliegt hier auch keine Kuh, wenn das Imperium UEFA Besitz von einem nimmt, denn im Geschäftssinn ergänzen sich der Schweizer und die UEFA wahrscheinlich sehr gut. Bedingt durch die nebulöse Anreise gab es rein optisch nicht viele Hinweise auf die EURO. Und geflaggt wurde auch nicht größer, aber vor allem nicht weniger als noch im letzten Jahr. Denn die Schweizer haben auch sonst ein Faible für Fahnen und beneidenswerterweise auch überhaupt keine Identitätsprobleme. Schließlich gilt es so viele Sprachen, Kulturen und Bündnisse unter dem Schweizer Kreuz zu vereinigen. Warum also sollten sich Städte,Kantone und der Staat auch abseits des Fußballes damit zurückhalten, Flagge zu zeigen. Und ein modischer Hingucker ist das weisse Kreuz auf rotem Grund allemal. War es in den Alpen aber noch recht schwer, überhaupt einen richtigen Hinweis auf die EURO zu finden, so beruhigte mich unser Besuch in Bern dann doch: Hier gab es ein Merchandising, welches seines gleichen sucht. Und auch die Fanzonen waren gut positioniert, aber tagsüber ob der schönen Stadt ein wenig fehl am Platze. Nach dem Stadtbummel mußte ich natürlich unbedingt noch an den Ort des WM Titels von 1954. Rein geographisch zumindestens, denn das alte „Wankdorf“ wurde ja durch das moderne „Stade de Suisse“ an gleicher Stelle ersetzt. Das neue Stadion ist leider von außen kaum noch als solches zu erkennen und die Paranoia der UEFA ist fast noch ausgeprägter als die des großen Bruders FIFA: Alles was zu verhüllen war, wurde verhüllt, und jede Kamerabewegung meinerseits entweder unterbunden oder argwöhnisch beobachtet. Muß das sein? Übrigens: Die einzigen Fußballfans, die sich definitiv auch optisch als solche zu erkennen gaben, das waren natürlich, wie kann es auch anders sein: Unsere lieben Nachbarn aus den Niederlanden. r.

Hopp Schwiiz

Also ich sollte wirklich damit aufhören, mir im Vorfeld eines Ereignisses schon den Kopf zu zerbrechen: Die Fahrt am Eröffnungstag in die Schweiz war schon fast tiefenentspannt. Ab und zu mal ein Wohnwagen oder ein Auto, dessen Insassen den Eindruck vermittelten, die Stadtreinigung sei auf Betriebsausflug. In Baden-Baden stiessen dann einige tschechische Fans dazu, aber das war es dann auch schon mit Reisenden in Sachen Fussball. Und an der Grenze? Einmal freundlich durchgewunken und schwupps, wir waren in der Schweiz. Das grösste Problem, um auf den Hasliberg zu kommen, stellte dann das Wetter dar, denn der Nebel legte sich so dicht um die Berge, so dass wir die Serpentinen relativ blind bewältigen mussten. Aber auch das ging natürlich gut, und ein wenig Nervenkitzel im Auto: Das hat mir auch Spaß bereitet. Abgesehen von einer wunderschönen Woche in den Alpen, gab es auch ohne Eintrittskarte viele Eindrücke rund um den Fußball und die Europameisterschaft. Alles , was damit zusammenhängt, verfasse ich dann unter dem Titel „Hopp Schwiiz, Teil XY“. Oder so.

Grüezi [‚ɡrʏetsʰi]

So, in ein paar Stunden geht es los in eines der Gastgeberländer der EM 2008. Durch das heimische Fußballdrama hatte ich noch gar keine Zeit, mich in die Materie einzudenken. Wer könnte den Titel holen? Bei der WM würde ich jetzt mit einem Ausschlußverfahren beginnen. Hier funktioniert das nicht so ganz. Den Gastgeberschub traue ich aber eher der Schweiz als den Österreichern zu. Ich lege mich mal fest: Im Halbfinale sehen wir Deutschland, die Schweiz, Italien und Russprom. Aber, ich habe auch nicht auf einen RWE Abstieg getippt. Mir persönlich fehlen natürlich ungemein die Engländer. Und damit meine ich nicht „Becks“ und seine lebende Dürreperiode, sondern ein völlig beflaggtes Stadion, „Rule Britannia“, Elfmeterdramen und die englischen Kommentatoren („Dynamite, absolute Dynamite“). Trauern werden sicherlich viele Sensationsreporter, die schon ein umgefallenes Bierglas zu barbarischer Randale umfunktioniert hätten. Und den speziellen Humor der britischen Revolverblätter können auch die polnischen Kollegen nicht im Ansatz kopieren. Spannend wird es auch sicher auf den Autobahnen zugehen. Ich bin sehr gespannt, wieviel Reisende in Sachen Fußball Morgen unterwegs sind. Wir stellen uns einfach auf viele Wohnwagen ein. So, sofern ich nicht spontan eine Möglichkeit finde, mal Eindrücke einzustellen, macht auch „ISDT“ eine Woche Kurzurlaub in der Schweiz. Danach aber gibt es Eindrücke, und Fotos von der EM, vielleicht sogar noch mit einem Spiel? ich glaube nicht daran. Also, Adieu….

Flattermänner

oder Frauen. Das hängt davon ab, welches Geschlecht jenes Auto fährt, bei dem in freudiger Erwartung auf die EM das Fähnlein der Wahl flattert. Die WM hat uns ja endlich einen unverkrampften Umgang mit der eigenen Farbpalette beschert, nur kam das für die Industrie so überraschend, so dass vor zwei Jahren oft noch Muttis Nähmaschine herhalten musste. Das sollte in diesem Jahr nicht passieren, und so wurden wir in den letzten Wochen mit Fanartikeln geradezu überschüttet. Darunter so bescheuerte Kreationen wie ein 6er Pack hartgekochter Eier in Fußballoptik. Da wird dem Osterhasen übel. Auf jeden Fall hat es momentan den Anschein, als ob die Euphorie sehr langsam auf Touren kommt, und vor allem das Angebot dieses Jahr die Nachfrage übertrifft. Oder aber, viele autofahrende Fußballfans haben gelesen, dass eine Autofahne den Spritverbrauch bis zu einem Liter auf hundert Kilometer steigen lässt. Das Flattern im Wind erhöht den Spritpreis geschwindt. Vielleicht aber wird so die Debatte um den drohenden Absturz der Mittelschicht deutlich sichtbar: Die sparenden fahren „oben ohne“ und die „Upperclass“ fährt teilweise mit bis zu vier Fahnen vor, flankiert von einer Kordel an der Antenne. Nur, manchmal entsprechen die darunter fahrenden Karosserien nicht mehr den aktuellen TÜV Richtlinien.
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